Samstag, 25. März 2017

Wieso gibt man sich in Heddesheim mit Nicht-Information zufrieden?

Manipulierte Öffentlichkeit

Heddesheim, 08. März 2014. (red) Was die Zeitung berichtet, ist die Wahrheit. Ist das so? Das glauben wirklich nur noch sehr naive Menschen.

Informationen, die nicht berichtet werden, sind oft entscheidender. Denn was nicht öffentlich wird, das hat auch nicht stattgefunden.

Von Hardy Prothmann

Nach uns vorliegenden Informationen ist der Redaktion des Mannheimer Morgen ebenfalls Material über die prekäre Lage beim Unternehmen Pfenning zugespielt worden.

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Chefredakteur Hardy Prothmann wird vom Morgenmagazin der ARD interviewt. Vom SWR, vom NDR, von Spiegel TV, von vielen Zeitungen wie FAZ, Süddeutsche, taz oder Die Zeit. Bundesweit kopieren Kollegen das „Heddesheimblog-Modell“.
Subjektiver, transparenter Journalismus ist die Botschaft – gegen eine „etablierte“ Schönfärberei. Damit sich etwas ändert, müssen aber die Menschen mitmachen.
Wer sich verhält wie immer, verändert auch genau nichts. Wer keine Fragen hat, erhält keine Antworten. Wer nicht an Veränderungen interessiert ist, begnügt sich mit dem, was er kennt und erlebt Stillstand.

 

Die anonymen Informanten haben sehr „demokratisch“ darauf geachtet, dass sie die Presse gleichermaßen mit Informationen versorgen, damit die ihre Arbeit tun können – sprich, zu recherchieren und Missstände öffentlich zu machen.

Wer heute den Mannheimer Morgen (MM) liest, erfährt nichts von dem, was wir berichtet haben. Kein Wort über „Massenentlassungen“ bei „Pfenning“. Kein Hintergrund über die prekären Zustände.

Als das Heddesheimblog am 29. April 2009 gestartet ist, beruhten die ersten Informationen auf einer Archivrecherche beim MM. Die Zeitung hat in den vergangenen fünf Jahre nicht ein einziges Mal eine frühere, eigene Berichterstattung zitiert, sondern alle negativen Aspekte zu „Pfenning“ beharrlich verschwiegen.

Das tut sie auch jetzt wieder. Die Zeitung weiß, dass die Lage bei „Pfenning“ dramatisch ist. Sie weiß, dass die Arbeitnehmer schlecht behandelt werden. Die Redaktion weiß, dass hier skandalös mit einfachen Arbeitern umgegangen wird. Und sie berichtet genau nichts.

Das ist der größtmöglich vorstellbare Verrat am Leser. Das ist eine vorsätzliche Täuschung von zahlenden Kunden, die sich vertrauensvoll darauf verlassen, dass sie ordentlich informiert werden.

Tragisch ist, dass es offensichtlich viele Kunden gibt, die sich gerne täuschen lassen, weil eine ordentliche Information dazu führen müsste, dass sie neu nachdenken. Doch das will man einem Publikum über 60+ nicht zumuten. Vor allem sich selbst nicht, denn die Abos gehen dramatisch zurück, da gibt man lieber den Affen Zucker.

Die von uns berichteten Informationen über die dramatische Lage bei Pfenning sind durch solide Recherche auch für Zeitungsredaktionen zu finden. Wenn man diese finden will.

Die Zeitung kann wie wir auf Geschäftsberichte zugreifen. Sie hat dieselben Informationen zugespielt bekommen. Die entscheidende Frage ist: Warum berichtet sie nicht darüber? Warum verschweigt die Zeitung ihren Lesern relevante Informationen? Ist das objektiver Journalismus oder eine klare Beeinflussung der Öffentlichkeit durch Vorenthaltung von Informationen? Oder noch provokanter: Ist das vorsätzlicher Betrug?

Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für journalistische Informationen. Keine DIN-Norm für Journalismus. Das ist auch selbstverständlich, den journalistische Informationen sind immer subjektiv und nicht normbar.

Man kann und muss aber von Qualitätsmedien erwarten, dass man ordentlich informiert und nicht getäuscht wird. Und man kann und muss erwarten, dass Medien transparent machen, ob sie für oder gegen etwas sind und warum das so ist.

Der Mannheimer Morgen informiert seine Leser schlecht. Die Zeitung hält den Kunden wesentliche Informationen vor. Und lädt damit große Schuld auf sich, weil diese an eine unabhängige Berichterstattung glauben, aber massiv getäuscht werden.

Und eine Zeitung wie der Mannheimer Morgen lädt noch größere Schuld auf sich. Denn das hohe Gut der Presse- und Meinungsfreiheit ist nicht einfach nur eine Freiheit, sondern eine Pflicht – sehr sorgsam damit umzugehen.

Wenn sich Medien ganz offensichtlich mit politischen oder wirtschaftlichen Zielen gemein machen und nicht mehr unabhängig berichten, ist die Demokratie in allerhöchster Gefahr. Das ist leider der Ist-Zustand für Heddesheim.

Sie als Bürger/innen und Leser/innen haben die Möglichkeit, dagegen anzuwirken. Sie können Abos abbestellen – aber noch wirkungsvoller ist, wenn Sie sich äußern und die Medien in die Pflicht nehmen und zu Antworten zwingen.

Warum hat die Zeitung 2009 von einem glücklichen Bürgermeister berichtet? Warum hat sie ungefragt nur „Vorteile“ hervorgehoben? Warum gab es keine kritischen Recherchen? Warum verschweigt die Zeitung trotz Informationen aktuelle Zustände?

Stellen Sie Fragen. Äußern Sie sich. Sonst macht die Seilschaft aus Politik, Wirtschaft und „etablierten“ Medien mit Ihnen, was sie will.

 

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Kurt Klemm

    Bis zum „MM“-Forum am Donnerstag, glaubte ich doch wirklich noch an einen fairen Wahlkampf mit den Bürgermeisterkandidaten, trotz einiger peinlichen und taktischen Geplänkel (Wahlplakateständer) im Vorfeld.
    Was ich aber dann an diesem Abend erleben mußte, hat mich zeitweise an die Kasperletheater meiner Kindheit erinnert. Der noch amtierende Bürgermeister Herr Kessler, wurde egal was er auch von sich gab, mit frenetischem Beifall bedacht, sodaß ich mir ernsthaft Sorgen um einige stark lädierten Handflächen von CDU-Anhängern machte.
    Gleichzeitig aber wurden die fachlich sehr guten und klugen Antworten des Herausforderers Herr Heinisch, schon im Ansatz lauthals verhöhnt und hämisch belacht. Und dass von einer Partei, die das große „C“ vor sich herträgt wie eine Monstranz an Frohnleichnam und von sich glaubt die Demokratie erfunden zu haben. Aber auch die doch recht primitiven Entgleisungen eines E.Doll, der mir in der rüden Art eines Saalordners, in einer Pause den Zugang zum Saal zurück versperren wollte. Zum Glück haben das auch Nichtanhänger jener Partei mitbekommen und waren mir behilflich.
    Angesichts dieser Entgleisungen und Unhöflichkeiten solte man doch ernsthaft überdenken, die Veranstaltung am Montag durch die Gemeinde zu unterlassen.
    Volksbelustigungen dieser Art sind was für den Matheismarkt, gehören aber keinesfalls zu einer demokratischen Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten.