Montag, 21. August 2017

Herr Gladbach, leben Sie ein glückliches Leben!

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Guten Tag!

Heddesheim, 10. April 2010. Der katholische Pfarrer Heiner Gladbach verlässt die Kirchengemeinden Heddesheim und Ladenburg auf unbestimmte Zeit – weil er in einer Partnerschaft lebt. Die Kirchengemeinden Heddesheim und Ladenburg verlieren damit einen Pfarrer, der sich mit einem mutigen und ehrlichen Text zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche verabschiedet hat.

Kommentar: Hardy Prothmann

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Pfarrer Gladbach macht eine schwere Zeit durch - hat aber noch die Kraft zum Lachen. Bild: heddesheimblog

Heiner Gladbach und ich kennen uns nicht besonders gut. Ich habe einige Male mit befreundeten Katholiken den Gottesdienst in Heddesheim besucht und einen warmen, freundlichen Charakter erleben dürfen.

Bei jedem meiner Besuche war die Kirche voll und es herrschte eine freundliche und andächtige Atmosphäre – die evangelischen Gottesdienste sind damit überhaupt nicht vergleichbar.

Heiner Gladbach ist ein Pfarrer, der seine Gemeinde mit einem Strahlen in den Augen begrüßt und wirkt, als lebe er seinen Glauben gut und zufrieden.

Doch Heiner Gladbach hat noch ein Leben außerhalb der Kirche und des Glaubens – er lebt seit langer Zeit in einer Partnerschaft.

Damit lebt er aus Sicht der katholischen Kirche in Sünde. Er bricht den Zölibat – das Versprechen der Ehelosigkeit und einem Leben in Keuschheit.

Er liebt neben Gott einen anderen Menschen und teilt sein Leben mit diesem. Das darf nicht sein – meint die katholische Kirche.

Neun von zehn Deutschen sind gegen den Zölibat, wie kürzlich eine Umfrage ergab. Eine Frau hat bei der „außerordentlichen Pfarrversammlung“ die Abschaffung des Zölibats gefordert, also das, was neun von zehn Deutschen sowieso denken und erntete dafür brausenden Applaus, der fast in ein rhythmisches Protestklatschen überging. Auch die Organisation „Wir sind Kirche“ fordert den Zölibatsverzicht.

Bekannt ist, dass viele Priester ein Leben neben der Kirche führen.

Im Geheimen. Im Bewusstsein des Verstoßes. Immer in Sorge, dass diese „Sünde“ ihre berufliche und private Reputation kostet.

Was für eine Qual.

Die katholische Kirche fordert diese Qual ein. Auch Herr Gladbach muss sich nun entscheiden, ob er weiter Priester sein will oder in einer Partnerschaft mit einem ihm lieben Menschen leben möchte.

Wer genau hingehört hat und sich in die Lebenssituation dieses Mannes hineinversetzt, weiß, wie der Zweifel an ihm nagt, wie die Sorge ihn umtreibt, wie die Situation an ihm frißt.

Herr Gladbach hat eine körperliche Herzkrankheit benannt, aber auch seine Seele ist verletzt und krank: „Meine Ängste und Bedenken waren so groß, dass ich bei jeder kleineren oder größeren Gemütsregung in Tränen ausbrach“, sagte der Mann heute.

Das klingt nach einem „Burn-Out-Syndrom“ – da wird es einem eng ums Herz, die Luft bleibt weg, die Angst ist ständiger Begleiter.

Herr Gladbach geht offen damit um und sagt, dass er auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wird. Seine Offenheit verdient Respekt.

Herr Gladbach hat sehr freundlich und voller Achtung über seine Gesprächspartner in der Institution Kirche gesprochen, obwohl die von ihm eine Entscheidung erwarten: Priestertum oder Partnerschaft.

Damit befindet sich Herr Gladbach in einem schweren Dilemma. Wählt er die Partnerschaft, darf er nicht mehr Priester sein. Wählt er das Priestertum muss er den Menschen verlassen, den er liebt. Auch ohne Herzmuskelschwäche ist das eine Situation, die einem das Herz zerreißen kann.

