Samstag, 25. März 2017

Miese Bezahlung für Leiharbeiter bei "Pfenning"

Was Herr Kessler nicht über „Löhne“ wissen möchte

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8,19 Euro. Brutto. Befristet. Zur Probe. Einer von „bis zu 1.000 Arbeitsplätzen bei Pfenning“, die Bürgermeister Michael Kessler mit beschworen hat.

 

Heddesheim, 10. März 2014. (red) Bei der heutigen Präsentation der Bürgermeisterkandidaten im Bürgerhaus ging es wieder einmal um „Pfenning“. Um miese Löhne und prekäre Beschäftigung. Bürgermeister Michael Kessler hat nochmals bekräftigt, dass die Entscheidung zur „Pfenning-Ansiedlung“ richtig war und er das Unternehmen wieder in den Ort holen würde. Am vergangenen Donnerstag wusste er nicht, wie viele Mitarbeiter bei „Pfenning“ arbeiten. Heute Abend schon: 600 – war die Zahl, die er nannte. Wir dokumentieren erstmals, was Lagerarbeiter bei „Pfenning“ verdienen.

Von Hardy Prothmann

Die meisten, die dort arbeiten, kommen über Leiharbeitsfirmen, so wie ich,

sagt Thomas W. (Name geändert).

Sein Vertrag wurde befristet und zur Probe auf sechs Monate ausgefertigt. Per Zusatzvertrag vereinbarte man, dass er zu den vertraglich vereinbarten rund 150 Stunden für Vollzeitbeschäftige „die vereinbarte Wochenarbeitszeit verlängern kann“ – freilich ohne „Anspruch auf Überstundenzuschläge“.

Seit Arbeitslohn: 8,19 Euro brutto die Stunde. Soweit er weiß, zahlt man bei der „Pfenning“-eigenen Leiharbeitsfirma be4work GmbH etwas „besser“. 8,59 Euro brutto die Stunde.

„Auf Probe“

Am 23. Dezember war für mich Schluss. Man hat mir gesagt, ab dem 07. Januar geht es weiter. Aber es ging nicht weiter.

Der befristete Vertrag wird nicht verlängert. Frohe Weihnachten. Thomas W. sagt, er habe keine Stunde gefehlt, keine Fehler gemacht und seinen Job ohne Beanstandung ausgeführt.  Sein Problem: Er hätte dann einen richtigen Vertrag bekommen müssen, keinen „auf Probe“. Doch dann gibt es Kündigungsfristen und all die anderen Leistungen, die seine Arbeit „teurer“ machen. So wie ihm geht es vielen. Sechs Monate auf Probe zum Niedriglohn und dann „einen Tritt in den…“, wie er es nennt.

Er nennt jede Menge anderer Leiharbeitsfirmen, die im Zuge der „Arbeitnehmerüberlassung“ die billigen Arbeitskräfte verpflichten, für eine Zeit Probe arbeiten lassen. Dann kommen die nächsten. Viele aus Osteuropa. Er erinnert sich an eine litauische Firma, die regelmäßig Nachschub liefert.

Fertig für heute

Von den „Umsortierern“, wie er sie nennt, habe niemand direkt bei „Pfenning“ gearbeitet. Sagt er. Zumindest hat er keinen kennengelernt. Sein Block war G. Lidl.

Manchmal war viel Arbeit, manchmal wenig. Wenn viel war, sind die Leute angetrieben worden. War die Arbeit erledigt, auch in 3,5 oder 4 Stunden, wurde die Leute wieder nach Hause geschickt. Fertig für heute.

So ging das all die Monate. Jetzt steht er ohne Arbeit da. Der Familienvater sucht weiter Arbeit. Bei „Pfenning“ ist er raus.

  • Deal

    Vermutlich hat der Sohn von Herrn Kessler bei seinem Ferienjob (mal echt arbeiten gehen und nicht Papas Geld nehmen), mindestens für 12 oder mehr Euro ordentlich bei Edeka Geld verdient.

    Wäre das nicht mal ein Deal? Kesslers Nachwuchs jobbt bei Pfenning? Was würde wohl Papa dem Sohnemann anraten, bei 8,19 Euro brutto?

  • ImmerDasGleiche

    Wir können froh sein,dass durch PFENNING Arbeitsplätze bei uns geschaffen wurden!
    Das es dort so abläuft ist leider nicht sehr schön, aber üblich für diese Branche!
    Spielt dieses Thema jetzt nicht wieder künstlich hoch! Es ist nicht nur dort so, sondern generell auch bei anderen Firmen!
    DAS ist Deutschland!!! ( und nicht nur in unserem tollen Heddesheim so… )
    Außerdem was hat der Sohn von Herrn Kessler mit der Sache zu tun? Sowas ist völlig aus der Luft gegriffen!!!
    Wer andere Möglichkeiten hat als über eine Leiharbeitsfirma irgendwo unter zu kommen, der bekommt auch nicht nur so einen Hungerlohn bezahlt! Manche Leute sollten sich eher Gedanken machen, wieso sie nichts anderes bekommen als SO schlechte Stellen!!!!!!!!
    Als bekannt wurde, dass das Fleischwerk NICHT in Heddesheim gebaut wird und Pfenning an diese Stelle kommt, war das Geschrei groß!
    Dass die Edeka jetzt auf der anderen Seite ALLES vollbaut interessiert kein Schwein, weil es halt die EDEKA ist…!!!
    ARMSEELIG FIND ICH SOWAS!!!

