Samstag, 20. Oktober 2018

Die Alte Apotheke, Kommentare und das Prinzip Angst

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Guten Tag!

Heddesheim, 11. Februar 2010. ÃƓber 70 Kommentare wurden zu dem Thema „Apotheker verweigert Informationen“ verfasst. Die Redaktion hat zunĂ€chst ausnahmslos alle Kommentare veröffentlich, obwohl viele nicht unseren „Richtlinien“ entsprechen. Ab heute wenden wir diese wieder an.

Das heddesheimblog ist ein unabhĂ€ngiges, journalistisch-redaktionelles Informationsangebot. Das heißt, wir wĂ€hlen nach professionellen Kriterien die Themen aus, die hier in Text, Bild und Ton veröffentlicht werden.

FĂŒr die Inhalte und die Darstellung dieser Themen tragen wir die volle Verantwortung.

Dabei nehmen wir gerne ThemenvorschlĂ€ge entgegen. Viele unserer Artikel sind durch Hinweise aus der Bevölkerung entstanden. Diese prĂŒfen wir auf ihre Bedeutung. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass diese Themen berichtenswert sind, dann berichten wir darĂŒber.

Aber nicht darĂŒber, was uns an „Informationen“ vortragen wurde, sondern darĂŒber, was wir zutreffend „recherchieren“ konnten.

Das heißt, wir ĂŒberprĂŒfen vor Veröffentlichung jede Information.

Quellenschutz

Das heißt auch, wir schĂŒtzen unsere Quellen. Denn nicht alles, was uns zugetragen wird, stellt sich als richtig heraus. Und nicht alles, was uns zugetragen wird, können wir 1:1 ĂŒbernehmen, weil sonst die „Quelle“ in „Schwierigkeiten“ kommen könnte. Journalisten genießen dabei ein besonderes Vorrecht: Sie können Informationen zu ihren Quellen auch vor Gericht verweigern. Das nennt sich Quellenschutz.

Der Gesetzgeber rĂ€umt dieses Recht auch RechtsanwĂ€lten, Seelsorgern, Pfarrern und Ärzten ein. Es geht dabei beispielsweise um den Schutz der IntimspĂ€hre, des absolut Privaten, des Gewissens, des Persönlichkeitsrechts, des Glaubens. Im Fall von journalistischem Quellenschutz um die AbwĂ€gung, dass wichtige Informationen fĂŒr die Öffentlichkeit nur unter der Bedingung der „Vertraulichkeit“ geĂ€ußert werden können und dieses VertrauensverhĂ€ltnis geschĂŒtzt werden muss.

Dieser Quellenschutz sichert „Informanten“ zu, dass diese ĂŒber Dinge reden können, die ihnen eigentlich verboten sind. Also heikle Angelegenheiten.

Warum thematisieren wir das? Weil die ÃƓbermittlung von Informationen in Heddesheim teilweise zur „heiklen Angelegenheit“ geworden ist.

Wie das? Unter anderem durch eine Dienstanordnung des BĂŒrgermeisters Michael Kessler.

Bedienstete der Gemeinde dĂŒrfen mit Mitarbeitern des heddesheimblogs nicht mehr reden. Jede Anfrage muss an das Rathaus ĂŒbermittelt werden. Sofern wir von dort auf Fragen eine Antwort erhalten, kommt diese ĂŒberwiegend „im Auftrag“ aus dem Sekretariat des BĂŒrgermeisters.

Angeblich gibt es diese Regelung, weil man im Rathaus „nicht sicher“ ist, ob wir gegebene Informationen auch „richtig“ darstellen.

Uns erreichen aber immer noch viele Informationen aus dem Rathaus – wer uns was sagt, erfĂ€hrt niemand. Wir schĂŒtzen diese Quellen und wenn wir das nicht können, verzichten wir lieber auf einen Artikel, damit die „Quelle“ keine „Schwierigkeiten“ bekommt.

