Donnerstag, 23. November 2017

Landtagswahl: Kandidaten im Netz – alle vertreten, aber…

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Guten Tag!

10. Februar 2011. Die Landtagskandidaten der vier etablierten Parteien pr├Ąsentieren sich im Internet – das Internet ist wichtig, das haben sie verstanden. Und jeder Auftritt ist mehr als nur eine „elektronische Visitenkarte“ – aber Luft nach oben haben alle.

Von Hardy Prothmann

Den „Emo-Test“ gewinnt ohne Zweifel Gerhard Kleinb├Âck. Ich zeige meiner Frau die vier Seiten – eine nach der anderen f├╝r einige Sekunden und dann in umgekehrter Reihenfolge: „Herr Kleinb├Âck wirkt am authentischsten in der Ladenburger Gasse, dann Herr Sckerl, der ist sympatisch, Herr Wacker ist zu glatt und von Frau Dr. Arnold sieht man kaum was.“

Meine Pr├Ąferenz unterscheidet sich: Mir gef├Ąllt „auf den ersten Blick“ das Angebot von Herrn Sckerl am besten, dann von Herrn Kleinb├Âck, dann von Herrn Wacker und Frau Dr. Arnold am wenigsten.

H├Ątte Herr Wacker nicht eine Extra-Startseite „vorprogrammieren“ lassen, h├Ątte mir sein Blog vom ersten Gesamteindruck vor der Seite von Herrn Sckerl im Vergleich sogar am besten gefallen.

Zwei Blicke – zwei Sichtweisen. Und ich verstehe, was meine Frau mit „authentisch“ meint. Politik ist immer auch Emotion und das Foto von Herr Kleinb├Âck (SPD) ist nicht so dominant gro├č wie das von Herrn Wacker (CDU) und nicht zu klein wie das von Frau Dr. Arnold (FDP). Das Bild von Herrn Sckerl (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) ist verpixelt.

Uli Sckerl, B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen: Mit Abstand am meisten Inhalt.

Soweit zum „ersten Eindruck“. Der zweite Eindruck gilt dem „Aufbau“ der Seiten.

Hier gef├Ąllt mir die Blogseite von Herrn Wacker am besten – sie wirkt aufger├Ąumt und ├╝bersichtlich.

„Zu gr├╝n“ findet meine Frau die Seite von Herrn Sckerl, was ich nachvollziehen kann.

Bei Frau Dr. Arnold st├Ârt uns die veraltet anmutende Optik. Obwohl eine Sonnenblume Farbe reinbringt, fragen wir uns, was die Sonnenblume mit der FDP zu tun hat? Die Seite ist strukturiert, aber langweilig.

Dr. Birgit Arnold, FDP: Langweilig.

Bei Herrn Kleinb├Âck gefallen die gro├čen Schriften, das ist leicht zu erfassen.

Die Seiten von CDU und SPD arbeiten st├Ąrker als die anderen beiden mit Bildern. Bei diesem Vergleich liegen die Gr├╝nen noch hinter der FDP.

Wenn es ans „Eingemachte“ geht, also an den tats├Ąchlichen Informationsgehalt, f├╝hrt die Seite von Uli Sckerl mit einem ganz beachtlichem Abstand vor allen anderen. Man merkt, hier wird informiert, statt nur pr├Ąsentiert. Es geht am wenigsten um die Darstellung der Person, sondern um aktuelle Politik und Hintergr├╝nde.

Inhaltlich entt├Ąuscht hingegen auf den ersten Blick die Seite der FDP am meisten, dann die der CDU. Das SPD-Angebot ist auch nicht wirklich ├╝berzeugend, aber doch „informativer“ als von CDU und FDP.

Gerhard Kleinb├Âck, SPD: Emotional authentisch.

Ganz schwach stellen sich die Angebote in Sachen Wahlkreis dar: Herr Sckerl verlinkt auf die Seiten der Gemeinden. Sonst gibt es keine „Vor-Ort“-Informationen. Herr Kleinb├Âck pr├Ąsentiert Texte wie aus einer Tourismusbrosch├╝re und verlinkt auf SPD-Angebote.

Herr Wacker hat nur einen kurzen Text zum Wahlkreis, bei Frau Dr. Arnold fehlt der Punkt ganz. Das zeigt insgesamt keine besonders gro├če Verbundenheit. Hier muss man als W├Ąhlerin und W├Ąhler erwarten k├Ânnen, das f├╝r jeden Ort die wichtigsten Themen dargestellt sind, damit man auch wei├č, dass die Kandidaten diese „auf dem Schirm haben“.

