Dienstag, 23. Januar 2018

Ifok-Moderator spricht ├╝berraschend offen ├╝ber seinen klaren Auftrag

Herr Ingerfeld und die Hanseln

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Heddesheim/Rhein-Neckar, 11. September 2012. (red) Der Ifok-Moderator Andreas Ingerfeld hat auf einer Veranstaltung der Deutschen Logistik-Zeitung einen Vortrag gehalten. Darin erkl├Ąrt er, wie man als Unternehmer seine Investition sch├╝tzt und „die Hanseln“ dazu bekommt, zu erkennen, dass der Investor ein Wohlt├Ąter ist. Unterm Strich geht es um ein Ziel, wenn die Ifok antritt – die Durchsetzung der Investitionspl├Ąne gegen einen m├Âglichen b├╝rgerlichen Widerstand. Als Paradebeispiel bezieht sich der Spin-Doctor auf den Planungsprozess zu „Pfenning“.

Von Hardy Prothmann

Wer tats├Ąchlich jemals geglaubt hat, die Ifok moderiere neutral, ist nach dem Vortrag von Andreas Ingerfeld schlauer. Vor Logistik-Fachleuten erl├Ąutert der „Kommunikationsspezialist“ umfassend, worum es geht.

Ein Unternehmer, ein Wohlt├Ąter der Menschheit, m├Âchte etwas bauen und wird zu unrecht angefeindet und es werden „unwahre Behauptungen“ aufgestellt. Von Wutb├╝rgern, die allerdings keinen roten Bart mehr haben und auch nicht einer marxistisch-leninistischen Gruppe angeh├Âren, sondern Porsche Cayenne fahren, Gesch├Ąftsf├╝hrer sind und ein freistehendes Einfamilienhaus auf 1.000 Quadratmeter Grundst├╝ck haben. Und die sind zudem noch sehr gut vernetzt.

W├Ąhrend fr├╝her eine Vereinsgr├╝ndung f├╝r eine B├╝rgerinitiative sehr lange dauerte und teuer war, funktioniert das heute Ruck-zuck. Und gerade Branchen mit einem „nicht so guten Leumund“, wie die Logistikbranche, h├Ątte damit ein gro├čes Problem. Selbstverst├Ąndlich vergisst Herr Ingerfeld nicht darauf hinzuweisen, wer bei solchen Problemen helfen kann: professionelle „Dialog“-Moderatoren wie er von der Ifok oder vergleichbare Unternehmen. Aber niemals der eigene Pressesprecher, dem glauben die Hanseln n├Ąmlich nicht, ist er doch Angestellter des Wohlt├Ąters, der zum Schlechtt├Ąter diffamiert wird. Die entscheidende Frage lautet:

Trauen Sie Ihrem Kommunikator zu, dass am Ende das Logistikzentrum auch gebaut werden kann?

Kaum jemand in der Zuh├Ârerrunde glaubt das. So war auch die Situation in Heddesheim. Alles passte. Der B├╝rgermeister Michael Kessler strahlte, der Wohlt├Ąter Karl-Martin Pfenning strahlte, der Mannheimer Morgen jubelte, die „Zukunft Heddesheims ist gesichert“. Zwar war bis dato nicht bekannt, dass diese Zukunft gef├Ąhrdet war. Aber es h├Ârte sich alles so gut an. Doch dann kamen die Hanseln ins Spiel, die sogar den Namen des Wohlt├Ąters missbrauchen: Die „IG Nein zu Pfenning“.

Und jetzt hat der Wohlt├Ąter ein Problem. Erstens versteht er nicht, warum er angefeindet wird und zweitens versteht er nicht, wie er mit diesen St├Ârenfrieden umgehen soll. Dabei hat der Unternehmer doch das beste vor, „belastet seine GmbH bis an die Schmerzgrenze“ und „dann kommt mit einem Mal eine Verz├Âgerung und die kostet Sie jeden Tag Geld“:

Und dann kommt auf einmal so eine B├╝rgerinitiative und handelt nicht rechtens, sondern gibt sehr subjektive Meinungen wieder.

Subjektive Meinungen sind also aus Sicht des Spin-Doctors „nicht rechtens“. Aber „brandgef├Ąhrlich“. Wer sich dagegen rechtfertige, hat verloren:

Die B├╝rger sind der David und Sie sind der Goliath. Sie werden nicht recht bekommen. Das ist ein Ph├Ąnomen, mit dem Sie pragmatisch umgehen m├╝ssen. Es geht nicht um die Frage, ist das rechtens. Es ist so.

