Mittwoch, 21. November 2018

econo-Berichterstattung verletzt den Pressekodex

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Das „Wirtschaftsmagazin“ econo ver├Âffentlicht in der aktuellen Ausgabe ein Standortportr├Ąt Heddesheims in vier Teilen – und verst├Â├čt massiv gegen den Pressekodex des Deutschen Presserats, der eine strikte Trennung von redaktionellem Text und Werbung vorsieht.

Von Hardy Prothmann

„Erstklassiger Journalismus aus der Region f├╝r die Region“, verspricht econo in seiner Selbstdarstellung. „Sauber recherchierte Beitr├Ąge“ solle man hier finden.

Tats├Ąchlich findet sich in der aktuellen Ausgabe eine achtseitige Artikelstrecke zum „Standort Heddesheim“. Ein lobgehudeltes St├╝ck PR-Journalismus.

Dem heddesheimblog liegen Aussagen von Unternehmen vor, dass ein Redakteur redaktionelle Texte in Aussicht gestellt hat und man ja dann auch eine Anzeige schalten k├Ânne. Doch auch ohne diese Aussagen kann sich jeder selbst ein Bild machen, wenn er sich das aktuelle „Schwerpunkt-St├╝ck“ ├╝ber Heddesheim durchliest.

Der Text handelt von der Heddesheimer Wirtschaft, „alles toll“, so der Tenor. Dazwischen finden sich die Anzeigen von Behm Dental, der Gemeinde Heddesheim, der zebes AG und nat├╝rlich Pfenning. Alle Unternehmen kommen auch im Text vor.

Der Pressekodex sagt dazu folgendes:

„Ziffer 7├é┬á -├é┬á Trennung von Werbung und Redaktion
Die Verantwortung der Presse gegen├╝ber der ├ľffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Ver├Âffentlichungen nicht durch private oder gesch├Ąftliche Interessen Dritter oder durch pers├Ânliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Ver├Âffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Ver├Âffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.“

Die Helden der Geschichte sind der B├╝rgermeister und „erfolgreiche“ Unternehmer, die sich gegenseitig ├╝ber den gr├╝nen Klee loben.

Hintergr├╝ndige Recherche? Fehlanzeige!

Eine hintergr├╝ndige Recherche, beispielsweise warum sich Edeka f├╝r das vom Unternehmen geplante Fleischwerk entschieden hat? Fehlanzeige.

Daf├╝r gibt es unzureichend recherchierte Informationen zum Unternehmen Karnasch: „Das heute weltweit t├Ątige Unternehmen stellt zum Beispiel S├Ągeblatter, Fr├Ąsmaschinen und Bohrer her“, schreibt econo. Hubert Karnasch sagt dem heddesheimblog auf Nachfrage: „Wir stellen keine S├Ągebl├Ątter her und auch keine Fr├Ąsmaschinen. Wir produzieren Fr├Ąswerkzeuge und Bohrer, aber nicht hier in Heddesheim, sondern in der Schweiz. Heddesheim ist unser Vertriebszentrum.“

So kann man beliebig durch den Text gehen und weitere eher schlampige Recherchen und ungenaue Formulieren finden. Unfreiwillig komisch sind da noch solche „Informationen“, dass ein Unternehmer in „Freudenheim“ wohnt – gemeint ist Feudenheim.

Auch zum aktuellen kommunalpolitischen Streit um die geplante Pfenning-Ansiedlung wird zwar die IG neinzupfenning erw├Ąhlt – gesprochen wurde aber nicht mit ihr, obwohl es Kontakte zu zumindest zwei Mitgliedern gab.

Bei aller Lobhudelei ├╝bertreibt es econo gar: „B├╝rgermeister Kessler spricht von zwei Millionen Euro j├Ąhrlichen Einnahmen.“ B├╝rgermeister Kessler spricht hingegen bis heute von einmalig zwei Millionen Euro durch die Ansiedlung.

„Erstklassiger Journalismus“ geht anders.

Weiter liest man etwas ├╝ber eine Werkrealschule, den Golfplatz, Vereine oder eine (nicht, Anm. d. Red.) existente Fu├čg├Ąngerzone oder eine befriedigende Parkplatzsituation. All das liest sich wie die aktuelle kommunale Themenagenda des B├╝rgermeisters und nicht wie ein Wirtschaftsbericht.

Zum Ende l├Ąsst der Bericht den B├╝rgermeister noch dar├╝ber schwadronieren, wie sehr man bem├╝ht sei, Gewerbetreibende bei der Suche nach Fl├Ąchen zu unterst├╝tzen.

H├Ątte die Redaktion von econo verstanden, wor├╝ber sie berichtet, h├Ątte sie gewusst, dass, sofern Pfenning nach Heddesheim kommt, nur noch wenige Fl├Ąchen im alten Gewerbegebiet zu vergeben sind. Weitere Gewerbefl├Ąchen sind n├Ąmlich nicht vorhanden.

Soviel ist klar: Die Anzeigen der besprochen Firmen und der Gemeinde haben econo einige tausend Euro in die Kasse gesp├╝lt.

Das Bl├Ąttchen erscheint ├╝brigens in der Dr. Haas-Mediengruppe. In der erscheint auch der Mannheimer Morgen, der sich ebenfalls nicht durch eine rechercheintensive Berichterstattung zu Heddesheim und der geplanten Pfenning-Ansiedlung hervortut.

Doch wen wundert das wirklich?

Im Bericht ├╝ber den Standort Heddesheim tauchen unter anderem folgenden Personen, Firmen und Parteien auf, die am Dialog zur geplanten Pfenning-Ansiedlung zu den Bef├╝rworter des Projekts geh├Âren:

B├╝rgermeister Kessler, B├╝rgermeister
Kristian Mansfeld, zebes AG
Pfenning (3 Vertreter im „Dialog“)
Nicole Kemmet, BdS-Heddesheim (2 Vertreter im „Dialog“)
Die Pfenning-„Unterst├╝tzer“ CDU, SPD und FDP (je einen Vertreter im „Dialog“)

Nicht ein Kritiker des Projekts kommt zu Wort. Warum auch? Darum geht es ja auch nicht. Um Journalismus. Es geht um├é┬┤s Gesch├Ąft. Das Bl├Ąttchen econo braucht Anzeigen und die beschriebenen Personen eine gute Presse.

So einfach ist das.

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Hier ein paar Beispiele, was econo unter „erstklassigem Journalismus“ versteht und die Br├╝cke zwischen redaktioneller PR-Dienstleistung und Werbung schl├Ągt.

Bei diesem „hochkalibrigen Wirtschaftsmagazin“, also quasi einem „Sturmgesch├╝tz“ der Wirtschaftsberichterstattung kann der Leser unter „Firmenportr├Ąts von Unternehmen“ „Informationen“ abrufen.

In diesen F├Ąllen aber ganz korrekt nicht als Versto├č gegen den Pressekodex – denn es steht ganz klar Anzeige dar├╝ber.

Welches Selbstverst├Ąndnis ein „Wirtschaftsmagazin“ aber von sich selbst hat, das seine „Portr├Ąts“ dem Leser als „Anzeige“ anbietet, darf jeder selbst entscheiden:

Wildt Spedition
Scheerer Logistik
Fiege Deutschland

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.