Die katholische Kirche ist bis heute beim Zölibat unbarmherzig.

Erste Diskussionen beginnen – aus der Not heraus. Der Missbrauch in katholischen Einrichtungen setzt die Kirche zu recht unter Druck. Und zu Unrecht alle ihre Gläubigen. Sie findet immer weniger Männer, die sich dem Zölibat beugen wollen – ihr gehen die Priester aus. Und die, die fest im Glauben zu ihr stehen und wie ein Pfarrer Gladbach mit seinem mutigen Gebet die Herzen der Menschen erreichen können – setzt sie unter Druck.

Ich habe heute Pfarrer Gladbach viel Kraft und Glück auf seinem weiteren Lebensweg gewünscht. Wenn er sich für seine Partnerschaft entscheidet, wird er sich gegen seine „Berufung“ entscheiden. Ein schwerer Schritt.

Gehen Sie ihn, Herr Gladbach und leben Sie ein glückliches Leben!

Ich bin mir sicher, dass Sie dafür Gottes Segen haben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Johanna

    Ich bin weiblich und evangelisch. Deshalb gab es für mich die Frage des Zölibats nie. Wäre ich weiblich und katholisch, gäbe es für mich die Frage auch nicht, denn der Frau ist in der katholischen Kirche die Priesterschaft verweigert.

    Dennoch versuche ich mir vorzustellen, was es heißt sich zwischen zwei Lebensentwürfen zu entscheiden. Wie viel schwerer muss es sein, wenn man den einen als Berufung empfindet.

    Wir kritisieren im alltäglichen Leben oft Ärzte, die ihren Beruf doch als die Berufung empfindet sollten, Menschen zu heilen. Doch kein Arzt muss sich entscheiden, ob er für das körperliche und oft auch seelische Heil des Menschen sorgen möchte oder ob er in einer Partnerschaft lebt.

    Die Pfarrer der Orthodoxen Kirche, die in einer Gemeinde tätig sind dürfen heiraten, die Bischöfe müssen im Zölibat leben – diese Möglichkeiten hat ein katholischer Pfarrer nicht.

    In der Anglikanischen Kirche ist selbst den Bischöfen die Ehe erlaubt. In der evangelischen Kirche ist ein verheirateter Pfarrer an der Tagesordnung.

    Sie alle dürfen ihre Berufung leben ohne auf einen Partner verzichten zu müssen.

    • Jaques de Moley

      diese Möglichkeiten hat ein katholischer Pfarrer nicht….

      Dies ist leider nicht richtig. Konvertierte Pfarrer dürfen verheiratet bleiben. Bsp. ein protestantischer Pastor verheiratet, konvertiert zur katholischen Kirche. Dann kann er Pfarrer sein und darf weiterhin verheiratet bleiben- ist so nach kanonischem Recht. Theoretisch kann der Papst einen Pfarrer sogar vom Zölibat befreien ist bisher noch nicht vorgekommen, dennoch bestünde die Möglichkeit.

  • Sonja Filip

    Puh, da musste ich erst mal schlucken – Herr Gladbach gehört zu Heddesheim wie…. ja, wie das Amen unters Vater unser.
    Andererseits – ich habe Herrn Gladbach in all den Jahren als gewissenhaften und ehrlichen Menschen kennen und schätzen gelernt, der gerne auch mal unbequem war, wenn nötig. So auch jetzt. Seiner Entscheidung, die Gemeinde (vorerst?) zu verlassen, zolle ich meinen größten Respekt, denn ich könnte mir vorstellen, dass dies keine einfache Entscheidung war, sowohl seiner Gemeinde und sich selbst, aber auch seinem oberstem Chef im Himmel gegenüber.
    Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass Herr Gladbach seinen Job geliebt hat – nicht immer in allen Einzelheiten, aber immer konsequent und aus vollem Herzen.
    Dass die katholische Kirche überhaupt fordert, dass sich ein Mensch wie Herr Gladbach zwischen Liebe und Job entscheiden muss, ist traurig, aber altbekannt. Hier hat sich in all den Jahren seit dem Kirchenvolksbegehren nichts, aber auch gar nichts geändert, und ich stehe heute wie damals immer wieder skeptisch vor der Institution (katholische) Kirche, bei der viele ihrer Probleme hausgemacht sind.

