Donnerstag, 24. August 2017

„Wie bei den Taliban“ – Professor beschimpft „pfenning“-Gegner als Terroristen

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. September 2010. In der aktuellen Ausgabe des „Wirtschaftsmagazin“ Econo, an dem der Mannheimer Morgen beteiligt ist, beschimpft der Professor Michael Schröder die Gegner der geplanten Pfenning-Ansiedlung mit einem Vergleich. Eine BĂŒrgerversammlung beschreibt er so: „Da ging es zu wie bei den Taliban.“

Von Hardy Prothmann

taliban

Professor Schröder beschimpft Pfenning-Gegner als "Taliban". Quelle: econo

Dr. Michael Schröder ist Professor fĂŒr Transport, Verkehr, Logistik bei der Dualen Hochschule Baden-WĂŒrttemberg in Mannheim. Also ein Logistik-Fachmann.

Die Duale Hochschule arbeitet mit „Partnern“ zusammen, die dort ihre kĂŒnftigen Mitarbeiter theoretisch ausbilden – darunter auch das Unternehmen pfenning logistics GmbH.

Mit dessen GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger trifft sich der Professor Schröder regelmĂ€ĂŸig – bei Kongressen, Info- und Branchenveranstaltungen und vermutlich auch zu anderen Gelegenheiten.

Professor Michael Schröder ist ein Lobbyist der Logistik-Branche.

Vor einem Jahr gab es beispielsweise ein GesprĂ€ch – organisiert von Econo -, an dem die Herren Nitzinger und Schröder teilnahmen und das auf mehreren Seiten abgedruckt wurde. Herr Schröder modierte auch Runden, an den Herr Nitzinger teilnahm.

Man darf deshalb annehmen, dass diese Herren gut bekannt sind. Ob es auch direkte GeschĂ€ftsbeziehungen gibt, also Honorare fĂŒr Dienstleistungen, ist der Redaktion zur Zeit nicht bekannt.

Econo ist eine Wirtschaftspostille, die nichts weiter ist als eine verkappte PR-Schleuder, bei der „Artikel gegen Anzeigen“ verkauft werden (die Redaktion kann dafĂŒr Zeugen benennen, das nur als Hinweis, falls econo AnwĂ€lte zu bemĂŒhen gedenkt).

Zudem sind die Texte ungenau und rechercheschwach – zwei MĂ€ngel, die durchaus das Interesse der Werbekunden bedient, die sicher sein können, immer von ihrer besten Seite dargestellt zu werden. Auch „Pfenning“ wirbt gerne großformatig in dem Blatt. So kostet ausweislich des econo-Mediaplans eine ganzseitge Anzeige rund 3.500 und eine halbseitige 1.900 Euro netto.

In der aktuellen Ausgabe wird der Logistik-Fachmann Michael Schröder zum „schlechten Ruf“ der Logistik interviewt. Econo befragt Herr Schröder darin auch zum Widerstand einer BĂŒrgerinitiative in Heddesheim gegen die geplante „Pfenning“-Ansiedlung.

„BĂŒrgerversammlung: Da ging es zu wie bei den Taliban.“ Prof. Dr. Michael Schröder

Herr Schröder beantwortet die Frage nicht, sondern nutzt die Gelegenheit alle BĂŒrgerInnen, die gegen diese Ansiedlung sind, als „Taliban“ zu beschimpfen, was im allgemeinen Sprachgebrauch der Gleichsetzung mit menscherverachtenden Terroristen verstanden werden darf:

„Ich war auch schon auf einer BĂŒrgerversammlung in Heddesheim. Da ging es zu wie bei den Taliban. Dort waren sich alle einig in ihrer Ablehnung des Unternehmens: „Wir wollen keine Logistik“

Die Redaktion hat eine Anfrage an den Lehrstuhlleiter und die Verwaltung der Dualen Hochschule geschickt und ist gespannt, wie man dort diese Äußerung des Professors bewertet. Auch der Bundesverband Logistik ist fĂŒr eine Stellungnahme angefragt, immerhin ist der Lobbyist Schröder der Regionalsprecher Rhein-Neckar.

