Dienstag, 28. M├Ąrz 2017

Schulentwicklung noch nicht vom Tisch - komplizierte Lage

Gemeinschaftsschule im Alleingang?

Die Hirschberger B├╝rger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim k├Ânnte sie im Alleingang entwickeln.

Die Hirschberger B├╝rger wollen keine Gemeinschaftsschule. Heddesheim k├Ânnte sie im Alleingang entwickeln.

 

Hirschberg/Heddesheim, 11. Oktober 2013. (red/ld) Theoretisch k├Ânnte Heddesheim im Alleingang eine Gemeinschaftsschule entwickeln. Nach dem „Nein“ beim Hirschberger B├╝rgerentscheid muss der Schulzweckverband Wege finden, wie es mit der Karl-Drais-Werkrealschule weitergeht. Denn die Sch├╝lerzahlen sind r├╝ckl├Ąufig. Das Verh├Ąltnis zwischen den Gemeinden ist angespannt. Ohne Ver├Ąnderung und die Kooperation der Gemeinden ist die weiterf├╝hrende Schule in Gefahr.

Von Lydia Dartsch

Im Moment l├Ąuft an der Karl-Drais-Werkrealschule (KDS) der Unterricht weiter, als w├Ąre nichts gewesen und als w├╝rde nichts passieren. Das best├Ątigten uns beide Gemeinden. Faktisch ist auch noch nichts passiert: Entsprechend dem Ausgang des B├╝rgerentscheids hat der Schulzweckverband keinen Antrag auf Entwicklung einer Gemeinschaftsschule beim Staatlichen Schulamt Mannheim gestellt.

Im Hintergrund brodelt es aber. Auf beiden Seiten werden Gespr├Ąche gef├╝hrt. Es geht wieder um die Zukunft der weiterf├╝hrenden Schule im Schulzweckverband. Spruchreife Statements und Ma├čnahmen gibt es noch nicht. In Heddesheim werde der Schulzweckverband demn├Ąchst Thema im Gemeinderat sein, sagte Hauptamtsleiter Julien Christoph auf unsere Nachfrage. Zu Inhalten und Szenarien wollte er sich nicht ├Ąu├čern und k├╝ndigte an, dass die verschiedenen M├Âglichkeiten erst einmal nicht-├Âffentlich diskutiert werden. Der Gemeinderat m├╝sse sich dar├╝ber erst ein Bild machen.

Verlegung von Hirschberg nach Heddesheim?

Auch in Hirschberg wird derzeit gepr├╝ft, wie es mit der Schule weitergeht. ├ťber Inhalte und m├Âgliche Wege wollte sich Ralf G├Ąnshirt vom Hauptamt nicht ├Ąu├čern. Er sagte, es f├Ąnden Abstimmungsgespr├Ąche zur p├Ądagogischen Entwicklung und ├╝ber die Schulsanierung statt. Die Weiterf├╝hrung des Schulzweckverbands stehe nicht in Frage.

Derweil gehen die Dinge an der Karl-Drais-Werkrealschule ihren gewohnten Gang. Die Vorarbeiten, die f├╝r die Entwicklung zur Gemeinschaftsschule bereits geleistet worden waren – beispielsweise die Lernb├╝ros – sollen jetzt ins p├Ądagogische Konzept der Schule integriert werden, sagte uns Rektor Jens Drescher. Die Werkrealschule werde so lange bleiben, bis in der Umgebung die erste Gemeinschaftsschule entwickelt wird:

Dann werden die Eltern ihre Kinder lieber dorthin schicken als zu uns.

Nach unseren Recherchen ist die Gemeinschaftsschule trotz B├╝rgerentscheids nicht vom Tisch. Heddesheim k├Ânnte sie im Alleingang entwickeln. Die erforderliche Einwohnerzahl habe die Gemeinde, sagte uns Endrik Ebel vom Staatlichen Schulamt Mannheim. Allerdings m├╝sse der Sitz der Werkrealschule daf├╝r nach Heddesheim verlegt werden. Das w├╝rde Heddesheim vor eine gro├če Herausforderung stellen und Hirschberg unter enormen Druck setzen. Denn Heddesheim br├Ąuchte daf├╝r eine weiterf├╝hrende Schule am Ort.

Nachdem Hirschberg also politisch nicht bereit war, eine Gemeinschaftsschule zu entwickeln, m├╝sste f├╝r dieses Szenario nicht nur der Schulzweckverband aufgel├Âst werden, sondern Hirschberg auch seine weiterf├╝hrende Schule aufgeben und in Heddesheim ansiedeln. Angesichts des angespannten Verh├Ąltnisses zwischen den Gemeinden scheint das zun├Ąchst wenig wahrscheinlich. W├╝rde sich Hirschberg aber dagegen sperren, w├Ąre eine weitere Versch├Ąrfung der Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden vorprogrammiert.

Neuanmeldungen nah an der Grenze

Ohne Ver├Ąnderung wird sich die Karl-Drais-Werkrealschule aber auch in Hirschberg nicht halten k├Ânnen. Daf├╝r m├╝ssten jedes Jahr mindestens 16 neue Sch├╝ler angemeldet werden. In diesem Schuljahr sind 18 F├╝nftkl├Ąssler eingeschult worden. Im vergangenen Schuljahr waren es 19. Das ist knapp. Rektor Drescher ist dennoch zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren noch genug Sch├╝ler angemeldet werden, um die Schule beizubehalten.

Liegt die Zahl der Neuzug├Ąnge zwei Jahre hintereinander darunter, wird das staatliche Schulamt aktiv und leitet einen sogenannten Schulentwicklungsprozess ein. Das bedeute zwar nicht zwangsl├Ąufig das Ende der weiterf├╝hrenden Schule, aber man werde sich auf einen Standort einigen m├╝ssen, sagte uns Herr Ebel.

Erste Gemeinschaftsschule in der Bergstra├če

├ärgerlich ist der Ausgang des B├╝rgerentscheids auch f├╝r das staatliche Schulamt und die Beteiligten – nicht nur wegen der geleisteten Vorarbeit der vergangenen eineinhalb Jahre. Heddesheim w├Ąre auch die erste Gemeinschaftsschule im Umland. Weder aus Schriesheim, noch aus Ladenburg seien bisher Antr├Ąge auf Schulentwicklung gestellt worden, sagte Herr Ebel.

Ziel der Landesregierung sei es, so Herr Ebel, alle Schularten in guter Erreichbarkeit – also h├Âchstens 30 Minuten im ├Âffentlichen Personennahverkehr – bereitzustellen. Mit dem Nein beim Hirschberger B├╝rgerentscheid ist dieses Ziel aber in weite Ferne ger├╝ckt. Ladenburger Eltern, die ihre Kinder auf eine Gemeinschaftsschule schicken wollen, m├╝ssen bisher weite Wege in Kauf nehmen. Die n├Ąchsten Gemeinschaftsschulen stehen in Heidelberg und im n├Ąchsten Schuljahr startet auch die Stadt Hemsbach mit einer mehrstufigen Entwicklung zur Gemeinschaftsschule. Ab dem kommenden Schuljahr wird dort als erster Schritt zun├Ąchst der Ganztagsunterricht eingef├╝hrt.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.