Montag, 23. Oktober 2017

Wofür Bündnis90/Die Grünen stehen

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ist interessant zu lesen. In deren Wurfsendung zur Gemeinderatswahl 2009.

Sie erinnern sich: Die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen (3 Sitze) hat geschlossen für eine Ansiedlung der Firma Pfenning gestimmt.

In seiner Wahlinformation schreibt der Ortsverband kein Wort davon. Na ja, nicht ganz: Im Titel steht Mit/Macher. Vielleicht soll man das als „Mitmacher“ lesen.

Auf der ersten Seite der Wurfsendung zeigen die Grünen, sorry, Bündnis90/Die Grünen (Die Grünen) ein Ortsschild, so wie es an Straßen für motorisierten Verkehr steht: Heddesheim, Herzlich Willkommen!, steht da. Die Grünen begrüßen also uns Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer. Das freut uns.

Verkehr / Nachverkehr
„Zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbare Geschäfte, kombiniert mit einer optimierten Verkehrslenkung sind die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssituation in Heddesheim.“

Bei näherer Betrachtung könnte das heißen: Wir fordern Fahrradwege, verbreiterte Bürgersteige und Einbahnstraßen. Und natürlich: Wirtschaftsförderung.

Und das alles „nachhaltig“. Die Fahrräder und Fußgänger sollten natürlich nur mit Reifen und Schuhen aus Naturkautschuk unterwegs sein.
Herr Gerwien (Polizist) wird biologisch (nicht gentechnisch) nachgezüchtet und lenkt den Verkehr an allen wichtigen Punkten optimiert. Damit es nicht zu unschönen Situationen kommt, beispielsweise, wenn zwei Lkw sich in der Ortsmitte treffen.

„Wir fordern den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, zum Beispiel durch die Einrichtung einer Verbindung Viernheim-Heddesheim-Ladenburg. Die Buslinie zur Bergstraße sollte auch an Wochenenden und in den Abendstunden regelmäßig verkehren.“
Hm. Die Viernheimer fahren also nach Ladenburg wegen der schönen Altstadt und die Ladenburger nach Viernheim wegen des RNZ.
Und wer liegt in der Mitte? Richtig, Heddesheim. Die Viernheimer und die Ladenburger sorgen hier also für viel Durchgangsverkehr. Die geforderte Buslinie würde die Situation entschärfen. Das ist ein echt guter Vorschlag.

Wichtig für Die Grünen ist die Demokratie.
Sie fordern: „Mehr Transparenz bei Beschlüssen des Gemeinderats und deren Veröffentlichung im Ortsblatt gehören dazu!“

Das heißt, Obama hat auch Heddesheim erreicht, zumindest die Grünen. Der „Change“ ist nahe.

Die Grünen wollen nicht mehr „nicht-öffentlich“ abstimmen und sie wollen im Amtsblatt keine 6-Seiten-Postulation des Bürgersmeisters, sondern These und Antithese. Ob die Forderung so weit geht, dass auch Bürgerinitiativen hier zu Wort kommen sollten, kann man leider nicht herauslesen.

Das ist noch nicht alles:
„Natur und Umwelt brauchen unseren Schutz. Deswegen hat die Bewahrung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt für uns höchste (!, d. Verf.) Priorität. Wir stehen für Klimaschutz, einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen und die konsequente Begrünung (!, d. Verf. ) der Gemeinde Heddesheim.“

Damit löst sich das Rätsel. Es ist nämlich so:
Die Grünen haben die Pfenning-Ansiedlung unterstützt. Warum? Weil Pfenning dann für Ausgleichsflächen sorgen muss. Also für eine „konsequente Begrünung“ Heddesheims.
Wenn dann alles „konsequent begrünt“ wurde, erreichen die Grünen die Mehrheit im Gemeinderat, setzen sofort die Transparenz im Gemeinderat durch, jagen alle Klimakiller zum Teufel und siedeln in den Hallen Schwalben und Bienen an.
Die Schwalben siedeln außen, die Bienen innen. Heddesheim wandelt sich von der Tabakgemeinde zur Logistikgemeinde und dann zur Honiggemeinde.

