Donnerstag, 24. August 2017

Gabis Kolumne

Die Socken-Plage

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Guten Tag!

Heddesheim, 08. Februar 2010. Manche Menschen denken, dass sie Probleme haben. Manche haben tatsächlich ein Problem Рmit was auch immer. Gabi hat ein ganz konkretes Problem und das heißt: Socken. Die Socken-Plage ist sogar ein ganz und gar unlösbares Problem, meint zumindest Gabi. Immer montags.

Sie wissen schon, dass ich nicht gerne b√ľgle. Was ich noch weit mehr verabscheue ist das Sortieren von Socken.

H√§tten meine Lieben bunte Socken – rote, gelbe, gr√ľne -, w√§re das Socken-Chaos vielleicht noch spa√üig. Aber: Bis auf meine Tochter tragen alle anderen schwarze bis dunkelblaue oder dunkelgraue Socken. (Sie wissen schon: Wei√üe Tennissocken gehen gar nicht…)

Doch das Zusammenlegen dieser „Kleidungsst√ľcke“ artet alle paar Tage in ein nervenzerrei√üendes Puzzlespiel aus.

Fies: Die blöden Socken sehen irgendwie alle gleich aus.

Denn: Wären die Socken wenigstens alle gleich, könnte man sie beliebig paaren.

Doch Socken sind so unterschiedlich wie die Menschen. So muss man nach den Unterschieden suchen, um das jeweilige Pendant zu entdecken.

Das Fiese dabei: Sie sehen fast gleich aus. Das Detail, das Besondere entscheidet, welche Socke zur anderen gehört.

Die Folge: Wer mit einem verschiedenen paar Socken durch die Welt l√§uft, ist entweder genial, verrr√ľckt oder… schlampig.

Wer ist schon genial? Und wer will schon eine der anderen Optionen ziehen? Oder daf√ľr verantwortlich sein? Und wer will sich schon auf seine Socken reduzieren lassen?

Ordentliche Menschen tragen ordentliche Socken. Wer ist daf√ľr verantwortlich? Ich.

Ordentlich gesockt durchs Leben zu Laufen ist also wichtig. Das Sockenzusammenlegen ist eine Aufgabe, die √ľber das Image entscheidet.

Stellen Sie sich mal vor, wenn Sie oder jemand, f√ľr den Sie verantwortlich sind, im Fernsehen gezeigt wird und die Kamera zeigt „unordentliche“ Socken? Da kann man sagen, was man will, sich verhalten, wie man will… Die Socken entscheiden. (Ich gucke immer auf die Socken, Sie nicht?)

Wer die Socke nicht achtet, der verliert.

Sockenzusammenlegen ist also eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Hinderlich ist: Beim Waschen gehen aus unerfindlichen Gr√ľnden immer wieder welche verloren. Die „bessere H√§lften“ fristen dann einsam und verlassen in meinem W√§schekorb ihr Singledasein und warten auf einen Partner, der wahrscheinlich nie zur√ľckkehrt.

Irgendwann habe ich mal in einer Frauenzeitschrift gelesen, dass zwischen W√§schetrommel und Waschmaschine eine L√ľcke entstehen kann und die Socke hierdurch verschwindet und dann durch den Abfluss in die Kanalisation gezogen wird.

Horror: Vereinsamte Socken finden nie mehr zueinander.

Schaurige Vorstellung. Irgendwo da draußen treffen sich dann all die einzelnen Socken und suchen verzweifelt nach ihrem Partner, den sie nie mehr wieder finden.

(Arni löst das Sockenzusammenlegenproblem so)

Da sich dieser Socken-Sortier-Horror wöchentlich bei mir wiederholt, wollte ich gerne von meinen Kolleginnen wissen, wie sie diese hausfrauliche Herausforderung bezwingen.

„Ich mach das ganz einfach“, erz√§hlte die eine, „wir haben im Bad einen gro√üen Korb stehen und da werfe ich die frisch gewaschenen, einzelnen Socken meiner Jungs und meines Mannes hinein, die m√ľssen sich die schon selbst zusammensuchen. Jahrelang habe ich mich damit gequ√§lt, vor allem, dass die Socken immer falsch herum in der W√§sche landen. Damit ist jetzt Schluss: Ich dreh‚Äô sie nicht mehr um und lege sie nicht mehr zusammen.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal echt emanzipiert und konsequent. In meiner Phantasie stelle ich mir einen riesigen Korb voller Socken vor.

Lösungsansätze, die mir nichts, aber auch gar nichts nutzen.