Andreas Ingerfeld wei├č die L├Âsung:

Sie m├╝ssen den B├╝rgern das Gef├╝hl geben, dass Sie sie ernst nehmen. Ich w├╝rde einen Schritt weitergehen: Sie m├╝ssen sie ernst nehmen.

Andreas Ingerfeld lacht wie sein Publikum ├╝ber diesen k├Âstlichen Witz und wird dann wieder ernst:

Wer betroffen ist, hat recht.

Das Problem, alle wollen alles, aber nicht da, „wo es mir den Blick verbaut“. Und dann gibt es die neuen Medien – die sind schnell und haben einen „Mobilisierungsgrad, von dem Sie nur tr├Ąumen“:

Und bis Sie reagieren k├Ânnen, ist der gr├Â├čte Bullshit ├╝ber Facebook schon verbreitet worden.

Immerhin stellt er das Baurechtsverfahren in Zweifel, das stamme noch aus Preu├čens Zeiten und funktioniere heute nicht mehr so.

Die n├Ąchste entscheidende Frage ist:

Was k├Ânnen Sie tun? Einen vern├╝nftigen Dialog f├╝hren.

Ingerfeld erkl├Ąrt weiter, dass man klar machen muss, ├╝ber was man redet. Nicht ├╝ber alles, sondern ├╝ber „Ihr Thema“. Die Aspekte werden sortiert. Die Konsensfl├Ąche ausgearbeitet und dann St├╝ck f├╝r St├╝ck von der Agenda runtergenommen. Und dann schafft man „Einigkeit“. ├ťbrig bleiben „Grundsatzfragen“.

Wieder lobt Ingerfeld „Pfenning“:

Die haben was gemacht, was sensationell war. Die haben eine Zusage gegeben, dass die Lkw nicht durch den Ort fahren. Die Bauarbeiten haben mittlerweile begonnen.

Und wenn dann der Vorwurf kommt, der Mediator sei vom Unternehmen oder der Gemeinde bezahlt, ist es gut gelaufen:

Das ist das beste was Ihnen passieren kann. Jetzt wird der Mediator beschimpft und nicht mehr Sie. Sie k├Ânnen sich zur├╝cklehnen, der ist daf├╝r da beschimpft zu werden. Der ist daf├╝r da, sich da rauszuk├Ąmpfen.

Der Mediator m├╝sse sich auch mal gegen den Auftraggeber stellen, sonst glaubt ihm niemand. Wie das geht, sagt Herr Ingerfeld nicht. Eine denkbare L├Âsung ist ein verabredeter Konflikt. Der Unternehmer knickt nach au├čen hin bei einem Punkt ein, macht Zugest├Ąndnisse, die der Mediator nutzt, um seine Glaubw├╝rdigkeit zu untermauern. Das kann ein Verkehrslenkungsvertrag sein oder ein anderer „Nebenkriegsschauplatz“. Motto: Verliere einen Kampf und gewinne die Schlacht.

Das Ziel eines Dialogverfahrens der Ifok ist nicht, wie behauptet, eine moderierte, neutrale Hilfe zur Entscheidungsfindung, die v├Âllig offen ist. Die Gemeinde Heddesheim hat 35.000 Euro Steuergelder an Ifok bezahlt, um die Stimmungslage so zu ver├Ąndern, dass das Ziel, der Bau von „Pfenning“ erreicht wird. „Pfenning“ hat ordentlich Anzeigen im Medienverbund des Mannheimer Morgen gebucht. Die Berichterstattung war unkritisch und „Pfenning“-freundlich.

Die Ifok hat ihren Zweck nur bedingt erf├╝llt. Bei einer B├╝rgerbefragung stimmten 50,35 Prozent f├╝r das Projekt, 49,65 Prozent dagegen. Diese „Mehrheit“ von 0,7 Prozentpunkten waren real 40 Stimmen. Setzt man das Honorar an, also knapp 1.000 Euro f├╝r jede Stimme.

Den Rest hat die Mehrheit aus B├╝rgermeister, CDU, SPD und FDP erledigt: Das gr├Â├čte Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde und ein sehr gro├čes in der Region wurde entgegen der „guten Sitte, bedeutende Projekt mit gro├čer Mehrheit zu beschlie├čen“ mit der ├Ąu├čerst knappen Mehrheit von 12:9 Stimmen beschlossen.

Das Bensheimer Spin-Doctor-Unternehmen Ifok ist in der Region gut vernetzt und war in Mannheim beispielsweise in Sachen Stadtbahn Nord aktiv.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.