Dienstag, 17. Juli 2018

„Es ist ein bissle wie ein Kurzurlaub“ – Lesung mit Petra Durst-Benning

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Guten Tag!

Heddesheim, 10. Oktober 2010. Die schwĂ€bische Autorin Petra Durst-Benning war mit ihrem neuesten Roman „Die russische Herzogin“ zur Lesung im BĂŒrgerhaus. Eine Autorin zum Anfassen.

Von Sabine Prothmann

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Gut gelaunte SchwÀbin: Petra Durst-Benning. Bild: heddesheimblog.de

Sie sieht nett aus und ist auch richtig sympathisch. Sie ist SchwĂ€bin und das darf man auch merken. Und sie schreibt BĂŒcher und gibt Lesungen, die die Frauen – und das sind es vor allem – aus dem Alltag fĂŒhren wollen und sollen: „Das ist ein bissle, wie ein Kurzurlaub“.

Petra Durst-Benning gab – jetzt schon zum zweiten Mal – eine Lesung im Heddesheimer BĂŒrgerhaus. Gut 50 Personen – davon ein Mann – waren gekommen, um sich aus ihrem neuen Buch – „Die russische Herzogin“ vorlesen zu lassen.

Die Veranstaltung wurde wie immer gut organisiert von der GemeindebĂŒcherei Heddesheim und der BĂŒcherecke am Rathaus.

Ein angeborener Hang zu historischen Stoffen?

Petra Durst-Benning stellt ihre Frauengestalten immer in einen historischen Kontext. „Meine Eltern hatten einen AntiquitĂ€tenladen und dort habe ich immer GesprĂ€che belauscht. Und ĂŒberhaupt mein Vater ist ein begnadeter GeschichtenerzĂ€hler“, erklĂ€rt sie ihren Hang zu historischen Stoffen.

Ihre Figuren seien immer regional angesiedelt, erfahren die Zuhörer von dem BuchhĂ€ndler Manfred Zeiß bei der EinfĂŒhrung. Dabei bleibt die Autorin meist ihrer Heimat verbunden, viele Geschichten spielen im sĂŒddeutschen Raum, aber sie fĂŒhrt ihre Leser auch in einer Trilogie nach ThĂŒringen, nimmt sie mit nach Amerika oder an den Lago Maggiore.

Zeiß erzĂ€hlt weiter, dass Durst-Benning gern und gut schwĂ€bisch und mediterran kocht und viel liest. 1996 erschien ihr erster Roman „Die Silberdistel“.

Seit dem war Petra Durst-Benning fleißig, 12 Romane hat sie inzwischen geschrieben. Das ist mehr als der Verlag von ihr verlangt, das sind nĂ€mlich nur ein Buch alle eineinhalb Jahre, sagt sie.

„Dann habe ich mich wieder in die Recherche gestĂŒrzt“

Der VorgĂ€ngerroman von „Der russischen Herzogin“ war die „Zarentochter“. Ein Bild habe sie dazu inspiriert, erzĂ€hlt die Autorin.

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Autogramm-Stunde. Bild: heddesheimblog.de

Im ersten Band lernen die Leser die Zarentochter kennen und leben und leiden mit ihr bis zu ihrer Heirat mit dem Kronprinzen von WĂŒrttemberg. Durst-Benning liest daraus vor, von der Ankunft der Zarentochter Olga in Stuttgart.

Das Buch endet mit einem „schönen Happyend, gell fast schon Hollywood-mĂ€ĂŸig“, freut sich die Autorin. Doch sie war damit noch nicht zufrieden, sie wollte wissen, wie geht es weiter in dem Leben der Zarentochter Olga, war sie mit dem Prinzen Karl glĂŒcklich. Und so „habe ich mich wieder in die Recherche gestĂŒrzt, denn meine Neugier und Lust mehr zu erfahren waren groß“, erzĂ€hlt Durst-Benning.

Bei der Recherche stĂ¶ĂŸt sie auf die Nichte der Zarentochter, Wera. Im Fortsetzungsband erzĂ€hlt sie nun die Geschichte Weras, die zu ihrer kinderlosen Tante Olga an den wĂŒrttembergischen Hof nach Stuttgart kommt.

Informationen zu dieser historischen Figur findet sie im Tagebuch der Baronin Eveline von Massenbach, Olgas Hofdame.

„Ich hab mir die Finger wund geschrieben.“

Die Passage von der Ankunft Weras in Stuttgart liest sie dann auch vor. Die Zuhörer hören von einem bockigen, schwierigen neunjĂ€hrigen Kind – und das wird schnell klar -, das es seiner Tante nicht so einfach machen wird.

GestĂŒtzt auf das Tagebuch der Baronin kommt Petra Durst-Benning zu dem Schluß, so ein Verhalten wĂŒrde man heute mit ADS oder ADHS diagnostizieren. „Aber ich kann nicht beweisen, dass die Wera ein ADS-Kind war“. Durst-Benning will auch nicht die historisch verbriefte Wahrheit ĂŒber ihre Figuren schreiben, sondern sie will sich diesen annĂ€hern, der Rest ist die kĂŒnstlerische Freiheit, ihre Sicht der Geschichte.

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Vor allem Frauen sind Fans von Durst-Benning-Romanen. Bild: heddesheimblog.de

Was haben sie als nĂ€chstes vor“, will eine Zuhörerin wissen. Die Autorin lacht: „Ich weiß es, aber es wird nicht verraten“.

Die Romane von Petra Durst-Benning sind sicherlich kein großer literarischer Wurf, aber diesen Anspruch hat sie auch nicht. Die blonde, sympathische SchwĂ€bin möchte unterhalten, möchte ihre Leser auf einen Kurzurlaub mitnehmen, denn: „Sie sollen sich nicht anstrengen, sondern der Autor“. Sie möchte ihre Geschichten und Figuren „selbst erspĂŒren“ und bei den tragischen Verwicklungen, die sich in ihren BĂŒchern ergeben, sagt sie, „muss man auch was aushalten können“.

Lesungen machen ihr Spaß – das spĂŒrt man

Lesungen machen ihr richtig Spaß, das spĂŒrt man. Sie plaudert mit ihren Lesern, beantwortet Fragen. Ihre Romangestalten liegen ihr am Herzen sowie das Wohl ihrer Zuhörer.

In der Pause konnten die Besucher des BĂŒrgerhauses, Pflug, ihre BĂŒcher kaufen und signieren lassen, gerne auch mitgebrachte Ă€ltere Exemplare. Das macht sie gerne und schwĂ€tzt dabei mit ihren Fans.

Sie sagt, „ich gehe gerne in kleine BuchlĂ€den“, da könne man stöbern und sich beraten lassen. Wenn sie sagt: „Amazon hat Ihnen noch nie eine Lesung organisiert“, und wenn sie erzĂ€hlt, dass sie Reisen mit ihren Fans zu den Handlungorten ihrer Romane veranstaltet, weiß man, worauf es ihr ankommt, nĂ€mlich auf den persönlichen Kontakt.

Die Veranstaltungsbesucher haben zwar keine Weltliteratur gehört, aber einen persönlichen Abend mit einer sehr sympathischen Autorin erlebt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.