Montag, 16. Juli 2018

Kein „Kinderlachen“ für das heddesheimblog

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Guten Tag!

Heddesheim, 09. Februar 2010. Die Redaktion des heddesheimblogs wollte gerne über eine erfreuliche Nachricht berichten: 1.750 Euro hatten Kunden der „Alten Apotheke“ für die Aktion „Schenken Sie Kinderlachen“ gespendet. Das war der höchste Spendenbetrag aller rund 1.100 teilnehmenden Apotheken in Deutschland. Der Apotheker Joachim Gaber will aber nicht, dass darüber im heddesheimblog berichtet wird: „Aus Gründen, die ich jetzt nicht nennen will.“

Kommentar: Hardy Prothmann

Albert Camus hat mal gesagt: „Diese Welt ist absurd.“ Zumindest in Bezug auf das Verhalten des Heddesheimer Apothekers Joachim Gaber hat er damit recht.

humorhilftheilen

Dr. Eckhart von Hirschausen und Nicole Müller-Alof, Marketingleiterin der vivesco. Eigentlich ist Herr Gaber rechts auf dem Bild zu sehen. Wir haben ihn "abgeschnitten", denn er wünscht ja keine Veröffentlichung. Bild: vivesco

Ich kenne Herrn Gaber nicht und habe ihn heute angerufen, weil ich gerne ein Foto des Apothekenteams machen und zwei, drei persönliche Sätze von ihm zur Aktion „Schenken Sie Kinderlachen“ notieren wollte. Herausgekommen wäre ein Bericht ganz im Sinne des Apothekers und der Firma vivesco Apotheken-Partner GmbH, die die Aktion koordiniert hat.

Die 56.000 Euro, die die rund 1.100 „vivesco Apotheken“ gesammelt haben, kommen einem guten Zweck zu: Die Stiftung „Humor hilft heilen“ des Mediziners und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen versucht durch Krankenhausclowns Leichtigkeit ins Leben schwer kranker Kinder zu bringen. Eine ganz hervorragende Idee ist das, weil Humor und Lachen Lebenslust schenken und diese den Heilungsprozess ganz sicher unterstützt.

Auch die Apotheken profitieren davon – solche Aktionen sollen für ein gutes Image sorgen. Deswegen macht vivesco auch solche Aktionen, die Firma übernimmt das bundesweite Markekting für die in der viveso-Kooperation zusammengeschlossenen, aber sonst rechtlich selbstständigen Apotheken. Ein anderer Verband heißt Linda. Solche Verbände machen gute Stimmung für ihre Mitglieder. Motto: Tue Gutes und rede darüber.

Herr Gaber hat sich heute sein Image gründlich versaut

Herr Gaber hat das irgendwie nicht verstanden und sich heute sein Image gründlich versaut: „Aus Gründen, die ich jetzt nicht nennen will, bin ich nicht bereit mit Ihnen zu reden und habe an einer Berichterstattung in ihrem blog kein Interesse“, sagte Herr Gaber am Telefon.

Herr Gaber hat kein Interesse? Das ist sein gutes Recht. Jeder kann selbst entscheiden, ob er mit einem Journalisten reden will oder nicht.

Dient die vom heddesheimblog geplante Berichterstattung aber nicht den kranken Kindern, für die Heddesheimer Geld gespendet haben?

„Ungenannte Gründe“ sind also dafür verantwortlich, dass Herr Gaber auf eine Öffentlichkeit verzichtet – zumindest die, die das heddesheimblog erreicht?

Ungenannte Gründe sollen Bericht verhindern

„Ungenannte Gründe“ sind dafür verantwortlich, dass ein Bericht über die höchste Spendensumme dieser helfenden Aktion verhindert werden soll? Geld, das nicht der Apotheker Gaber, sondern seine Kundinnen und Kunden gespendet haben?

„Veruntreut“ Herr Gaber durch seine Weigerung damit nicht die Spendenbereitschaft seiner Kundinnen und Kunden? Werden seine Kundinnen und Kunden dafür Verständnis haben, dass Herr Gaber kein Interesse an einer Berichterstattung über deren Spendenbereitschaft hat? Beschädigt sein Verhalten nicht auch die Aktion der vivesco? Oder geht es Herrn Gaber am Ende gar nicht um die Aktion, sondern nur um einen Bericht in der Zeitung mit einer Werbewirkung für sein Geschäft?

Der Pressesprecher der vivesco Apotheken-Partner GmbH Thomas Graf wollte sich auf Anfrage zu diesem „speziellen“ Verhalten einer Partner-Apotheke nicht öffentlich äußern. Was auch eine Äußerung ist. Nur soviel: „Wir übernehmen die überregionale Pressearbeit für die Apotheken, die aber rechtlich selbstständige Unternehmen sind. Für die Pressearbeit vor Ort sind diese selbst verantwortlich.“

Herr Gaber ist also für seine „spezielle Pressearbeit“ selbst verantwortlich. Dafür hat er „ungenannte Gründe“.

Herr Joachim Gaber hat mich heute wegen seines absurden Verhaltens als Kunden verloren. Die Gründe habe ich genannt.

Link: Bericht im MM

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.