Donnerstag, 24. August 2017

Sch├╝tzen pr├Ąsentieren sich

Kanone, Magnum und Schwedenkuss

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Guten Tag!

Heddesheim, 09. Juni 2010. Im Aktionfilm springen die Helden durch die Szenen und feuern, was das „Zeug“ h├Ąlt. Das hat wenig mit der Realit├Ąt zu tun. Die Heddesheimer Sportsch├╝tzen haben zum Tag der offenen T├╝r eingeladen und die Realit├Ąt pr├Ąsentiert – die ist trotzdem spannend.

Von Hardy Prothmann

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Selbstversuch mit einer „44-Magnum“ – danach wei├č man, warum es „Kanone“ hei├čt. Bild: heddesheimblog

Der R├╝ckschlag ist gewaltig: Die 44-er Magnum „Smith&Wesson“ haut es beim Schuss nach oben. Obwohl ich sie mit Kraft festhalte.

Obwohl ich einen Geh├Ârschutz trage, ist der Knall beim Schuss aus dieser schweren, kraftvollen Waffe laut und intensiv.

Nach dem Schuss drehe ich den Revolver in der Hand zur Seite, immer den Lauf nach vorne gerichtet, entriegele mit dem Daumen die Trommel und dr├╝cke mit der anderen Hand einen Stift, der wirft die Patrone aus. Dann lege ich die Waffe ab. Die Waffe liegt vor mir, die Trommel ist sichtbar leer, die ├ťbung ist zu Ende.

Scharf geschossen

„Gut gemacht, Sie haben den Ablauf genau beachtet“, lobt mich Stefan Schuhmacher.

Der Jugendtrainer der Heddesheimer Sch├╝tzengesellschaft hat mir zuvor genau erkl├Ąrt, wie ich mit den Waffen umgehen muss. Erst bei einer „Trocken├╝bung“ ohne Munition, dann mit der „scharfen“ Partronen.

Ruhig, bestimmt und klar. Immer mit Augenkontakt – immer aufmerksam, ob ich auch alles verstanden habe. Schon bei der ersten Waffe, einem schwedischen Milit├Ąrgewehr von 1909 – in das Schuhmacher dann eine riesige Patrone einlegt.

Auf die genauen Anweisungen konzentriert, konnte ich keinen Fehler machen. Ein Satz war unmissverst├Ąndlich: „Ich erkl├Ąre Ihnen den Ablauf und wir ├╝ben das. Sollten Sie etwas nicht genau beachten, unterbreche ich sofort.“

Schwedenkuss

Das Gewehr ist schwer und wuchtig. Beim Schuss gibt es einen ordentlichen R├╝ckschlag auf die Schulter. Auch darauf war ich vorbereitet worden, trotzdem hat mich die Wucht ├╝berrascht: „Na, das war mal ein echter Schwedenkuss“, sage ich, weil mir das gerade so einf├Ąllt. Die anderen Sch├╝tzen lachen.

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Gesicherte Sportpistolen. Bild: heddesheimblog

Bevor es zu den Pistolen geht, schie├če ich noch mit einer Art „Winchester“, einem Repetiergewehr. Leichter, einfacher zu handhaben, aber auch das eine gef├Ąhrliche Waffe au├čerhalb einer sportlichen Anwendung. Herr Schuhmacher, ein B├Ąr von einem Mann, steht immer in meiner N├Ąhe und ist immer sehr aufmerksam.

Das muss er sein. Er kennt mich nicht, wei├č, dass ich das erste Mal mit solchen Waffen schie├če und macht das heute schon seit Stunden – B├╝rger begleiten, die sich f├╝r den Schie├čsport interessieren und selbst mal ausprobieren wollen, wie das so ist, mit Gewehren und Handfeuerwaffen zu schie├čen.

Ganz ehrlich bin ich froh um die intensive Begleitung. Denn nicht nur der Anblick, sondern auch das Halten einer Waffe fl├Â├čt mir Respekt ein. Schon beim „Trockentraining“. Wenn dann die Waffe geladen ist, bin ich gut darauf vorbereitet worden, dass es „ernst“ wird.

Stopp

Dann mache ich einen Fehler – Herr Schuhmacher bleibt freundlich, konzentriert und bestimmt. Die Pistole ist geladen, ich will zum Schuss ansetzen. „Stop, bitte nehmen Sie die Waffe herunter, legen Sie sie ab und setzen Ihren H├Ârschutz auf“, sagt Herr Schuhmacher. Ich folge. „Nehmen Sie die Waffe wieder auf“, h├Âre ich jetzt ged├Ąmmt. Dann schie├če ich. Vier Mal. Ein Schuss geht an den Rand der Scheibe, zwei gehen in die Ringe f├╝nf und sechs, ein Schuss trifft die Neun.

Insgesamt habe ich elf Schuss abgegeben und wei├č nun: Schie├čen ist sehr anspruchs- und verantwortungsvoll. Atmung, Haltung, Konzentration – ohne eine richtige Technik, ohne eine gute Ausbildung gewinnt man hier keinen Blumentopf. Wie in jedem Sport.

Beim Ostereierschie├čen habe ich mich am Luftgewehr probiert – daf├╝r gilt dasselbe.

