Montag, 26. August 2019

Spiel mit gezinkten Karten

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Kommentar: Hardy Prothmann

BĂĽrgermeister Michael Kessler betreibt ein falsches Spiel.

Am 22. Januar beschlieĂźt der Gemeinderat unter Leitung Kesslers die Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim. Am 4. Februar erfährt die Ă–ffentlichkeit aus der Presse von diesem Vorhaben. Erst am 18. Februar, also 14 Tage später, erfährt die Ă–ffentlichkeit , also die Heddesheimer BĂĽrger, durch die Gemeinde von diesem Vorhaben. Am 21. April präsentiert BĂĽrgermeister Kessler auf einer „BĂĽrgerinformationsveranstaltung“ sichtlich genervt ob des enormen Interesses (ĂĽber 500 BĂĽrger waren gekommen) die geplante Ansiedlung und macht deutlich, dass „eigentlich alles schon gelaufen“ ist.

Am 02. Juni 2009, erklärt Herr Kessler der Ă–ffentlichkeit auf einer Pressekonferenz, dass doch noch nicht alles endgĂĽltig entschieden ist und will „in den Dialog mit den BĂĽrgern treten“. Also ĂĽber vier Monate nach der ersten Entscheidung.

Im Gespräch sind die Pfenning-Gruppe und Herr Kessler nach belegten Informationen des heddesheimblogs zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahr.

FĂĽr die Moderation dieses „Dialogs“ engagiert Herr Kessler das Unternehmen IFOK GmbH aus Bensheim. Die ĂĽblichen Beraterhonorare fĂĽr eine solches „public relations (PR)“-Unternehmen, das auch Krisen-PR betreibt, liegen zwischen 1000-2000 Euro pro Tag. Das Auftragsvolumen dĂĽrfte also ohne weiteres mehrere zehntausend Euro ausmachen. Bezahlt aus der Gemeindekasse, also von uns, den BĂĽrgern.

Die BĂĽrger zahlen also fĂĽr einen „ergebnisoffenen“ Dialog, der hinter verschlossenen TĂĽren gesteuert wird. Das ist, wenn ĂĽberhaupt, ein schlechter Witz. Die Karten werden nicht neu gemischt, wie der Ă–ffentlichkeit vorgemacht wird.

In der Pokerrunde aus Öffentlichkeit, Bürgermeister, Gemeiderat, Pfenning-Gruppe und IG neinzupfenning, sind die Blätter und die Joker schon verteilt.

Durch die Vorabinformation der Pfenning-Gruppe ist klar, wer die Joker in Händen hält: Der Bürgermeister, der Gemeinderat und die Pfenning-Gruppe. Gespielt wird um das Vertrauen der Bürger. Das ist der Einsatz.

Herr Kessler hat am Dienstag diesen Einsatz erhöht, indem er die Moderation des Dialogs, also das Gespräch an eine angeblich neutrale Firma für teures Geld vergeben hat. Die Erhöhung des Einsatz lautet: Glaubwürdigkeit.

Diesen Einsatz hat Herr Kessler, belegt durch den Anzeigenschwindel im aktuellen Mitteilungsblatt, kaltblütig verspielt.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.