„Und wie machst Du das?“, fragte ich meine √§ltere Kollegin. „Na ja, wir sind ja nur noch zu zweit, da ist das nicht mehr so aufw√§ndig. Ich lege die Socken paarweise zusammen, stecke sie nur am Bund leicht zusammen und sortiere sie nebeneinander und farblich abgestimmt in die Schublade meines Mannes. Socken verwinden nie bei uns und mein Mann dreht sie nat√ľrlich auch auf die richtige Seite bevor sie im W√§schekorb landen“, gibt sie bereitwillig Auskunft.

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal ordentlich. Aber irgendwie habe ich ihr nicht geglaubt. Denn das Problem des „Sockenlochs“ in der Waschmaschine hat sie ausgeklammert.

Eine j√ľngere, noch kinderlose Kollegin h√∂rte uns aufmerksam zu und sch√ľttelte dann den Kopf: „Was ihr euch Probleme macht… Wir haben das ganz einfach gel√∂st. Die Socken meines Freundes sind alle schwarz und von der gleichen Marke, ich trage nur Nylonstr√ľmpfe oder seine Socken.“

Alle Achtung, dachte ich, das ist mal strukturiert. So, denke ich, habe ich das vor meiner Zeit als Mutter und Hausfrau auch gemacht.

„Konsequent, ordentlich, strukturiert“ schwirrt es mir durch den Kopf.

Ich habe keinen Freund, sondern einen Mann und au√üerdem noch Kinder. Ich kann nicht anders: Ich bin f√ľr alle da. Auch als Sockenumdreherin.

Meine Frage wurde nicht beantwortet: Was fange ich jetzt mit diesen Informationen an?

Stelle ich jetzt einen Korb im Bad auf und riskiere, dass mein Sohn mit ungleichen Socken (das w√ľrde er tun) als verr√ľckt abgestempelt wird? Niemals!

Werfe ich alle Socken weg und kaufe neue, die nach Farbe und Marke den einzelnen Familienmitgliedern farblich zugeordnet werden? Dann d√ľrfte ich niemals mehr die Socken der M√§nner anziehen, weil ich meine noch nicht zusammengelegt habe. Vollkommen unpraktisch!

Wann wird es endlich Sommer? = Sockenfreie Zeit

Oder erziehe ich meine Familie dazu, die Socken paarweise und umgedreht in den Wäschekorb zu werfen und danke es ihnen mit farblich sortierten Sockenschubladen? Utopische Vorstellung Рdas mit der Erziehung.

Keine dieser L√∂sungen kommt also f√ľr mich in Frage, da bleibt nur eins: Ich freue mich auf den Sommer, da tragen zumindest meine Tochter und ich – und ab und an auch die M√§nner – keine Socken.

Das reduziert das Problem, also die Socken-Plage, zumindest f√ľr einige Monate um mindestens 50 Prozent.

gabi

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • kher

    Ich hasse Socken…

  • Axel J√§gers

    Hier ein Auszug aus meiner unveröffentlichter Kolumne: Phänomene des Verschwindens:

    Letztlich w√§re noch zu reden von einer sehr pers√∂nlichen Schwundkrankheit abseits der gro√üen allgemeinen Schwundph√§nomene: Ich leide unter Sockenverlust. Am Abend war er noch da, jener einsame Socke, dessen Zwilling bereits durch die t√§tige Hausfrau im W√§schekorb landete. Man musste dringend telefonieren, kurz etwas nachsehen, dann ab zur wohlverdienten Nachtruhe… und am Morgen:Der Socke ist verschwunden. Wenn es nur beide Str√ľmpfe w√§ren, so bemerkte ich den heimlichen Abgang nicht, denn ich geh√∂re nicht zu jener Spezies, die sich Anzahl und Farbe ihrer Socken merken k√∂nnten. Auf hinterh√§ltig-grausame Weise verschwindet er allein, wohl wissend, dass nichts die Trostlosigkeit seines Sockenbruders retten k√∂nnte. So komme ich auf eine erkleckliche Sammlung oft neuwertiger, aber nutzloser Socken, die alle auf die R√ľckkehr der Entwichenen warten. Wo m√∂gen sie vagabundieren? Wer mag sie jetzt tragen? Viele Fragen. Und manchmal im Sommer, wenn die M√§nnerwelt beginnt, Sandalen zu zeigen, dann schiele ich dorthin, wo die Lederkreuze die Blicke auf die Socken freigeben….Aber wer tr√§gt schon meine Socken?