Mittwoch, 23. August 2017

Feuerwehr: Was war 2009, was wird 2010?

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Heddesheim, 06. MĂ€rz 2010. Jahreshauptversammlungen bieten eine RĂŒck- und Vorschau: Wie lief das vergangene Jahr, was wird fĂŒr das aktuelle erwartet? Bei der Heddesheimer Feuerwehr wird es Umbauten geben, Schulungen und Kooperationen.

Von Hardy Prothmann

BĂŒrgermeister Michael Kessler dankte als Feuerwehrchef den Kommandanten und Feuerwehrleuten fĂŒr die geleisteten Hilfsdienste: „Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich allerdings deutlich in Richtung technische Hilfeleistung gegenĂŒber der frĂŒheren Aufgabe der BrandbekĂ€mpfung verĂ€ndert.“

jhv101

Jahreshauptversammlung im Feuerwehrhaus. Bild: hblog

Die Statistik aus den Jahren 2008 (74 EinsĂ€tze) und 2009 (81 EinsĂ€tze) veranschaulicht die Situation. Aus zwei Jahresangaben ist zwar noch kein Trend erkennbar, aber doch ein deutliches VerhĂ€ltnis: 2008 gab es 31 „technische Hilfen“ und 14 „BrandeinsĂ€tze“. 2009 waren es 42 „technische Hilfen“ und 13 „BrandeinsĂ€tze“.

Die meisten EinsÀtze sind technische Hilfeleistungen.

Auch diese Zahlen sagen fĂŒr sich allein noch zu wenig aus und wurden vom Kommandanten Dieter Kielmayer erlĂ€utert: „Wir hatten wĂ€hrend eines Starkregens 15 technische EinsĂ€tze, was die Zahl 2009 nach oben getrieben hat. Die Zahl der BrandeinsĂ€tze ist in etwa gleich geblieben, doch es hat nicht immer gebrannt – es gab jeweils einige Fehlalarme, die wir aber trotzdem zĂ€hlen, weil die Mannschaften ausrĂŒcken.“

Brandmeldealarme sind aus Sicht der Feuerwehr „reale Alarme“, die aber spĂ€ter unter „sonstige EinsĂ€tze“ eingeordnet werden, wenn es nicht zu einem Brandlöscheinsatz gekommen ist. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ gibt es zudem mindestens einen großen „Unwettereinsatz“ pro Jahr.

Im Gegensatz zu den Vorjahren zĂ€hlt die Heddesheimer Feuerwehr seit 2008 jede geleistete Hilfe wĂ€hrend eines Ereignisses auf: „Das machen andere Wehren auch so“, sagte Kielmayer: „Um den besseren Vergleich zu haben, zĂ€hlen wir jeden Einsatz.“

Das zeigt sich deutlich an der Verteilung der EinsĂ€tze. In der Zeit von 16:00-20:00 Uhr gab es 2009 insgesamt 30 EinsĂ€tze gegenĂŒber „nur“ 13 EinsĂ€tzen im Jahr 2008: „Das war der Sturmtag. An einem Tag kamen 15 EinsĂ€tze zusammen.“

TatsĂ€chlich ist die „Haupteinsatzzeit“ mit gut 20 EinsĂ€tzen zwischen 08:00-12:00 Uhr. „Hier möchte ich mich im Namen unserer Feuerwehr bei allen Arbeitgebern bedanken, die unsere Kameraden selbstverstĂ€ndlich ihre Pflichten erfĂŒllen lassen. Manche rĂ€umen dafĂŒr sogar zusĂ€tzliche Urlaubstage ein. Kein einziges Unternehmen hat uns den Ausfall von Arbeitszeiten berechnet“, sagte Kielmayer.

Jede Menge zusÀtzliche EinsÀtze.

Dann gab es noch jede Menge andere „EinsĂ€tze“: Ob als Sicherungswache bei Veranstaltungen in der Nordbadenhalle, Absperrmaßnahmen bei Sommertags- und Martinszug, der jĂ€hrlichen HauptĂŒbung und 22 Sitzungen oder Besprechungen sowie 14 ÃƓbungen der FĂŒhrungsgruppe und des Kreisstabes. Zudem gibt es alle drei Woche eine GesamtwehrĂŒbung. Wenn man die AtemschutzgerĂ€tetrĂ€ger- und MaschinistenĂŒbungen hinzuzĂ€hlt, ergibt sich statistisch alle vierzehn Tage eine ÃƓbung.