Warum die Grünen ernst meinen, was sie meinen, lesen wir hier nach:
„Gewerbeentwicklung muss – wo sie angebracht ist – stets schonend erfolgen und darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner Bürgerinnen und Bürger gehen.“

Diese Aussage hat es in sich. Sie erinnern sich: Die Grünen-Fraktion hat sich geschlossen für eine Pfenning-Ansiedlung ausgesprochen. Das heißt, sie muss „angebracht“ gewesen sein, denn darauf achten Die Grünen.
Sie wird „schonend“ erfolgen, dass heißt, die Grünen werden darauf pochen, dass die Bauarbeiten mit Schalldämpfern erfolgen und die Lkw mit geräuschfreien Reifen und mit Bio-Gas, besser noch Elektro-Motoren fahren oder wenigstens Bio-Diesel tanken.

Aber die wichtigste Information ist: Das alles „darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner Bürgerinnen und Bürger gehen“.

Noch mal zur Erinnerung, weil das wirklich nicht vergessen werden sollte: Die Grünen fordern in ihrem Wahlprospekt genau das Gegenteil von dem, was Die Grünen-Fraktion beschlossen hat.

Wer soll das verstehen? Fragt:

Das Heddesheim-Blog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • kher

    einfach mal direkt nachfragen 😉
    Guten Morgen!
    Die selben Fragen zum Wahlprogramm habe ich mir vergangene Woche auch gestellt, vielleicht etwas weniger spitz. Auf Nachfrage per mail habe ich allerdings eine überraschend unschwammige Stellungnahme zurückerhalten, die mich als unkritischen Bürger vorerst beruhigen würde.

    Als kritischer Bürger bin ich jedach nach wie vor skeptisch, ob ein 50m Biotopstreifen um das Projekt als Ausgleichsfläche für „ökologisch wertloses Ackerland“ tatsächlich ausreichen kann.
    Allein der Verlust an Regenwasser, das anstatt ins Grundwasser erstmal in die Kanalisation abrauscht beträgt im Jahresdurchschnitt bei sagen wir 70% Bodenversiegelung nahezu 1 Mrd. Liter!

    Sehr interessant dürfte folgender link sein: http://www.christian-steck.de/bodenversiegelung.htm
    Da darf das B90/die Grünen gerne nochmal ein bisschen nachbessern!

    Grüße

    • admin

      Ist zwar “nur” eine Hausarbeit
      gibt aber einen ganz guten Einblick ins Thema Bodenversiegelung.

      Danke kher

      Ihr Heddesheim-Blog

  • oscar 2

    Die Rechnung ohne den Wirt gemacht:
    Genau wegen dieser Haltung haben die “Grünen” in Heddesheim jämmerlich versagt. Die Rechnung dafür werden ihnen ihre Stammwähler demnächst präsentieren. Leider!

  • heyerdahl

    Herr P. erklärt uns die Welt
    Lieber Herr Prothmann, da Sie ein so trefflicher Analyst sind und offenbar intime Kenntnisse darüber verfügen was eine Partei meint oder will, freue ich mich schon auf Ihre Analyse des Wahlprogrammes der FDP für die Sie ja kandidieren.

    Das muß ja ein epochales Meisterwerk werden wie der sonstige tiefsinnige und unparteiische Journalismus, den Sie hier immer wieder an den Tag legen.
    Sie erinnern sich doch noch daran, daß Sie selbst für eine Partei kandidieren, die vehement das Pfenning Projekt unterstützt und in großer Geschlossenheit mit ihren drei Stimmen im Gemeinderat dafür gestimmt hat?
    Da Sie so nah an der Quelle sind und sicher tiefgründig und vielleicht einmal sogar fundiert als Berichterstatter tätig sein können, lassen Sie uns doch bitte nicht zu lange warten.
    Es sollte Ihnen auch ein leichtes sein, etwa den Fraktionsvorsitzenden Ihrere eigenen Partei hier zu einer Stellungnahme zum Wahlprogramm und zu Pfenning zu bewegen.