  • Anna

    Gestern (10.03.2014) habe ich mich spontan entschlossen, mir die beiden Kandidaten genauer anzuschauen. Und das war eine wertvolle Erfahrung. Ich wollte mir ein Bild als neutraler Beobachter machen und war erschrocken – erschrocken über die Art und Weise, wie die Redebeiträge von Herrn Heinisch begleitet wurden, mich erstaunten die Reaktionen und Zwischenrufe aus dem Publikum.

    Beispiel: Ein Zuhörer fragte Herrn Heinisch, ob er das Thema Kinderbetreuung jetzt erst entdeckt hätte, in seinem Programm fände sich nichts. Herr Heinisch sagte, er hätte noch einen Flyer verteilen lassen, in dem er das Thema berücksichtigt hätte. Abfälliges Gejohle im Publikum … Was soll das? Es wurde immer der Eindruck erweckt, dass die Kinderbetreuung in Heddesheim vorbildlich sei. Bei einer ähnlich gelagerten Veranstaltung in der letzten Woche (bei der ich leider nicht anwesend sein konnte) wurde diese optimale Kinderbetreuung offensichtlich durch zwei mutige Fragestellerinnen ins Wanken gebracht. Ich persönlich finde es beachtlich, dass Herr Heinisch bei einem Thema, das bisher wohl noch nicht an ihn heran getragen wurde, so schnell reagiert hat. Für mich ist das ein Zeichen, dass er die Bürger und ihre Probleme ernst nimmt.

    Ein weiteres Beispiel ist das Thema “Pfenning“ – es war des Öfteren Gegenstand von Fragen aus dem Publikum. Ich finde es erschreckend, wie Herr Kessler versucht hat, die aktuelle Entwicklung – Lohndumping, Entlassungen, schlechte wirtschaftliche Entwicklung – zu negieren. Ich sehe mit Sorge, wie immer mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze prekären Arbeitsverhältnissen weichen müssen. Dies ist nicht nur in Heddesheim so – leider. Aber dass so getan wird, als entsprächen die Schilderungen nicht der Realität, hat mich doch irritiert. Ich empfand auch die Wortwahl von Herrn Kessler als unangemessen.

    Ich persönlich halte sehr viel davon, andere Meinungen gelten zu lassen, die Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sie werden ihre Gründe haben. Aber zu johlen oder sich anderweitig abwertend zu verhalten, empfinde ich als sehr aufschlussreich: die Menschen geben mit ihren Äußerungen in allererster Linie etwas über sich selbst preis … und gestern haben einige Redner doch tiefe Einblicke in ihre Seelenlage gewährt. Ich habe bei einigen große Angst gespürt – Angst, Pfründe zu verlieren. Die Aggressivität, mit der zum Teil den Fragestellern begegnet wurde, ließ tief blicken.

    Ich ging als ein Interessent, der sich noch nicht festgelegt hat, zu dieser Wahlveranstaltung, ich wollte beide Kandidaten unvoreingenommen in Augenschein nehmen.

    Ich verließ die Veranstaltung mit sehr gemischten Gefühlen. Ich erlebte einen Amtsinhaber, bei dem ich nicht das Gefühl hatte, dass er kritische Fragen ernst nimmt, die Sorgen und Nöte erkennt, die zu diesen Fragen führen. Und ich erlebte einen Herausforderer, der die Probleme der Fragesteller ernst nimmt, der bei dem zum Teil “ungezogenen“ Verhalten, das ihm entgegen gebracht wird, sehr souverän und sachlich bleibt.

    Ich danke insbesondere denjenigen Heddesheimern, die sich gestern mit ihrem undemokratischen Verhalten hervorgetan haben – sie verhalfen mir zu Klarheit in meiner Entscheidung – dank Ihnen hat Herr Heinisch nun eine Stimme mehr.

    • Nicht-Ja-Sagerin

      Ja Anna, das teilweise sehr ungebührliche Verhalten der Kessler-Anhänger war nicht nur am Montag abend auffällig. Bei anderen Diskussionsforen im Vorfeld der Bürgermeisterwahl reichten die hämischen Kommentare bei Fragen zum Thema bedarfsgerechte Kinderbetreuung beispielsweise von „Sollen sie doch Zuhause bleiben! “ bis zu „Aber machen können sie ihre Kinder schon noch selbst?“ Ich hörte, wie sich eine ältere Dame nach dem Ende der Veranstaltung- betroffen vom peinlichen Verhalten ihrer Mitbürger – für diese bei den Müttern entschuldigte.

