Mittwoch, 26. September 2018

Berechtigte Verwunderung

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Heddesheim, 10. Oktober 2009. ÃƓber 80 GĂ€ste hat der Gemeinderat selten bei einer seiner Sitzungen – allerdings verlĂ€sst auch selten die HĂ€lfte alle BĂŒrger nach etwas mehr als einer Stunde den Sitzungssaal.

Kommentar: Hardy Prothmann

BĂŒrgermeister Michael Kessler wunderte sich zurecht: „Wir haben auch noch andere Themen, die Sie vielleicht interessieren könnten“, kommentierte er den Abzug von mehr als der HĂ€lfte der Zuschauer in der Gemeinderatssitzung vom 08. Oktober 2009.

NatĂŒrlich konnte man Herrn Kesslers Kommentar auch ironisch verstehen. Trotzdem hat er in diesem Fall ins Schwarze getroffen.

Die Gemeinde Heddesheim hat seit Monaten ein großes Thema: „Pfenning“. Das beschĂ€ftigt die ĂŒberwiegende Mehrheit der BĂŒrger, aber auch die Verwaltung, den BĂŒrgermeister und den Gemeinderat.

Doch es gibt noch andere Themen.

Absolut unpassend ist, sich wĂ€hrend des einen „interessanten“ Themas lautstark einzumischen und danach ĂŒberwiegend geschlossen den Raum zu verlassen.

Die Botschaft kann lauten: Protest.

Sie kann aber auch lauten: Der Rest interessiert uns nicht.

Selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, gibt man seinen „Widersachern“ durch diese Verhalten genau dieses Argument an die Hand.

Und beschĂ€digt sich und seinen Einsatz und die viele MĂŒhe selbst. Ohne Not.

Meine These ist: HĂ€tte die IG neinzupfenning keine „Sommerpause“ gemacht, sondern aktiver gewirkt – die BĂŒrgerbefragung wĂ€re anders ausgegangen.

Die These ist zu erweitern: HĂ€tte die IG neinzupfenning mehr Wert auf kontinuierliche PrĂ€sens gelegt – hĂ€tten sich die OrtsverbĂ€nde der Parteien mehr strecken mĂŒssen, um mithalten zu können. Allen voran die CDU und die SPD.

Die IG neinzupfenning hat viele Sympathien auf sich gezogen, weil sich dort viele Menschen engagiert haben – aber die IG hat auch viele Sympathien verspielt, weil man manchmal nicht wusste, wie ernst dieses Engagement gemeint ist.

Wer etwas will, kann nicht nur fordern, sondern muss auch geben. Anders macht man keine „GeschĂ€fte“.

Nicht nur der BĂŒrgermeister wundert sich ĂŒber solch ein Verhalten.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.