    Wie – nein???
    Nicht aufgeben!

    • admin

      Verkehrte Welt, Heyerdahl
      tatsächlich sitze ich an vielen Quellen. An ihrer öfter als an der, von der sie annehmen, sie sei meine.

      Habe jetzt absolut keine Zeit, um mich um Sie zu kümmern, denn ich muss wieder eine meiner trefflichen Analysen schreiben, um Sie zu ärgern.

      Versprochen!
      Gott zum Gruße

  • Michael Schultz

    Hi
    Mein Name ist Michael Schultz. Ich komme aus einer Großstadt, lebe seit 17 Jahren in Heddesheim und fühle mich sehr wohl.
    Ich bin hier u. a. als vielleicht etwas nervöser Autofahrer angekommen. Auffällig war, dass sich die Fahrradfahrer insbesondere die älteren Biker, nicht an den Straßenrand drängeln ließen. Fazit: Ruhig hinterher, Fenster runter und tief durchatmen (Luft war damals bestimmt besser als heute), oder noch besser, selber biken.
    Ich sage dies, weil es für mich ein Anfang neuer Lebensqualität war, die ich hier endlich erfahren und genießen durfte. Ein Umdenken, mir hat das sehr gefallen. Dies ist aber nur ein kleines Mosaik dessen, was mir an Heddesheim gefällt und soll auch nur eine Brücke auf das sein, was mir an der Entwicklung, bedingt durch das Pfenning-Projekt, Sorge bereitet. Der Zunehmende Schwerlastverkehr.
    LKW und Fahrrad passen nicht nebeneinander auf Heddesheims Straßen. Schadstoffe und Lärm bleiben in Heddesheim, egal ob der LKW über die Autobahn oder sonst wie kommt. Die sich ändernde Verkehrssituation in und um Heddesheim verschlechtert die Lebensqualität der Menschen. Die Frage des Durchgangsverbotes für den Schwerlastverkehr durch Heddesheim, hätte im Vorfeld geklärt werden müssen.
    Die angeblichen Absprachen mit Pfenning (unsere LKW sind Autobahnautos) sind doch nur wertloses Gaga. Gibt es eigentlich auch eine solche Absprache mit der Edeka? Wenn ja, warum nicht?
    Ups, habe ich damals nicht dran gedacht. Na ja, hat ja auch keiner was gesagt und nun fällt es plötzlich auf?
    Ich habe auch noch eine Anmerkung an Harry & Tor. Ich finde Eure Auseinandersetzung wenig produktiv. Die eigentlich vordergründig gute Idee dieses Blogs, muss ich leider in Frage stellen. Das ist leider nur langweilige Selbstdarstellung. Dazu noch 50% hinterm Baum. Was soll der Quatsch? Was steckt dahinter? Ist hier versteckte Kamera oder was?
    Geht in die Kneipe, schaut euch in die Augen und trinkt ein Bier.
    Liebe Grüße

  • admin

    Hallo Herr Schultz,
    besten Dank für ihren Kommentar.
    Verstehe ihre Kritik an der Auseinandersetzung mit gewissen Kommentatoren als berechtigt. Das ist wenig produktiv. Deswegen habe ich diese auch immer wieder aufgefordert, nicht nur „Andeutungen“ zu machen, sondern hinter der Hecke hervorzukommen und Aussagen zu treffen.
    Gute Idee mit dem Bier: Ich täts machen, ob die anonymen Kommentatoren dazu bereit wären?

    Einen schönen Tag wünscht

    Hardy Prothmann

  • Was sollen „Straßen für motorisierten Verkehr“ sein? Straßen sind für alle da!