Sonntag, 20. Mai 2018

Tiere, Titten, Tote: Was von der Tierschutzorganisation „PETA“ zu halten ist

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Ladenburg/Rhein-Neckar, 08. April 2011. (red) Die „Tierschutzorganisation PETA“ setzt sich gegen TierquĂ€lerei ein. Und wĂ€hlt dafĂŒr radikale Methoden und Medienkampagnen. Die Organisation ist mĂ€chtig, denn sie appelliert ans MitgefĂŒhl der Menschen. Aber sie ist auch stark in der Kritik. Denn im Gegensatz zu anderen Tierschutzorganisationen gibt es weder Pflege- noch Vermittlungseinrichtungen bei Peta. Im Gegenteil: In Amerika soll die Organisation rund 14.000 Hunde eingeschlĂ€fert haben – angeblich, um Kosten zu sparen.

Von Hardy Prothmann

Keine Frage: Jeder „normale“ Mensch ist gegen das QuĂ€len von Tieren. DafĂŒr setzt sich angeblich Peta ein, eine amerikanische Tierschutzorganisation. In Ladenburg hat die Organisation aktuell durch einen Bericht im Mannheimer Morgen auf sich aufmerksam gemacht: 500 Euro wurde als Belohnung „zur Ergreifung eines mutmaßlichen Kaninchenmörders“ ausgesetzt.

Tiere – Titten – Tote

Peta verfolgt eine Medienstrategie, die gut funktioniert und bei der Bild-Zeitung beispielsweise TTT heißt: Tiere, Titten, Tote. Themen mit einem „T“ „gehen immer“ und sorgen fĂŒr Aufmerksamkeit.

Peta steht fĂŒr „People for the Ethical Treatment of Animals“, also „Menschen fĂŒr das ethische Behandeln von Tieren“. Das hört sich zunĂ€chst gut an. Aber ist Peta deshalb eine Organisation, die man unterstĂŒtzen sollte?

Wer sich nĂ€her mit Peta beschĂ€ftigt, dem fĂ€llt die RadikalitĂ€t der Organisation auf. Wer zum Beispiel das Essen von Fleisch als vollkommen normal hĂ€lt, der wird mit Peta nicht glĂŒcklich werden, egal, ob er gegen TierquĂ€lerei ist oder nicht. Peta lehnt das ab und wirbt offen fĂŒr Vegetarismus oder ein „Veganer“-Leben (hier auf der englisch-sprachigen Seite „Jesusveg.com“). Auch jegliche Lederwaren sind tabu – denn sie stammen von Tieren.

Wer Wurst oder Fleisch isst, der ist nach Auffassung von Peta ein MittÀter und mitschuldig am "Massenmord". Quelle: Peta

Peta bezeichnet beispielsweise das Essen von Tieren und die dafĂŒr notwendige Massentierhaltung als „Mechanisierten Massenmord“. Peta geht noch weiter und vergleicht das Schlachten von Tieren mit dem Holocaust (taz: „Der Jude, das GrillhĂ€hnchen). Der Zentralrat der Juden in Deutschlang zeigte sich entsetzt und ging gerichtlich gegen die im Jahr 2004 gestartete Kampagne „Der Holocaust auf deinem Teller“ vor. Die Klage ging bis vor das Bundesverfassungsgericht, das Peta die Kampagne untersagte.

„Nackte Wahrheiten“

Und Peta setzt fĂŒr seine Kampagnen gerne „Prominente“ ein. Aktuell lĂ€uft in Deutschland eine Kampagne mit Daniela Katzenberger, die „sexy und leichtbekleidet“ angeblich sagt: „Manchmal kann zuviel Sex schlecht sein“. Peta organisiert NudistenlĂ€ufe oder zeigt leichtbegleidete Frauen als „Lettuce-Ladies„, als „Salat-Damen“.

