Samstag, 19. August 2017

„Es ist ein bissle wie ein Kurzurlaub“ – Lesung mit Petra Durst-Benning

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Guten Tag!

Heddesheim, 10. Oktober 2010. Die schw√§bische Autorin Petra Durst-Benning war mit ihrem neuesten Roman „Die russische Herzogin“ zur Lesung im B√ľrgerhaus. Eine Autorin zum Anfassen.

Von Sabine Prothmann

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Gut gelaunte Schwäbin: Petra Durst-Benning. Bild: heddesheimblog.de

Sie sieht nett aus und ist auch richtig sympathisch. Sie ist Schw√§bin und das darf man auch merken. Und sie schreibt B√ľcher und gibt Lesungen, die die Frauen – und das sind es vor allem – aus dem Alltag f√ľhren wollen und sollen: „Das ist ein bissle, wie ein Kurzurlaub“.

Petra Durst-Benning gab – jetzt schon zum zweiten Mal – eine Lesung im Heddesheimer B√ľrgerhaus. Gut 50 Personen – davon ein Mann – waren gekommen, um sich aus ihrem neuen Buch – „Die russische Herzogin“ vorlesen zu lassen.

Die Veranstaltung wurde wie immer gut organisiert von der Gemeindeb√ľcherei Heddesheim und der B√ľcherecke am Rathaus.

Ein angeborener Hang zu historischen Stoffen?

Petra Durst-Benning stellt ihre Frauengestalten immer in einen historischen Kontext. „Meine Eltern hatten einen Antiquit√§tenladen und dort habe ich immer Gespr√§che belauscht. Und √ľberhaupt mein Vater ist ein begnadeter Geschichtenerz√§hler“, erkl√§rt sie ihren Hang zu historischen Stoffen.

Ihre Figuren seien immer regional angesiedelt, erfahren die Zuh√∂rer von dem Buchh√§ndler Manfred Zei√ü bei der Einf√ľhrung. Dabei bleibt die Autorin meist ihrer Heimat verbunden, viele Geschichten spielen im s√ľddeutschen Raum, aber sie f√ľhrt ihre Leser auch in einer Trilogie nach Th√ľringen, nimmt sie mit nach Amerika oder an den Lago Maggiore.

Zei√ü erz√§hlt weiter, dass Durst-Benning gern und gut schw√§bisch und mediterran kocht und viel liest. 1996 erschien ihr erster Roman „Die Silberdistel“.

Seit dem war Petra Durst-Benning fleißig, 12 Romane hat sie inzwischen geschrieben. Das ist mehr als der Verlag von ihr verlangt, das sind nämlich nur ein Buch alle eineinhalb Jahre, sagt sie.

„Dann habe ich mich wieder in die Recherche gest√ľrzt“

Der Vorg√§ngerroman von „Der russischen Herzogin“ war die „Zarentochter“. Ein Bild habe sie dazu inspiriert, erz√§hlt die Autorin.

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Autogramm-Stunde. Bild: heddesheimblog.de

Im ersten Band lernen die Leser die Zarentochter kennen und leben und leiden mit ihr bis zu ihrer Heirat mit dem Kronprinzen von W√ľrttemberg. Durst-Benning liest daraus vor, von der Ankunft der Zarentochter Olga in Stuttgart.

Das Buch endet mit einem „sch√∂nen Happyend, gell fast schon Hollywood-m√§√üig“, freut sich die Autorin. Doch sie war damit noch nicht zufrieden, sie wollte wissen, wie geht es weiter in dem Leben der Zarentochter Olga, war sie mit dem Prinzen Karl gl√ľcklich. Und so „habe ich mich wieder in die Recherche gest√ľrzt, denn meine Neugier und Lust mehr zu erfahren waren gro√ü“, erz√§hlt Durst-Benning.

Bei der Recherche st√∂√üt sie auf die Nichte der Zarentochter, Wera. Im Fortsetzungsband erz√§hlt sie nun die Geschichte Weras, die zu ihrer kinderlosen Tante Olga an den w√ľrttembergischen Hof nach Stuttgart kommt.

Informationen zu dieser historischen Figur findet sie im Tagebuch der Baronin Eveline von Massenbach, Olgas Hofdame.

„Ich hab mir die Finger wund geschrieben.“

Die Passage von der Ankunft Weras in Stuttgart liest sie dann auch vor. Die Zuhörer hören von einem bockigen, schwierigen neunjährigen Kind Рund das wird schnell klar -, das es seiner Tante nicht so einfach machen wird.