Zum Schutz von Quellen gibt es viele Möglichkeiten. Welche, verraten wir nicht. Ein einfaches Beispiel. Eine verheiratete Frau im Alter von 35 Jahren, nicht bei der Gemeinde beschĂ€ftigt, erzĂ€hlt uns einen Vorfall. Wir recherchieren. Bei der Recherche und spĂ€ter im Bericht wird die Frau zum geschiedenen Mann, das Alter ist plötzlich 47, bei der Gemeinde beschĂ€ftigt und so weiter. Das heißt, wir verwischen „Spuren“, die zu unserer Quelle fĂŒhren. Wie gesagt, dass ist ein ganz einfaches Beispiel.

Tatsache ist: Wir mĂŒssen teilweise Quellenschutz betreiben.

Das passiert immer dann, wenn Situationen aus Sicht von gewissen Personen „außer Kontrolle“ geraten. In Heddesheim sind das der BĂŒrgermeister Michael Kessler sowie manche Parteimitglieder der CDU, SPD und FDP sowie teilweise Gewerbetreibende und GeschĂ€ftsleute und auch Verantwortliche aus Vereinen.

UnabhÀngige Berichterstattung

Allen gemein ist, dass sie unsere Berichterstattung verhindern und, weil sie das nicht können, zumindest behindern wollen: Weil ihnen unsere Berichterstattung zu kritisch ist und Probleme benennt, die man lieber „unter den Teppich kehren möchte“, seien es betrunkene Kinder oder geplante Chemielager (ĂŒbrigens wurden beide FĂ€lle exklusiv wie viele andere durch das heddesheimblog berichtet – im Mannheimer Morgen stand davon nichts). Das sind diese Leute vom Mannheimer Morgen nicht gewohnt – in dessen Berichten sind immer alle „voll des Lobes und des Dankes“, die Welt ist „heile“ und alles hat seine Ordnung.

Eventuell war das auch der Grund, warum der Apotheker Joachim Gaber so abweisend auf unsere Anfrage reagiert hat.

Um das ganz deutlich darzustellen: Wir haben keine Informationen darĂŒber, wie und ob Herr Gaber parteipolitisch, persönlich oder wie auch immer in ein System eingebunden ist, dass eine Berichterstattung hier im heddesheimblog verhindern will.

Wir haben dazu ein wenig recherchiert, aber keine relevante Information finden können.

Ganz im Gegenteil haben wir viele „Hinweise“ bekommen, dass das Team seiner Apotheke durch Freundlichkeit und Kompetenz ĂŒberzeugt. Offensichtlich hat Herr Gaber sehr viele, sehr zufriedene Kunden, die die Dienstleistung seiner Apotheke schĂ€tzen.

Das ist erfreulich fĂŒr Herrn Gaber und sein Team.

FĂŒr das heddesheimblog hat das aber im berichteten Zusammenhang keine Bedeutung. Wir haben nur ĂŒber das „merkwĂŒrdige“ Verhalten Herrn Gabers berichtet.

Eine freundliche, eher belanglose Anfrage (zwei, drei harmlose Fragen, Gruppenfoto) wurde mit einer ĂŒberraschend ablehnenden und durch nichts begrĂŒndeten negativen Haltung beantwortet. Daraus entstand der Kommentar: „Kein Kinderlachen fĂŒr das heddesheimblog„.

Die meisten unserer Leserinnen und Leser sind souverÀn genug, die Information so einzuordnen, wie wir sie veröffentlicht haben.

In diesem Zusammenhang ein Hinweis zu unserer „Zensur“ und warum diese selbstverstĂ€ndlich mit dazu gehört: In Bezug auf die Apotheke sind heute mehrere Kommentare geschrieben worden, die eindeutig einen „geschĂ€ftsschĂ€digenden“ Inhalt haben. Darin werden negative Dinge ĂŒber Herrn Gaber und seine Apotheke behauptet, allerdings ohne jeden Beleg. SelbstverstĂ€ndlich veröffentlichen wir diese Kommentare nicht. Das gehört zu unserer redaktionellen Verantwortung: Erstens entsprechen diese Kommentare nicht unseren Regeln und zweitens hat die Redaktion ĂŒberhaupt kein Interesse daran, ein GeschĂ€ft zu schĂ€digen.

