Sonntag, 20. August 2017

Quo vadis Heddesheim?

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. November 2010. Nur gut 90 Demonstranten nahmen an der „Demo gegen Pfenning“ teil.

Ist das ein „Misserfolg“? Ist das ein erster „Anfang“? Oder ist das eine Best├Ątigung f├╝r die Bef├╝rworter des „Pfenning“-Projekts?

In den kommenden Tagen wird viel ├╝ber diese Fragen diskutiert werden.

Schnelle Urteile werden ganz sicher andere Antworten finden. Heddesheim hat seine erste Demonstration erlebt. Gleichzeitig wurde im ganzen Land gegen den Castor-Transport und in Stuttgart wieder gegen „S21“ demonstriert. Klar ist: Der Landtagswahlkampf hat begonnen.

Von Hardy Prothmann

Nur 90 Demonstranten sind auf den ersten Blick eine sehr ern├╝chternde Zahl. Ganz sicher war der Samstag in den Herbstferien ein schlecht gew├Ąhlter Tag f├╝r eine Demonstration. Ganz sicher war die ├Âffentliche Bewerbung dieser Kundgebung miserabel. Ganz sicher hat das herbstlich-st├╝rmische Regenwetter nicht gerade einladend gewirkt.

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Bleibt das von der Demo ├╝brig?

Ganz sicher ist aber auch, dass Heddesheim seine erste offizielle Demonstration erlebt hat, in der Amtszeit von B├╝rgermeister Michael Kessler. Wer h├Ątte sich das vor dessen Zeit vorstellen k├Ânnen, unter einem B├╝rgermeister Fritz Kessler oder Fritz Alles? Niemand?

Wahnsinns-Idee.

B├╝rgermeister Michael Kessler, Sohn des „legend├Ąren“ Fritz Kessler arbeitet daran, der 100-Millionen-Euro-Kessler zu werden und stellt durch seine intransparente, b├╝rgerferne Politik den Ort auf den Kopf. Eine Demonstration in Heddesheim. Wegen einer „Wahnsinns-Idee“, wie der Gr├╝nen-Gemeinderat G├╝nter Heinisch die geplante „Pfenning“-Ansiedlung nennt. Das hat es noch nie gegeben.

Der „alte Fritz“, so h├Ârt man, hat gerne mal N├Ąchte durchzecht, mit Spiel und Alkohol und auch mal die „F├Ąuste fliegen“ lassen, um „Entscheidungen herbeizuf├╝hren“. Ger├╝chte? Geschichten? Ja. Genau das. Fritz Kessler ist und bleibt der „geschichtstr├Ąchtigste B├╝rgermeister“. Einer, ├╝ber den alle was zu erz├Ąhlen haben. Im Guten wie im Schlechten.

Die Geschichten enden regelm├Ą├čig mit Respekt, also einer R├╝ckschau: „Der Fritz war nie unumstritten, aber er war ein Original und hat den Ort vorangebracht, soviel steht fest.“ Auch seine S├╝nden, wie die Hochh├Ąuser, die nicht zum Ort passen, geh├Âren dazu (die vielen Menschen, die sich kein Haus leisten k├Ânne, Wohnraum bieten). Aber auch seine Leistungen, wie Badesee, Hallenbad und Sport-Zentrum. Die ├âÔÇ×ra Fritz Kessler ist aber lange her.

├âÔÇ×ra Fritz vs. ├âÔÇ×ra Michael.

Michael Kessler, im 12. Jahr B├╝rgermeister, verwaltet all das, was sein Vater „vorangebracht“ hat. Darunter eben auch Badesee, Hallenband und Sportzentrum. Alles Zuschussprojekte, die die Gemeinde Jahr f├╝r Jahr viel Geld kosten. Auch das Rathausgeb├Ąude – das saniert werden musste. Oder Kanalsysteme, die den Geist aufgeben.

Michael Kessler ist eine traurige Gestalt. Vom Charisma des Vaters hat er nichts bis auf den „kesslerischen“ J├Ąhzorn. Keiner liebt ihn wirklich, keiner versteht ihn wirklich. Er ├╝berblickt zuverl├Ąssig seinen „Apparat“, der nie etwas „verdient“, sondern immer nur „Verdientes“, sofern vorhanden, verteilt. Trotzdem muss er „alles“ bezahlen. Nicht er selbst als Privatmann, sondern sein alter ego, also „Ich bin die Gemeinde“. Und jeder will etwas von ihm.

