Mittwoch, 23. August 2017

Baden im Neckar nicht empfehlenswert

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Heddesheim/Rhein-Neckar-Kreis, 07. Mai 2010. Das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises weist darauf hin, dass das Baden im Neckar nicht zu empfehlen ist. Proben erf√ľllen nicht die gesetzlichen Vorgaben. Das Wasser ist vor allem mit F√§kal-Bakterien und auch Salmonellen belastet.

Mitteilung des Rhein-Neckar-Kreises:

„Das Gesundheitsamt informiert:
Baden im Neckar nicht empfehlenswert
Viel bessere Bademöglichkeiten in Freibädern und Badeseen

Wenn die Temperaturen steigen, freuen sich viele Menschen auf das k√ľhle Nass und das Schwimmen im Freien. Allerdings kamen in den letzten Jahren auch einige Menschen auf den Gedanken, den Neckar als Badegew√§sser zu nutzen. Doch aus Gr√ľnden des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte im Neckar nicht geschwommen werden.

Darauf hat jetzt das Gesundheitsamt, das f√ľr die √ÉŇďberwachung der B√§deranlagen des Rhein- Neckar-Kreises und der Stadt Heidelberg zust√§ndig ist, hingewiesen. Da man im Sommer immer wieder Menschen im Neckar schwimmen sah, war es w√§hrend der Badesaison 2009 zahlreich zu diesem Thema angefragt worden, und es steht dem Baden im Neckar sehr kritisch gegen√ľber.

Neben den zahlreichen Hallenbädern, die zum Teil auch im Sommer geöffnet haben, gibt es im Rhein- Neckar-Kreis 21 öffentliche Freibäder mit 65 Becken und 9 Badeseen, die bessere Bademöglichkeiten bieten.

Die Wasserqualit√§t des Neckars erf√ľllt n√§mlich nicht immer die gesetzlichen Vorgaben der entsprechenden EU-Richtlinie* und der darauf basierenden baden-w√ľrttembergischen Badegew√§sserverordnung.** Schon in der Badesaison 2001 wurden entlang des Neckars an 12 Entnahmestellen von den jeweiligen Gesundheits√§mtern unter der Federf√ľhrung des Landesgesundheitsamtes (LGA) im Abstand von 14 Tagen nach den Vorgaben, die f√ľr Badeseen gelten, Wasserproben entnommen.

Das LGA stellte danach fest, dass bei jeder Entnahmestelle mindestens zweimal Salmonellen nachgewiesen wurden. Bei allen Probeentnahmestellen gab es zudem Grenzwert√ľberschreitungen f√ľr f√§kalcoliforme und f√ľr gesamtcoliforme Bakterien, die Richtwerte f√ľr F√§kalstreptokokken wurden ebenfalls h√§ufig √ľberschritten. Auf Basis der EU-Richtlinie besitzt somit keine der untersuchten Stellen vom Schwarzwald-Baarkreis bis zum Rhein-Neckar-Kreis die geforderte Badewasserqualit√§t.

Da in den letzten Jahren im Bereich Stuttgart f√ľr das Baden im Neckar Werbung gemacht wurde, sah sich das LGA veranlasst, die oben angef√ľhrten Untersuchungen an einigen Stellen im Bereich Stuttgart zu wiederholen. Die Untersuchungen von 2001 haben sich dabei erwartungsgem√§√ü best√§tigt. Zu bedenken ist auch, dass der Neckar ein so genannter „Vorfluter“ ist.

Das bedeutet, dass rund 590 Kläranlagen ihr gereinigtes Abwasser in den Fluss leiten. Zwar werden Keime in den mechanisch-biologischen Reinigungsstufen zum größten Teil abgebaut, nie jedoch vollständig. Dadurch können Krankheitserreger wie Fäkalkeime, Salmonellen, Viren oder Pilze die Wasserqualität gesundheitsschädigend beeinflussen.

Bei starken und lang anhaltenden Regenf√§llen k√∂nnen Abw√§sser auch ungekl√§rt in den Vorfluter gelangen. Durch die Einleitung von Industrieabw√§ssern bestehen bei St√∂rf√§llen ebenfalls gesundheitliche Risiken. Ebenso k√∂nnen Ratten in der Kanalisation und an den Ufern eine Vielzahl von Krankheit erregenden Keimen (z. B. Leptospirose) √ľbertragen.

2006 erkrankte ein Teilnehmer eines Triathlon an einer schweren Leptospirose. Der Verdacht lag nahe, dass sich der Sportler mit Neckarwasser infiziert hatte. Zudem weist der Neckar als Bundeswasserstra√üe Neckar einen lebhaften Berufsschiffverkehr auf. Zusammen mit vielen Wassersportfahrzeugen, Fahrgastschiffen, Seglern, und Ruderern k√∂nnen diese eine weitere Gefahr f√ľr Badende darstellen.

Grunds√§tzlich war die Badewasserqualit√§t in allen √∂ffentlichen B√§deranlagen im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg in den letzen Jahren nicht zu beanstanden. Neben der Eigen√ľberwachung durch die Betreiber und regelm√§√üige Wasseruntersuchungen durch akkreditierte Labore werden vom Gesundheitsamt auch 2010 routinem√§√üig Kontrollen der Badewasserqualit√§t durchgef√ľhrt.

Wer sich in den Freib√§dern nicht wohl f√ľhlt und lieber in Oberfl√§chengew√§ssern baden m√∂chte, hat im Rhein-Neckar-Kreis und der Umgebung die M√∂glichkeit, die umliegenden Badeseen zu nutzen. Aktuelle Badestellen, Wasseruntersuchungsergebnisse und weitere Daten finden sich unter: Badegew√§sserkarte Baden-W√ľrttemberg

Zusatzinfo
Gesetzliche Grundlagen, die f√ľr das Gesundheitsamt ma√ügeblich sind:
* Richtlinie 2006/7/ EG des Europ√§ischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 √ľber die Qualit√§t der Badegew√§sser und deren Bewirtschaftung

** Verordnung des Ministeriums f√ľr Arbeit und Soziales und des Umweltministeriums Baden-W√ľrttemberg √ľber die Qualit√§t und die Bewirtschaftung der Badegew√§sser (Badegew√§sserverordnung – BadegVO vom 16.Januar 2008″

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√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.