Montag, 28. Mai 2018

Aufruf: Besorgen Sie sich bitte den Mannheimer Morgen von heute

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Guten Tag!

Heddesheim, 06. Mai 2011. (red) Unser VerhĂ€ltnis zum Mannheimer Morgen ist – sagen wir mal, nicht optimal. Trotzdem bitten wir alle politisch interessierten Menschen, sich ein Exemplar der heutigen Ausgabe zu kaufen – oder irgendwie anders zu besorgen. Und die Berichte ĂŒber die Edeka-Erweitung genau zu lesen und mit unseren Berichten zu vergleichen. Denn wer sich eine Meinung bilden will, ist gut beraten, mehr als eine Informationsquelle zu benutzen.

Von Hardy Prothmann

Die MM-Redakteurin Anja Görlitz hat bekanntlich eine Abmahnung gegen mich angestrebt, weil ich im Februar 2010 einen Text ĂŒber das „Drama der journalistischen Prostitution“ geschrieben habe, durch den sich Frau Görlitz in ihrer beruflichen Ehre beschĂ€digt gesehen hat.

Das Mannheimer Landgericht ist der Argumentation gefolgt und hat ohne Anhörung eine „Einstweilige VerfĂŒgung“ gegen mich erlassen. Diese habe ich durch meine AnwĂ€lte akzeptieren lassen, um weitere Prozesskosten fĂŒr diesen einen Kommentar – ĂŒber die angefallenen rund 5.000 Euro hinaus – zu vermeiden. Teile dieses Textes, der sich den „AbhĂ€ngigkeiten“ und „Verbindungen“ zwischen „Journalismus“ und „FunktionstrĂ€gern“ in zugespitzter Form gewidmet hat, darf ich deshalb bei Androhung von Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten oder Ordnungsstrafe von bis zu 250.000 Euro nicht wiederholen.

Außer ich prozessiere gegen diese Entscheidung – das könnte im Fall einer „Niederlage“ nochmals 10-15.000 Euro kosten. Mein AnwĂ€lte meinen, die Chancen stehen 50:50, diesen Prozess zu gewinnen oder zu verlieren. HĂ€tte ich das Geld „ĂŒber“, wĂŒrde ich es sehr gerne drauf ankommen lassen. TatsĂ€chlich investiere ich es lieber in die tĂ€gliche Arbeit. In journalistische Information.

Das heddesheimblog ist vor etwa zwei Jahren entstanden. Der erste Text wurde am 28. April 2009 veröffentlicht: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?„.

Dieser Text wurde eine Woche nach der „PrĂ€sentation“ der geplanten „Pfenning-Ansiedlung“ am 21. April 2009 im BĂŒrgerhaus verfasst. Dort habe ich mich als BĂŒrger informiert und beschlossen, als Journalist dieses Bauvorhaben zu „prĂŒfen“. Ich hatte diese „BĂŒrgerinformation“ als „Farce“ empfunden. Also habe ich recherchiert. Und das tue ich aktuell wieder.

Soviel vorab: Edeka ist ein „bedeutendes Unternehmen“. Aber Edeka ist nicht „sakrosant“ und wird sich einer kritischen PrĂŒfung stellen mĂŒssen.

Der zweite Text ist am 29. April 2009 unter der Schlagzeile „Was heißt bedeutend?“ erschienen und folgte der ersten journalistischen Tugend – nicht einfach zu glauben, was einem gesagt wird, sondern sich in Kenntnis zu setzen, viele Quellen zu prĂŒfen, sich zu informieren.

Im Archiv des Mannheimer Morgens hatte ich zum Unternehmen „Pfenning“ aus den Jahren 2000-2003 Artikel gefunden – ausschließlich negative Berichte ĂŒber dieses „heimatverbundene Traditionsunternehmen“.

