Mittwoch, 23. August 2017

Eine Studienbeginnerin testet das "Themenpaket Studienbeginn"

Viele gute Tipps für „nicht Gepuderte“

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Viele nützliche Tipps bietet das „Themenpaket Studienbeginn“ aus dem Haus Finanztest.
Quelle: Finanztest

Rhein-Neckar, 09. August 2012. (red/ei) Viele Abiturienten wissen nicht, ob sie sofort studieren können. Der Andrang an den Universitäten ist durch die doppelten Jahrgänge und dem Ausfall von Wehr- und Zivildienst extrem hoch. Als Schulabgängerin kann ich ein Lied davon singen. Es gibt so viele offene Fragen. Bei den finanziellen hilft das aktuelle Finanztest-Sonderheft „Themenpaket Studienbeginn“.

Von Alina Eisenhardt

Mein erster Eindruck: Wow! Ganz schön viele gute Tipps, an was man alles denken kann oder muss. Spätestens jetzt ist mir klar: Die Schule war ein anderes Leben. Mit dem Studium beginnt der Ernst des Lebens und dabei geht es natürlich oft um Geld.

Von „Jobben nach dem Schulabschluss“ bis zu „Wartezeit überbrücken“ beschreibt das Heft alle Themen, die relevant für jene Studienanfänger sind, die sich selbst kümmern müssen und nicht von „Papi“ gepudert werden.

Studieren kostet Geld

Ich bin frisch immatrikuliert, muss mich selbst finanzieren und bin froh über diesen Ratgeber. „Themenpaket Studienbeginn“ geht auf viele Alternativen ein, die es ermöglichen, das Studium zu bezahlen. Ich dachte bislang immer, dass Stipendien nur an die Spitzenreiter in der Notenskala vergeben werden. Falsch gedacht. Auch soziales und politisches Engagement kann von Kirchen, Stiftungen und anderen Institutionen mit Stipendien belohnt werden.

Eine Alternative zu „Papa wird das schon zahlen“ sind Studienkredite. Natürlich will Schulden machen wohl überlegt sein. Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, was mehr Sinn ergibt: Geld aufnehmen, zügig studieren und dann zurückzahlen oder neben dem Studium jobben und daher wahrscheinlich länger studieren. Die Lösung wird schwer zu finden sein.

Das Bafög-Amt ist eine der wichtigsten und ersten Anlaufstellen für den finanziell klammen Studenten. Nur blöd, dass man einen Antrag erst dann stellen kann, wenn man die Immatrikulationsbescheinigung besitzt. Das erschwert die Organisation.

Trotzdem ist das Bafög das natürlich ein Fördertopf, den man genau prüfen sollte. Das Amt vergibt immerhin bis zu 670 Euro pro Monat. Die eine Hälfte gibt es als Zuschss, die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, dass ab dem fünften Jahr nach Ende der Förderungshöchstdauer zurückgezahlt werden muss.

Geld sparen leicht gemacht

Als Studentin bekomme ich viele Vergünstigungen. Wie Reinhard Lask in seinem Text schon hervorgehoben hat, ist der Tipp mit der Bank echt Geld wert – ich hätte da nicht dran gedacht. Was, wenn die günstige Online-Bank keinen Automat in meiner Nähe hat? Dann müsste ich an denen anderer Banken mit teuren Gebühren abheben. Also: Vorher  erstmal checken, an welchen Bankautomaten man zu welchen Gebühren (oder sogar kostenlos) abheben kann.

Versicherungen? Gar nicht so kompliziert!

Eine der verwirrendsten Angelegenheiten nach dem Abitur ist wohl die Versicherung, denn das war früher schließlich immer komplizierter Elternkram, mit dem man nichts zu tun hatte.

Wenn plötzlich ein Brief von der Krankenkasse kommt, denken sich viele: „Papa/Mama regelt das schon.“

Doch auch die sind oft überfordert, weil sich die Bedingungen ändern, wenn „das Kind“ selbst arbeitet. Kann das Kind noch familienversichert sein? Mein Anruf bei der Krankenkasse ergibt: Bis ungefähr 600 Euro darf ich dazuverdienen. Die Mitarbeiterin sagt aber auch: „So genau weiß ich das nicht.“

Im Themenpaket erfahre ich, dass ich monatlich beispielsweise 375 Euro verdienen darf (als Minijobber sogar 400 Euro), darüber muss ich mich selbst gesetzlich versichern.

Die Freiheit der Wahl fängt bei der Krankenkasse an

Alina Eisenhardt, 19, (hat sich nach dem Abitur immatrikuliert und arbeitet seit kurzem in unserer Redaktion mit)

Dann darf man sich aber die Krankenkasse aussuchen, die individuell zu einem passt. Denn nicht jede Krankenkasse bietet die gleichen Leistungen an. So übernehmen einige Krankenkassen bis 500 Euro für Gesundheitskurse, andere nicht. Für mich sind das alles neue und gute Infos – jetzt, wo ich mich ohne Eltern selbst um mein Leben kümmere.

Das Kapitel Haftpflichtversicherung habe ich auch aufmerksam gelesen und bin enttäuscht: Diese Versicherung muss zwar jeder haben – aber ich bin bis zum Ende meiner Ausbildung über meine Eltern mitversichert. Also – so what? Diese Infos habe ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht gebraucht. Bis auf die Frage: Haben meine Eltern eine Haftpflichtversicherung? Muss ich checken. Lustig, jetzt muss ich mich um die Eltern kümmern und nicht umgekehrt.

Die Sache mit der Auslandsreise-Krankenversicherung habe ich nur überflogen – die Frage stellt sich für mich gerade nicht. Sollte ich aber ein Auslandssemester planen, weiß ich, wo ich die nötigen Infos finde.

Sehr mager fallen die Infos zur Hausratsversicherung aus – ist die wirklich unnötig, wie Finanztest schreibt?

Die Sache mit der Berufsunfähigkeitsversicherung ist interessant und kommt auf meine To-Do-Liste. Jetzt muss erstmal alles zu jobben und Versicherung geklärt werden – das hat zur Zeit oberste Priorität. Dann checke ich, welche Bank ich nehme, schaue nach einem günstigen Telefonvertrag und prüfe, wie ich beim ÖPNV am besten wegkomme.

Und die vielen Sachen muss ich jetzt flott angehen – in zwei Monaten beginnt das Studium und ich will gut vorbereitet sein.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.