    Ich wünsche Herrn Gladbach von Herzen alles Gute, Gesundheit und viel Kraft für diese Entscheidung jetzt – und den Kirchenoberen wie so oft, dass sie irgendwann doch einmal begreifen, dass Liebe, Partnerschaft, Sexualität (uuuuh!) und Emotionen katholische Priester nicht von ihrer Aufgabe abhalten, sondern sie im Gegenteil ihren Gemeinden näher bringen kann – und dass auch ein katholischer Priester das Recht auf eine Partnerschaft hat.

    Sonja Filip

  • Sonja Filip

    PS: In anderen Berufen gibts vom Chef einen Blumenstrauß, wenn man heiratet (=sich öffentlich zu einem Leben mit dem Partner entschließt). Bei der katholischen Kirche wird man dafür gefeuert….

  • onkel heini

    Alles Gute Hr.Gladbach,
    ich möchte an dieser Stelle auf das menschenverachtende Zölibat gar nicht eingehn, sondern Ihnen viel Gesundheit und einen langen Atem bei der Bewältigung Ihrer „Probleme“ wünschen. Es sind gerade die „Besten“ die unter der immer an ein“ mehr an Verantwortung „leiden müßen. Und dies nur weil sich Führungskräfte egal welcher Institution von den Fragen und Problemen Ihrer Mitarbeiter drücken.
    Gerade ich als Mißbrauchsopfer hat mich Ihre Offenheit dankbar vernehmen lassen, und als Opfer rufe ich Ihnen zu „Sie haben es richtig gemacht“ Ich bin selber wegen meiner Erlebnisse schon länger im Krankenstand, und erahne welchen schweren Weg Sie noch gehen müßen.
    Ich hoffe das Sie wieder voll gesunden, und dann das Leben führen dürfen das für Sie richtig ist, in Liebe, Glück und zufriedener Partnerschaft.
    Alles Gute wünscht Ihnen
    Onkel Heini

  • Kirchenkritiker

    Ich bin vor Jahren aus der (katholischen) Kirche ausgetreten – und merke in letzter Zeit immer mehr, wie richtig diese Entscheidung war. Die Ansichten und Handlungen der katholischen Kirche bzw. ihres Führungspersonals sind derart weltfremd und menschenverachtend, dass man nur hoffen kann, dass die Zahl der Kirchenaustritte weiter zunimmt. Ein Mann wie dieser Pfarrer Gladbach, der zu seinen Taten steht, wird entlassen – Pädophile, Kinderschänder, Heuchler werden geduldet. In welcher Lebenswirklichkeit leben die Bischöfe, Kardinäle und Päpste eigentlich? Zumindest nicht in unserer. Staatstragend, goldbehangen, mit beseeltem Blick, kommen Sie daher – lauter alte Männer. Einen Platz im Himmel als Verkaufsargument und Druckmittel. Doch mal ehrlich: Neben denen wollte ich nicht im Himmel sitzen…

    • Noneedforaname

      Einen weiteren Austritt wird es heute geben. Ich finde es nur unverschämt, dass die gebühren dafür so hoch sind. 50€, womöglich bekommt da die Kirche auch noch einen Anteil davon.

  • Argus

    Herr Gladbach,lassen sie Kirche Kirche sein und bleiben Sie in der Partnerschaft !
    Dann kommt auch Ihr Herz wieder in Ordnung und die Zweifel in die Mülltonne !

