Mittwoch, 23. August 2017

Gabis Kolumne

Wie To-Do-Listen den Alltag organisieren oder auch durcheinander bringen

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Guten Tag!

Heddesheim, 06. April 2010. To-Do-Listen helfen, das Leben zu organisieren. Von wegen, meint Gabi – sie sind mindestens genauso hilfreich, alles mĂ€chtig durcheinander zu bringen.

Haben Sie eine To-Do-Liste? Ich habe gleich mehrere und das macht mich manchmal ganz schön fertig.

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To-Do oder auch "Tue es!".

ZunĂ€chst gibt es da meine persönliche „RĂ€um-den-Schreibtisch-auf-Liste“. Da drauf gehört u. a. ÃƓberweisungen tĂ€tigen, das Einreichen von Rezepten bei der Kasse, das Abheften meiner KontoauszĂŒge und Rechnungen, die KĂŒndigung von Abos oder Vereinszugehörigkeiten.

Die Telefonliste ist die schwierigste.

Dann habe ich eine Telefonliste. Wie oft verabschiedet man sich mit den Worten: „Ich ruf’ dich dieser Tage an.“ Nur bitte, wann? Vormittags bin ich bei der Arbeit, nachmittags kĂŒmmere ich mich um Kinder und Haushalt und bis ich mit allem fertig bin, habe ich weiß Gott keine Lust mehr, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Zumal schon allein die ganzen Geburtstagsanrufe einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine wirklich gute, alte Freundin möchte ich seit drei Monaten anrufen. Und je lĂ€nger ich warte, umso lĂ€nger wird auch das GesprĂ€ch ausfallen, das aber auch schon nach einem Monat Warterei eigentlich zu lang fĂŒr meinen Zeitplan ist. Mit der Liste wĂ€chst also auch gleichsam mein schlechtes Gewissen.

Ich liebe meine WĂ€scheliste.

Dann gibt es eine Liste, die sich den hausfraulichen Pflichten widmet. Dazu gehört zum Beispiel ein Stapel mit KleidungsstĂŒcken, die ausgebessert werden mĂŒssen. An Hemden fehlen Knöpfe, T-Shirts haben kleine Risse, Futtertaschen haben Löcherñ€©

Diese To-Do-Liste ist die unproblematischste: Dieser Stapel liegt ganz hinten in der WaschkĂŒche und ich muss gestehen, zuweilen sind die Kinder aus den Klamotten herausgewachsen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen konnte, aktiv zu werden. 🙂

Auf dieser Liste finden sich auch die Punkte, die Schubladen im Regal des Abstellraums zu sortieren und die KĂŒchenschrĂ€nke auszuwischen.

Auf einer weiteren Liste stehen all’ die BĂŒcher, die ich noch dringend lesen und die Filme, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Hier vermerke ich auch TheaterstĂŒcke und Ausstellungen, die ich im vergangenen Jahr allesamt nicht gesehen habe.

Problem-Liste.

Die Liste „Rund-ums-Haus“ hat außer meinem inneren Schweinehund noch ein weiteres Handicap eingebaut: Hierzu benötige ich meist die Hilfe meines Mannes.

Hier findet man so spannende Aufgaben, wie den Wasserhahn im Garten austauschen, die ausgeschlagenen KĂŒhlschrankscharniere erneuern, Regale anbringen oder den Keller aufzurĂ€umen. FĂŒr die Autos habe ich keine Liste: die macht mein Mann.

Denn hat man seine eigenen VerdrĂ€ngungsstrategien mal ĂŒberwunden, möchte man gerne Taten folgen lassen. Sprich, man steht am Samstagmorgen bereit und möchte nun umsetzen, was allzu lang aufgeschoben wurde. Doch siehe da, auch mein Herzallerliebster ist ein wahrer VerdrĂ€ngungskĂŒnstler und schiebt, was meiner Meinung nach nicht mehr zu schieben ist.

Und was ist das Resultat? Richtig, es kracht. Mit „du wolltest doch“ und „wir hatten doch ausgemacht“ kommt man schnell ins Fahrwasser sich gegenseitig VersĂ€umnisse der Verpflichtungen zuzuweisen. „Die Katzen hĂ€tten schon lĂ€ngst zum Impfen gemusst“, ist da ein gleich großes Vergehen wie „du wolltest doch den RasenmĂ€her reparieren“.

Und wie aus der Pistole geschossen, werfen wir uns die Listen um die Ohren, die wir jeweils fĂŒr den anderen erstellt haben. Und die sind ziemlich lange.

Nach einem reinigenden Gewitter und genĂŒgend Schmollzeit beginnen wir beide wieder mit dem „Abarbeiten“. Der RasenmĂ€her wurde repariert und die Katzen geimpft.

Doch kaum ist das eine oder andere von einer Liste gestrichen, wird, wie von Zauberhand, ein neuer Punkt ergÀnzt.

Und so hangeln wir uns von Liste zu Liste, von Punkt zu Punkt und die Zeit ist immer zu knapp.

Die To-Do-Liste ist die Lösung fĂŒr die Probleme, die ich ohne sie nicht hĂ€tte.

Eine richtige Lösung habe ich dafĂŒr noch nicht gefunden.

Als Anregung sagte kĂŒrzlich eine Bekannte beim FrĂŒhstĂŒck, sie habe auf dem „Schwarzen Brett“ im Supermarkt gelesen: „Mann fĂŒr alle möglichen Arbeiten zu vermieten“.

„Das ist doch die Lösung“, sagte und hoffte sie, kĂŒnftig den samstĂ€glichen Streit mit ihrem Mann zu vermeiden.

Na, ob sie sich da nun mal nicht tÀuscht.
gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.