Sonntag, 20. August 2017

Pflichttermin: Edeka hakt Bürgerbeteiligung ab

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Nur rund 70 Bürgerinnen und Bürger "beteiligten" sich an der Präsentation von Edeka. Bild: heddesheimblog.de

Heddesheim, 05. Mai 2011. (red) Gestern stellte Edeka Südwest in Grundzügen die Pläne für den Standort Heddesheim im Bürgerhaus vor. Die Bürger wurden eingeladen. Es kamen nur wenige. Die Präsentation war kurz. Es wurde nur ein paar Fragen gestellt.

Von Hardy Prothmann

Soviel ist klar. Die Erweiterungspläne der Edeka Südwest sind noch nicht offiziell entschieden. Weniger klar ist, inwieweit diese Pläne „inoffiziell“ schon längst entschieden sind.

Der Geschäftsführer Dr. Detlev Weiler gab sich bescheiden beim Pflichttermin „Bürgerbeteiligung“. Es seien noch keine Grundstückskäufe getätigt worden. Es seinen keine Entscheidungen vorab getroffen worden. Man wolle frühzeitig die Bürgerinnen und Bürger informieren und beteiligen. Deswegen habe man auch eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Gerne würde man diesen Jahr noch mit dem Bau beginnen.

Die Edeka-Delegation weiß um das durch einen selbstherrlichen Bürgermeister und einen treuseligen Gemeinderat selbstverschuldete Pfenning-Debakel in Heddesheim und gibt sich bemüht offen.

Vorne links sitzt Bügermeister Michael Kessler ganz alleine – symbolisch entfernt vom Edeka-Podium, so, als hätte er mit all dem, was da präsentiert wird, nichts zu tun und würde heute erstmals davon erfahren. Später wird klar, dass der Gemeinderat erst vor kurzem über die Pläne informiert wurde.

Hinten rechts sitzt SPD-Gemeinderat Jürgen Harbath neben dem Kämmerer und dem Bauamtschef und vier CDU-Gemeinderäten, dahinter sitzt der Hauptamtsleiter mit dem stellvertretenden Bauamtsleiter.

Rund 85 „Gäste“ sind gekommen. Zieht man die Gemeinderäte und die Gemeindebediensteten ab, verbleiben noch gut 70 Bürgerinnen und Bürger. Darunter ein paar lokale Geschäftsleute, aber sonst überwiegend ältere Menschen.

Dabei präsentiert hier Deutschlands Nummer 1 im Lebensmittelgeschäft seine Zukunftspläne für Heddesheim. Der größte Arbeitgeber der Gemeinde. Ein Unternehmen, dass seit 40 Jahren im Ort ist und laut Bürgermeister Kessler das Gewerbegebiet begründet und zum Leben erweckt hat.

Auf dem Podium zeigt sich niemand über diese „Ignoranz“ enttäuscht, eher froh, denn dieser Schritt in Sachen „Bürgerbeteiligung“ wird einfach werden.

Im Vorraum gibt es Brezeln und Wasser. Und kein einziges Blatt, auf dem steht, wie Edeka die Zukunft in Heddesheim plant. Nichts, was die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen können, um darüber nachzudenken, ob ihnen diese Pläne zusagen, ob sie diese mittragen wollen. Ob das, was Edeka für seinen Teil der Unternehmenszukunft hält, auch mit den Zukunftsvorstellungen der Heddesheimerinnen und Heddesheimer übereinstimmen kann.

Mehrmals betont Christhard Deutscher, ein smarter Typ und Leiter Unternehmenskommunikation, die „Bürgerbeteiligung“. „So, gibt es Fragen?“, fragt er am Ende der knapp einstündigen Präsentation.

Die Menchen zögern. Dann fragt ein Gast, ob es nicht besser sei, Güter über die Schiene zu transportieren. „Ja, schon“, ist die Antwort, „aber zu teuer.“ Nächste Frage. Andreas Schuster, Gemeinderat der Grünen stellt Fragen, auch sein Kollege Klaus Schuhmann. Es geht um Lärm, um Flächenversiegelung, um Verkehr – die Antworten sind verständnisvoll. „Wir verstehen Sie, aber…“ Und dann wird erläutert, was das Unternemen Edeka für Probleme hat.

Von den anwesenden CDU-, SPD, und FDP-Gemeinderäten gibt es nicht eine Frage. Einige nicken immer dann, wenn es um die „Probleme“ der Edeka geht und wie diese durch die Pläne in Heddesheim gelöst werden könnten.

„Gibt es weitere Fragen?“, fragt Christhard Deutscher. „Dann möchte ich die Veranstaltung schließen.“ Der Leiter Unternehmenskommunikation ist sichtlich froh, dass der Pflichttermin erledigt ist und er einen Haken an den Punkt „Bürgerbeteiligung“ machen kann: Erledigt.

Der Saal klatscht ein wenig. Die Veranstaltung löst sich auf.

„Edeka gilt schon was in Heddesheim“, sagt einer im Weggehen. Ebenfalls grauhaarig. Er kennt Edeka lange. „Edeka war in Heddesheim stark. Jetzt wird Heddesheim ein Getränkelager. Das scheint wichtig für Edeka, aber für Heddesheim?“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • CB

    Guten Tag!

    Mal wieder wird es gedreht wie man will.
    Sitzt der Bürgermeister auch ja richtg, wie viele Bürger waren da und was fragen die Gemeinderäte.