  • Jaques de Moley

    Ich wünsche Herrn Pfarrer Gladbach auf diesem Wege Gute Genesung.
    Natürlich darf er seine Partnerschaft nicht aufgeben- hierzu kann und darf ihn niemand zwingen und natürlich sind wir als Christen dazu aufgefordert alles in unserer Macht stehende zu tun um ihn als unseren Seelsorger zu behalten. Sein Chef Erzbischof Zöllitsch hat bereits 2008 in einem Interview der Süddeutschen Zeitung gegenüber Stellung bezogen: Der Zölibat ist theologisch nicht notwendig: Im übrigen leitet sich Zölibat vom lat. caelebs „unverheiratet lebend“ mir ist nicht bekannt, dass Herr Gladbach vermält ist?
    Der Zölibat ist auch nirgends in der Bibel verankert. Es gibt mehrere Bibelstellen, die besonderen wert darauf legen, dass Priester in einer festen Beziehung leben (Korinther 7,2; Leviticus 21,13-15; Timotheus 3,2-4). Herr Gladbach, ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihre Beziehung und freue mich sehr mit Ihnen bald wieder Gottesdienst feiern zu können. Wir, die Kirchengemeinde Heddesheim/ Ladenburg werden alles erdenkliche tun damit dies der Fall sein wird- mit GOTTES HILFE wird uns das auch gelingen. Gott schütze Sie: Lex dubia non obligat

  • lupo

    Hallo Herr Gladbach,
    sie stehen vor einer sehr wichtigen Entscheidung.
    Mein Rat ist, folgen sie ihrem Herzen, dann wird es die richtige Entscheidung.
    Ich wünsche Ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg alles Gute und viel Kraft.

    PS: Wenn die Kirche endlich einmal das Zölibat aufheben würde, gebe es weitaus weniger Probleme und Menschen wie Herr Gladbach kämen nicht in Gewissenskonflikt

  • Sonja Filip

    Wieso spricht der Mannheimer Morgen von einer Partnerschaft mit einer Frau!?!? Da ist wieder gründlich wie immer recherchiert worden…

    Daumen hoch für die Berichterstattung hier im Blog!

    • heddy

      Das ist entweder schlampig oder verschämt von Thurecht. Beides in jedem Fall würdelos und unangemessen.

      • dasheddesheimblog

        Guten Tag!

        Danke für Ihren Beitrag.

        Die Redaktion bittet um Beachtung: Privat ist privat und bleibt privat.

        Spekulationen um die Partnerschaft von Herrn Gladbach bitten wir zu unterlassen.

        Herr Gladbach hat seine privaten Lebensumstände öffentlich gemacht. Er lebt in einer Beziehung und verstößt damit gegen den von der katholischen Kirche geforderten Zölibat.

        Weitere Details aus und zu Herrn Gladbachs Privatleben sind für den momentanen Stand der Dinge und auch den Fortgang aus Sicht der Redaktion nicht relevant.

        Wir bitten, dies zu respektieren.

        Ein Meinungsaustausch zum Zölibat oder den Bedürfnissen der (Kirchen)Gemeinde hingegen ist gerne gesehen! 🙂

        Einen schönen Tag wünscht
        Das heddesheimblog

        • Sonja Filip

          Wie und mit wem Herrn Gladbachs Partnerschaft auch immer sein mag ist für die Sachdiskussion tatsächlich unerheblich, entschuldigung.
          Eigentlich wollte ich nur mein Entsetzen zum Ausdruck bringen, was der Mannheimer Morgen sich wieder für einen Faux pas geleistet hat.

        • Jaques de Moley

          Privat bleibt privat? Was ist denn das für eine komische Auffassung von Journalismus? Oder haben Sie etwas gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen? Warum darf darüber nicht geschrieben werden?

          • dasheddesheimblog

            Guten Tag!

