Mittwoch, 26. September 2018

„Versehentliche Maßnahmen“ und Interpretationen

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Guten Tag!

Heddesheim, 06. November 2009. Plötzlich waren sie weg – fünf Bäume. Gefällt. Einfach so. „Versehentlich“, wie der Bürgermeister Michael Kessler schreibt.

Kommentar: Hardy Prothmann

Was würden Sie sagen, wenn Sie morgens in ihren Garten gehen würden und feststellen müssten, dass fünf Bäume gefällt wurden?

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Gestern noch da, morgen gefällt - angeblich krank - doch auf privatem Grundstück. Bild: privat

Ganz klar. Sie würden sich erst mal einen Kaffee machen und durchatmen.

Dann würden Sie gelassen zum Telefonhörer greifen und die Gemeinde anrufen: „Verbinden Sie mit bitte mit dem Zuständigen für die Fällung meiner Bäume.“

Dann würde man Sie vertrösten – denn der Bürgermeister hat keinen Termin frei.

Dafür schreibt er Ihnen aber: „Ihre Bäume sind versehentlich gefällt worden, die augenscheinlich erkrankt bzw. abgestorben waren.“

Dann würden Sie denken: „Mensch, die Gemeinde ist klasse, die haben mir einfach so Arbeit und Kosten gespart.“

Vielleicht, wenn das alles so wäre.

Im Fall des Unternehmers Cornelius Krey ist das anders: „Ich weiß überhaupt nicht, warum meine Bäume gefällt wurden. Es gab keine Gespräche, keine Ankündigungen, keine nachvollziehbaren Begründungen.“

Entlang des Grundstücks von Herrn Krey wurde eine Gasleitung verlegt. Vielleicht haben die fünf gefällten Bäume gestört – von Seiten der Gemeinde gibt es dazu aber weder eine schriftliche noch fotografische Begründung, noch die Erklärung für eine nachvollziehbare Handlung.

Seltsam nur, dass Herr Krey nicht mit der geplanten Ansiedlung des Unternehmens Pfenning einverstanden ist und ein großes Plakat gegen die Ansiedlung an einem seiner Gebäude aufgehängt hat.

Ob diese Meinungsäußerung etwas mit den „versehentlich“ gefällten Bäumen zu tun hat, ist reine Spekulation und entbehrt jedem sachlich nachvollziehbaren Zusammenhang.

Unabhängig davon wäre ich, wie jeder andere, stinksauer über diese selbstherrliche, „versehentliche“ Maßnahme.

Und ich würde mir auch die Frage stellen, ob die Bäume oder jemand anderes „augenscheinlich krank oder abgestorben“ ist.

Und ich würde mich wie Herr Krey vertrauensvoll an den Bürgermeister Michael Kessler wenden.

Und ich wäre wie Herr Krey selbstverständlich enttäuscht, dass dieser leider keine Zeit für meine dringenden Fragen hat.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.