Die Hellesemer vor allem „Grund gegen Geld“ oder andere Vorteile, die sich manche im Zuge der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung versprechen. Viele Bauern und deren Familienangeh├Ârige sind „reich“ geworden im Zuge der Umwandlung des Tabakdorfs zur „familienfreundlichen Gemeinde“.

Diese Leute haben ihre ├âÔÇ×cker aufgegeben, ihre Tradition, ihre Herkunft. Nicht aber ihren Machtanspruch. Im Dorf hat nur zu entscheiden, wer von hier stammt, wer nicht „noigeblaggt“ ist.

Das denken die „angestammten Familien“ ohne Kompromisse, denn das halten sie f├╝r ihr „Grundrecht“.

Dass es ein „ehemaliges“, feudalistisches und wenig demokratisches ist, f├Ąllt ihnen nicht ein. Frau Brechtel (geborene Bach), Herr Schaaff, Herr Hege, Herr Kemmet und so weiter. Im Ort raunt man gerne von „Heddesheimer Familien“ als w├Ąre man in Monaco oder sonstwo.

Selbst ich soll mit „diesem System“ verbunden werden, habe ich doch eine „Enkelin“ vom „Menze-Seppl“ geheiratet.

Josef Menz habe ich nie kennengelernt. Dass er ein allseits geachteter Mann war, Polizist und Gemeinderat, haben mir sehr, sehr viele Menschen erz├Ąhlt.

Das w├╝rdige ich so, wie ich es erz├Ąhlt bekomme. Ich h├Ątte den Mann, von dem viele sagen, dass ich mich gut mit ihm verstanden h├Ątte, gerne kennengelernt. Ich lebe aber im Hier und Jetzt.

Grund gegen Geld.

Tats├Ąchlich hat der Heddesheimer Bauernadel erst den Grund und dann den Einfluss nach und nach verloren und verliert ihn weiter. Ob mit dem Grundverlust der Verstand fl├Âten ging oder erst sp├Ąter oder es keinen gab, ist nicht ├╝berliefert.

Heute stellen die „Noigeblaggde“ die Mehrheit, die Steuern dieser Menschen bringen viel Geld in den Ort, den sie strategisch als „familienfreundlich“ und „verkehrsg├╝nstig“ im Einzugsbereich von Mannheim, Heidelberg und Walldorf als idealen Standort ermittelt haben.

Und trotzdem geht kaum jemand auf die Stra├če, um „mit den F├╝├čen“ abzustimmen.

├â┼ôber 1.200 Stimmen wollte die „IG neinzupfenning“, eine kleine Gruppe Gewerbetreibender, gesammelt haben, gegen dieses Megaprojekt vor ihrer Haust├╝r. Immerhin 2.870 B├╝rgerInnen stimmten Ende September 2009 gegen eine Ansiedlung der Firma „Pfenning“ – 2.910 B├╝rgerInnen daf├╝r. Die „Mehrheit“ bestand aus 40 Stimmen.

Wo war am Samstag zur „Demo“ dieser „Rest“ von rund 2.800 Stimmen? Alle im Urlaub? Alle beim Einkaufen? Alle „ohne Bock“ im Trockenen? Alle resigniert?

Sicher ist, dass sich traditionell wenig mit dem Ort verbundene Menschen schwerer motivieren lassen als die, deren Familie, deren Geschichte an Heddesheim h├Ąngt. Umgekehrt ist ebenso sicher: Die „Bef├╝rworter“ haben genau Null Prozent Menschen bislang „F├╝r Pfenning“ auf die Stra├če bringen k├Ânnen.

Erfolg gegen alle Widerst├Ąnde.

So gesehen ist die Demonstration mit all ihren widrigen Umst├Ąnden aus historischen Gegebenheiten, schlechter Organisation und miesem Wetter ein Erfolg. Einer, ├╝ber den sich zur Zeit keiner der TeilnehmerInnen freut. Und einer, der die „Gegner“ sicher nicht freuen kann.

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Mit den F├╝├čen abstimmen - in Heddesheim?

B├╝rgermeister Michael Kessler, sein Steigb├╝gelhalter Josef Doll und der erzkonservative Bauer Rainer Hege (der oft sehr menschlich verzweifelt wirkt), sowie ein selbstgef├Ąlliger, dauergrinsender SPD-Fraktionschef J├╝rgen Merx und seine Krakeeler J├╝rgen Harbarth und Reiner Lang werden alles tun, um die Demonstranten in Schimpf und Schande zu reden und sich ├╝ber deren „Misserfolg“ freuen.