Ob leichtbekleidete Damen noch „schocken“, darf bezweifelt werden. FĂŒr’s richtig schlechte Gewissen hat Peta andere Informationen und prangert – zu Recht – grausame Szenen an:

„In einer Undercover-Videoaufnahme, die PETA gemeinsam mit dem Journalisten Manfred Karremann in China machte, zeigt sich unermeßliches Grauen: Die Tiere fristen bei allen Witterungsextremen ihr Dasein in winzigen DrahtkĂ€figen. Bevor man sie hĂ€utet, schlagen Arbeiter mit Metallstangen auf sie ein und schmettern sie auf den Boden. Sie brechen ihnen so die Knochen, wobei sie hĂ€ufig nicht getötet werden. Viele Tiere sind noch am Leben und bei vollem Bewußtsein, wenn man ihnen das Fell abzieht.“

Solche „Geschichten“ gehen ans Herz und öffnen das Portemonnaie fĂŒr Spendenzahlungen. Und die laufen gut – die MedienprĂ€senz von Peta ist enorm. Ganz klar: „Sex sells“ und eine Daniela „Katzenberger“ als Imagefigur fĂŒr „Katzenkastration“ – das hat was. Oder? Peta „informiert“:

„Hintergrund dieses Motivs: So gut wie alle deutschen Tierheime sind ĂŒberfĂŒllt, viele verhĂ€ngen Aufnahmestopps, weil sie keine weiteren Tiere mehr aufnehmen können. Die Population verwilderter und heimatloser Katzen in und um die meisten deutschen StĂ€dte und Dörfer ist enorm und wird tĂ€glich grĂ¶ĂŸer. Die verwilderten Nachkommen stammen alle von Katzen ab, die ursprĂŒnglich mehr oder weniger behĂŒtet in Menschenfamilien lebten, jedoch nicht kastriert wurden. Heimatlos geworden, fĂŒhren sie ein Leben voller Leid und Entbehrungen, da sie nicht fĂŒr ein solches Leben gerĂŒstet sind: Hunger, Krankheit und ein frĂŒher Tod sind keine Seltenheit.“

Peta tötet selbst Tiere

WorĂŒber Peta an dieser Stelle nicht informiert: Peta selbst tut aktiv nichts fĂŒr Tiere. Peta unterhĂ€lt keine Tierheime. DafĂŒr tötet Peta Tiere und zwar umfangreich, wie bei Wikipedia nachzulesen ist:

„PETA unterstĂŒtzt aktive Sterbehilfe an Tieren, wenn keine Lebensbedingungen hergestellt werden können, die nach PETA-Richtlinien artgerecht sind. Die dabei geltenden Richtlinien vermenschlichen die Tiere und setzen voraus, dass es fĂŒr die Tiere besser sei, tot zu sein, statt unter schlechten Bedingungen zu leben. In der Öffentlichkeit wird diese Praxis als Doppelmoral der Organisation gegeißelt, da die Organisation definiert, wann es den Tieren schlecht geht. So konnten zum Beispiel in den USA viele durch Aktionen von PETA befreite Tiere nicht vermittelt oder versorgt werden, weshalb man beschloss, sie einzuschlĂ€fern. Als Anthropomorphisierung wird dabei der Analogieschluss von Tier und Mensch verstanden, der beide gleichsetzt und impliziert, dass Wahrnehmung und individuelle Lebenswelten von Tier und Mensch identisch wĂ€ren.

Im MĂ€rz 2010 wurde bekannt, dass PETA im Jahre 2009 97 % der Tiere in ihrem eigenen Tierheim in Virginia einschlĂ€fern ließ. Andere Tierheime im gleichen Bundesstaat schlĂ€ferten hingegen nur etwas mehr als die HĂ€lfte der Tiere ein.“

Peta hĂ€lt also fĂŒr sich die Deutungshoheit, was „artgerecht“ ist und was nicht. Was erlaubt ist und was nicht. Was „richtig“ ist und was nicht.