Gest√ľtzt auf das Tagebuch der Baronin kommt Petra Durst-Benning zu dem Schlu√ü, so ein Verhalten w√ľrde man heute mit ADS oder ADHS diagnostizieren. „Aber ich kann nicht beweisen, dass die Wera ein ADS-Kind war“. Durst-Benning will auch nicht die historisch verbriefte Wahrheit √ľber ihre Figuren schreiben, sondern sie will sich diesen ann√§hern, der Rest ist die k√ľnstlerische Freiheit, ihre Sicht der Geschichte.

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Vor allem Frauen sind Fans von Durst-Benning-Romanen. Bild: heddesheimblog.de

Was haben sie als n√§chstes vor“, will eine Zuh√∂rerin wissen. Die Autorin lacht: „Ich wei√ü es, aber es wird nicht verraten“.

Die Romane von Petra Durst-Benning sind sicherlich kein gro√üer literarischer Wurf, aber diesen Anspruch hat sie auch nicht. Die blonde, sympathische Schw√§bin m√∂chte unterhalten, m√∂chte ihre Leser auf einen Kurzurlaub mitnehmen, denn: „Sie sollen sich nicht anstrengen, sondern der Autor“. Sie m√∂chte ihre Geschichten und Figuren „selbst ersp√ľren“ und bei den tragischen Verwicklungen, die sich in ihren B√ľchern ergeben, sagt sie, „muss man auch was aushalten k√∂nnen“.

Lesungen machen ihr Spa√ü – das sp√ľrt man

Lesungen machen ihr richtig Spa√ü, das sp√ľrt man. Sie plaudert mit ihren Lesern, beantwortet Fragen. Ihre Romangestalten liegen ihr am Herzen sowie das Wohl ihrer Zuh√∂rer.

In der Pause konnten die Besucher des B√ľrgerhauses, Pflug, ihre B√ľcher kaufen und signieren lassen, gerne auch mitgebrachte √§ltere Exemplare. Das macht sie gerne und schw√§tzt dabei mit ihren Fans.

Sie sagt, „ich gehe gerne in kleine Buchl√§den“, da k√∂nne man st√∂bern und sich beraten lassen. Wenn sie sagt: „Amazon hat Ihnen noch nie eine Lesung organisiert“, und wenn sie erz√§hlt, dass sie Reisen mit ihren Fans zu den Handlungorten ihrer Romane veranstaltet, wei√ü man, worauf es ihr ankommt, n√§mlich auf den pers√∂nlichen Kontakt.

Die Veranstaltungsbesucher haben zwar keine Weltliteratur gehört, aber einen persönlichen Abend mit einer sehr sympathischen Autorin erlebt.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • H√∂nig Heidrun

    Hallo Heddesheim,
    die Lesung war auch f√ľr mich einmal etwas anderes. Ganz toll fand ich, da√ü man nicht alleine lesen mu√üte, sondern in Gesellschaft war und auch noch eine Menge Informationen erhalten hat.

    Da ich auf den Rollstuhl angewiesen bin, war es leider nicht so toll, da√ü die Behindertentoilette abgeschlossen war und sich auch nicht mit dem Locus-Schl√ľssel √∂ffnen lie√ü.

    Locus-Schl√ľssel = Mit diesem Schl√ľssel kann man in fast allen L√§ndern die Behinderten-Toiletten √∂ffnen. Nur nicht in Heddesheim Pflug und in Mannheim Hauptbahnhof.

    Viele Gr√ľ√üe
    Heidrun Hönig

  • reiner edinger

    Ich war dieser einzige Mann bei dieser Lesung und hoffe, dass nicht alle Lesungen auf diesem Niveau sind. Ich dachte als ich zu der Lesung ging, dass hier zumindest ansatzweise Litaratur geboten wird. Was ich da geh√∂rt habe war nichts weiter als ein Drei-Groschen-Roman. Obwohl ich gerne auch historische Romane lese. Ich war sehr ent√§uscht und mit mir zum Gl√ľck noch einige Frauen die in der Pause gegangen sind. Die konnten es auch nicht mehr h√∂ren.
    Gruß
    Reiner Edinger

    • Leserin E.

      Herr Edinger, ihre Kritik verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Haben Sie denn noch nie vorher ein Buch von Frau Durst-Benning gelesen, nichts √ľber die Autorin gewusst? Gerade wenn Sie ein Freund historischer Romane sind, m√ľssten Sie doch schon mal etwas von Frau Durst-Benning geh√∂rt oder gelesen haben oder zumindest wissen, was Sie erwartet?
      Sollten sie aber gewisserma√üen wirklich „blind“ zu dieser Lesung gegangen sein um sich √ľberraschen zu lassen, d√ľrfte Ihnen doch klar gewesen sein, dass das Risiko entt√§uscht zu werden mehr als nur hoch ist. Oder haben sie wirklich erwartet, im Heddesheimer B√ľrgerhaus Weltliteratur zu h√∂ren?