Aus meiner Sicht ist es eine Ungeheuerlichkeit ohne Beispiel in der bisherigen Auseinandersetzung zwischen BefĂŒrwortern und Gegnern, dass ein mit dem Unternehmen „verbundener“ Professor glaubt, es sich herausnehmen zu können, den demokratisch legitimen Widerstand von besorgten BĂŒrgerInnen als rĂŒckstĂ€ndige und terroristische Vereinigung abzustempeln.

Zumal der angebliche Fachmann dabei noch falsche Tatsachen unterstellt und sich ironisch Ă€ußert, wer keine Logistik wolle, dĂŒrfe auch nicht mehr zu Aldi fahren oder tanken. Kein vernĂŒnftiger Mensch hat in der Debatte je behauptet, man wolle keine Logistik, sondern nur, dass Heddesheim der falsche Standort dafĂŒr ist und vor allem die angeblichen Segnungen des Ortes durch die Ansiedlung nachgewiesenermaßen nicht eintreffen werden.

Propaganda-Maschine lÀuft.

Dieser Skandal hat noch eine andere Dimension. Zur lĂŒckenhaften, undifferenzierten Berichterstattung des Mannheimer Morgens und anderer Medien zur Sache kommt die „Kampagnenberichterstattung“, durch die deutlich wird, dass der MM keineswegs die Interessen seiner LeserInnen vertritt, sondern die der Anzeigenkunden.

Im Verbund mit einem BĂŒrgermeister Kessler, der mal eben 35.000 Euro fĂŒr ein „Spin-Doctor“-Unternehmen wie die IFOK ausgibt, erhĂ€lt man ein schlagkrĂ€ftiges Propaganda-Trio. Wer angesichts dieser „ZusammenhĂ€nge“ immer noch vermutet, dass das Unternehmen, der BĂŒrgermeister und der angeblich „unabhĂ€ngige“ Mannheimer Morgen eine transparente Informationspolitik betreiben, nun, der glaubt wahrscheinlich auch noch an das Christkind.

Dokumentation: Interview mit Michael Schröder

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • jawiejetzt?

    Guten Tag,

    als erstes sollte auch ein gekaufter Professor in seiner Wortwahl etwas zurĂŒckhaltender sein.

    Zum anderen ist noch nicht raus, wer hier die kriminellen Machenschften betreibt. Die Gegnerschaft zu einem irrsinnigen Projekt hat nichts mit fundamentalem religiös motivierten Terrorismus zu tun Herr Professor. Schauen Sie das doch bitte nochmal nach.
    Ja, ja ich weiß, nicht Ihr Fachgebiet, aber seien Sie versichert, es lohnt sich.
    Außerdem ist z. B. Stuttgart keine Taliban Hochburg, was Herr Professor schon daran erkennen könnten, daß trotz der vielen AufstĂ€ndischen, die sich dort jede Woche zusammenrotten, die Bundeswehr dort noch nicht im Einsatz ist um unsere Freiheit auch am Alb-Aufstieg zu verteidigen.

    Da sieht man mal wieder, daß ein Professorentitel noch keine Garantie fĂŒr Intelligenz oder ein bestimmtes charakterliches Niveau ist.

    Hat der Herr das Pensionsalter schon erreicht? Vorzeitiger Ruhestand? Da muß doch was drin sein.

    Einen schönen Tag noch.

  • Karlheinz Lauterbach

    Ah, schön dass die Urlaubszeit beim Heddesheimblog vorbei ist und ich hier wieder kritische Berichte lesen kann, welche Heuchelei und Bratwurst-Journalismus enttarnen.

  • ein Leser

    als BĂŒrger, der sich wie rd. 50% bei einer BĂŒrgerbefragung gegen Pfenning gewandt hat, finde es gelinde ausgedrĂŒckt als eine
    Frechheit – des dualen Professors aus Mannheim – diese Menschen in die Ecke von Terroristen zu stellen. Was muss im Kopf dieses Menschen vorgehen. Sein Institutsleiter sollte sich Gedanken machen.
    Was bringt eine Zeitschrift dazu eine Überschrift zu wĂ€hlen, die als kleines Nebenthema im Textteil vorkommt. Es steht noch mehr in der Postille. Wir warten auf weitere Publikationen an diesem Platz ĂŒber Econo und die wundersamen Leistungen einer Tochter des Mannheimer Morgens.

    • CB

      Guten Tag!

      Als BĂŒrger, der sich wie mehr als 50% bei einer BĂŒrgerbefragung fĂŒr Pfenning asugesprochen hat, finde ich es gelinde ausgedrĂŒckt lĂ€cherlich wie sich hier Echauffiert wird.

