Samstag, 19. August 2017

Ausstellung von Norbert Huwer im Alten Rathaus

Eigentlich sind es nur Streifen. Aber nur eigentlich.

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Streifen - eine Frage des Stand- und Blickpunktes. Foto: Heddesheimblog.

Heddesheim, 10. Mai 2012. (red) Unter dem Titel „No stars – but stripes“ eröffnete der Heddesheimer Kunstverein am vergangenen Sonntag eine Ausstellung zu den Stegplattenbildern und Grafiken des KĂŒnstlers Norbert Huwer. Der Kunstverein hatte wieder eine glĂŒckliches HĂ€ndchen bewiesen. Die Ausstellung begeistert.

Von Sabine Prothmann

Eigentlich sind es nur Streifen. Aber nur eigentlich.

Man betritt den Ausstellungsraum im Alten Rathaus und ist ĂŒberrascht und beeindruckt. Die Exponate des KĂŒnstlers Norbert Huwer verlassen die ZweidimensionalitĂ€t. Sie erzeugen Bewegung und Raum.

Die Stegplatten stammen aus der Industrie, mit einer Spritze injeziert Huwer die Farbe in die Kammer und bemalt die RĂŒckseiten. Es enstehen farbige Streifen, die je nach Position des Betrachters ein anderes Muster bilden.

Verschiedene Standpunkte. Foto: Hedesheimblog.

Seine Stegplattenbilder bezeichnet der KĂŒnstler selbst als „hochgerĂŒstete Hinterglasmalerei“.

Es sind Bilder, die nicht als FlĂ€che, sondern als Raum auf den Betrachter wirken. Man nĂ€hert sich, verĂ€ndert die Position und eine ganz neue Betrachtungsweise erschließt sich.

Es ist eine Welt zwischen Malerei und Plastik.

Klare krĂ€ftige Acrylfarben hinter und im Plexiglas „lassen die dritte und manchmal sogar die vierte Dimension real und gleichzeitig irreal werden“.

Per Foto lĂ€sst sich Huwers Kunst kaum abbilden. Seine Kunstwerke mĂŒssen erlebt und „begangen“ werden, denn dann scheinen sie ein Eigenleben zu entwickeln.

WYGIMTYS betitelt der KĂŒnstler seit 2004 diese Arbeiten. Als „Anlehnung und in Variation des in der Computerwelt allseits bekannten WYSIWYG, das besagen will, man bekomme das, was man sehen kann“.

Huwers Bezeichnung What You Get Is More Than You See meint, „wir erhalten mehr als das, was jeweils visuell aufgenommen werden kann“.

Das heißt, was der Betrachter auf den ersten Blick erfasst, verĂ€ndert sich, sobald er sich bewegt. Farbe und Form wandeln sich mit der VerĂ€nderung des Standpunktes.

Elf WYGIMTYS hat Huwer im Alten Rathaus aufgehĂ€ngt. Drei Ink-Jet-Prints und zwei FarbtĂŒrme ergĂ€nzen die Ausstellung.

Norbert Huwer mit Saxophon. Foto: Heddesheimblog.

Zur Eröffnung spielt Norbert Huwer auf seinem Saxophon. Das macht er sehr gut. Er trÀgt ein gestreiftes Jacket, vielleicht eine Hommage an seine Bilder.

Es gibt Menschen mit Mehrfachbegabungen, sagt Veronika Drop, Vorsitzende des Heddesheimer Kunstvereins bei ihrer BegrĂŒĂŸung.

Es ist eine Frage des Standpunkts

„Ich konnte mich beim Aufbau der Ausstellung kaum von den Bildern los reißen, erzĂ€hlt Drop. Hier gehe es um Bildwahrnehmungen und um menschliche Wahrnehmungen und es stelle sich die Frage, „wer verĂ€ndert sich“.

In einem Prospekt könne man Huwers Kunst nur unzulĂ€nglich darstellen, „die Bilder fordern Bewegung“. „Es ist eine Ausstellung der besonderen Art“, sagt Veronika Drop.

Norbert Huwer erzÀhlt. Er wurde beinflusst vom Konstruktivismus, Minimalsimus und Op-Art (optische Kunst).

Doch zunĂ€chst „habe ich als 16-JĂ€hriger surrealistischer gemalt als Dali“, sagt er und lacht.

In Karlsruhe studierte er Malerei und Grafik. Er beschÀftigte sich mit Körper, Fragmenten, Volumen.

Es entstanden HÀngeobjekte. Und schon hier war die VerÀnderung von Form und Farbigkeit bestimmend.

„Arbeit ist fĂŒr mich Meditation, bei der Arbeit versetze ich mich in einen anderen Status.“

Mit medizinischen Spitzen werde zunĂ€chst weiße Farbe in die Kammern der Segplatten injektziert, um die Farben zu isolieren. Dann folgt die Farbe hinter dem „Glas“. Die EntwĂŒrfe entstehen am Computer.

Was passiert, wenn man Standpunkt und Blickpunkt verĂ€ndert, verĂ€ndern diese Konditionen auch die Wahrnehmung und das Urteil fragt der KĂŒnstler.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Juni, immer sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr, im Alten Rathaus zu bewundern. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen.

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