Mittwoch, 23. August 2017

Frontal 21-Reportage dokumentiert Missstände

Edeka: ZDF berichtet über miese Behandlung von Mitarbeitern

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Schlechte Arbeitsbedingungen, miserable Bezahlung, Druckausübung auf Angestellte bei Edeka – das sind nur einige Vorwürfe, die in der Frontal 21-Reportage zum Ausdruck kommen. Bildquelle: ZDF

 

Heddesheim, 07. November 2012. (red) Laut Recherchen des ZDF-Magazins „Frontal 21“ sieht es hinter dem Saubermann-Image von Edeka ziemlich schmuddelig aus. Lohndumping, überwachte Mitarbeiter, raffgierige Marktleiter – die Vorwürfe wiegen schwer. Edeka will das aussitzen.

Von Hardy Prothmann

Edeka ist Heddesheims größter Arbeitgeber und baut aus. Demnächst soll hier ein riesiges Getränkelager entstehen. Von Heddesheim aus werden Märkte in der Region beliefert. Edeka hat ein gutes Image. Doch daran gibt es Zweifel.

Nach Recherchen des ZDF werden Mitarbeiter unter Druck gesetzt. Die Gründung von Betriebsräten verhindert. Wer sich zu kritisch zeigt, fliegt. Die Arbeitsbedingungen seien teils miserabel, ebenso die Entlohnung.

Die Darstellung einer „glücklichen Handelsfamilie“ habe oft mit der Realität nichts mehr zu tun. Die Konzernzentrale gibt sich zugeknöpft und verweist darauf, dass man nicht für das Verhalten der „selbständigen Kaufleute“ verantwortlich sei.

In Heddesheim geht man alles andere als kritisch mit dem Konzern um. Als hunderte Arbeitsplätze durch den Wegfall der Fleischfabrik verloren gingen, akzeptierte man das ohne Murren aus dem Rathaus. Als der Wunsch geäußert wurde, weitere Flächen für ein logistisches Getränkelager zu versiegeln, zeigte sich Bürgermeister Michael Kessler dankbar und die Fraktionen von CDU, SPD und FDP jauchzten. Selbst viele Grünen-Gemeinderäte sehen eher den Arbeitsplatz als die Arbeitsplatzbedingungen.

Nachfragen zur Arbeitssituation der Angestellten und zur Entlohnung interessieren keinen. Schon gar nicht die SPD, deren Gemeinderäte den Lohndumper Pfenning über den Klee bereits in der Vergangenheit lobten.

Der Gemeinderat forderte auch keinen Verkehrslenkungsvertrag von Edeka wie bei „Pfenning“ – eine zarte Nachfrage wurde mit einem eindeutigen Nein beantwortet und dem Hinweis, dass der Standort ohne Getränkelager gefährdet sei.

Politisch fühlte sich niemand „unter Druck“ gesetzt, sondern CDU, SPD und FDP zeigten größtes Verständnis für dieses „solide“ Unternehmen.

Der sehenswerte Beitrag kann über die ZDF-Mediathek abgerufen werden.

Weitere Informationen und ein Interview mit einem Mitarbeiter von verd.di Bayern findet man hier.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.