Tiere, Titten, Tote - Hauptsache Aufmerksamkeit. Quelle: Peta

Aktuell hat Peta eine Belohnung von 1.000 Euro fĂŒr „Schlangenmörder“ ausgesetzt und argumentiert „merkwĂŒrdig“. Einerseits kann man Wildtiere „niemals artgerecht“ halten, andererseits empfiehlt die Organisation den Gang zum Tierheim:

„Wildtiere können in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden. Wer sich wirklich gut auskennt und sich ĂŒber den enormen Zeit- und Geldaufwand der Haltung bewusst ist, sollte ein Tierheim besuchen. Hier warten immer mehr Exoten auf ein neues Zuhause.“

Obwohl sie dort „niemals artgerecht“ gehalten werden können?

Kampagnen wollen finanziert sein

Nach Aussage der hauptberuflichen Kampagnenleiterin Nadja Kutscher „bringt das Ausloben von Belohnungen viele Hinweise“: „Meist wollen die Hinweisgeber aber gar nicht das Geld.“

Peta bietet es trotzdem an – das sorgt fĂŒr Aufmerksamkeit. Und zeigt, dass Peta bereit ist, viel Geld zu bezahlen, um „den TĂ€tern auf die Spur zu kommen“ – dafĂŒr braucht Peta Geld – Spendengeld.

Ersatzreligion?

Kritiker beschreiben die von der Amerikanin Ingrid Newkirk 1980 gegrĂŒndete Organisation als „kultartig“ und kritisieren den autoritĂ€ren FĂŒhrungsstil und eine immer radikalere Ausrichtung der Organisation. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb 2009 auf einer Themenseite ĂŒber „Terror im Namen der Tiere“.

(Anmerkung der Redaktion: Uns wurde unter Androhung von rechtlichen Mitteln und einem Streitwert von 10.000 Euro die Verwendung des ursprĂŒnglich gesetzten Links auf „Terror im Namen der Tiere“ untersagt. Wir sollen dazu eine UnterlassungserklĂ€rung unterzeichnen, was wir nicht tun, da wir nur einen Link auf eine allgemein im Internet zugĂ€ngliche Seite gesetzt haben und keine Kenntnis hatten, dass hier ein gerichtliches Verfahren anhĂ€ngig war oder ist. Wir haben den Link nach Kenntnis der Aufforderung entfernt, da wir uns den Inhalt nicht zu eigen machen, sondern journalistisch korrekt auf eine allgemein zugĂ€ngliche Quelle verwiesen haben.)

Echte Mörder werden mit TierquĂ€lerei in Verbindung gebracht. Der „logische“ Schluss: Wer Tiere „Schaden“ zufĂŒgt, wird zum Mörder.

Sicher ist es grundsĂ€tzlich richtig, ĂŒber nicht-artgerechte Haltung von Tieren oder sogar brutale Methoden wie in China zu berichten und solche ZustĂ€nde anzuprangern.

Im Zusammenhang mit „religiösen Anspielungen“, einem radikalen Wertekanon und „Idealbildern“ von Menschen ergibt sich aber ein krude Mischung, die schnell zu einer Art „Ersatzreligion“ wird. Die GefĂŒhle „Barmherzigkeit und Mitleid“ werden mit Systemkritik verbunden und ein GemeinschaftsgefĂŒhl angeboten.

Mit radikalen Mitteln. Psychologisch clever inszeniert, bedient Peta auf Ă€hnliche Art und Weise das, was Boulevard-Medien wie die Bild bestens in bare MĂŒnze umwandeln. Die Aufmerksamkeit fĂŒr Tiere, Titten, Tote. Denn die „T“-Themen „gehen immer“. Deswegen findet Peta bei vielen Journalisten Gehör – wie aktuell beim Mannheimer Morgen.

Kritiklos werden die Botschaften transportiert – die Zeitung hat eine „Story“ und Peta Aufmerksamkeit, die sich vermutlich in Spendengeld „auszahlt“.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.