Montag, 20. August 2018

Wofür Bündnis90/Die Grünen stehen

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ist interessant zu lesen. In deren Wurfsendung zur Gemeinderatswahl 2009.

Sie erinnern sich: Die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen (3 Sitze) hat geschlossen für eine Ansiedlung der Firma Pfenning gestimmt.

In seiner Wahlinformation schreibt der Ortsverband kein Wort davon. Na ja, nicht ganz: Im Titel steht Mit/Macher. Vielleicht soll man das als „Mitmacher“ lesen.

Auf der ersten Seite der Wurfsendung zeigen die Grünen, sorry, Bündnis90/Die Grünen (Die Grünen) ein Ortsschild, so wie es an Straßen für motorisierten Verkehr steht: Heddesheim, Herzlich Willkommen!, steht da. Die Grünen begrüßen also uns Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer. Das freut uns.

Verkehr / Nachverkehr
„Zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbare Geschäfte, kombiniert mit einer optimierten Verkehrslenkung sind die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssituation in Heddesheim.“

Bei näherer Betrachtung könnte das heißen: Wir fordern Fahrradwege, verbreiterte Bürgersteige und Einbahnstraßen. Und natürlich: Wirtschaftsförderung.

Und das alles „nachhaltig“. Die Fahrräder und Fußgänger sollten natürlich nur mit Reifen und Schuhen aus Naturkautschuk unterwegs sein.
Herr Gerwien (Polizist) wird biologisch (nicht gentechnisch) nachgezüchtet und lenkt den Verkehr an allen wichtigen Punkten optimiert. Damit es nicht zu unschönen Situationen kommt, beispielsweise, wenn zwei Lkw sich in der Ortsmitte treffen.

„Wir fordern den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, zum Beispiel durch die Einrichtung einer Verbindung Viernheim-Heddesheim-Ladenburg. Die Buslinie zur Bergstraße sollte auch an Wochenenden und in den Abendstunden regelmäßig verkehren.“
Hm. Die Viernheimer fahren also nach Ladenburg wegen der schönen Altstadt und die Ladenburger nach Viernheim wegen des RNZ.
Und wer liegt in der Mitte? Richtig, Heddesheim. Die Viernheimer und die Ladenburger sorgen hier also für viel Durchgangsverkehr. Die geforderte Buslinie würde die Situation entschärfen. Das ist ein echt guter Vorschlag.

Wichtig für Die Grünen ist die Demokratie.
Sie fordern: „Mehr Transparenz bei Beschlüssen des Gemeinderats und deren Veröffentlichung im Ortsblatt gehören dazu!“

Das heißt, Obama hat auch Heddesheim erreicht, zumindest die Grünen. Der „Change“ ist nahe.

Die Grünen wollen nicht mehr „nicht-öffentlich“ abstimmen und sie wollen im Amtsblatt keine 6-Seiten-Postulation des Bürgersmeisters, sondern These und Antithese. Ob die Forderung so weit geht, dass auch Bürgerinitiativen hier zu Wort kommen sollten, kann man leider nicht herauslesen.

Das ist noch nicht alles:
„Natur und Umwelt brauchen unseren Schutz. Deswegen hat die Bewahrung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt für uns höchste (!, d. Verf.) Priorität. Wir stehen für Klimaschutz, einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen und die konsequente Begrünung (!, d. Verf. ) der Gemeinde Heddesheim.“

Damit löst sich das Rätsel. Es ist nämlich so:
Die Grünen haben die Pfenning-Ansiedlung unterstützt. Warum? Weil Pfenning dann für Ausgleichsflächen sorgen muss. Also für eine „konsequente Begrünung“ Heddesheims.
Wenn dann alles „konsequent begrünt“ wurde, erreichen die Grünen die Mehrheit im Gemeinderat, setzen sofort die Transparenz im Gemeinderat durch, jagen alle Klimakiller zum Teufel und siedeln in den Hallen Schwalben und Bienen an.
Die Schwalben siedeln außen, die Bienen innen. Heddesheim wandelt sich von der Tabakgemeinde zur Logistikgemeinde und dann zur Honiggemeinde.

Warum die Grünen ernst meinen, was sie meinen, lesen wir hier nach:
„Gewerbeentwicklung muss – wo sie angebracht ist – stets schonend erfolgen und darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner Bürgerinnen und Bürger gehen.“

Diese Aussage hat es in sich. Sie erinnern sich: Die Grünen-Fraktion hat sich geschlossen für eine Pfenning-Ansiedlung ausgesprochen. Das heißt, sie muss „angebracht“ gewesen sein, denn darauf achten Die Grünen.
Sie wird „schonend“ erfolgen, dass heißt, die Grünen werden darauf pochen, dass die Bauarbeiten mit Schalldämpfern erfolgen und die Lkw mit geräuschfreien Reifen und mit Bio-Gas, besser noch Elektro-Motoren fahren oder wenigstens Bio-Diesel tanken.

Aber die wichtigste Information ist: Das alles „darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner Bürgerinnen und Bürger gehen“.

Noch mal zur Erinnerung, weil das wirklich nicht vergessen werden sollte: Die Grünen fordern in ihrem Wahlprospekt genau das Gegenteil von dem, was Die Grünen-Fraktion beschlossen hat.

Wer soll das verstehen? Fragt:

Das Heddesheim-Blog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.