Im Verein, am Stammtisch, auf der „Gass“, ohne Erkenntniswillen, dass ihr „Erfolg“ lediglich auf einer kleinen Stimmenmehrheit von 12:9 beruht. Und ohne die Einsicht auf Verantwortung, dass eine solch knappe Entscheidungsbasis angesichts eines „Jahrhundertsprojekts“ gegen jede gute alte (und neue) Tradition spricht.

Mediale Deckung.

Bemerkenswert ist auch die „├Âffentliche“ Aufmerksamkeit durch „die Medien“. Tats├Ąchlich hat der Mannheimer Morgen ja mit dem 02. November 2010 seine Berichterstattung ├╝ber „Rhein-Neckar“ von drei auf sechs Seiten verdoppelt – aber nicht um Journalismus zu bieten, sondern m├Âglichst viele Termine „abfeiern“ zu k├Ânnen.

W├Ąhrend sonst der Mannheimer Morgen seine Redakteurin Anja G├Ârlitz oder in Vertretung auch den Redakteur Hans-J├╝rgen Emmerich oder den Kollegen Roth ├╝ber „Pfenning“ und „Heddesheim“ hochherrschaftlich „berichten“ l├Ąsst, ist die „Demo“ aus Sicht der Zeitung ein so minderwertiges Ereignis, dass man einen „Bratwurstschreiber“ zweiter Klasse wie Herr Peter Jaschke einer ist, schickt, um dieses „historische“ Ereignis zu „dokumentieren“. (Naja, es h├Ątte mit dem drittklassigen Schwurbler Dietmar Thurecht schlimmer kommen k├Ânnen. Nat├╝rlich macht Herr Jaschke mit einer kleinen Kamera selbst die Fotos, w├Ąhrend den Redakteuren ab und an noch das Privileg eines schlecht bezahlten Fotografens zusteht.)

Worauf der Mannheimer Morgen vollends verzichtet, ist ein Kommentar, eine Einordnung, eine Bewertung, eine verantwortliche Berichterstattung. Das „Top“-Ereignis ist aus Sicht der Redaktion ein „Schrilles Lustspiel in grellen Farben“.

Der Standort ver├Ąndert sich.

Das mag der Mannheimer Morgen so verk├╝nden. Dar├╝ber m├Âgen sich B├╝rgermeister Kessler, Doll und Konsorten freuen. Das mag „Pfenning“ best├Ąrken. Der Mannheimer Morgen und seine miserable journalistische Kompetenz wird noch weiter geschw├Ącht. Leider auch die Demokratie. Und das meine ich sehr, sehr ernst.

Die gro├če Frage ist allerdings: Handelt es sich nur um Desinteresse? Oder um eine gef├╝hlte Zustimmung? Oder ist was anderes im Gange?

Wie man h├Ârt, sind viele im Ort durchaus gewillt, sich anders zu orientieren. Heddesheim ist l├Ąngst kein „1a“-Standort f├╝r „Familienfreundlichkeit“ mehr. Sondern auf dem Weg zum Industriestandort. Pfenningheim. Auf der „Gass“ wird schon ├╝bers „Gesocks“ geredet, das bald kommen soll.

Vielleicht rechnen viele, die sich nicht „f├╝r den Ort einsetzen“ wollen, im Trockenen aus, wann sie den Exit vollziehen sollten, um ihr „Kapital“ zu retten. Ganz sicher will es sich niemand mit B├╝rgermeister Kessler „Ja, ich bin die Gemeinde“ ohne Not verscherzen, weil der klar gemacht hat, was gilt.

Paragraphen-Kessel.

Paragraphen, Paragraphen und nochmals Paragraphen. Herr Kessler ist entschlossen, „Pfenning“ streng nach Vorschrift „durchzuziehen“. Gef├╝hle, ├âÔÇ×ngste, Sorgen spielen f├╝r diesen beharrlichen B├╝rokraten l├Ąngst keine Rolle mehr. Auch kein Bem├╝hen um Verbindlichkeit. Er re(a)giert nach Vorschrift.

Das tun andere auch. In Stuttgart Herr Mappus, in Berlin Frau Merkel.

