Mittwoch, 21. November 2018

Gabi´s Kolumne: Wenn aus Streit noch mehr Streit wird

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Solidarität kann auch schnell zur Falle werden – sagt Gabi. Und stellvertretende Streits machen eigentlich überhaupt keinen Spaß – lassen sich aber manchmal nicht vermeiden.

Kinder streiten sich – das ist hinreichend bekannt. Es fängt an im Sandkasten, der Streit um den Eimer entbrennt sehr schnell und die Schaufel wird schnell mal über den Kopf des Kontrahenten gezogen.

Auch ich hatte leider nicht das Glück einen Pazifisten geboren zu haben und mein Sohn kratzte, haute und war in allem sehr wehrhaft. In der Krabbelgruppe gab es ein gelocktes Engelchen, die mit Freuden büschelweise die Haare der anderen Kinder ausriss und sich im Gegenzug Kratzer quer übers Gesicht einfing. Das Gesetz der Straße bei den Allerkleinsten.

Beim Bagger hört die Freundschaft auf

Hat man noch Verständnis bei den eigenen Kindern, so sieht man doch die Kinder anderer Leute sehr kritisch. Eine Freundin erklärte mir mal ganz ernsthaft, dass das Verlangen meines Sohnes nach dem Bagger ihres Kronprinzen dann doch zu sozialistisch sei und er alles Recht hätte, sich handgreiflich zu wehren.

Wird der Streit im Kindergarten noch meist körperlich ausgetragen, verlegt man sich in der Grundschule auf andere Kampfstrategien, hier wird gepetzt, gemoppt, die Freundschaft gekündigt. Und das vor allem bei den Mädchen.

Mit Tränen in den Augen kam meine Tochter ein ums andere Mal aus der Schule zurück und erklärte mir, ihre beste Freundin sei die allerletzte und sie würde nie wieder mit ihr sprechen, sie hätte böse bei anderen über sie gesprochen und sie in der Pause komplett ignoriert.

Teenager verlegen sich dann auf’s Ausgrenzen, d.h. Partys werden gefeiert, Unternehmungen geplant und wer in Ungnade fällt, darf nicht mitmachen – auch hier sind Tränen gewiss.

Wehe dem, der sich in den Streit involvieren lässt. Mütter schreien sich am Sandkasten an, holen wutentbrannt ihre Kinder vom Kindergarten ab und führen später Gespräche mit dem Klassenlehrer zum Schutz ihrer Sprösslinge.

Wer kennt sie nicht, die Wut.

Wer kennt sie nicht die Wut, die hoch kriecht, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Und mehr als einmal habe ich mit guten Freundinnen böse Gespräche geführt und der Streit hat sich schnell an den Kaffeetisch verlagert.

Erst vor wenigen Wochen war ich kurz davor die Freundschaft mit einer guten Freundin auf’s Spiel zu setzen, weil sich unsere Töchter höllisch zerstritten hatten und ich natürlich der Version meiner Tochter Glauben schenkte. Das Telefongespräch von uns Erwachsenen endete mit gegenseitigem Auflegen und der Ãœberzeugung:“Das war’s jetzt mit der Freundschaft“.

Und wie schön ist es, sich zu versöhnen.

Als ich zwei Tage später meine Tochter vom Sport abholte, kam sie mir Arm in Arm mit ihrer „das wird nie wieder meine Freundin“ entgegen, strahlte übers ganze Gesicht und meinte, man hätte sich wieder versöhnt, beide seien ja reichlich blöde gewesen und hätten gleichermaßen Schuld an dem Streit.

Da stand ich nun mit meiner Muttersolidarität.

Was den Kleinen gelingt, sollte uns Großen doch auch gelingen, dachte ich, schob allen Groll zur Seite, kaufte ein paar Blümchen, klingelte und kurze Zeit später strahlten auch meine Freundin und ich wieder und nahmen uns – mal wieder – fest vor, uns nicht mehr in die Streitigkeiten unserer Töchter einbeziehen zu lassen.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.