Dienstag, 17. Juli 2018

Die Alte Apotheke, der Kommentar und die Diskussion

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Guten Tag!

Heddesheim, 10. Februar 2010. Der Kommentar „Kein Kinderlachen f├╝r das heddesheimblog“ ist selbst ├╝ber 50 Mal kommentiert worden. Von „Zensur“ ist die Rede, von „Diffamierung“, von „Hetzern“ und „Verschw├Ârungsseiten“. Die Redaktion hat jeden Leserkommentar zu diesem Text ver├Âffentlicht – um exemplarisch zu zeigen, welche unterschiedlichen Niveaus diese Beitr├Ąge haben.

Von Hardy Prothmann

Verschiedene Kommentarschreiber sehen in meinem Kommentar ├╝ber das Verhalten des Apothekers Gaber eine „Diffamierung„. Nach der Wikipediadefinition hie├če das, der Kommentar w├╝rde gezielt „Ger├╝chte“ streuen, um „den Betroffenen gesellschaftspolitisch auszuschalten, mundtot zu machen oder zu ruinieren“.

Der Kommentar schildert aber keine „Ger├╝chte“, sondern zutreffende Tatsachen. Es gab eine Spendenaktion, eine Ehrung und eine Berichterstattung dar├╝ber im Mannheimer Morgen. Und es gab eine Anfrage des heddesheimblogs an Herrn Gaber.

Herr Gaber hat sich f├╝r ├ľffentlichkeit entschieden: ├â┼ôber vivesco organisiert gab es einen Pressetermin und eine Pressemitteilung. Und Herr Gaber hat sich gegen ein Gespr├Ąch mit dem heddesheimblog entschieden.

Das heddesheimblog hat auch ohne Mitwirkung von Herrn Gaber ├╝ber die Aktion berichtet – Grundlage daf├╝r war die Presseinformation. Dar├╝ber hinaus haben wir im Kommentar dargestellt, wie Herr Gaber auf unsere Presseanfrage reagiert hat. Herr Gaber muss nicht mit uns reden. Er kann es aber. Wir m├╝ssen nicht ├╝ber die Aktion und sein Verhalten berichten, wir k├Ânnen es aber.

Herr Gaber hat ├ľffentlichkeit gesucht und will durch diese ├ľffentlichkeit ein positives Image erreichen. Gleichzeitig verweigert er einer journalistischen Redaktion aus „ungenannten Gr├╝nden“ auf ein h├Âfliche Anfrage hin Ausk├╝nfte.

Die Schilderung dieses Vorgangs soll und wird Herrn Gaber weder mundtot machen, noch ruinieren. Das ist auch nicht Ziel des Kommentars gewesen.

Das Ziel war einzig und allein, darzustellen, wie Herr Gaber bei Medien selektiert – also eine Form von Zensur betreibt und damit die Berichterstattung ├╝ber eine „gute Sache“ verhindern m├Âchte. Er baut eine Front auf, die uns unbekannt war und ist.

Dar├╝ber hinaus ist die Haltung Herrn Gabers gegen├╝ber dem heddesheimblog nicht nachvollziehbar: Weder er noch eine seine Angestellten noch sein Gesch├Ąft, die Apotheke, waren zuvor einmal Gegenstand unserer Berichterstattung.

Wie der Bericht ohne diese unverst├Ąndliche Verweigerungshaltung ausgefallen w├Ąre, kann man hier auf dem heddesheimblog nachlesen: positiv.

Herr Gaber hatte im Gespr├Ąch noch erw├Ąhnt, er wolle nicht, dass private Informationen ├╝ber ihn ins Internet kommen. Das ist mit Verlaub ebenfalls nicht nachvollziehbar: Es sollten erstens keine privaten Informationen ver├Âffentlicht, sondern ├╝ber die Aktion berichtet werden. Zweitens unterh├Ąlt Herr Gaber mit seiner Apotheke eine Internetseite und drittens wird auch jeder Bericht des Mannheimer Morgens ins Internet gestellt.