Wenn man sich die laschen Besucherzahlen von CDU-Veranstaltungen in Hirschberg und Heddesheim anschaut und diese mit der „Demo“ in Heddesheim vergleicht, haben die „Gr├╝nen“ absolutes „Oberwasser.“

Ein Peter Hauk, CDU-Fraktionsvorsitzender im baden-w├╝rttembergischem Landtag, „zieht“ gerade mal 28 ├╝berwiegend sehr alte M├Ąnner ins Hirschberger Rathaus. Ein „Staatsminister“ Georg Wacker gerade mal 23, ├╝berwiegend grauhaarige Menschen ins „Ger├Ątehaus“ der Feuerwehr Heddesheim.

Die Gr├╝nen dagegen fast 100 Leute auf die Stra├če, in den str├Âmenden Regen. Die Umfragewerte sind f├╝r die Gr├╝nen „gigantisch“, trotzdem findet die n├╝chterne Wahl im M├Ąrz 2011 statt. Dann werden „Stimmungen“ gegen Stimmen ausgez├Ąhlt.

Der Wahlkampf ist voll im Gange.

Soviel steht fest: Der Wahlkampf ist im vollen Gange. Und vermutlich werden die Gr├╝nen in Heddesheim punkten. Bislang nicht auf der Stra├če, aber sicher in der Wahlkabine.

In Heddesheim wird 2014 zum n├Ąchsten Mal kommunal gew├Ąhlt und auch ein neuer B├╝rgermeister. Der Name Michael Kessler wird schon lange nicht mehr favorisiert, sondern nur noch die Frage, „welcher Kandidat sonst?“.

Bis dahin ist es noch eine lange Zeit, die ein b├╝rgerferner Michael Kessler mit der Legitimation der Paragraphen nutzen wird, um sich seinen Zweitnamen zu sichern: Beton-Kessler. Das ist ihm nicht vorzuwerfen, sondern der Lauf der Geschichte.

Denn S├Âhne haben oft das gegenteilige Schicksal ihrer V├Ąter eingenommen – zumal, wenn beide als „stur“ gelten durften. War Fritz Kessler ein B├╝rgermeister der Emotionen, ist sein Sohn Michael einer der K├Ąlte. Seine Handschrift, sei es Seniorenheim oder Dorfplatz oder Rathaussanierung ist eindeutig.

Die Frage, „Quo vadis, Heddesheim“, h├Ąngt aber nicht nur von einem Beton-Kopf, wie Herr Kessler einer ist, ab.

Sondern auch davon, was die B├╝rgerInnen wollen.

Zur Zeit stehen alle Zeichen auf Betonk├Âpfe gegen B├╝rgerInnnen. Ganz n├╝chternd betrachtet.

Das n├╝tzt den Gr├╝nen. Im Land. In Stuttgart. Auch in Heddesheim?

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • Richard Landenberger

    Kleine Korrektur

    Es gab schonmal eine angemeldete Demonstration in Heddesheim und zwar gegen die M├╝llverbrennungsanlage (MVA) in Ladenburg, die dann auch verhindert werden konnte. Vor einem Jahr gab Frau G├Ânner dann bekant, da├č durch die nicht gebauten MVAs in Baden-W├╝rttemberg dem Steuerzahler 500 Millionen Euro, also 1 Milliarde DM erspart wurden.

    Ich war auf der Demo am Samstag leider nicht dabei. Man m├Âge es mir verzeihen, da├č ich in Berg erfolgreich mit 2000 B├╝rgern den Casror blockiert habe.

    Richard Landenberger

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke f├╝r den Hinweis.

      Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
      Das heddesheimblog

    • Heddesheimer

      Hallo Herr Landenberger, welche Argumente f├╝hrte man von Seiten der Gemeinde und der Parteien in Heddesheim gegen die M├╝llverbrennungsanlage in Ladenburg an?

  • Heddesheimer

    Wen ich mir die Fotos zur Demo ansehe auf denen ├╝berwiegend B├╝rger im mittleren und Jungen alter zu sehe sind, wird sich der Demografischer Wandel in Heddesheim beschleunigen.

    Rette dein Geld ist auch meine Meinung, aus diesen Grund Lese ich Immobilienanzeigen aus Hirschberg, Gro├čsachen, Weinheim, Lautenbach, Viernheim intensiv.