            @Jaques de Moley
            Da Sie trotz unserer redaktionellen Bitte das Thema nicht lassen konnten, haben wir Sie angesichts der Bedeutung der Privatspähre ohne Vorwarnung auf die Sperrliste gesetzt.
            Zudem haben Ihre Beiträge den Charakter von „Serienkommentaren“, was uns auch nicht gefällt.
            Das heißt, Sie können gerne weiter Kommentare schreiben – diese werden aber erst nach Sichtung freigeschaltet.

            Wir fördern und unterstützen die Meinungsfreiheit, aber diese hat Grenzen. Beispielsweise beim Privaten.
            Das haben wir über unsere „Hausordnung“ definiert. Nachzulesen hier: „Wie mache ich hier mit.“

            Unsere erste Regel heißt: Privat ist privat und bleibt privat.

            Wir informieren die Öffentlichkeit über relevante Informationen. Dabei berichten wir auch über das Verhalten von Personen, an denen ein öffentliches Interesse besteht, wenn diese ein Amt innehaben oder irgendeine andere öffentliche Funktion wahrnehmen oder die Öffentlichkeit suchen.

            Ein einfaches Beispiel: Ein Parteimitglied oder ein Vereinsmitglied, das nur Mitglied ist, behandeln wir als Privatperson. Die Öffentlichkeit geht überhaupt nicht an, wie welche privaten Umstände dieser Person sind und wo diese überall Mitglied ist. Nimmt ein solches Mitglied aber eine Funktion innerhalb eines Vereins ein, wird das Mitglied damit in Zusammenhang mit dem Verein eine öffentliche Person, bleibt aber außerhalb dieser öffentlichen Funktion eine Privatperson. Dasselbe gilt für Angestellte und Beamte bei Ämtern, für Geschäftsleute oder sonstige Personen, beispielsweise Künstler oder Sportler.

            Herr Gladbach ist als Pfarrer eine öffentliche Person. Daneben hat er ein Privatleben, das wir respektieren. Wenn Herr Gladbach sein Privatleben in Teilen öffentlich macht, hebt er als Privatperson aus eigener Entscheidung diesen Teil des Privaten auf. Dann dokumentieren wir dies und kommentieren es auch, wie im vorliegenden Fall geschehen. Darüber hinaus respektieren wir weiterhin sein Leben als Privatperson. Vor allem dann, wenn private Informationen nichts zum Sachverhalt beitragen.

            Im übrigen haben wir Herrn Gladbach gefragt, ob er mit der Veröffentlichung von weitergehenden Informationen einverstanden ist. Er hat darum gebeten, darauf zu verzichten. Daran hält sich die Redaktion – nicht nur für die eigenen Texte.

            Der Sachverhalt ist, dass Herr Gladbach auf eigenen Wunsch hin beurlaubt wurde, weil er gegen den Zölibat handelt, weil er eine Beziehung führt. Ob das eine Wochenendbeziehung oder eine Hausgemeinschaft ist, ob der Lebenspartner älter, jünger oder was sonst auch immer ist, wie lange die Beziehung dauert usw. interessiert die Redaktion nicht im Geringsten.

            Informationen dazu würden nur das Sensationsbedürfnis bedienen – mehr nicht.

            Der Schutz der Privatspähre ist aus gutem Grund gesetzlich verankert. Hier ein Auszug aus Wikipedia, auf den wir uns beschränken wollen: Der Schutz der Privatsphäre ist im deutschen Grundgesetz aus einer Untergruppe des allgemeinen Persönlichkeitsrechts (Art. 2 Abs. 1 iVm Art. 1 Abs. 1) abzuleiten. Das besondere Persönlichkeitsrecht dient dem Schutz eines abgeschirmten Bereichs persönlicher Entfaltung. Dem Menschen soll dadurch ein räumlicher Bereich verbleiben, in dem er sich frei und ungezwungen verhalten kann, ohne befürchten zu müssen, dass Dritte von seinem Verhalten Kenntnis erlangen oder ihn sogar beobachten bzw. abhören können. Durch die Unverletzlichkeit der Wohnung (Art. 13 GG) und durch das Post- und Fernmeldegeheimnis (Art. 10 GG) wird der Schutzbereich konkretisiert. Die Ausnahmen hiervon (Abhören von Telefongesprächen und Wohnungen) werden als Lauschangriff bezeichnet und sind ebenfalls gesetzlich geregelt.“

            Auch der Deutsche Presserat formuliert in seinem Pressekodex für die Zeitungen „selbstverpflichtende Regeln“, die wir überwiegend anerkennen: Pressekodex (Richtlinie 8ff).

