Montag, 10. Dezember 2018

Haupt- Zweig- Werkrealschule – Von Profis und Dilletanten

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Guten Tag!

Heddesheim, 11. Dezember 2009. Was der Heddesheimer Gemeinderat am kommenden Donnerstag beschlie├čen wird, steht heute schon fest. Eine gemeinsame Werkrealschule unter der Leitung von Hirschberg. Soweit das Protokoll.
Die Frage ist, warum sich der Heddesheimer Gemeinderat ├╝berhaupt noch die M├╝he macht, dar├╝ber eine Sitzung abzuhalten. Die Entscheidung ist l├Ąngst durch den B├╝rgermeister Michael Kessler getroffen – der wei├č eine Mehrheit f├╝r all seine Entscheidungen hinter sich. Ohne Wenn und Aber.

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Heddesheimer Gemeinderat wird am kommenden Donnerstag, den 17. Dezember 2009, zusammen kommen und ├╝ber dies und jenes „beraten“, zumindest so tun als ob und der Stimmung wegen sich wahlweise gegenseitig beschimpfen. Was tats├Ąchlich passiert, h├Ąngt von den Tagesordnungspunkten und den jeweiligen Launen ab.

Ganz sicher aber wird es einen Tagesordnungspunkt geben, der da hei├čt: „Gemeinsame Werkrealschule„. Zu diesem Tagesordnungspunkt wird die Mehrheit des Heddesheimer Gemeinderats ganz sicher im Sinne der Verwaltung abstimmen.

In Heddesheim regiert der Gehorsam.

Der „Sinn“ ist keine Frage nach Sinn oder Unsinn, sondern nach dem Willen des B├╝rgermeisters Michael Kessler. Der hat im Schulterschluss mit seinem Kollegen Manuel Just, B├╝rgermeister in Hirschberg, beschlossen, dass der Hauptsitz der beantragten „gemeinsamen Werkrealschule“ in Hirschberg sein soll.

Und nat├╝rlich erwartet der B├╝rgermeister wie auch sonst strengsten Gehorsam im Rat – also von dem Gremium, dass die Verwaltung und damit auch den B├╝rgermeister kontrolliert.

In Heddesheim ist das nicht der Fall. Das mit der „Kontrolle“.

Das mit dem „Gehorsam“ schon eher.

Im dortigen Gemeinderat wird nicht nach dem Gewissen freier Gemeinder├Ąte entschieden, sondern im Bewusstsein, ob man „dazu geh├Ârt“ oder nicht.

„Dazu geh├Ârt“, wer mit dem B├╝rgermeister stimmt, also „gehorcht“. Alle anderen sind „ekelhaft„.

Als der Hirschberger Gemeinderat vor ein paar Wochen per Beschluss den Hauptsitz der „gemeinsamen Werkrealschule“ f├╝r sich beschloss – gab es keinerlei Aufregung in Heddesheim. Weder haben sich die politischen Parteien noch der B├╝rgermeister Kessler ├╝ber diesen „Beschluss“ ge├Ąu├čert.

Zumindest „offiziell“. Ein paar Tage sp├Ąter gab es eine gemeinsame Pressemitteilung, die den „Skandal“ (ein „unbemerkter“) weich sp├╝len sollte und betonte, dass man „partnerschaftlich“ an einer gemeinsamen L├Âsung arbeite.

Aber es gab „inoffiziell“ eine kurzzeitige Verwirrung unter den Heddesheimer Gemeinder├Ąten, die bislang davon ausgingen, dass doch die Hauptstelle sicher nach Heddesheim kommt.

Kessler wird der Leiter der Leitung.

Nachdem der B├╝rgermeister Kessler den verwirrten Gemeinder├Ąten erkl├Ąrte, dass alles seine Ordnung habe und er als k├╝nftiger Chef des „gemeinsamen Schulverbands“ Herr ├╝ber „Finanzen und Ausstattung der Schule“ sei, waren die „Verwirrten“ beruhigt.

Das klingt gut: „Herr ├╝ber…“ Das klingt wie: „Herr Kessler ist Herr ├╝ber Herrn Just.“ Damit ist aus Sicht einfach gem├╝teter Gemeinder├Ąte die Ordnung wieder hergestellt.

Ihr Kessler, das hatten sie verstanden, wird somit der Leiter der „Leitung“ einer „gemeinsamen Werkrealschule“ sein.

Die Frage, was es langfristig bedeutet, die eigenen Schulleitung zu opfern, hat keiner gestellt.

