Donnerstag, 24. August 2017

Am Montag knackt der „100-Millionen-Euro-Kessler“ seinen Jackpot

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Guten Tag!

Heddesheim, 09. September 2010. Unsere Dokumentation zu dem „erfundenen Zitat“: „Ich bin die Gemeinde“, macht eines deutlich, was die Menschen in Heddesheim instinktiv wissen. B├╝rgermeister Michael Kessler hat l├Ąngst die Demut vor seinem Amt verloren.

Von Hardy Prothmann

Kein Mensch ist ohne Fehler.

F├╝r die Christen unter uns ist Jesus das beste Beispiel. F├╝r Anh├Ąnger der Pop-Kultur ist es sicherlich Michael Jackson.

In Heddesheim gibt es einen Menschen, der ohne Fehl und Tadel ist oder zumindest alles daf├╝r tut, so zu scheinen: Michael Kessler.

Der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler, Sohn des allgegenw├Ąrtigen fr├╝heren B├╝rgermeisters Fritz Kessler, ist nicht mehr kritisierbar. Anders formuliert: F├╝r Kritik nicht mehr zug├Ąnglich. Noch anders formuliert: Kritikresistent. Noch anders formuliert: Kritikbefreit.

100-Millionen-Euro-Kessler.

Ich habe Herrn B├╝rgermeister Kessler zum ersten Mal Anfang 2009 zum Neub├╝rgerempfang gesehen, dass zweite im April 2009 bei der B├╝rgerversammlung im B├╝rgerhaus, bei der er versprach, er w├╝rde ein „bedeutendes Unternehmen“ nach Heddesheim holen.

Ich habe damals den mir (bis heute) fremden B├╝rgermeister Kessler gefragt, ob er der „100-Millionen-Euro-Kessler“ werden will.

Diese Frage hat bis heute ihre Berechtigung. Denn es gibt keine guten Argumente mehr.

Das einzige, was bleibt: Sollte diese Investiton get├Ątigt werden, kann Herr Michael Kessler mit Fug und Recht behaupten, dass er der B├╝rgermeister mit der gr├Â├čten Investionssumme seit vielen Jahrzehnten im Rhein-Neckar-Kreis ist. Der „100-Millionen-Euro-Kessler“.

F├╝r seine Gemeinde Heddesheim ist in Sachen „Bedeutung“, „betr├Ąchtliche Gewerbesteuereinnahmen“, „bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze“, „Gewinn f├╝r die Gemeinde“ l├Ąngst keine Rede mehr.

Auch seine Marionetten im Gemeinderat, allen voran der sinnentleerte Dr. Joseph Doll, die „Einheit der 12“, hebt nur noch die Hand zur Best├Ątigung der Macht – Argumente, Fakten werden l├Ąngst nicht mehr benannt. Denn sein Prestige-Objekt, die Ansiedlung des Logistik-Unternehmens „Pfenning“ entwickelt sich konkret mehr und mehr zum Fiasko.

Meister des Fiaskos.

Stattdessen wird ├╝ber „noch mehr Verkehr“, „Belastungen“, „Spaltung“, „Unfrieden“, „Absolutismus“ und „Ich bin die Gemeinde“ geredet. Das beschauliche Dorf ist seit mehr als einem Jahr schon in h├Âchster Alarmbereitschaft. Unfrieden, Bruch von Freundschaften, ├â┼ôbergriffe, Anfeindungen, ja sogar offener Hass bestimmen das Gemeindeleben.

Die Verantwortung daf├╝r tr├Ągt B├╝rgermeister Michael Kessler, der sich immer mehr von seiner Funktion als Meister aller B├╝rger hin zum Despoten entwickelt.

Es gibt keinen Zweifel, dass sich der Leiter der Verwaltung, ein politischer Beamter auf Zeit, ├╝ber das h├Âchste Gremium der Gemeinde, den Gemeinderat, als „Ich bin die Gemeinde“ erhebt.

Herr Kessler wollte dieses „Zitat“ mit allen Mitteln aus der Welt schaffen und hat es durch seine unnachgiebige Sturheit nur verfestigt.

Alle B├╝rgerInnen in Heddesheim haben sein „Ja“ auf die Frage: „Sind Sie die Gemeinde?“, genauso absolut richtig verstanden, wie er sich ge├Ąu├čert hat.

Seine Schw├Ąche ist die vermeintliche St├Ąrke.

Sein verzweifeltes Bem├╝hen, nicht gesagt zu haben: „Ich bin die Gemeinde“, sondern nur „Ja“ gesagt zu haben auf die Frage: „Sind Sie die Gemeinde?“, zeigt nichts anderes als seine Schw├Ąche.

Die B├╝rgerInnen erwarten zu recht, dass ihr B├╝rgermeister wei├č, was er will. Dass er F├╝hrung zeigt, um sich f├╝r ihr Wohl einzusetzen.

Wei├č er, was er will? Will er das f├╝r die Gemeinde oder f├╝r sich?