Waffen ├╝ben auf viele Menschen eine gewisse Faszination aus. Irgendwie geht es dabei sicherlich auch um Macht. Ganz klar. Auch ich nehme mich da nicht aus, wenngleich mir Waffen immer suspekt waren.

Als Sport betrieben, geht es sicherlich darum, ├╝ber sich selbst die Macht zu gewinnen. Sich derer bewusst zu sein, sie zu kontrollieren und sie sportlich um- und einzusetzen.

Herr Schuhmacher hat mir eine sehr gute Anleitung gegeben und ist wie der Rest der Sch├╝tzen ein sehr freundlicher, umg├Ąnglicher Typ Mensch.

Dr├╝ckendes Thema

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Jugend beim Luftdruckschie├čen. Bild: privat

Als ich die „Waffenamnestie“ anspreche, werden alle sehr konzentriert und die Stimmung ist eindeutig: „Das ist absolut in unserem Sinne“, sagt Roland Embach, der Vereinsvorsitzende.

Besitzer von „illegalen Waffen“ waren aufgefordert, diese straffrei abzugeben. Viele hundert Waffen konnten seitdem „aus dem Verkehr“ gezogen werden.

Die Haltung der Sportsch├╝tzen ist klar: Sie wollen ihren Sport verantwortlich und mit Freude betreiben – schlechte Nachrichten beim Einsatz von Waffen au├čerhalb des Sports sind auch schlecht f├╝r die Sch├╝tzengesellschaften, noch schlechter, wenn „Sch├╝tzen“ darin verwickelt sind.

„Offensiver“ Umgang

Deshalb macht ein Tag der offenen T├╝r wie am Sonntag sehr viel Sinn. Die Besucher k├Ânnen sich davon ├╝berzeugen, dass die Heddesheimer Sch├╝tzen ein Verein sind, der seine Verantwortung ernst nimmt und sicher keine Trendsportart anbietet, aber eine, bei der man sehr viel mehr ├╝ber sich selbst lernt, als bei manch einem anderem Sport.

Wer Lust und Zeit hatte, konnte sich historische Waffen anschauen, sich diese erkl├Ąren lassen, selbst schie├čen oder Vorf├╝hrungen beobachten.

Ein neues Mitglied hat der Tag gebracht, rund 30 Personen haben sich teils sehr interessiert. Mit der Resonanz ist der Verein zufrieden. Die Heddesheimer Sch├╝tzen wissen, dass sie keine Massensportart anbieten, sondern einen ausgefallenen Sport. Wer sich daf├╝r interessiert, ist bei den Sportsch├╝tzen gut aufgehoben.

Und ich wei├č eins, was ich schon vorher vermutet habe: Was man in Actionfilmen sieht, hat mit der Realit├Ąt wenig zu tun.

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├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Rainer

    Mein Kompliment zu dem objektiven Bericht.

    Zu der von Ihnen angesprochenen Amnestie m├Âchte ich noch folgendes sagen:
    Im Prinzip ist es durchaus richtig wenn man versucht illegale Waffen „aus dem Verkehr zu ziehen“.
    Wenn dabei allerdings ein Gewinn f├╝r die ├Âffentliche Sicherheit erzielt werden soll, sollten das auch Waffen sein, von denen eine Gefahr f├╝r die ├Âffentliche Sicherheit ausgeht.
    Von einem halb verrostetem Kleinkalibergewehr oder Wehrmachtkarabiner, der schon seit zig- Jahren auf dem Dachboden des Opas herumsteht geht keine Gefahr f├╝r die ├ľffentlichkeit aus.
    Solche Waffen wurden aber fast ausschlie├člich im Rahmen dieser Amnestie abgegeben.
    Die Gefahr f├╝r die ├ľffentlichkeit geht von den Waffen aus, die sich gut funktionierend und geladen in krimineller Hand befinden.
    Solche Leute k├╝mmert unser Waffengesetz einen Dreck.
    Insofern war der Aufruf zur Abgabe illegaler Waffen unter der Amnestieregelung, obwohl von manchen Beh├Ârden ├╝ber Geb├╝hr gelobt, nach meiner Meinung nur ein Flopp.

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke f├╝r Ihren Beitrag.

      Wir haben auch ├╝ber Kritik an der Waffenamnestie berichtet. Den Bericht finden Sie hier.
      Darin finden Sie weitere Verweise auf Berichte ├╝ber Waffen, Waffenbesitz und Waffenanwendung.

      Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
      Das heddesheimblog

  • Sch├╝tze

    Sch├Ânen Abend allerseits.

    Vielen Dank f├╝r den kritischen und detailreichen Bericht – wird schon gut und gerne unter uns Sportsch├╝tzen und Waffenfreunden gelesen!!!

    Anscheinend werden Sie ja kein Sportsch├╝tze und trotz aller Skepsis gegen├╝ber Waffen haben sie das vorurteilsfrei berichtet. Offen und ehrlich und nicht so verklemmt, wie so oft.

    Der Amnestiekritik schlie├če ich mich an. Hier muss viel h├Ąrter durchgegriffen werden.

    ├ťbrigens: Sch├Âne historische Waffen. Gl├╝ckwunsch zur Sammlung!!!

    F├╝r die n├Ąchsten Wochen stehe ich weiter aufs Schie├čen…. von TOOOOOREN.

    ­čÖé

    http://forum.waffen-online.de/index.php?showtopic=400529