Mittwoch, 26. September 2018

econo-Berichterstattung verletzt den Pressekodex

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Das „Wirtschaftsmagazin“ econo veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe ein StandortportrĂ€t Heddesheims in vier Teilen – und verstĂ¶ĂŸt massiv gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats, der eine strikte Trennung von redaktionellem Text und Werbung vorsieht.

Von Hardy Prothmann

„Erstklassiger Journalismus aus der Region fĂŒr die Region“, verspricht econo in seiner Selbstdarstellung. „Sauber recherchierte BeitrĂ€ge“ solle man hier finden.

TatsĂ€chlich findet sich in der aktuellen Ausgabe eine achtseitige Artikelstrecke zum „Standort Heddesheim“. Ein lobgehudeltes StĂŒck PR-Journalismus.

Dem heddesheimblog liegen Aussagen von Unternehmen vor, dass ein Redakteur redaktionelle Texte in Aussicht gestellt hat und man ja dann auch eine Anzeige schalten könne. Doch auch ohne diese Aussagen kann sich jeder selbst ein Bild machen, wenn er sich das aktuelle „Schwerpunkt-StĂŒck“ ĂŒber Heddesheim durchliest.

Der Text handelt von der Heddesheimer Wirtschaft, „alles toll“, so der Tenor. Dazwischen finden sich die Anzeigen von Behm Dental, der Gemeinde Heddesheim, der zebes AG und natĂŒrlich Pfenning. Alle Unternehmen kommen auch im Text vor.

Der Pressekodex sagt dazu folgendes:

„Ziffer 7  -  Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegenĂŒber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschĂ€ftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.“

Die Helden der Geschichte sind der BĂŒrgermeister und „erfolgreiche“ Unternehmer, die sich gegenseitig ĂŒber den grĂŒnen Klee loben.

HintergrĂŒndige Recherche? Fehlanzeige!

Eine hintergrĂŒndige Recherche, beispielsweise warum sich Edeka fĂŒr das vom Unternehmen geplante Fleischwerk entschieden hat? Fehlanzeige.

DafĂŒr gibt es unzureichend recherchierte Informationen zum Unternehmen Karnasch: „Das heute weltweit tĂ€tige Unternehmen stellt zum Beispiel SĂ€geblatter, FrĂ€smaschinen und Bohrer her“, schreibt econo. Hubert Karnasch sagt dem heddesheimblog auf Nachfrage: „Wir stellen keine SĂ€geblĂ€tter her und auch keine FrĂ€smaschinen. Wir produzieren FrĂ€swerkzeuge und Bohrer, aber nicht hier in Heddesheim, sondern in der Schweiz. Heddesheim ist unser Vertriebszentrum.“

So kann man beliebig durch den Text gehen und weitere eher schlampige Recherchen und ungenaue Formulieren finden. Unfreiwillig komisch sind da noch solche „Informationen“, dass ein Unternehmer in „Freudenheim“ wohnt – gemeint ist Feudenheim.

Auch zum aktuellen kommunalpolitischen Streit um die geplante Pfenning-Ansiedlung wird zwar die IG neinzupfenning erwĂ€hlt – gesprochen wurde aber nicht mit ihr, obwohl es Kontakte zu zumindest zwei Mitgliedern gab.

Bei aller Lobhudelei ĂŒbertreibt es econo gar: „BĂŒrgermeister Kessler spricht von zwei Millionen Euro jĂ€hrlichen Einnahmen.“ BĂŒrgermeister Kessler spricht hingegen bis heute von einmalig zwei Millionen Euro durch die Ansiedlung.

„Erstklassiger Journalismus“ geht anders.

Weiter liest man etwas ĂŒber eine Werkrealschule, den Golfplatz, Vereine oder eine (nicht, Anm. d. Red.) existente FußgĂ€ngerzone oder eine befriedigende Parkplatzsituation. All das liest sich wie die aktuelle kommunale Themenagenda des BĂŒrgermeisters und nicht wie ein Wirtschaftsbericht.

Zum Ende lĂ€sst der Bericht den BĂŒrgermeister noch darĂŒber schwadronieren, wie sehr man bemĂŒht sei, Gewerbetreibende bei der Suche nach FlĂ€chen zu unterstĂŒtzen.

HĂ€tte die Redaktion von econo verstanden, worĂŒber sie berichtet, hĂ€tte sie gewusst, dass, sofern Pfenning nach Heddesheim kommt, nur noch wenige FlĂ€chen im alten Gewerbegebiet zu vergeben sind. Weitere GewerbeflĂ€chen sind nĂ€mlich nicht vorhanden.

Soviel ist klar: Die Anzeigen der besprochen Firmen und der Gemeinde haben econo einige tausend Euro in die Kasse gespĂŒlt.

Das BlĂ€ttchen erscheint ĂŒbrigens in der Dr. Haas-Mediengruppe. In der erscheint auch der Mannheimer Morgen, der sich ebenfalls nicht durch eine rechercheintensive Berichterstattung zu Heddesheim und der geplanten Pfenning-Ansiedlung hervortut.

Doch wen wundert das wirklich?

Im Bericht ĂŒber den Standort Heddesheim tauchen unter anderem folgenden Personen, Firmen und Parteien auf, die am Dialog zur geplanten Pfenning-Ansiedlung zu den BefĂŒrworter des Projekts gehören:

BĂŒrgermeister Kessler, BĂŒrgermeister
Kristian Mansfeld, zebes AG
Pfenning (3 Vertreter im „Dialog“)
Nicole Kemmet, BdS-Heddesheim (2 Vertreter im „Dialog“)
Die Pfenning-„UnterstĂŒtzer“ CDU, SPD und FDP (je einen Vertreter im „Dialog“)

Nicht ein Kritiker des Projekts kommt zu Wort. Warum auch? Darum geht es ja auch nicht. Um Journalismus. Es geht um®s GeschĂ€ft. Das BlĂ€ttchen econo braucht Anzeigen und die beschriebenen Personen eine gute Presse.

So einfach ist das.

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Hier ein paar Beispiele, was econo unter „erstklassigem Journalismus“ versteht und die BrĂŒcke zwischen redaktioneller PR-Dienstleistung und Werbung schlĂ€gt.

Bei diesem „hochkalibrigen Wirtschaftsmagazin“, also quasi einem „SturmgeschĂŒtz“ der Wirtschaftsberichterstattung kann der Leser unter „FirmenportrĂ€ts von Unternehmen“ „Informationen“ abrufen.

In diesen FĂ€llen aber ganz korrekt nicht als Verstoß gegen den Pressekodex – denn es steht ganz klar Anzeige darĂŒber.

Welches SelbstverstĂ€ndnis ein „Wirtschaftsmagazin“ aber von sich selbst hat, das seine „PortrĂ€ts“ dem Leser als „Anzeige“ anbietet, darf jeder selbst entscheiden:

Wildt Spedition
Scheerer Logistik
Fiege Deutschland

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.