Gleiches Spiel. GefĂ€lligkeitsberichterstattung. Recherche findet nicht statt. Anja Görlitz nennt BĂŒrgermeister Michael Kessler das "Ortsoberhaupt" und folgt "willig" seinen Aussagen. Und zeigt damit, dass sie die grundsĂ€tzliche Verfassung einer Gemeinde nicht verstanden hat. Der Gemeinderat ist das oberste Gremium der Kommune, nicht der BĂŒrgermeister. Quelle: MM

Am 05. Februar 2009 spielten diese Berichte im MM keine Rolle, auch spĂ€ter nicht. Im MM stand: „Sie sehen einen rundum glĂŒcklichen BĂŒrgermeister.“ Der Heddesheimer BĂŒrgermeister war Michael Kessler war laut MM stolz, „so ein großes und bedeutendes mittelstĂ€ndiges Familienunternehmen fĂŒr Heddesheim gewonnen zu haben.“

Bis heute hat dieser BĂŒrgermeister die „großen und bedeutenden“ negativen Fakten aus der „Geschichte“ dieses Unternehmens nicht zur Kenntnis genommen.

Bis heute hat der MM nicht einmal die eigene Berichterstattung zitiert.

Diese Informationen, die mir nur ĂŒber einen bezahlten Zugang zur VerfĂŒgung standen, hĂ€tte Frau Görlitz im eigenen Unternehmen nutzen können. Ob sie das nicht wusste oder nicht wollte, weiß ich nicht. Ihre Berichterstattung nahm jedenfalls keinen Bezug darauf und auch spĂ€ter war dies nicht feststellbar. Die Jubelberichterstattung hingegen ging fort.

Heute erinnert diese „Journalistin“ an den „glĂŒcklichen BĂŒrgermeister“, denn sie damals selbst so inszeniert hat und stellt infrage, „ob BĂŒrgermeister Kessler an seine Aussage „möglicherweise nicht so gerne erinnert“ werden „möchte“.

Warum hat Frau Görlitz, die doch einen „exklusiven Zugang“ zu diesem Mann hat, den BĂŒrgermeister nicht gefragt?

Die Frage ist eine Scheinfrage. Denn das ist das Problem des MM, der Frau Görlitz und einem „Monopol“-Journalismus, der lĂ€ngst nicht mehr unabhĂ€ngig arbeitet und informiert.

Und der MM ist unter Druck. Durch unsere Berichterstattung und durch die der vielen Kommentatoren, die mit eigenen Gedanken und Hinweisen das „Deutungsmonopol“ der Zeitung unter Druck setzen. Denn es gibt dank des Internets jede Menge Möglichkeiten, behauptete „Fakten“ zu ĂŒberprĂŒfen.

Wenn Sie neu bei uns sind, empfehlen wir Ihnen die Berichte der vergangenen Tage zu Edeka bei uns und im MM. Vergleichen Sie. Schauen Sie aufs Datum. Wann hat wer was wie berichtet? Wenn Sie uns schon lÀnger lesen, wissen Sie, dass die Berichterstattung im MM und unsere sich teils enorm unterscheiden.

Einige Fakten sind oft Àhnlich, aber in der Aussage, in der Einordnung oft grundverschieden. Und wir bieten meist mehr Fakten, die der MM nicht recherchiert hat, oder schlimmer: Offensichtlich nicht nennen will. Warum? Die Antwort ist ganz einfach.

2009 ist anders als 2011 - der MM kann sich die GefÀlligkeitsberichte wie diese nicht mehr leisten. Quelle: MM

Wir berichten unabhĂ€ngig und kritisch. Der MM berichtet anders als wir. Das Urteil, wer umfĂ€nglicher, hintergrĂŒndiger, ehrlicher, genauer, meinungsstĂ€rker berichtet, ĂŒberlassen wir ihnen.

Machen Sie sich selbst ein Bild. PrĂŒfen Sie die angebotenen Informationen.

Unsere Berichterstattung ist sicher nicht fehlerfrei. Das ist keine Berichterstattung jemals. Aber wir geben uns MĂŒhe, aufrichtig, faktentreu und wahrhaftig zu berichten. Transparenz ist fĂŒr uns deshalb Pflicht. Wir verweisen auf den MM und stellen uns dem Vergleich. Der MM tut bis heute so, als gĂ€be es das heddesheimblog nicht. Warum wohl?