  • Raumfuernotizen

    Aus der Ferne betrachtet, mag sich mir als heddesheimblog-Leser der Sinn der Pfenning-Ansiedlung nicht recht erschlie├čen. Die Sorgen und Kritikpunkte erscheinen mir v├Âllig nachvollziehbar.
    Aber worin liegt nun der journalistische Sinn, eine Demo mit 90 Teilnehmern zu einem ├óÔéČ┼żErfolg├óÔéČ┼ô machen zu wollen?
    Wenn sich von 11600 Einwohnern Heddesheim 11500 entscheiden, nicht gegen Pfenning zu demonstrieren, dann wurde doch mit den F├╝├čen abgestimmt: Mehr als 99 Prozent blieben daheim. Das ist frustrierend f├╝r die Organisatoren. Es gibt gewiss nicht die tats├Ąchliche Meinungslage wieder ├óÔéČÔÇť eine gro├če Entt├Ąuschung bleibt die Demo dennoch.
    Ab welcher Teilnehmerzahl w├Ąre es denn nach deiner Ansicht ein Misserfolg gewesen? Deine Argumentation h├Ątte auch bei 40 Demonstranten nicht weniger ├óÔéČ┼żschl├╝ssig├óÔéČ┼ô geklungen. Und wenn, wie in den Kommentaren vermerkt, selbst der ├óÔéČ┼żhistorische├óÔéČ┼ô Aspekt (die erste Demo auf Heddesheimer Boden) nicht einmal zutreffend ist, bleibt wirklich nicht viel Anspruch auf eine bewertende Einordnung dieses ├óÔéČ┼żEreignisses├óÔéČ┼ô in der Tagespresse.
    Die Besucherzahlen von Info-Veranstaltungen mit denen einer Demo zu vergleichen… ├âÔÇ×pfel? Birnen?
    Da die Beschlusslage im Ort ja offenbar so ist, dass die Bef├╝rworter sich auf der sicheren Seite w├Ąhnen, ist eine ├óÔéČ┼żProPfenning├óÔéČ┼ô-Demonstration doch auch v├Âllig unn├Âtig. Was soll dann ein Satz wie ├óÔéČ┼żDie ├óÔéČ┼íBef├╝rworter├óÔéČ╦ť haben genau Null Prozent Menschen bislang ├óÔéČ┼íF├╝r Pfenning├óÔéČ╦ť auf die Stra├če bringen k├Ânnen├óÔéČ┼ô?
    Ich bin sicher, dass auch in Heddesheim die ├╝berw├Ąltigende Mehrheit f├╝r das Grundgesetz ist. Und dennoch hat es nie eine Demonstration daf├╝r gegeben.

    • Peter Kr├Âffges

      Eine Bewertung, ob eine DEMO als Erfolg (Mi├čerfolg) gewertet werden kann, gestaltet sich grunds├Ątzlich schwierig. Ob dies an der Teilnehmerzahl ausschlie├člich festzumachen ist, sehe ich pers├Ânlich nicht, da auch nachhaltige Wirkungen „erfolgreich“ entstehen k├Ânnen.

      Die Organisatoren, hier B├╝ndnis 90 / Die Gr├╝nen, haben mit diesem Angebot zur ├Âffentlichen Meinungsdarstellung /-├Ąu├čerung (DEMO) den B├╝rgern eine der vielen „m├Âglichen“ Formen angeboten. Ob ein solches Angebot angenommen wird, oder im Einzelfall ├╝berhaupt angenommen werden „darf“, ist auch von vielen weiteren Faktoren abh├Ąngig und sehr speziell. W├╝rden Sie in der heutigen Zeit gegen ihren Chef und seine ├ťberzeugung demonstrieren? Aber zumindest gab es jetzt erstmalig ein Angebot in dieser Form.

      Ob Erfolg oder nicht, diese DEMO war auf jeden Fall ein aus meiner Sicht wichtiges und richtiges Zeichen / Signal daf├╝r, dass ein B├╝rgerprotest auf der Stra├če auch in Heddesheim, zu welcher Thematik auch immer, realisierbar und k├╝nftig m├Âglich sein kann.

      Viele B├╝rger in der Gemeinde waren doch bis zum letzten Samstag noch der Meinung, DEMONSTRATION: „doch net in Heddese“! Ein Bekannter sagte mir Anfang der Woche, Heddesheim ist noch immer geschockt.

      Ein B├╝rger der nicht Ernst genommen wird, und dem nicht der gebotene Respekt f├╝r seine Meinung entgegen gebracht wird sollte, durch welche politische Betrachtung auch immer, nicht untersch├Ątzt werden.Bestes Beispiel ist Stuttgart 21 und die Laufzeitverl├Ąngerung f├╝r Atomkraftwerke.

      Auch k├╝nftige Themen und Projekte in Heddesheim erfordern zwingend, dass der B├╝rger schon in der ersten Planungsphase mitgenommen wird. Sonst wird der Protest, auch auf der Stra├če nach meiner Einsch├Ątzung wesentlich deutlicher.