    Sind sie doch mal ehrlich zu sich selbst:

    – Hätte der Bürgermeister bei EDEKA gesessen, ein Aufschrei. Macht er nicht, also wird Desinteresse suggerriert.

    – 70 Bürger bleiben übrig.
    Hier möchte ich auf ihre Artikel zu den Einsprüchen gegen Pfenning verweisen, in denen sie das Runterbrechen und -rechnen der Gemeinde verurteilen.
    Im gleichen Zuge drängt sich mir die Frage auf, ob eigentlich bei der großen Demonstration (~ 90 Personen) auch die Gemeinderäte bagezogen wurden und warum diese 90 Menschen damals für 50% der Bevölkerung standen und ein großes Signal waren und diese 70 nicht.

    – Letztlich noch eine Vermutung. Die Arbeitnehmer bei EDEKA wissen vielleicht schon was sie erwartet. Interne Unternehmenskommunikation gibt es sicher auch bei der Firma. Insofern waren die Angestellten des größen Arbeitgeber der Gemeinde vielleicht schon informiert!?

    Sonnige Grüße vom Balkon!

  • CB

    Guten Tag!

    Mal wieder wird es gedreht wie man will.
    Sitzt der Bürgermeister auch ja richtg, wie viele Bürger waren da und was fragen die Gemeinderäte.

    Sind sie doch mal ehrlich zu sich selbst:

    – Hätte der Bürgermeister bei EDEKA gesessen, ein Aufschrei. Macht er nicht, also wird Desinteresse suggerriert.

    – 70 Bürger bleiben übrig.
    Hier möchte ich auf ihre Artikel zu den Einsprüchen gegen Pfenning verweisen, in denen sie das Runterbrechen und -rechnen der Gemeinde verurteilen.
    Im gleichen Zuge drängt sich mir die Frage auf, ob eigentlich bei der großen Demonstration (~ 90 Personen) auch die Gemeinderäte bagezogen wurden und warum diese 90 Menschen damals für 50% der Bevölkerung standen und ein großes Signal waren und diese 70 nicht.

    – Letztlich noch eine Vermutung. Die Arbeitnehmer bei EDEKA wissen vielleicht schon was sie erwartet. Interne Unternehmenskommunikation gibt es sicher auch bei der Firma. Insofern waren die Angestellten des größen Arbeitgeber der Gemeinde vielleicht schon informiert!?

    Sonnige Grüße vom Balkon!

    • heddesheimblog

      Guten Tag!

      Die Edeka-Vertreter saßen auf dem Podium. Bei der Pfenning-Bekanntgabe am 21. April 2009 saß der Bürgermeister ebenfalls auf dem Podium, diesmal nicht. Das ist eine Feststellung – einen „Aufschrei“ können wir im Text nicht erkennen. Auch von „Desinteresse“ ist im Text keine Rede.

      Im Text zur Demonstration gegen „Pfenning“ steht nichts von „einem großen Signal“ – das hat ein Kommentator geschrieben. Ebenso wenig wird irgendwo gesagt, dass 90 Menschen für 50 Prozent der Bevölkerung stehen.
      http://heddesheimblog.de/wordpress/2010/11/08/quo-vadis-heddesheim/
      Sie sollten vielleicht die Texte etwas genauer lesen, statt dummes Zeug zu behaupten.

      Ihre Vermutung kann man getrost als Phantasie abtun. Ganz sicher werden solche Entscheidungen nicht „im Intranet“ verbreitet, bevor sie „offiziell“ vorgestellt werden.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das heddesheimblog

  • Heddesheimer

    „……aber sonst überwiegend ältere Menschen.“

    Heddesheim ist am vergreisen, der demographische Wandel schlägt doppelt zu.

    Das ergibt sich durch die Qualität der Arbeitsplätze, die Belastungen für den Ort und das wichtigste, ein Naherholungsgebiet wie andere Gemeinden in unserer Region kann Heddesheim nicht bieten ohne das man Mietglied beim Golfclub ist, sonst währe das ein oder andere verkraftbar, dadurch wird Heddesheim als Wohnort weiter unattraktiv.
    Ich nehme an aus diesen Grund wird ein Vermarkten des geplanten Neubaugebietes sehr schwierig, während die Neubaugebiete in den Ortschaften um uns funktionieren könnten und hier werden die Grundsteine für die Vereine gelegt.

    Schönen Tag noch.

    • Heddesheimer

      Streichen sie mal die mögliche Querung durch den Ort und der Ringstraße und fragen sich danach wie Verkehrsgünstig Heddesheim liegt.
      Eigentlich dürften wir keinen Schwerlastverkehr haben wegen unserer verkehrsgünstigen Lage und einem eigenen Autobahnanschlusss das gleiche gilt für das Hirschberger Gewerbegebiet.

      Hier zählt die Maut und Zeitersparnis.

  • Heddesheimer

    Man sollte sich mal überlegen Herr Bürgermeister Kessler hat uns Heddesheimer immer wieder eindringlich suggeriert und angst gemacht das Arbeitsplätze durch den Umzug des Fleischwerkes wegfallen, nichts ist, die Anzahl kann in etwa gehalten werden bei Edeka und man kann das unmittelbar nachdem Pfenning durch ist präsentieren.
    Pfenning wäre andersrum nicht für den Bürgermeister möglich gewesen.