Mindestens die H├Ąlfte der B├╝rgerInnen glauben in Bezug auf Herrn Kessler nicht mehr, dass er etwas f├╝r die Gemeinde will.

Sie sehen einen herrischen, unwirrschen, absolutistisch auftretenden „B├╝rgermeister“, der etwas durchpeitscht – ohne R├╝cksicht auf Verluste f├╝r die Allgemeinheit, f├╝r die Dorfgemeinschaft, f├╝r das allgemeine Wohl. F├╝r alle, auch seine Kritiker.

Wer kann sich daran erinnern, dass ein freudiger B├╝rgermeister Kessler ein tolles Projekt beworben hat? Glaubw├╝rdig, hoffnungsvoll, positiv?

Keine positive Ausstrahlung.

Wer kann sich an „Visionen“ erinnern? An das Versprechen, das es „voran geht“? Dass man eine positive Entscheidung getroffen hat?

Keiner? Das ist so absolut richtig. Genauso, wie die Beobachtung, dass der B├╝rgermeister Kessler die Gemeinderatssitzungen weitgehend aggressiv, herrisch, unwirsch und ohne das geringste Interesse auf den doch so oft beschworenen „Konsens“ f├╝hrt.

Es gibt kein Werben f├╝r sein Projekt, sondern nur noch die Exekution der Macht. „Sind Sie die Gemeinde?“ – „Ja.“ Eine k├╝rzere und klarere Antwort gibt es nicht.

Die Einsicht, dass nicht er selbst die Gemeinde ist, ist Herrn Kessler fremd. Er kann versuchen, seine Selbstsicht hinter dem Satz: „Ich vertrete die Gemeinde“ zu verschleiern. Jeder wei├č, dass er das nicht denkt.

Herr B├╝rgermeister Kessler vertritt schon lange nicht mehr die Gemeinde, sondern nur noch die H├Ąlfte plus „40 Stimmen“. Wenn ├╝berhaupt.

Gr├Â├čter B├╝rgermeister aller Zeiten.

Am kommenden Montag wird Herr Kessler sein „100-Millionen-Projekt“ zur Satzung bringen. Dann wird er seinen Vater um L├Ąngen ├╝berfl├╝gelt haben und der „100-Millionen-Euro-Kessler“ sein. Der gr├Â├čte B├╝rgermeister aller Zeiten im Rhein-Neckar-Kreis. Er wird der Ph├Ânix sein, „seiner Gemeinde“ hinterl├Ąsst er die Asche – und damit ist kein Geld gemeint, sondern verbrannte Erde.

Sein Dr. Joseph Doll (CDU) und sein J├╝rgen Merx (SPD) werden f├╝r die Fraktionen sprechen und je eine „Gegenstimme“ in ihren Reihen als „Demokratie“ missverstehen und sich im Schatten des selbstherrlichen B├╝rgermeisters zu sonnen versuchen. FDP-Chef Frank Hasselbring wird irgendetwas murmeln.

Tats├Ąchlich wird es so sein, dass Michael Kessler als der „100-Millionen-Euro-Kessler“ in die Geschichte eingeht. Die Namen Doll, Merx und Hasselbring bleiben im Schatten. Niemand wird sich an sie erinnern. Schon gar nicht an die „stimmlosen Schweiger“ in den jeweiligen Fraktionen, die ebenfalls die Hand heben f├╝r etwas, dass sie auch nicht im Ansatz verstanden haben. Sie alle bleiben so bedeutungslos wie ihr „Engagement“ zur Sache.

Warum auch? Inhaltlich haben sie keine Rolle gespielt. Wichtig war nur, dass sie im entscheidenden Moment die Hand gehoben haben. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen – das ist ihre einzige, verbliebene „Bedeutung“.

CDU, SPD und FDP zahlen die Kessler-Zeche.

Und wenn das alles vorbei ist, werden sich die Herren und die Mitstimmer vielleicht fragen, ob sie dieses Schattendasein verdient haben.

Und die Pr├╝gel, die sie beziehen werden. Und die Wahlverluste bei der Kommunalwahl 2014.

Die Gr├╝nen schicken sich an, dann die st├Ąrkste Fraktion zu werden.

Das ist mehr als wahrscheinlich, denn weder die SPD, noch die FDP und schon gar nicht die CDU liefern inhaltlich eine ├╝berzeugende Rolle ab, w├Ąhrend die Gr├╝nen l├Ąngst ihr urspr├╝ngliches Dilemma der fr├╝hen Zustimmung zu Pfenning ├╝berwunden haben.

Im Dorf wird seit langem spekuliert, ob Michael Kessler bei Pfenning einen „fetten Beratervertrag“ erh├Ąlt. Das wei├č Herr Kessler. Wenn nicht, dann hat er jegliche N├Ąhe verloren.

Und wenn, wo bleibt sein glaubw├╝rdiges Bekenntnis, der B├╝rgermeister sein zu wollen? Auch dann, wenn „Pfenning“ da sein wird?