Die Diskussion um den Kommentar haben wir beispielhaft ohne Einschr├Ąnkung zugelassen, damit unsere Leserinnen und Leser einen Eindruck gewinnen ├╝ber die Art und Qualit├Ąt von Kommentaren, die wir nur selten freischalten. Nicht, weil sie Kritik an unserer Arbeit ├Ąu├čern, sondern wie diese ge├Ąu├čert wird: Meist beleidigend, diffamierend und frei von Argumenten. Teils wird auch gedroht, wie von „Alexander Reinhold“. Und alle diese Kommentatoren benutzen Pseudonyme und falsche email-Adressen. Klar – denn Angst und Feigheit sind gro├č, dass sie f├╝r ihren M├╝ll vielleicht einstehen m├╝ssen.

Kommentator „Martin S.“ beispielsweise gibt folgende email-Adresse an: deine.muttistinkt@web.de. „Thomas Schweitzer“ schickt seinen Kommentar gleich mehrfach, immer leicht abgewandelt, in der Hoffnung auf Freischaltung.

Die „Pressefreiheit“ wird kontra „Zensur“ bem├╝ht, „Verw├Ârungstheorien“ angedichtet, „st├Ąnkern“ wird behauptet, die „Verdrehung der Wahrheit“ vorgeworfen.

Wir zensieren sonst sehr bewusst solche Kommentare, um unseren Leserinnen und Lesern diesen M├╝ll zu ersparen, der keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung in der Sache erkennen l├Ąsst.

Gerne lesen wir aber solche Kommentare, die weiter f├╝hren wie von DM├╝nchnerin ├╝ber die fehlende Spendenbereitschaft f├╝r kranke, alte Menschen. Ohne Probleme lassen wir uns wie von „klein-u“ kritisieren und fragen, ob der Bericht in dieser Form n├Âtig gewesen w├Ąre. Man kann eben dieser oder jener Meinung sein.

Man darf sogar eine dumme, sinnentleerte Meinung haben – man hat allerdings kein Recht darauf, dass wir diese hier abbilden.

Und ein Wort zum Schluss an „A. Felis“ und „Jochen Schust“: Nein, Herr Gaber war nicht ├╝berrumpelt. Wir haben mehrere Minuten telefoniert, angeblich kannte er das heddesheimblog nicht, sagte dann aber, dass er mich in meiner Funktion als Gemeinderat kennt (ich kenne ihn nicht).

Als feststand, dass er keine Informationen geben w├╝rde, wurde er von mir dar├╝ber unterrichtet, dass ich ├╝ber diese Weigerung berichten werde. Auch hier wurde er also nicht ├╝berrumpelt. Ganz im Gegenteil hatte Herr Gaber die M├Âglichkeit, sich zu ├╝berlegen, ob seine Entscheidung richtig war oder nicht.

Und „Lutz“: Im Kommentar taucht kein einziges Mal das Wort Skandal auf. Es w├Ąre dort aufgetaucht, wenn wir einen Skandal erkannt h├Ątten. Haben wir aber nicht.

Wir haben einzig und allein ├╝ber das Verhalten eines Apothekers berichtet, dessen Kunden die eigentlichen „Helden“ sind, weil diese gespendet haben. Ein Gesch├Ąftsmann, der mit der Aktion sich ins Rampenlicht der ├ľffentlichkeit stellt, dabei aber vermeintlich nur an sich und nicht an die Aktion f├╝r die Kinder denkt, wenn er durch sein Verhalten weitere Berichte zu verhindern sucht.

Mehr ist tats├Ąchlich nicht passiert.

Dass das Thema relevant ist, zeigen die vielen Kommentare und wie Teile davon verfasst sind: Hier im Ort h├Ąngt seit geraumer Zeit der Ortssegen m├Ąchtig schief und selbst vermeintlich intelligente Menschen wie ein Apotheker Gaber verhalten sich nicht nachvollziehbar.

Ãœbrigens berichten wir seit Dezember auch in Hirschberg und in wenigen Tagen in Ladenburg. Probleme und Reaktionen wie wir sie aus Heddesheim kennen, sind uns dort vollkommen fremd.

Obwohl dieselben Leute mit derselben Haltung eine ├Ąhnliche Berichterstattung machen. W├Ąre die Berichterstattung im heddesheimblog „schuld“, dann m├╝sste das doch auch in Hirschberg und demn├Ąchst in Ladenburg festzustellen sein. Oder?

Gerne wird von den „Kritikern“ auch ignoriert, dass ├╝berall im Land in renommierten Medien ├╝ber unsere herausragende Arbeit berichtet wird, die uns sogar bereits eine Auszeichnung eingebracht hat.

Aber wie gesagt: Es gilt Artikel 5 Grundgesetz.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.