Professioneller Journalismus berichtet – unabhĂ€ngig von persönlichen Vorlieben oder Abneigungen gegen die Redaktion.

Der „Fall Gaber“ ist ein gutes Beispiel dafĂŒr. Es gibt einen Bericht ĂŒber die Aktion und die Apotheke mit einem Zitat von Herrn Gaber. Dieser Bericht ist eher nachrichtlich und berichtet im Wesentlichen auch das, was beispielsweise im Mannheimer Morgen stand. Mit einem klitzekleinen, aus Sicht der Redaktion aber bedeutenden Unterschied: Unser Fokus liegt nicht auf der Apotheke, sondern auf der Aktion fĂŒr die Kinder und der Spendenbereitschaft der Kundinnen und Kunden der Apotheke – denn die haben das Geld gegeben.

Und es gibt einen Kommentar, der weitere Informationen liefert, indem er das Verhalten Herrn Gabers schildert. GegenĂŒber diesem Verhalten Ă€ußert der Kommentar eine Meinung. Die kann man teilen oder nicht.

„Heddesheimer VerhĂ€ltnisse“

Warum Herr Gaber sich so verhalten hat, wissen wir nicht. Die Redaktion kann nur Vermutungen anstellen, dass ein „Kontakt“ zum heddesheimblog in „gewissen Kreisen“ als „negativ“ angesehen wird.

Das wiederum deckt sich mit vorhandenen Informationen, dass „gewisse Personen“ der „Heddesheimer VerhĂ€ltnisse“ daran interessiert sind, eine AtmosphĂ€re der Angst und der Verunsicherung zu erzeugen. Motto: Wer mit dem heddesheimblog zu tun hat, ist verdĂ€chtig und muss mit Nachteilen rechnen.

In den Kommentaren zu der unverstÀndlichen Reaktion von Herrn Gaber wurde dies angedeutet.

TatsĂ€chlich deckt sich das mit realen Erfahrungen des heddesheimblogs: „Ich wĂŒrde ja gerne bei Euch werben, aber ich habe Sorge, dass sich das negativ auf mein GeschĂ€ft auswirken könnte… Was, wenn ich von der Gemeinde etwas will und die dann negativ reagiert…“, haben sich Gewerbetreibende uns gegenĂŒber bereits geĂ€ußert.

Absurd? Nein, Tatsache.

Von der „GefĂ€hrdung des GeschĂ€ftsmodells“ fĂŒr das heddesheimblog wurde geschrieben.

GeschÀftsmodell: Journalismus

Denn unsere Berichterstattung wie ĂŒber Herrn Gaber könnte doch die Werbekunden vertreiben… Kann sie. Aber im Zweifel nehmen wir darauf keine RĂŒcksicht. Wir machen Journalismus und keine PR.

Trotzdem: Das heddesheimblog ist werbefinanziert. Es ist darauf angewiesen, dass Unternehmer, Gewerbetreibende und SelbststĂ€ndige, Organisationen und Institutionen, Vereine undsoweiter fĂŒr sich und ihre Produkte und Dienstleistungen werben und fĂŒr diese Werbung bezahlen.

Das tun auch immer mehr. Weil diese Werbepartner von der Aufmerksamkeit profitieren, die unser redaktionelles Angebot genießt (die Zahlen steigen weiter, im Februar sind es ĂŒber 3.500 Besucher im Schnitt pro Tag). Und diese Werbepartner schĂ€tzen die UnabhĂ€ngigkeit der Redaktion und unsere fairen Werbepreise. Und sie lassen sich als aufrichtige Charaktere durch offene oder versteckte Drohungen nicht beeinflussen.