  • hardyprothmann

    Wenn etwas in der Art „üblich“ ist, dann ist das von Übel.

    Herr Kessler hat seinen Sohn selbst ins Spiel gebracht – sie müssen den Text lesen.

  • TJ

    Na dann sollten Sie mal den Mannheimer Morgen von heute
    lesen!

    Arbeitsplätze bei Pfennig? weit gefehlt! Es ist genau das eingetreten, was die Gegner von
    Pfennig seinerzeit zu Bedenken gegeben haben. 1/3 der Fläche steht leer,
    schlechte Löhne, Arbeitsplatzabbau (1.000 Stellen und weitere Lügen!)
    MISERABLER Sozialplan etc. Und was Kessler damit zu tun hat? Er und seine ach
    so treuen Gefolgsleute haben doch immer lauthals krakelt wie Super die Zukunft
    mit Pfennig ist (insbesondere SPD) … DAS ist ARMSELIG!!!
    Oh ja das ist üblich für die Branche. Hach noch ein wenig Mitleid und eine Träne für diejenigen die sich die Tasche mit einem Immobiliengeschäft vollgestopft haben…. Glauben Sie ehrlich, dass Firmen wie die EDEKA nur kurzfristig planen… Na dann noch einen schönen Tag!

  • Name

    Selbst wen es überall in Deutschland so ist, ich Lebe in Heddesheim und dulde solche Zustände nicht an meinem Wohnort.

  • habe fertig

    Hallo,

    http://www.youtube.com/watch?v=WIqPDekmLVE

    zwischen Minute 40′ 50“ und 41′ 28“.

    Die Bundesrepublik hat 2012 (?) 8,7 Milliarden Euro an Hartz IV Leistungen gezahlt. Die 0,7 Milliarden oder 700.000.000 Euro waren Aufstockungsleistungen für Beschäftigte im Bereich Logistik, besonders Lagerarbeiter.

    Für die Logistik Arbeitgeber ist das ein Kombi-Lohn Modell. Sie beuten ihre Arbeiter aus und schicken sie zum Überleben zur Arbeitsagentur.
    Diese Branche nennt sich gerne den drittgrößten Wirtschaftszweig und nicht alle Firmen sind gleich. Sie hat aber und verursacht gleichzeitig massive Probleme. Pfenning ist einer der übelsten Vertreter der Gattung Logistik-Ausbeuter.
    Steht in der Zeitung und ist nur die Spitze des Eisbergs.
    Den Auftrag von Kraft hat man nur durch gnadenloses unterbieten der Mitbewerber bekommen, da die Kosten sich nicht unendlich drücken lassen, funktioniert das System nur durch Ausbeutung.
    Viele der Malocher bei Pfenning kommen aus Osteuropa oder dem Baltikum oder der Hautfarbe nach aus Afrika wie ich heute zufällig gesehen habe als ich bei Schichtende da vorbei kam.

    Hört mir bloß auf mit Pfenning und den hohlen Versprechungen die gemacht wurden. Alles Lüge.

  • Stephan Menz

    Wie die Firma Pfenning das macht is sicher nicht fair aber daran kann JETZT KEIN HERR KESSLER ODER HERR HEINISCH WAS ÄNDERN. Was man aber Herrn Kessler ankreiden muss ist das er sich wohl nicht richtig über die Firma Pfenning Informiert hat.
    Oder wusste er es doch und sah nur die Gewerbesteuer?
    (die Gier war einfach zu gross!)
    Und was soll das ganztages schule?
    Die Johannes Keppler schule steht so zu sagen leer Herr Kessler hat es versäumt junge Familien nach Heddesheim zu holen und die Kinder.
    Und jetz los zulegen wo das kind schon in den Brunnen gefallen ist,ist es auch zuspät.
    Und die rede ist wieder nur von der Grundschule!
    Und was ist danach?
    Danach doch wieder wo anders hin?
    Abwanderung der jugendlichen nach Mannheim,Ladenburg…
    und aus Persöhnlicher erfahrung zeigt mir das die Kinder/Jugendliche dann sich ihre Freizeit in den Städten verbringen wo sie zur schule gehn.
    Also wie Gewonnen so zeronnen!

  • ???

    Dies ist kein Lohnzettel der Firma pfenning wie man klar erkenne kann.
    PEOPLE Zeitarbeit ist die Firma.

    Also stellt sich hier die Frage was hat das mit pfenning zu tun????
    Jedes Logistikunternehmen hat Leiharbeiter in seiner Firma aufgrund von Saisonalen Schwankungen.
    Wie diese Firmen Ihre Leute bezahlen hat die Firma pfenning nicht zu entscheiden.

    Wenn Sie Ihren Herd zu Hause reparieren lassen, wissen Sie doch auch nicht was der Monteur verdient oder?

    Es ist eine Frechheit was in diesem Blog passiert, und wie ein mittelständischer Familienbetrieb aus der Region in den Dreck gezogen wird.

    Man sollte in der Region stolz auf diese Unternhemen sein.