      Das was hier an anderer Stelle gefordert wird (http://heddesheimblog.de/2010/09/10/am-montag-knackt-der-100-millionen-euro-kessler-seinen-jackpot/comment-page-1/#comment-8888) ist doch ein Aufstand!?

      In ihren Köpfen setzen sie Taliban gleich Terrorismus, hierzu empfehle ich die LektĂŒre hier:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Taliban

      Sicherlich ist der Ausdruck des Herrn Schröder unpassend, aber lassen wir doch auch hier die Kirche im Dorf.
      Das herauspicken eines Nebensatzes zur Schlagzeile funktioniert hier im Blog doch ebenso gut wie in dem Artikel.

      Wie steht es denn noch um die alte Aussage:
      Der getroffene Hund bellt!

      Sonnige GrĂŒĂŸe!

      • Hamlet

        And Godspeed to you, good sir.

        Wohlan, mich dĂŒnkt, der Sonne Schein im Übermaß genossen trĂŒbt Euren Blick edler Herr.

        There is something rotten in the state of Denmark!

      • betty

        Also ich fĂŒhle mich durch die Bezeichnung „Taliban“ als Heddesheimerin schon getroffen! Als seien wir hier unzivilisierte HinterwĂ€ldler, die nicht verstanden haben wie Demokratie funktioiert. Der Herr Professor sollte sich schĂ€men sowas zu verbreiten, was mit Sicherheit unter seinem „wissenschaftlichen Niveau“ ist.

        • CB

          Das was sie gerade schreiben ist doch nur ihr Bild von Taliban!?
          Sie bezeichnen Taliban als „HinterwĂ€ldler“ … das ist dann wohl der offene Weg sich mit Kulturen, Menschen und Gesinnung auseinader zu setzen der in Heddesheim auch bei den zugezogenen gepflegt wird.

          Letztlich noch der Hinweis, dass wenn sie sich dadurch getroffen fĂŒhlen doch sprichwörtlich alles gesagt ist!

          Sonnige GrĂŒĂŸe!

        • betty

          Taliban steht fĂŒr mich fĂŒr Terror, Gewalt, Fanatismus, Anti-Zivilisation – entschuldigung, wenn ich mich und meine Gemeinde damit nicht in Verbindung gebracht wissen möchte …

  • Powerbiene

    Da hat sich wohl jemand den (bald ehemaligen) Vorstand der Bundesbank zum (negativen) Beispiel genommen. Herr Sarrazin hat die Konsequenzen gezogen und ist von seinem Posten zurĂŒckgetreten. Bleibt zu hoffen, dass sich Prof. Schröder auch in diesem Punkt an seinem Vorbild orientiert …

    Powerbiene

  • Heddesheimer

    Das sind gute Vorzeichen und bestÀtigt das mir/uns Bekannte.

  • Christoph S.

    Mit dem Zitat „Wie bei den Taliban“ hat es das heddesheimblog mal wieder auf Platz eins bei Google geschafft. Das hĂ€tte sich dieser Prof. Schröder wohl nicht trĂ€umen lassen, dass er mit einer Äußerung, die so völlig daneben ist ganz oben in der beliebtesten Suchmaschine erscheint.
    Damit hat er sich und den Pfenning-BerfĂŒrwortern ja einen BĂ€rendienst erwiesen. Ich weiß ja nicht wer das Hochglanz-Wirtschafts-PR-Blatt econo liest – außer Hardy Prothmann kenne ich keinen 😉 Aber das heddesheimblog wird gelesen. Ich wĂŒrde sagen 1:0 gegen die Pro-Pfenning-Propaganda-Maschine.

    • heddesheimerin

      Diese Aussage war eine Beleidigung fĂŒr nahezu die gesamte Gemeinde. Ein Schuss, der auch fĂŒr „George W. Kessler“ nach hinten losging!

      Die Menschen in Heddesheim werden Ihnen dies nicht vergessen, Herr Prof. Michael Schröder!

  • Argus

    Nicht aufregen,denn es gibt genĂŒgend „kopfkranke und gekaufte Akademiker“.
    Haben wir nicht auch einen ?

    Interessant sind diese Verquickungen Econo – MM – Pfenning – usw. allemal !