            Weitergehende Informationen zu den persönlichen Lebensumständen von Herrn Gladbach tragen nichts zur Sachstandsdiskussion bei. Der Sachstand ist: Herr Gladbach handelte als katholischer Pfarrer gegen den Zölibat.

            Diese Information war der Redaktion schon länger bekannt – und aus unserer Sicht seine Privatsache. Bis zur Veröffentlichung durch ihn selbst.

            Mit zunehmender öffentlichen Bekanntheit und Bedeutung nehmen die Persönlichkeitsrechte ab. Hier gilt es zu unterscheiden, ob diese „öffentliche Bedeutung“ selbst herbeigeführt ist oder nicht.

            Das bekannteste Beispiel dürfte Bill Clinton sein. Wenn ein amerikanischer Präsident ein Verhältnis mit einer Praktikantin hat, ist das erstmal eine Privatsache. Angesichts der sich daraus ergebenden Fragen allerdings nicht mehr. Es gab damals zwei Möglichkeiten: Rücktritt (Wahrung des Privaten) oder öffentliche Behandlung.

            Ein Gegenbeispiel sind die Opfer von Winnenden. Nichts, absolut gar nichts rechtfertigt aus unserer Sicht die Veröffentlichung von Opferfotos und privaten Informationen zu den Opfern. Viele Medien, darunter auch Stern und Focus haben detailliert berichtet. Die Redaktion des heddesheimblogs lehnt so etwas strikt ab, weil diese privaten Informationen nichts zur Sache beitragen.

            Ein Beispiel aus Heddesheim: Die Berichterstattung zu Frau Martina Merx und ihrem neuen Job als Sekretärin (Funktion) des Bürgermeisters Kessler (Amtsinhaber) in Zusammenhang mit ihrem Mann Jürgen Merx (SPD-Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender) (Funktion) ist zulässig, weil die Öffentlichkeit ein Anrecht darauf hat zu wissen, wie die personellen Zusammenhänge im Rathaus sind.

            Einen Bericht über das Privatleben der Eheleute Merx oder Herrn Kessler suchen Sie bei uns vergebens – weil das die Öffentlichkeit nicht zu interessieren hat.

            Um noch einmal auf Ihre Frage einzugehen, was wir für eine „komische Auffassung von Journalismus“ haben.

            Wie haben keine komische, sondern ein sehr ernsthafte Auffassung unserer Arbeit. Wir berichten verantwortungsvoll und verantwortlich.

            Wir berichten über Zusammenhänge, die eine Relevanz für die Öffentlichkeit haben.

            Wir berichten unabhängig und ohne falsche Rücksichtnahmen.

            Wir stellen Öffentlichkeit her, aber wir respektieren die Privatspähre.

            Einen schönen Tag wünscht
            Das heddesheimblog

  • Jaques de Moley

    Wen außer natürlich irgendwelche „ewig gestrigen“ interessiert denn ob es sich um eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft hält oder nicht?
    Es zählt doch nur was das Herz von Herrn Pfarrer Gladbach sagt und das entscheidet sich hoffentlich für die Beziehung. Wie immer bei Seelsorgern, die gezwungen werden im Zölibat zu leben und das nicht können, wird viel zu wenig über den Partner gesprochen. Auf diesem Wege alles Gute und viel Glück an den mir leider unbekannten Partner. Ich hoffe, dass er nicht ebenso stark leiden musste wie Herr Pfarrer Gladbach und hoffentlich keine bleibenden körperlichen Leiden wie Herr Pfarrer Gladbach mit sich trägt. …und ich bin immer noch der Meinung, dass Herr Pfarrer Gladbach unser Seelsorger bleiben muss. JETZT erst recht!!! Ultra posse nemo obligatur