      F├╝r Heddesheim bricht hier und jetzt eine neue Zeit an, es KANN k├╝nftig sein, was in der Vergangenheit NICHT sein durfte.Die DA OBEN(politische F├╝hrung in Heddesheim) sind nicht mehr „unantastbar“ oder mit einem „Freibrief“ ausgestattet.

      50,70,90 oder 1.000 B├╝rger, jeder einzelne B├╝rger ist ein WICHTIGER Bestandteil der Gemeinde und hat Respekt und (Be)Achtung verdient. In der aktuellen Thematik geht es immer noch um ├âÔÇ×ngste und Bef├╝rchtungen, die bestehen und beachtet geh├Âren.

      Frau B├╝rgermeisterin Petra Roth (Frankfurt) mir einmal als B├╝rger aus Frankfurt-Oberrad empfohlen: „Wenn es Ihnen hier mit dem Flugl├Ąrm nicht gef├Ąllt, dann ziehen Sie doch weg!“
      (hab ich dann auch gemacht, so einen „meisterlichen“ Rat beachtet man)

      Soweit sollte es in Heddesheim nicht kommen, daf├╝r brauchen wir k├╝nftig neue „junge“ und auch unbequeme B├╝rger , denn auch Heddesheim hat einen „demokratischen Wandel“, gell Herr Dr.Doll.

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke f├╝r Ihren Beitrag.

      Lesen Sie bitte den Text nochmals.

      Zum „historischen Aspekt“: Die erste Demo in der Amtszeit von Michael Kessler ist zutreffend. Es gab wohl in den 80-er Jahren vor allem eine Demo, die gegen ein M├╝llverbrennungslager in der Nachbargemeinde Ladenburg von Heddesheim und anderen Orten aus dorthin f├╝hrte. Die Anlage wurde nicht gebaut.

      Au├čerdem ordnet der Text die Demo keineswegs als Erfolg ein, sondern konstruiert ein „so gesehen“, also eine Perspektive, die sicherlich von manchen eingenommen wird. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass ein „Erfolg“ mit gro├čer Sicherheit von anderen zur├╝ckgewiesen werden wird – egal wie viele Menschen demonstrieren. W├Ąren es 1.000 gewesen, w├╝rde auf der „Bef├╝rworter“-Seite gefragt werden: Wo waren die restlichen 1.500? W├Ąren es 2.500 gewesen, h├Ątte man dort sagen k├Ânnen: „Na und? Von wegen wachsender Unmut, das sind nur so viele wie bei der B├╝rgerbefragung unterschrieben haben, also alles beim alten.“

      Und was die ├âÔÇ×pfel und die Birnen angeht: Die Redewendung ist reichlich kraft- und saftlos. Selbstverst├Ąndlich kann man ├âÔÇ×pfel mit Birnen vergleichen. Beides ist Obst. Info-Veranstaltungen und Demos sind Veranstaltungen. Der Vergleich findet dazu ├╝ber das inhaltliche Thema statt. (In der Kindersendung Lilipuz k├Ânnen Sie die Argumentation eines Professors nachh├Âren.)

      Die Zahl an sich ist – wie es mit Zahlen halt so ist – immer relativ zu sehen. W├╝rde man Heddesheim mit Stuttgart vergleichen, w├Ąren dort ein Prozent 6.000 Menschen. Eine stattliche Zahl – relativ gesehen aber doch nur ein Prozent. Im Mittel demonstrieren dort um die 30.000 Menschen, also 5 Prozent. Angesichts einer solchen Menge ist noch niemand auf die Idee gekommen zu sagen: „Na und? Das sind nur f├╝nf Prozent – also sind 95 Prozent daf├╝r.“

      Auch der Hinweis auf die Bef├╝rworter ist statthaft. Die argumentieren, die anderen seien „Nein-Sager“ und k├Ânnten nur ablehnen, aber nichts „daf├╝r“ tun. Das haben die Nein-Sager aber gemacht, w├Ąhrend die „Ja-Sager“ sich nur auf eine kleine Mehrheit st├╝tzen und jeder „├ľffentlichkeit“ aus dem Weg gehen.