2009 wurden neun Mitglieder zum Truppmann und Sprechfunker ausgebildet sowie acht AtemschutzgerĂ€tetrĂ€gerprĂŒfungen erfolgreich abgenommen. Zwei Kameraden qualifizierten sich zu ZugfĂŒhrern.

Bis auf zwei „Piepser“ sind alle Aktiven nun mit digitalen „Funkmeldeeinheiten“ ausgestattet: „Zwei wollten ihre analogen GerĂ€te behalten, was ich akzeptiere“, sagte Kielmayer. Außerdem wurde „auf neue Einsatzhosen“ umgestellt – die Jacken folgen 2010 „und zwar nach Zahl der EinsĂ€tze – die mit den meisten EinsĂ€tzen bekommen die Jacken zuerst.“

Außerdem wurde die Atemschutzwerkstatt aus dem Keller ins Erdgeschoss verlegt: „Atemschutz wird immer wichtiger und AufrĂŒstung und Wartung der GerĂ€te muss gewĂ€hrleistet sein“, sagte Kielmayer.

jhv102

Was war, was wird? Kommandant Kielmayer informiert ĂŒber 2009 und die Vorhaben fĂŒr 2010. Bild: hblog

Im Jahr 2010 werden acht FĂŒhrerscheine der Klasse C gemacht, „damit wir auch genug Fahrer fĂŒr die großen Fahrzeuge haben“, sagte BĂŒrgermeister Kessler. Insgesamt plant Kielmayer mit fĂŒnfzehn neuen FahrzeugfĂŒhrern ĂŒber die kommenden Jahre.

Neue Investitionen.

SchriftfĂŒhrer, Kassen- und Jugendwart prĂ€sentierten ihre Berichte. Jugendfeuerwehrwart Gerhard Merx betreute 2009 drei MĂ€dchen und siebzehn Jungs, 2010 sind es ein MĂ€dchen und vierzehn Jungs (Altersdurchschnitt 15,2 Jahre). FĂŒnf junge MĂ€nner wechselten von der Jugend- in die aktive Feuerwehr.

Die KassenprĂŒfer bescheinigten dem Kassenwart Ulrich Keller eine einwandfreie KassenfĂŒhrung. Die Kasse schloss am 31. Dezember 2009 mit einem Plus von 313 Euro.

In diesem Jahr werden 20.000 Euro, die der Gemeinderat bewilligt hat, fĂŒr Einsatzjacken sowie fĂŒr neue Handschuhe fĂŒr technische Hilfeleistungen (Arbeitshandschuhe) als auch Handschuhen fĂŒr den „Heißeinsatz“ ausgegeben. Auch die FĂŒhrerscheine werden mit diesem Geld bezahlt.

Insgesamt 140.000 Euro sind fĂŒr einen Anbau mit 50 Umkleiden vorgesehen, im Keller werden Duschen und WC eingebaut – zur Zeit ziehen sich die Feuerwehrleute im GerĂ€tehaus um.

KĂŒnftig „online“ beim Einsatz.

Eine besondere Neuerung ist der Einsatz eines Notebooks mit „Surfstick“, das in KĂŒrze im Einsatzleitwagen mitfĂ€hrt: „Damit haben einen schnellen Zugriff auf GebĂ€udeplĂ€ne und andere wichtige Unterlagen, können email empfangen und bei Bedarf das Internet nutzen.“

Ein ungelöstes Problem stellen noch die Tore der Feuerwehr mit ihren KlapptĂŒren dar. Gerade das große Löschfahrzeug (LF 16) kann nicht einfach ausfahren, sondern muss rangiert werden, damit es „um die Ecke“ kommt. Die baulichen Gegebenheiten machen eine Lösung zur schwierigen Aufgabe: „Wir haben jetzt eine Firma an der Hand, die den Mangel beheben will und warten auf deren Vorschlag“, sagte Kielmayer.

Aus Sicht eines Feuerwehrmanns gibt es aber noch andere MĂ€ngel bei der FĂŒhrung und Kommunikation innerhalb der Feuerwehr. Der gerade zum Oberlöschmeister beförderte Marcus Michel bat deshalb, aus dem aktiven Dienst entlassen zu werden.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.