Ebenso verhalten sich viele Vereine und ihre Mitglieder, ĂŒber die wir nach unseren QualitĂ€tsmassstĂ€ben berichten. Dabei sind wir immer kritisch, das heißt, positive Fakten werden entsprechend dargestellt wie auch negative. Eine „negative“ Kritik wird in den meisten FĂ€llen richtig verstanden – als Hinweis, dass man etwas besser machen kann.

Auch die „Pfenning“-Gruppe hatte beispielsweise ĂŒberhaupt keine BerĂŒhrungsĂ€ngste und hat im September 2009 im Vorfeld der BĂŒrgerbefragung ĂŒber zwei Wochen lang eine große Anzeige bei uns geschaltet – obwohl wir Ă€ußerst kritisch ĂŒber das Unternehmen berichtet haben.

Denn „Pfenning“ wollte die Gegner der geplanten Ansiedlung erreichen und diese durch eine positive Werbung fĂŒr sich gewinnen. Das zeigt eine souverĂ€ne Haltung.

Ebenso souverĂ€n hat der GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger, dem heddesheimblog selbstverstĂ€ndlich ein Interview zur geplanten Ansiedlung gegeben. ÃƓbrigens das bislang umfangreichste zur Sache.

„System Angst“

Der (Kurz-)Schluss, jedem, der mit dem heddesheimblog zu tun hat, Angst einjagen zu wollen, ist tatsĂ€chlich ein Kurzschluss. Es ist die Kapitulation vor dem „System Angst“.

Aber vielleicht ist das eine „Heddesheimer SpezialitĂ€t“. Das „Prinzip Angst“.

Vorreiter dieses Prinzips ist der BĂŒrgermeister Michael Kessler. Kaum einer seiner VortrĂ€ge kommt ohne Angst aus. Das „Prinzip Angst“ durchzieht seine SĂ€tze. „MĂŒssen befĂŒrchten…“, „…droht uns…“, sind typische Formulierungen des Heddesheimer BĂŒrgermeisters.

Als eindeutige Bedrohung hat Herr Kessler die Berichterstattung des heddesheimblogs identifiziert. Denn die „folgt“ nicht blind dem, was er sagt, sondern hinterfragt kritisch.

Wir ĂŒberprĂŒfen, recherchieren nach und schreiben auf, was wir an Informationen gefunden haben. Manchmal sind das andere, als Herr Kessler die Öffentlichkeit glauben machen will.

Der ĂŒberwiegende Teil unserer Berichterstattung ist aber weitgehend neutral gehalten, weil es nichts besonders „Negatives“ oder „Positives“ zu berichten gibt, sondern einfach nur Fakten.

Beachtung und Vielfalt

Vor allem regional, aber auch bundesweit wird das heddesheimblog beachtet. Eine Vielzahl von „seriösen“ Medien bewerten die Arbeit der Redaktion als „Zukunftsmodell des Lokaljournalismus“. Vor kurzem erhielten wir dafĂŒr eine anerkannte Auszeichnung.

Die BĂŒrgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Rainer Ziegler (Ladenburg) verhalten sich ĂŒbrigens so, wie man das erwarten darf: Sie stehen fĂŒr Presseanfragen selbstverstĂ€ndlich zur VerfĂŒgung und delegieren FachauskĂŒnfte an ihre Amtsleiter oder andere Angestellte der Gemeinde. DarĂŒber hinaus freuen sich beide ĂŒber die neuen Medien hirschbergblog und ladenburgblog (startet am Samstag, 13. Februar 2010).

Denn die beiden BĂŒrgermeister und auch die Parteien in den anderen Kommunen begreifen unsere Berichterstattung als das, was sie ist: Eine Bereicherung auf dem Markt der Meinungen und Informationen.

Herr Just und Herr Ziegler begrĂŒĂŸen demokratisch gesinnt eine journalistische Vielfalt. Herr Kessler und einige andere in Heddesheim ziehen die Einfalt vor.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.