Freitag, 25. Mai 2018

Miese Bezahlung für Leiharbeiter bei "Pfenning"

Was Herr Kessler nicht über „Löhne“ wissen möchte

Print Friendly, PDF & Email
lohnzettel-007-20140310 -lohnzettel-007-20140310 -2014-03-10 22.37.07

8,19 Euro. Brutto. Befristet. Zur Probe. Einer von „bis zu 1.000 Arbeitsplätzen bei Pfenning“, die Bürgermeister Michael Kessler mit beschworen hat.

 

Heddesheim, 10. März 2014. (red) Bei der heutigen Präsentation der Bürgermeisterkandidaten im Bürgerhaus ging es wieder einmal um „Pfenning“. Um miese Löhne und prekäre Beschäftigung. Bürgermeister Michael Kessler hat nochmals bekräftigt, dass die Entscheidung zur „Pfenning-Ansiedlung“ richtig war und er das Unternehmen wieder in den Ort holen würde. Am vergangenen Donnerstag wusste er nicht, wie viele Mitarbeiter bei „Pfenning“ arbeiten. Heute Abend schon: 600 – war die Zahl, die er nannte. Wir dokumentieren erstmals, was Lagerarbeiter bei „Pfenning“ verdienen.

Von Hardy Prothmann

Die meisten, die dort arbeiten, kommen über Leiharbeitsfirmen, so wie ich,

sagt Thomas W. (Name geändert).

Sein Vertrag wurde befristet und zur Probe auf sechs Monate ausgefertigt. Per Zusatzvertrag vereinbarte man, dass er zu den vertraglich vereinbarten rund 150 Stunden für Vollzeitbeschäftige „die vereinbarte Wochenarbeitszeit verlängern kann“ – freilich ohne „Anspruch auf Überstundenzuschläge“.

Seit Arbeitslohn: 8,19 Euro brutto die Stunde. Soweit er weiß, zahlt man bei der „Pfenning“-eigenen Leiharbeitsfirma be4work GmbH etwas „besser“. 8,59 Euro brutto die Stunde.

„Auf Probe“

Am 23. Dezember war für mich Schluss. Man hat mir gesagt, ab dem 07. Januar geht es weiter. Aber es ging nicht weiter.

Der befristete Vertrag wird nicht verlängert. Frohe Weihnachten. Thomas W. sagt, er habe keine Stunde gefehlt, keine Fehler gemacht und seinen Job ohne Beanstandung ausgeführt.  Sein Problem: Er hätte dann einen richtigen Vertrag bekommen müssen, keinen „auf Probe“. Doch dann gibt es Kündigungsfristen und all die anderen Leistungen, die seine Arbeit „teurer“ machen. So wie ihm geht es vielen. Sechs Monate auf Probe zum Niedriglohn und dann „einen Tritt in den…“, wie er es nennt.

Er nennt jede Menge anderer Leiharbeitsfirmen, die im Zuge der „Arbeitnehmerüberlassung“ die billigen Arbeitskräfte verpflichten, für eine Zeit Probe arbeiten lassen. Dann kommen die nächsten. Viele aus Osteuropa. Er erinnert sich an eine litauische Firma, die regelmäßig Nachschub liefert.

Fertig für heute

Von den „Umsortierern“, wie er sie nennt, habe niemand direkt bei „Pfenning“ gearbeitet. Sagt er. Zumindest hat er keinen kennengelernt. Sein Block war G. Lidl.

Manchmal war viel Arbeit, manchmal wenig. Wenn viel war, sind die Leute angetrieben worden. War die Arbeit erledigt, auch in 3,5 oder 4 Stunden, wurde die Leute wieder nach Hause geschickt. Fertig für heute.

So ging das all die Monate. Jetzt steht er ohne Arbeit da. Der Familienvater sucht weiter Arbeit. Bei „Pfenning“ ist er raus.