      Eine Zeitung, die eine Jahrhundertentscheidung f├╝r einen Ort so stiefm├╝tterlich behandelt und bei einem Ereignis wie einer Demo nur einen freien Mitarbeiter schickt, der mit der Thematik noch nie befasst war, versagt schlicht und einfach oder gibt vielmehr ihre Haltung zum Ausdruck, wie sie ein solches Ereignis behandelt – nicht anders als einen Martinszug oder ├Ąhnliches. Im ganzen Ort wird ├╝ber das Thema diskutiert – wenn eine Zeitung dazu eine Egal-Haltung hat, dann soll sie die haben. Die vielen gek├╝ndigten Abos sind ein deutlicher Beleg, was die Menschen von diesem Hofberichterstattungsorgan halten.

      Und, Herr Kollege, wir sind sicher, dass man eine Demonstration f├╝r das Grundgesetz organisieren k├Ânnte. Ob dabei mehr als ein paar hundert zusammenk├Ąmen, halten wir f├╝r fraglich. Mal abgesehen davon gibt es in Heddesheim einige Menschen, die ganz massive Verst├Ąndnisprobleme mit der Verfassung haben. Einer davon ist B├╝rgermeister Michael Kessler, der Artikel 5 Grundgesetz irgendwie nicht richtig verstehen m├Âchte oder das Landespressegesetz nur dann anerkennt, wenn er dazu gezwungen wird.

      Zum Schluss sei die Frage erlaubt, warum Sie aus weiter Entfernung und unbetroffen trotzdem ein Pseudonym f├╝r Ihren Kommentar nutzen? Furcht vorm kesslerischen Zorn kann es nicht sein, oder?

      Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
      Das heddesheimblog

      • Raumfuernotizen

        Habe den Text nochmals gelesen. Ausschnitte hieraus und aus deinem Kommentar:

        ├óÔéČ┼żHeddesheim hat seine erste Demonstration erlebt.├óÔéČ┼ô
        Ich lese dort nichts von ├óÔéČ┼żin der Amtszeit von Michael Kessler├óÔéČ┼ô. Und was ist an der ersten Demo in der Amtszeit eines B├╝rgermeisters ein ├óÔéČ┼żhistorisches Ereignis├óÔéČ┼ô?

        ├óÔéČ┼żErfolg gegen alle Widerst├Ąnde.├óÔéČ┼ô
        Dies hast du sogar als Zwischentitel hervorgehoben ├óÔéČÔÇť und zwar nicht etwa als Zitat. Mir geht es nicht um die Perspektive von ├óÔéČ┼żmanchen├óÔéČ┼ô oder ├óÔéČ┼żanderen├óÔéČ┼ô, sondern von dir. Und die ist an dieser Stelle offensichtlich. Gleiches findet sich ja bei der ├óÔéČ┼żWahnsinns-Idee├óÔéČ┼ô, die du (obwohl ein Zitat) sicher nicht zum Zwischentitel erkoren hast, weil du dich von ihr distanzieren m├Âchtest.

        Zum Thema ├óÔéČ┼ż├âÔÇ×pfel/Birnen├óÔéČ┼ô:
        Wir m├Âgen uns ├╝ber den Sinn dieser Redewendung gern unterhalten, wenn du Wert darauf legst. (Ich k├Ânnte auch meinen B├╝rgermeister mit einem Haufen Kuhdung vergleichen, weil ich beides anfassen kann. Dass ich eine Vergleichsebene finde, hei├čt nicht, dass der Vergleich sinnvoll ist.) Inhaltlich aber ging es mir um die Kritik an einem Vergleich zweier Veranstaltungen, bei denen die eine prim├Ąr auf die Erzielung einer Au├čenwirkung angelegt ist (Demo), w├Ąhrend die andere prim├Ąr dazu dient, sich zu informieren ├óÔéČÔÇť oder, aus der Sicht der Organisatoren, eine Serviceleistung anzubieten.

        ├óÔéČ┼żDie Zahl an sich ist immer relativ zu sehen.├óÔéČ┼ô
        Da stimme ich dir v├Âllig zu. In kleinen Kommunen ist es daher schon immer einfacher gewesen, einen relativ gro├čen Prozentsatz zu mobilisieren ├óÔéČÔÇť eben weil jeder einzelne ├óÔéČ┼żmehr z├Ąhlt├óÔéČ┼ô. Durch pers├Ânliche Ansprache kann man demnach wesentlich mehr erreichen als in einer Gro├čstadt. Oder eben ├óÔéČÔÇť wenn man es vers├Ąumt, diese Ansprache oder ├óÔéČ┼żVermarktung├óÔéČ┼ô vorzunehmen ├óÔéČÔÇť einen Misserfolg ├óÔéČ┼żernten├óÔéČ┼ô. Und genau daran hat es ja, wie du richtig thematisiert hattest, offensichtlich gehakt.