    • A. Felis

      „und ich bin immer noch der Meinung, dass Herr Pfarrer Gladbach unser Seelsorger bleiben muss“

      Wünschen würde ich mir das auch sehr. Eigentlich unfassbar in welche elementaren Konflikte die Kath. Kirche ihre engagiertesten Mitglieder treibt.

      • Jaques de Moley

        Dem Stimme ich voll und ganz zu. Ich möchte hier nur mal anmerken, dass die kath. Kirche die Alimente für bis max. 3 uneheliche Kinder übernimmt. Allerdings nur wenn der Pfarrer die Kinder nicht offiziell anerkennt. Hält er sich daran passiert ihm nichts. Steht er zu seinen Kindern fliegt er raus. Wer lügt darf bleiben. Wer sich zu Wahrheit und Liebe bekennt hat muss gehen. Wie lange kann das noch so weiter gehen? Wir müssen uns dagegen wehren. Eine DEMO in Freiburg wäre genau das richtige!!!

        • Sonja Filip

          Ich wäre dabei.

        • Jaques de Moley

          Wir dürfen nicht kampflos aufgeben. Herr Gladbach hat nichts unrechtes getan- Wir müssen unsere Solidarität zum Ausdruck bringen. Wir sollten mit einer Unterschriftenliste anfangen, danach Freiburg, danach Rom!!!

        • Jaques de Moley

          …dann sind wir schon zu zweit. WO zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich Mitten unter euch…

        • lutz

          Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Demo im Interesse von Herrn Gladback wäre. Er sollte entscheiden, ob und in wie weit diese weiter öffentlich thematisiert wird. Nach meinem Verständnis wird er aber die nächsten Schritte mit sich persönlich ausmachen.

        • wasdennnoch

          Droht nicht gerade die kath. Kirche immer
          wenn es um die Einhaltung der Gebote geht.
          Eines davon lautet: 8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden … oder in Kurzform
          Du sollst nicht lügen.
          Dazu werden die Priester mit dieser Vorgehensweise geradezu angehalten.
          Welch Schande.
          Kirche, wo bist du geblieben. Mir tun die Menschen leid, die fest im Glauben stehen.
          Denen wird alles genommen. Herrn Gladbach sei Dank für seine Offenheit. Viel Glück für die Zukunft.

  • Sonja Filip

    Herr Gladbach wird nicht wiederkommen, und ich kann ihn verstehen.

  • S. Mayer

    „…., der werfe den ersten Stein!“

    Ich kann nicht von mir behaupten eine besonders gute Christin zu sein (was immer man darunter versteht!), doch ich habe meiner Kirche, in deren Glauben ich erzogen wurde, mit der ich aufgewachsen bin, nie den Rücken gekehrt. Trotz vieler Zweifel – gerade in jüngster Zeit! Auf die zunehmenden Misshandlungs- und Missbrauchsvorwürfe möchte ich gar nicht näher eingehen. Mit seinem Gebet hat mir Herr Pfarrer Gladbach aus der Seele gesprochen!

    Was ich an der katholischen Kirche kritisiere, ist das sie zu konservativ ist. Bestimmt ist es oft besser an Altbewährtem festzuhalten. Unsere Zeit ist schnelllebig, hektisch und oft oberflächlich. Doch in welcher Form hat sich der Zölibat bewährt? Und ist es nicht geradezu unumgänglich Standpunkte zu überdenken.

    Der Zölibat, einer der Gründe für meine Zweifel – weil er so viele irgendwann zur Verzweifelung bringt. Weil er so schrecklich ungerecht ist, vor allem für Kinder die aus solch verbotener Liebe entstehen. Für die Menschen, die sich nicht zueinander bekennen dürfen, ob gleichgeschlechtlich oder nicht, geht sowieso niemanden etwas an.