Immerhin: Herr Kleinb├Âck bietet auf der Seite ein Facebook-Freunde-Feature auf eine eigene Seite an, die aber mit 60 „Fans“ noch nicht sonderlich frequentiert ist. Die heutigen „Standards“ Facebook und Twitter fehlen bei CDU und FDP ganz – auch hier liegt die Gr├╝ne Seite vorne, die alle Dienste im oberen Bereich anbietet. Allerdings nicht personalisiert auf die Person Sckerl, sondern auf die Gr├╝nen Baden-W├╝rttemberg.

├â┼ôber die einzelnen „Engagements“ bei Facebook braucht man nicht viel sagen – die sind entweder nicht vorhanden wie bei Herrn Wacker oder nicht ordentlich betreut.

Aber: B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen Baden-W├╝rttemberg und die SPD im Land haben gut frequentierte Facebook-Seiten – auch hier bleiben CDU und FDP chancenlos.

W├╝rde man eine Wahlprognose anhand der Internetaktivit├Ąten abgeben m├╝ssen, w├╝rden die G├╝nen klar st├Ąrkste Partei, gefolgt von der SPD. Weit abgeschlagen w├Ąre die FDP, die aber immerhin noch vor der CDU landen w├╝rde.

Erstaunlich ist bei allen, wie ausbauf├Ąhig die Angebote sind. Gute und informative Internetseiten sind heutzutage kein Hexenwerk mehr. Bis auf die FDP haben die Parteien auch sichtbar Energie in die Auftritte gelegt – leider nicht sehr konsequent.

Georg Wacker, CDU: Eigentlich modern, aber inhaltsleer.

Sehr gut gef├Ąllt die Informationsdichte bei Uli Sckerl. Von der „Nutzbarkeit“ ist aber die Seite von Herrn Kleinb├Âck besser. Herr Wacker gewinnt auf den ersten Blick und f├Ąllt dann stark ab. Frau Dr. Arnold ├╝berzeugt ├╝berhaupt nicht, obwohl eigentlich doch ganz ordentlich Informationen angeboten werden. Das Angebot bleibt aber zu steril, zu lustlos, zu wenig engagiert.

Zu aktuellen politischen Themen bieten nur Herr Skerl und Herr Kleinb├Âck wirklich etwas an. Die SPD entt├Ąuscht aber, weil es nicht ├╝ber Statements hinausgeht. Sieger ist eindeutig die Seite von Herrn Skerl, der starkt auf Stuttgart21 setzt, was bei Herrn Kleinb├Âck nicht vorkommt.

Die Angebote von CDU und FDP sind inhaltlich nicht weiter erw├Ąhnenswert, bis auf die Tatsache, dass Herr Wacker den Regierungsbonus voll ausspielt. Nat├╝rlich ist Ministerpr├Ąsident Mappus pr├Ąsent. Eigentlich ist die Seite „optisch“ am klarsten – sie ist aber inhaltlich am schw├Ąchsten.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass sich die Kandidaten hier nicht mehr anstrengen. Im Vergleich zu klassischen „Werbemitteln“ kann eine Website viel mehr leisten – rund um die Uhr. Doch wirklich ausspielen tut das keiner, wenn auch Herr Sckerl das umfangreichste Angebot hat und am „aktuellsten“ ist, was die thematischen Schwerpunkte aus seiner Sicht angeht.

Was Web 2.0-Qualit├Ąten betrifft, ist keine der Parteien ├╝berzeugend am Start. Und alle Layouts lassen sich noch deutlich verbessern, wenngleich die CDU hier die Nase vorne hat. Den Vorsprung gibt sie inhaltlich aber sofort ab.

Niemand erwartet, dass hier h├Âchste „Design-K├╝nste“ umgesetzt sind. Aber Standards sollten es doch sein. Und vor allem w├╝nscht man sich mehr Inhalte. Den bieten die Gr├╝nen – aber auch die nicht „vorbildhaft“. Beispiel: Eine „Begr├╝├čung“, die immer gleich bleibt, braucht kein Mensch. Das gilt auch f├╝r die FDP-Seite.

Aktuelle Texte und andere Informationen und Termine m├╝ssen nach vorne. Politische Inhalte eben.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.