Hinter den Kulissen wetterte der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ├╝ber den Hirschberger Kollegen Just: „Der hat halt noch nicht viel Erfahrung. Ich schreibe diese Entscheidung (die des Hirschberger Gemeinderats) der Unerfahrenheit des Kollegen zu. Das war wenig professionell, sogar dilletantisch“, ├Ąu├čerte sich der „erfahrene“ Kessler ├╝ber den „unerfahrenen“ Dilletanten und Amtskollegen Just gegen├╝ber den Heddesheimer Gemeinder├Ąten: „Sie k├Ânnen mir glauben, da hat es heftig gerumst.“ (In Klammern): „Dem habe ich den Marsch geblasen.“

Wer auch immer wer wem was geblasen hat und wo es auch immer „gerumst“ haben sollte – die politischen Seismographen haben kein bisschen ausgeschlagen.

Abnicker werden gelobt ├é┬á– Kritiker niedergemacht.

Der Hirschberger Gemeinderat hat beschlossen und der Heddesheimer wird sich per Abnick-Entscheidung am 17. Dezember 2009 diesem Beschluss beugen. Ohne jegliche f├╝r die ├ľffentlichkeit wahrnehmbare Beratung und Diskussion im Vorfeld.

Denn egal ob „erfahren“ oder „dilletantisch“, beide B├╝rgermeister haben ihre „Stimmmehrheiten“ hinter sich. Koste es, was es wolle.

Die „Abnicker“ werden schon lange nicht mehr kritisiert, sondern nur gelobt. Teils ├╝berschwenglich. Meistens durch die B├╝rgermeister. Best├Ątigt durch die Rhein-Neckar-Zeitung, die Weinheimer Nachrichten, den Mannheimer Morgen. Und immer durch die Mitteilungsbl├Ątter der Nussbaum-Medien.

Abweichler werden zunehmend gerne kritisiert. Allen voran derzeit der Gr├╝ne Ulrich Kettner. Von ihm „sei man entt├Ąuscht“, habe sich doch gerade er urspr├╝nglich f├╝r den Antrag eingesetzt, wird dem Lehrer an der Johannes-Kepler-Schule vorgeworfen.

„Urspr├╝nglich“ war Kettner tats├Ąchlich f├╝r den Antrag. Doch gab es damals, also „urspr├╝nglich“ noch kein Gesetz. Das gibt es erst seit Sommer 2009. Und vorher war nicht von einer „Haupt- und Zweigstelle“ die Rede. Vorher fehlten die vielen Einschr├Ąnkungen. „Vorher“ hatte der Lehrer Kettner noch an echte Reformen geglaubt.

Heute wei├č er, dass es nicht um Reformen geht, sondern um ein Einsparmodell zu Lasten der Sch├╝ler.

Vorher war von vielen anderen Dingen die Rede, zur├╝ck blieb wenig. Das hat der Gemeinderat Kettner kritisiert.

Weil er Kritik ├╝bt, steht er selbst in der Kritik. So banal das klingt: Weil er Kritik ├╝bt.

Denn „Kritik“ ist nicht erw├╝nscht. Zumindest nicht von einem B├╝rgermeister Michael Kessler.

Dieser Mann hat scheinbar „panische Angst“ vor Kritik – anders sind seine Ausf├Ąlle und seine „ordnungspolitischen Anordnungen“ beispielsweise gegen├╝ber Gemeindebediensteten nicht zu erkl├Ąren.

Denn der Mann macht sich Sorgen um seine eigenen Ordnungen.

Ab sofort sind alle „Presseanfragen“ (also die des heddesheimblogs, denn sonst fragt niemand) ├╝ber ihn selbst zu beantworten.

Konkret: Presseanfragen m├╝ssen an die „Gemeinde“ gerichtet werden – denn sonst k├Ânne eine ordnungsgem├Ą├če Beantwortung nicht gew├Ąhrleistet werden. Schreibt eine Sekret├Ąrin im Auftrag des Chefs.

Und die „Antworten“ k├Ânnen lange dauern. „Presseanfragen“ (also Anfragen durch das heddesheimblog) sind ab sofort keine Chefsache mehr, sondern ein Verwaltungsakt.

Das trifft schon lange f├╝r die Heddesheimer Verh├Ąltnisse zu. „Chefsache“ hei├čt: Vermeidung von transparenter ├ľffentlichkeit.

Fast alle Diskussionen zum Thema „Werkrealschule“ sind in Heddesheim im Hinterzimmer getroffen worden. Mindestens sieben Mal wurde das Thema behandelt – allerdings nur einmal „├Âffentlich“.

Wie auch immer ├╝ber den Antrag ├╝ber eine „gemeinsame Werkrealschule“ entschieden wird. Dieser Antrag ist ein Verwaltungsantrag und hat mit der Lebens- und Schulwirklichkeit der Gesellschaft nichts zu tun.

Er ist ein Verwaltungsakt.

„Er“ steht dabei synonym f├╝r den B├╝rgermeister Michael Kessler.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.