Donnerstag, 29. Juni 2017

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“ – Vernissage im Alten Rathaus


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Heddesheim/Ladenburg, 10. Mai 2011 (red) Die Ausstellung, die zur Zeit im Alten Rathaus gezeigt wird, ist mit dem Titel „Sagenhafte Gegens├Ątze“ betitelt. Sagenhaft ist der Zyklus zu den Nibelungen, die die K├╝nstlerin Renate Huthoff ausstellt. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte und Skulpturen der K├╝nstlerin Maria-Ilse L├Ârincz. Es ist ein „Mythos der Moderne“. Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage von der neuen Vorsitzenden des Heddesheimer Kunstvereins, der K├╝nstlerin Veronika Drop, er├Âffnet.

Von Sabine Prothmann

Die musikalische Begleitung und die einf├╝hrenden Worte kamen von dem Ladenburger Maler und Musiker Rudolf Klee, der damit der Vernissage einen weiteren kunstvollen Glanzpunkt verlieh.

Die „Edition Nibelungen“ zeigt auf neun Fotoradierungen die Geschichte der Nibelungen. Die geborene Mannheimerin, Renate Huthoff, lebt in Lampertheim und hat ihr Atelier in Worms, in der Stadt der Nibelungen. Die allgegenw├Ąrtige Pr├Ąsenz dieser Sage hat die K├╝nstlerin zu diesen Bildern veranlasst. Ausgangspunkt ist immer ein Foto, das sich weiterentwickelt, wie in dem Bild „Wie er einen Lindwurm erschlagen mit seiner Hand“.

Die Fotografie der Siegfried-Skulptur scheint lebendig zu werden und mit dem Dolch in der Hand erschl├Ągt er den schwarzen Drachen. In Rot leuchtet das Auge und die Zunge schie├čt aus dem Maul w├Ąhrend sich das Blut ├╝ber den Boden ergie├čt. Um dieses Ergebnis zu erreichen, bringt Huthoff drei Platten ├╝bereinander und mit Hilfe eines chemischen Verfahrens entstehen die Mehrfarbradierungen. In Graut├Ânen und tiefem Schwarz, akzentuiert durch intensives Rot. So tr├Ągt Kriemhild bei dem „Streit der K├Âniginnen“ ein blutrotes Kleid.

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle.“

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“, sagt die K├╝nstlerin. So h├Ąlt jedes Bild einen wichtigen Augenblick der Sage fest, beginnt bei einem Foto und entwickelt eine Handlung. Dabei hat sie tief in den Archiven gegraben, sich mit den Nibelungen und der nordischen Edda besch├Ąftigt.

Und so wurde ihre „Edition Nibelungen“ auch in das Heimatjahrbuch 2011 der Stadt Worms aufgenommen.

Huthoff hat auch zwei Rotuli mitgebracht, Papierrollen, die sich aufgerollt ├╝ber je 6,70 Meter erstrecken. Mit Papier, Kohle, Filzstift, Graphit, Tusche und W├Ąscheklammern bewaffnet setzte sich die K├╝nstlerin unter alte Olivenb├Ąume in Griechenland. Spontane Zeichnungen sind entstanden, „ich erf├╝hle f├╝r mich, das Leben im Baum“, erz├Ąhlt Renate Huthoff. Bizarre Formen, mal figurativ, mal abstrakt, scheinen lebendig zu werden, sich zu wandeln.

Es ist, als wenn man auf der Erde liegt und Wolkenformationen betrachtet, sagt Rudolf Klee in seiner Einf├╝hrung.

Dazu im Gegensatz die Plastiken aus Bronze der K├╝nstlerin Maria-Ilse L├Ârincz, die im Wachsausschmelzverfahren gegossen wurden. Maria-Ilse L├Ârincz kam 2007 ├╝ber den Steinguss-Bildhauerworkshop auf dem Dilsberg zu der Bronze.

Die ausgestellten Plastiken entstanden in den folgenden Jahren bei der Brandenburger Bildhauer-Sommerakademie in Strau├čberg. Die K├╝nstlerin lebt und arbeitet in Ladenburg.

Die Suche nach der Urform.

Es ist die Suche nach der Urform, die sich ver├Ąndert, sich entwickelt.

Viele der Objekte haben ein Au├čen und ein Innen. B├Âgen scheinen in das Innere des Kunstwerks zu f├╝hren und erinnern fasst an die das Gew├Âlbe einer Kathedrale, wobei der Wechsel der Form, mal rund, mal eckig wieder zu einem Bruch dieser Assoziation f├╝hrt.

Betrachtet man eine Kathedrale von Au├čen ist sie eine Skulptur, betritt man sie, erlebt man sie als Raum, erkl├Ąrt Rudolf Klee.

Es ist der Dialog von Fl├Ąche und Form und von Raum und Material, der die K├╝nstlerin antreibt. „Ich mache Skizzen und daraus entsteht das Objekt“, erst dann gibt sie ihren Plastiken Namen.

So ist auch der „Krieger“ entstanden. Das Material wurde geformt und gebogen und eine Figur mit Speer in der Hand wurde „geboren“. L├Ârincz bezeichnet das Ergebnis als die Abbildung des Prozesses.

Die sieben Bronzeplastiken und die beiden Steinguss-Objekte laden den Betrachter ein, sich auf den Weg zu machen und den Schaffensprozess zu verfolgen und zu empfinden. Sie lassen Raum f├╝r eigene Interpretationen.

„Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar.“

Beide K├╝nstlerinnen „machen sichtbar“, sagt Rudolf Klee und zitiert seinen Namensvetter Paul Klee: „Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar“ und schl├Ągt damit auch die Br├╝cke zwischen den so scheinbar unterschiedlichen Kunstwerken.

W├Ąhrend Huthoff die bildnerischen Ereignisse sichtbar mache, die Botschaft aus dem Innersten ziehe, setze L├Ârincz den Innen- und Au├čenraum in Beziehung.

Beide K├╝nstlerinnen schaffen Meisterwerke, sie beherrschen die Kunst und die Technik, so Klee. „Denn Kunst kommt von K├Ânnen, k├Ąme sie von Wollen, hie├če sie Wulst“.

Als bekennender Romantiker spielt Klee wunderbar romantische eigene St├╝cke, aber auch Teile von Rodrigos Concierto de Aranjuez und von Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert, dem „sch├Ânsten Klavierkonzert, was ich kenne“. Und nebenbei bekommen die Besucher der Vernissage einen kleinen Exkurs in die Musiklehre. Und das Gef├╝hl drei begeisternden K├╝nstlern begegnet zu sein und einem „Gesamtkunstwerk“ beigewohnt zu haben.

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Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Weitere Infos: Die K├╝nstlerin Veronika Drop l├Âste als Vorsitzende des Kunstvereins Martine Herm ab, die aus gesundheitlichen Gr├╝nden ihr Amt abgeben musste. Drop ist geb├╝rtige Rheinl├Ąnderin und lebt seit 30 Jahren in Heddesheim. Sie ist seit der Gr├╝ndung des Vereins, 2006, Mitglied.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Danke f├╝r den sehr guten Artikel „Es sind Augenblicke, die ich sammle“ von Frau Sabine Prothmann
    ├╝ber unsere Ausstellung „Sagenhafte Gegens├Ątze“ im Alten Rathaus
    Heddesheim, erschienen am 10.05.2011

    Liebe Gr├╝├če an Frau Prothmann
    Renate Huthoff