Mittwoch, 21. November 2018

Ãœber einzelne Unruhestifter

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. Oktober 2009. Die „Mehrheit“ der SPD-Fraktion im Heddesheimer Gemeinderat will dem weiteren Betreiben der geplanten Pfenning-Ansiedlung zustimmen, schreibt der Fraktionsvorsitzende Jürgen Merx im Mitteilungsblatt.

Kommentar: Helle Sema

Gerne hätte die SPD sich an ein klares Votum gebunden, schreibt Merx, das es aber leider nicht gäbe. Weil es das nicht gibt, vermutet er, dass die Befürworter für das Projekt „immer schwerer zu aktivieren“ seien – und folgert daraus, dass es so gesehen doch ein klares Votum sein müsse und deswegen die Mehrheit der SPD-Fraktion weiterhin „Pro-Pfenning“ stimmt.
Merx appelliert an die Bürger und Bürgerinnen, „die herbeigeredeten Gräben innerhalb Heddesheims zuzuschütten“: „Lassen Sie sich nicht durch einzelne „Unruhestifter“ verunsichern.“

Was soll man davon halten? Wie schüttet man Gräben zu, die es gar nicht gibt – angeblich sind die doch nur „herbeigeredet“? Hm. Und wen meint er mit „einzelne Unruhestifter“? Den Mann von Frau Brechtel, der Journalisten angeht? Oder Herrn Doll, der dasselbe Hobby hat (nicht der Dolleseppel, sondern der andere)? Oder den Nagelbrett-Schreiner? Oder seinen Fraktionskollegen Reiner Lang, der einem Journalisten androht, bei einem falschen Zitat ginge er diesem persönlich an den Kragen? Oder den Kirchengemeinderat Kleinert?

Richtig so, Herr Merx. Sie sind ein aufrechter Demokrat und zwar ein sozialer. Deswegen setzen Sie sich ja auch so für einen Tarifflüchtling-Arbeitgeber ein. Denn das bringt der ehemaligen Volkspartei SPD wieder Mitglieder und hoffentlich auch Pöstchen.

Nur peinlich, dass Herr Merx kein einziges Argument anbringt – warum er und die „Mehrheit“ seiner Kollegen weiterhin „PRO Pfenning“ sind.

Dabei hat sein Kollege, der SPD-Gemeinderat Michael Bowien, doch harte Zahlen geliefert – echte Fakten. Basierend auf der Aussage des „Pfenning“-Geschäftsführers Uwe Nitzinger hat sich der Volkswirt Michael Bowien hingesetzt und die von „Pfenning“ zu erwartende Gewerbesteuer ausgerechnet: 200.000 Euro im Jahr.

Der Mann ist fleißiger als der ganze ruhestiftende Rest der SPD-Fraktion und hat darüber hinaus auch die Folgekosten ausgerechnet. Sein Fazit: Die Ansiedlung bringt der Gemeinde kein Geld, sondern wird sie über Generationen belasten.

Wieso Herr Merx diese harten Fakten nicht für seine Pro-Entscheidung verwendet, ist klar: Auch der Bowien muss in seinen Augen zu den „einzelnen Unruhestiftern“ gehören -ebenso wie die Hälfte der Bürgerschaft, die sich gegen die Ansiedlung ausgesprochen hat. Jeder einzelne davon. Aber vielleicht meint Herr Merx auch den hier.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.