Dienstag, 17. Juli 2018

Ballspiele – Amt, Eheleute, Partei, Bürgermeister und der MM

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Guten Tag!

Heddesheim, 09. März 2010. Am Samstag, den 06. März 2010 berichtet der Mannheimer Morgen über eine Veränderung im Rathaus. Die langjährige Vorzimmerdame im Bürgermeisteramt zu Heddesheim hört auf. Auf sie folgen zwei neue Vorzimmerdamen, die „sich die Bälle zuspielen“. Das klingt nett, harmlos und irgendwie „verspielt“. Ist es das?: „Verspielt?“

Von Hardy Prothmann

Der Artikel im Mannheimer Morgen (MM) stimmt die LeserInnen mit Wertebegriffen ein: „Treue, Reich, wohlverdient, Wünsche, schweres Herz, das Ende ist der Anfang… für eine „Chance“.

All das geht wohl auf eine Quelle zurück: Bürgermeister Michael Kessler. Und all das schreibt die MM-Redakteurin Anja Görlitz auf.

merx

Ballspielerinnen: Martina Merx und Nicola Schmitt. Quelle: MM

Der Bürgermeister hat „Wände entfernt“, ist ein Mann des „Teams“: „Im Vorzimmer des Bürgermeisters konnte dies den Besuchern schon auffallen: Seit einigen Wochen fehlt eine Wand, die Bürgermeister-Sekretärin sitzt also künftig nicht mehr alleine. Stattdessen tritt „ein Team“ zum 1. April an die Stelle von Renate Grosch, sagte Kessler im Gespräch mit dem „MM“.“

Kessler reißt Wände nieder – fürs Ballspiel.

Die Nachricht über die „fehlenden Wände“, das „Team“ und überhaupt, hat der MM exklusiv. Nicht, weil er recherchiert hätte. Sondern, weil der Bürgermeister Kessler gerne die bevorzugt, die ihm zu Diensten sind.

Neu im Vorzimmerdienst werden Martina Merx (47) und Nicola Schmitt sein (24). Frau Merz schafft schon seit 1979 in der Verwaltung mit, Frau Schmitt wird im Sommer mit ihrer Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin fertig sein.

In der Hauptzeit, also vormittags und donnerstags ganztägig ist Frau Merx künftig zentrale Ansprechpartnerin im Vorzimmer. Außerhalb dieser Zeit übernimmt diese Aufgabe Nicola Schmitt (Dienstag Nachmittag). Sie übernimmt dazu den Aufgabenbereich „rund um die Kinderbetreuung“, den zuvor Martina Merx inne hatte.

Anforderungen gerecht werden.

Da es keine „offiziellen“ Informationen aus dem Rathaus über die Gründe der Personalrochade gibt, zitieren wir den MM: „Frau Merx hat diesen Bereich bisher im Rahmen ihrer Halbtagsstelle wahrgenommen. Wir haben aber gemerkt, dass hierfür ein größerer Personaleinsatz notwendig ist, um den heutigen Anforderungen gerecht zu werden“, so Kessler.“

„Als Ganztagskraft wird Nicola Schmitt in Zukunft also „die“ Schnittstelle in Sachen Kinderbetreuung, Koordination von Tagesmüttern, Abstimmung mit konfessionellen Trägern oder Bedarfsberechnung sein. Martina Merx kann dabei ihre Erfahrungen auf direktem Weg weitergeben: Eine Wand steht dem Ballwechsel im Vorzimmer-Team schließlich nicht mehr im Wege.“

Das klingt gut. Und ist sicher auch vollkommen in Ordnung.

Dumme Gedanken? Keine Sorge.

Damit niemand auf „dumme Gedanken“ kommt, trifft es sich sehr gut, dass der Mann von Frau Merx, Jürgen Merx, nicht mehr für den Vorsitz des SPD-Ortsvereins kandidieren will. Der will durch seinen Rückzug „für neuen Wind“ sorgen, in etwa so wie der Bürgermeister durch den Abbau einer Wand für ein neues „Teamgefühl“.

Der vermeintliche Rückzug des Herrn Merx trifft auch terminlich ganz gut: Am 26. März 2010 wird ein neuer Vorstand gewählt. Da Herr Merx nicht mehr antreten will, ist er auch nicht gefährdet, gewählt zu werden.

Am 1. April tritt seine Frau die neue Stelle als 1. Teamchefin im Vorzimmer des Bürgermeisters an. Das ist – sagen wir mal – gut koordiniert.

Die Frage, ob es nicht ein gewisses „Geschmäckle“ hat, dass die Frau eines Gemeinderats, der zudem noch Fraktionsvorsitzender der SPD ist, Vorzimmerballdame wird, ist damit nicht beantwortet.

Geht es nach dem MM – spielt sich Frau Merx mit Frau Schmitt die Bälle zu. Das wird sicher kurios sein, die beiden Damen im Vorzimmer ohne Wand des Teamchefs Kessler beim „Ballspiel“ zu beobachten.

Eheleute Merx dürfen keine Bälle spielen.

Keine Bälle dürfen die Eheleute Merx miteinander spielen. Martina Merx muss natürlich über ihr Wissen schweigen, ebenso wie ihr Mann, Jürgen Merx über sein „nicht-öffentliches“ Wissen als Gemeinderat.

Da beide Personen über alle Zweifel erhaben sind, muss man ihnen Respekt zollen. Denn das „Teamspiel“ des Bürgermeisters wird das Teamspiel der Eheleute sicherlich einschränken.

„Hallo Schatz, wie war dein Tag?“, könnte eine Frage von Jürgen an Martina sein. „Gut, wir haben uns die Bälle zugespielt.“ „Welche, Schatz?“, könnte Jürgen fragen. „Das darf ich Dir doch nicht sagen, Schatz“, wird Martina antworten. „Damit hast Du selbstverständlich recht, Schatz“, wird Jürgen antworten.

„Und bei Dir? Die Sitzung hat ja wieder ewig gedauert… Ist es gut gelaufen?“, fragt Martina. „Schatz, die Sitzung war nicht-öffentlich, dazu kann ich dir beim besten Willen nichts sagen. Noch nicht einmal, ob es „gut“ oder „schlecht“ gelaufen ist, beides wäre ja schon eine Aussage“, wird Jürgen antworten.

„Schatz, ich bewundere dich für deine Verantwortung“, wird Martina zu Jürgen sagen. Und Jürgen: „Ich dich auch für deine.“

Amtsantritt: 1. April. Kein Scherz.

Die HeddesheimerInnen werden froh darüber sein, dass im Rathaus ein neues Team „sich die Bälle zuspielt“ und die BürgerInnen darauf verlassen können, dass privat privat ist und geschäftlich geschäftlich. Dass Frau Merx am 1. April 2010 antritt, ist – kein Scherz.

Denn sicherlich gab es zwischen Jürgen und Martina noch nie eine Wand und ganz sicher ist, dass die beiden sich trotzdem keine Bälle „zuspielen“ werden.

Wer das nicht glaubt, sollte den Jürgen vielleicht am 26. März 2010 einfach mal fragen, wie er das sieht.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist Journalist und verantwortlich für das heddesheimblog. Er ist zudem partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.