    Den Sinn des Zölibats habe ich bis heute nicht verstanden!
    Erst unter Papst Leo IX (1048-54) unternahm die römische Kirche den ernsthaften Versuch, die Geistlichen im äußersten Westen Europas zum Zölibat zu zwingen. Zuvor kam es recht häufig vor, das Männer und Frauen der Kirche in conhospitae, sogenannten Doppelhäusern zusammenlebten und ihre Kinder im Dienste Christi gemeinsam aufzogen. Selbst Priester und Bischöfe durften damals heiraten.
    Vielleicht haben die Entscheidungsträger der Kirche Gründe daran festzuhalten.
    Ich sehe nur, wie der Verfasser des oben stehenden Textes schon schrieb, dass die Kirche dadurch absolut fähige Leute verliert. Menschenfänger – Priester, die es verstehen mit Menschen umzugehen, die Gottesdienste halten, nach deren Besuch man beschwingt aus der Kirche geht, lacht und sich sagt: „Das war schön“ – ich sollte wieder viel öfter in die Kirche gehen“. Priester, die durch ihre offene, herzliche Art, meine Zweifel an der Kirche zerstreuen, und mein Vertrauen zurückgewinnen. Priester wie Herr Pfarrer Gladbach.

    Ich habe meinen kleinen Sohn katholisch taufen lassen und stehe hinter dieser Entscheidung. Getauft wurde er von einem symphatischen, jungen Diakon in meiner jetzigen Kirchengemeinde. Im Gespräch zuvor, habe ich ihm gegenüber meine Zweifel und meine Kritik an der Kirche erläutert und auch erklärt warum ich nie aus der Kirche ausgetreten bin und warum ich mein Kind taufen lassen möchte. Als Priester im Zölibat zu leben entsprach seiner absoluten Überzeugung.
    Ganz sicher hat jeder Priester, der gegen den Zölibat verstößt, ihn einst aus voller Überzeugung und Aufrichtigkeit abgelegt. Doch das Leben ist nicht zu 100% planbar und der ein oder andere Mensch, ob Priester oder nicht, hat irgendwann das große „Glück“ im Leben die große Liebe zu treffen.

    Lieber Herr Pfarrer Gladbach, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute und Gesundheit! Wie auch immer Sie entscheiden, es muss respektiert werden. Und diesen Respekt haben sie verdient. Nach meiner langen Schreiberei hier, muss ich eigentlich nicht noch betonen, dass ich Ihnen eigentlich am liebsten wünschen würde, sie müssten gar keine Entscheidung treffen. Ich würde mich so sehr freuen Sie in Heddesheim gesund und glücklich als Pfarrer wiederzusehen.

  • Kirche

    Sehr geehrte Redaktion.

    Ihr Bericht hat mich sehr berührt.

    Was ich nicht verstehe – es gibt in Heddesheim immer mal wieder Veranstaltungen wie Konzerte in den Kirchen.

    Warum berichten Sie so gut wie nie darüber?

    Mich würde das sehr interessieren, weil ich mittlerweile Ihr blog täglich lese.

    Ein schönes Wochenende

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke für Anfrage.

      Wir haben beiden Pfarrämtern mehrfach angeboten, uns zu Veranstaltungen einzuladen. Bis heute ist dies nicht einmal geschehen.
      Wir gehen davon aus, dass eine Berichterstattung von den Heddesheimer Kirchenleitungen nicht gewünscht wird – vermutlich auch aufgrund personeller Verflechtungen mit dem Gemeinderat.

      Kirchen sind wie alle privaten Veranstalter oder Vereine nicht verpflichtet, uns zu informieren oder einzuladen.

      Bei besonderen Anlässen von hohem öffentlichen Interesse berichten wir trotzdem.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das heddesheimblog