        Ob die Entscheidung der ├Ârtlichen Presse, die Demo mit einem ├óÔéČ┼żFreien├óÔéČ┼ô zu belegen, sinnvoll ist, halte ich ja noch f├╝r eine sinnvolle Frage. Aber wie kommst du darauf, einen Anspruch zu stellen auf eine kommentierende Einordnung? Ich bin sicher, das Thema Pfenning ist ersch├Âpfend beackert worden. Oder gab es, abgesehen von dem Faktum der Demo an sich, neue inhaltliche Erkenntnisse (abgesehen eben davon, dass 11500 Heddesheimer nicht dabei waren)? Dieser Aspekt ├óÔéČÔÇť der entt├Ąuschende Zuspruch, die schwache Orga ├óÔéČÔÇť w├Ąre aus meiner Sicht das einzig Kommentierbare gewesen.

        ├óÔéČ┼żWir sind sicher, dass man eine Demonstration f├╝r das Grundgesetz organisieren k├Ânnte.├óÔéČ┼ô Na dann mach mal. Glaubst du, dass daf├╝r mehr als 90 Leute auf die Stra├če gehen w├╝rden? Und das bei einem Thema, wo es (hoffentlich) keine zwei geteilten Lager in Heddesheim gibt.

        Warum ich ein Pseudonym benutze? Weil ich es kann ├óÔéČÔÇť und mir dieses Recht ja von dir einger├Ąumt wurde. Eigenartig, dass ich mich daf├╝r noch mal rechtfertigen muss. Herrn Kessler kenne ich nicht ├óÔéČÔÇť und m├Âchte ich, wenn auch nur ein Bruchteil deiner Berichterstattung zutrifft, auch nie kennen lernen.

        • dasheddesheimblog

          Guten Tag!

          Zu „erste Demonstration“
          „Ganz sicher ist aber auch, dass Heddesheim seine erste offizielle Demonstration erlebt hat, in der Amtszeit von B├╝rgermeister Michael Kessler.“
          Jede „Amtszeit“ ist historisch.

          Zu „Erfolg“
          Trotz der Widrigkeiten, kann es sicherlich „so gesehen“ ein Erfolg sein. Eine Zwischen├╝berschrift lenkt die Aufmerksamkeit und ist niemals mit einem kompletten Absatz vergleichbar.

          Damit zu „├âÔÇ×pfel und Birnen“
          Da haben wir verschiedene Ansichten – eine Demo ist eine Veranstaltung und sicher auch eine Information: „Achtung, wir demonstrieren f├╝r oder gegen etwas.“

          Zu „Zahl“
          Das halten wir f├╝r eine gewagte These. Die Realit├Ąt d├╝rfte sein, dass in kleinen Kommunen eher keine Demonstrationen stattfinden. Das w├Ąre eine Belegf├╝hrung Ihrerseits wert.

          Zu Presse
          Die Demo an sich ist eine „Nachricht“ mit allen Umst├Ąnden. Dazu haben wir kommentiert, der MM nicht.

          Zu Grundgesetz
          Das sind wir offensichtlich ├Ąhnlicher Meinung.

          Zu Pseudonym
          Die Haltung der Redaktion in dieser Sache ist eindeutig. Wir r├Ąumen kein Recht, sondern die M├Âglichkeit ein. Niemand muss sich daf├╝r „rechtfertigen“, wenn er diese M├Âglichkeit nutzt. Gleichzeitig begr├╝├čt die Redaktion ausdr├╝cklich die Verwendung des eigenen Namens. Ein Pseudonym sollte dann gew├Ąhlt werden, wenn der Verfasser „Nachteile“ durch die Meinungs├Ąu├čerung bef├╝rchtet.
          Unsere Erfahrung ist, dass Kommentare unter echtem Namen meist besser formuliert und inhaltlich genauer sind, weil man eben „mit seinem Namen“ daf├╝r einsteht – was nicht hei├čt, dass Kommentare unter Pseudonym inhaltlich schlechter sein m├╝ssen. Auf unserer „Blacklist“ stehen fast ausschlie├člich Absender unter „Pseudonym“ – nicht ohne Grund.

          Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
          Das heddesheimblog

        • Raumfuernotizen

          „Die Haltung der Redaktion in dieser Sache ist eindeutig. Wir r├Ąumen kein Recht, sondern die M├Âglichkeit ein.“

          Wo liegt da der Unterschied?