Montag, 09. Dezember 2019

Der gläserne Gemeinderat: Von Sorgen und Sorgen

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Guten Tag!
Hat der IFOK-„Dialog“ die Bürger auch nur im Ansatz erreicht? Haben die Bürger nach zwei Monaten IFOK neue Informationen? Ist die Stimmungslage auch nur im Ansatz besser geworden im Dorf?

Das frage nicht nur ich mich, sondern das fragen sich eigentlich alle Bürger, die an der Gemeinschaft interessiert sind.

Es gibt immer noch zu viele Fragen, die längst beantwortet sein müssten. Warum ist das nicht so? Immerhin haben doch der alte Gemeinderat und der Bürgermeister für viel Geld eine Firma IFOK engagiert, die das professionell regeln sollte: Fakten zu liefern und für eine weniger emotionale Debatte zu sorgen.

Ob für den Bürgermeister und den Gemeinderat oder die Bürger oder alle zusammen, ist eine andere Frage.

Ich darf mich aber fragen, was sich viele Bürger auch fragen: Was hat das bis heute außer viel Papier gebracht?

Bekommen die Bürger überhaupt mit, was da nicht-öffentlich „beredet wird“ im „Dialog“-Kreis? Interessiert sich irgendjemand hinterher für die Pressemitteilungen?

Ich glaube nicht. Deswegen macht mir dieser „Dialog“ Sorgen. Es wird so getan, als seien die Bürger am Meinungsaustausch beteiligt. Das sind sie aber nicht.

Zudem sitzen zwei „Akteure“ nicht am Tisch: Die IG neinzupfenning und der BUND.

Hat man (also die IFOK) sich wirklich und nachweislich bemüht, die IG und den BUND an den Tisch zu bekommen? Das frage ich mich auch. Der Nachweis fehlt.

Der Bürgermeister hat meine Fragen dazu zur Kenntnis genommen. Was heißt das? Gute Frage – nächste Frage?

Die IG neinzupfenning hat sich in den letzten Wochen kaum präsent gezeigt. Zu Recht fragen sich die Bürger, ob von der IG noch etwas erwartet werden kann.

Angeblich laufen Gespräche, angeblich sind Treffen zwischen der IG und dem Bürgermeister und der „Pfenning-Gruppe“ im Gespräch.

Das ist einfach nichts und zumindest zu wenig. Als Bürger fühlt man sich zur Zeit ziemlich allein gelassen. Der nach Meinung des Mannheimer Morgens „lachhafte“ Fragenkatalog in Sachen Bürgerbefragung fördert auch nicht gerade das Vertrauen.

Die allerwichtigste Frage ist aber, ob die Bürger in irgendeiner Weise an diesem „Dialog“ teilhaben können.

Und die kann ich klar beantworten: Im „Dialog“-Kreis sitzen 20 Personen, darunter genau ein einzelner Bürger, der nichts anderes ist, als ein Bürger.

Und das ist, was mir Sorgen macht. Im IFOK-„Dialog“ können unter den gegebenen Umständen die Bürger eben nicht teilhaben.

Nicht die Sorgen um das öffentliche Wohl und das Befinden der Bürger steht im Vordergrund, sondern das Ziel, für die Durchsetzung von Interessen zu sorgen.

Sorgen stehen also gegen Sorgen.

Die Bürger können aber sehr wohl an allem teilhaben, was die Gemeinde angeht.

Sie können sich über die Medien und hier vor allem über das Internet informieren – und andere durch Ausdrucke daran beteiligen. Sie können miteinander reden. Und statt sich auf der Straße aus dem Weg zu gehen, können sie stehenbleiben und sich austauschen.

Daran kann jeder teilhaben und das ist echte Basisdemokratie: Sich zu äußern, sich mit anderen auszutauschen, Fragen zu stellen und Antworten zuzuhören.

Dafür braucht es keine IFOK, keine Verwaltung und erstmal auch keinen Bürgermeister, sondern nur Bürger, die bereit sind, sich für ihre Belange und die ihrer Mitbürger einzusetzen.

Und in Heddesheim wird viel diskutiert, die Bürger interessieren sich sehr und das ist einfach nur positiv. Es gibt hier viele Meinungen, engagierte Haltungen.

Heddesheim braucht meiner Meinung nach keine IFOK, sondern ein Umdenken bei denen, die denken, dass die anderen nicht denken können.

„Die“ können das – sogar sehr gut.

Vielleicht braucht Heddesheim dann auch eine starke und gesunde Interessenvertretung, die „Ja zu Heddesheim“ sagt.

Eigentlich sollte das zunächst der Gemeinderat sein. Aber es sind auch andere Modelle denkbar.

Bevor man die aber ausprobiert, sollte der erste Weg zum Gemeinderatsmitglied des eigenen Vertrauens führen. Allerdings nicht mit blinden Vertrauem, sondern mit Fragen, Forderungen und Hoffnungen.

Ich möchte den Gemeinderat sehen, der das nicht Ernst nimmt.

Einen schönen Tag wünscht

Ihr

hardyprothmann

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.