Es scheint, dass sich Herr Kessler dann vom Acker macht, wenn „Pfenning“ den Acker umgepfl├╝gt hat.

„Sind sie die Gemeinde?“ – „Ja!“

Vielleicht ist die Frage kleinlich. Denn egal, ob Michael Kessler sich 2014 noch mal zur Wahl stellt oder nicht. Seine Rente ist sicher. Vielleicht kann er sie und sich mit einem „Beratervertrag“, wo auch immer, noch ein wenig aufbessern.

Doch das ist nicht so wichtig wie die Geschichte.

Wenn die Satzung am Montag durchgeht, ist er der unangefochtene „100-Millionen-Euro-Kessler“. Der Titel wird ihm bleiben. Er wird die Gemeinde sein, denn die „Pfenning“-Investition unter seiner ├âÔÇ×gide ist eine „Generationenentscheidung“.

Dazu w├╝rde er gerne noch „gut dastehen“. Doch daf├╝r stehen die Chancen eher schlecht.

Michael Kessler hat seinen Ruf untrennbar mit „Pfenning“ verkn├╝pft.

Wenn er seinen „Gewinn“ einstreicht, muss er damit rechnen, dass er seinen „Einsatz“ bezahlen muss.

Der Zahltag kommt.

Kein Mensch ist ohne Fehler – und jeder Mensch bezahlt f├╝r seine Fehler.

Irgendwann. Irgendwie.

Diese Demut ist Herrn Kessler so fremd wie die Kraft, einen Fehler einzugestehen.

Es ist kein Trost, dass auch Herr Kessler irgendwann abgerechnet wird.

Die Bilanz der Sch├Ąden tr├Ągt die Dorfgemeinschaft.

Auf Gedeih und Verderb.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • kompakter

    hallo,

    da wird es den heddesheimern k├╝nfitg wie uns ladenburgern gehen: viel gewerbe, aber keine einnahmen.
    hab gerade nochmal gesucht und den beitrg von herrn bowien gefunden, vielleicht sollten sich die durchwinker das nochmal durch den kopf gehen lassen, solange sie noch einen haben.
    http://heddesheimblog.de/2010/03/22/falsche-zahlen-falsche-gutachten-falsche-fronten-falsche-versprechen-und-eine-falsche-abstimmung/

    gru├č

  • betty

    „Und die Pr├╝gel, die sie beziehen werden. Und die Wahlverluste bei der Kommunalwahl 2014. Das ist mehr als wahrscheinlich, denn weder die SPD, noch die FDP und schon gar nicht die CDU liefern inhaltlich eine ├╝berzeugende Rolle ab“

    Naja das sind ja noch vier Jahre hin, solche Prognosen zum jetzigen Zeitpunkt abzugeben, halte ich doch f├╝r sehr spekulativ!

    Mich erschreckt aber auch der herrische und aggressive Ton von Kessler. Dieser Mann signalisiert allen die Heddesheimern und G├Ąsten: Es macht keine Freude, hier zu leben. Ein g├Ąnzlich falsches, f├╝r unsere Zukunft fatales Signal!

    Aber er hat eigentlich recht: Wir werden als Gemeinde k├╝nftig das Anh├Ąngsel eines riesigen Logistikmolochs sein. Damit kann man allen G├Ąsten und Ausw├Ąrtigen nur noch raten, fernzubleiben..

  • A. Felis

    Ich k├Ânnte heulen! Was wir br├Ąuchten in Heddesheim w├Ąre ein Aufstand der Menschen gegen diese politik – wie in Stuttgart …

  • Powerbiene

    Abwarten, sage ich. Mit dem Beschlu├č im Gemeinderat ist die Sache noch lange nicht vom Tisch. Man sollte die Frustration der B├╝rger nicht untersch├Ątzen. Eines Tages wird jemand aus seinem Fenster im Rathaus schauen und eine Menge Menschen mit Fahnen und Transparenten sehen …

    • betty

      Eben darauf warte ich auch, muss aber sagen, dass ich inzwischen skeptisch bin. Der BM und seine Truppe wissen genau: Das Projekt ist von den Menschen zwar nicht gewollt, aber massiven Widerstand wird es dagegen nicht geben. Dazu ist m. E. die Tr├Ągheit in der Gemeinde zu gro├č. Und das heddesheimblog.de allein wird es nicht reissen.

      Deshalb peitschen die das durch.

      • dasheddesheimblog

        Guten Tag!

        Danke f├╝r Ihren Beitrag.

        Nur kurz zur Einordnung: Das heddesheimblog berichtet redaktionell unabh├Ąngig ├╝ber ein breites Themenspektrum, darunter den „Dauerbrenner“ „Pfenning“.
        Es ist nicht unser Anspruch, „etwas zu rei├čen“, sondern umfassend zu informieren. „Rei├čen“ m├╝ssen es dann die Menschen und die Verantwortlichen selbst.

        Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
        Das heddesheimblog