Unser Ziel ist der journalistische Wettbewerb. GegenĂŒber den „etablierten“ Medien haben wir oft „LĂŒcken“, weil unsere Mannschaft klein ist, unser Medium jung, die Finanzen bescheiden sind und an eine „Vollversorgung“ können wir nur im „Traum“ denken. Auch ein MM bietet das nicht, tut aber so, als tĂ€te er das. Wir hingegen haben Mut zur LĂŒcke und geben uns alle MĂŒhe, jede LĂŒcke zu schließen.

TatsĂ€chlich sind wir aber schon jetzt oft schneller als die „Platzhirsche“. Das ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen nicht schneller, sondern „besser“ sein. Besser heißt: Wir machen keine liebedienerische Hofberichterstattung. Wir biedern uns nicht an. Wir schreiben niemanden nach dem Mund. Wir berichten aufrichtig.

Wir sind kritisch. Wir prĂŒfen. Wir beobachten. Wir sind lieber langsamer, als ein „Thema abzufrĂŒhstĂŒcken“ und bieten lieber eine Analyse als eine Terminberichterstattung und „gefĂ€llige“ Darstellungen.

Besorgen Sie sich den MM von heute. Vergleichen Sie unsere Informationen mit denen in der Zeitung. Bilden Sie sich Ihre Meinung. Stellen sie infrage, ob diese Aussage stimmt:

"MeinungsĂ€ußerung" vom MM. Ist das so? Seien Sie kritisch. Quelle: MM

Das heddesheimblog ist das einzige Medium vor Ort, dass sich mit allen „KrĂ€ften“ kritisch auseinandersetzt. Nicht nur der BĂŒrgermeister redet deswegen kein Wort mehr mit uns. Auch die „IG neinzupfenning“ nicht. Auch die CDU nicht. Die SPD nicht. Die FDP nicht. Die AWO nicht. Die TG nicht. Verschiedene Gewerbetreibende nicht.

Weil wir so böse sind? Kann sein. Nur komisch, dass dieses „PhĂ€nomen“ ĂŒberwiegend in Heddesheim stattfindet. In anderen Orten ist das nicht so. Was ist in Heddesheim anders? Es gibt hier vielfĂ€ltige, „enge“ Verbindungen und Verflechtungen.

Alle genannten „Protagonisten“ haben wir kritisch begleitet. Und Kritik konnte kaum einer in diesen undemokratischen Zirkeln vertragen. Auch die GrĂŒnen haben sich schwer getan, sind aber offener und dialogbereiter und trotz „Kontroversen“ mit unserer Redaktion im guten Kontakt.

Trotz aller „Schwierigkeiten“ haben wir oft die besten Nachrichten, die besten Fakten, die besten Analysen. Warum? Ganz einfach: Wegen unserer Leserinnen und Leser (die auch Teil der CDU, der SPD, der TG, usw. sind). Die informieren uns aktuell und nachhaltig. Zusammen mit unseren Recherchen ergibt das die beste Berichterstattung.

Wir prĂŒfen diese Informationen, recherchieren, veröffentlichen und bieten damit einen bestmöglichen Journalismus. Von und fĂŒr die Menschen hier vor Ort.

Und ich persönlich und meine Mitarbeiter stehen dafĂŒr ein, dass wir uns niemals, unter keinen UmstĂ€nden, fĂŒr irgendwas oder irgendwen „verkaufen“.

Bestmöglicher Journalismus heißt: Wir geben uns nie mit einfachen Antworten zufrieden. Wir fragen nach, wir sind kritisch.

Und wir freuen uns ĂŒber kritische Leserinnen und Leser. Immer. Versprochen.

Und wir garantieren Ihnen, dass „BĂŒrgerbeiligung“ mehr kann, als das, was Zeitungen (und die, die ihre Botschaften darin transportieren lassen) denken, das BĂŒrgerinnen und BĂŒrger denken sollen.

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut – „bedeutender“ als jedes unternehmerische Ziel.

Meinungsfreiheit braucht transparente Informationen.

Besorgen Sie sich deshalb den MM von heute und archivieren Sie die Seite 20. Es wird sicherlich spannend sein, welche Informationen dort nicht genannt worden sind und wie sich dieses „Thema“ weiter entwickelt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.