Dienstag, 11. Dezember 2018

Neujahrsansprache: Auch 2010 „kein Verständnis“

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Guten Tag!

Heddesheim, 10. Januar 2010. Der Neujahrsempfang ist für einen Bürgermeister die Gelegenheit zurück, aber vor allem nach vorne zu schauen. Michael Kesslers Blick auf die Zukunft ist der in die Vergangenheit. Er bleibt unversöhnlich und wird auch 2010 kein Verständnis zeigen.

Kommentar: Hardy Prothmann

Gleich nach den üblichen Begrüßungsfloskeln kam Bürgermeister Michael Kessler auf das Thema in der Gemeinde, „das seit langem wie kein anderes kontrovers diskutiert worden ist“: Die geplante „Pfenning„-Ansiedlung.

„Bürgerinitiativen haben großen Einfluss“, sagte Kessler, „und bemühen sich, alternative Wege aufzuzeigen.“ Wer jetzt erwartete, dass der Bürgermeister einen Schritt auf die Gegner des Projekts zumacht, wurde enttäuscht. „Sie vertreten aber auch eigene Interessen. Bürgerinitiativen haben eng begrenzte Ziele“, sagte Kessler. Und: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn unterstellt wird, dass wir nicht zum Wohl der Gemeinde handeln.“

Bürgermeister Kessler war im vergangenen Jahr ein Verständnisloser und wird es auch in diesem Jahr bleiben. Verständnis und Selbstkritik übt er in einem Satz, den er aber im Konjunktiv formuliert: „Umfangreichere Informationen zu Beginn hätten vielleicht dazu beigetragen….“

Doch dann legt er nach und kritisiert „Auswüchse, die die Ebene der Sachlichkeit verlassen haben“. Damit meint er nicht sich und andere „verdiente Persönlichkeiten“ der Gemeinde. Damit meint er ausnahmslos alle, die nicht seiner Meinung sind.

Damit zementiert Bürgermeister Kessler seinen unversöhnlichen, herrischen Standpunkt. Er betont die Mehrheitsentscheidung des Gemeinderats (11:9) für das Vorantreiben der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung und erhebt einen Vorsprung von 0,7 Prozentpunkten bei der Bürgerbefragung zum mehrheitlichen Willen der Bürger (50,35 Prozent : 49,65 Prozent).

Schade, dass er es nötig hat, mit diesem Tunnelblick auf das neue Jahr zu schauen.

Als hätten die Autoren des Artikels „Bürgerinitiative“ der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia sich eingehend mit Heddesheim beschäftigt, steht dort zu lesen:

„Für das Entstehen von Bürgerinitiativen sind z. B. die Probleme des wirtschaftlichen Wachstums und die damit verbundenen Umweltbelastungen verantwortlich. Dieser Bereich wird von den Interessenverbänden kaum abgedeckt und muss deshalb durch Bürgerinitiativen eingeklagt werden.
Des Weiteren ist ihr Entstehen meist auf ein Versagen von politischen Planern in Parteien und Verwaltungen zurückzuführen. Viele Bürger kritisierten, dass diese Planer lediglich sachliche Korrektheit, nicht aber die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigten.
Einen nicht minder wichtigen Anteil an der Entstehung von Bürgerinitiativen hat sicherlich auch die außerparlamentarische Opposition (APO).
Kritiker von Bürgerinitiativen betrachten sie als reine Verhinderungsallianzen, die das Wirtschaftswachstum behindern und häufig auf egoistischen Anrainerinteressen beruhen.“

Der Bürgermeister sieht sich als Statthalter des Gemeinwohls und alle, die nicht seiner Meinung sind, als Egoisten.

Damit macht er mit dem weiter, was ihm viele Heddesheimer Bürgerinnen und Bürger schon im vergangenen Jahr 2009 übel genommen haben – er treibt den Keil tiefer und tiefer und behauptet, andere seien daran schuld.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.