Mittwoch, 23. August 2017

BUND: „Der Kollaps auf allen Straßen ist doch für jeden sichtbar.“

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Guten Tag!

Heddesheim, 05. Januar 2010. Der Bund für Naturschutz und Umwelt (BUND) hat am 30. Dezember eine Stellungnahme zum Bebauungsplanvorentwurf zum geplanten „Pfenning“-Projekt an den Bürgermeister geschickt. Der Heddesheimer Gemeinderat ist darüber bislang nicht informiert worden. Das heddesheimblog dokumentiert das Schreiben, ebenso wie den Teil A des Entwurfs der Gemeinde.

Dokumentation:

„Stellungnahme zum Bebauungsplanvorentwurf der Gemeinde Heddesheim
Bebauungsplan Gewerbegebiet „Nördlich der Benzstraße“

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der BUND spricht sich aus grundsätzlichen Ãœberlegungen gegen den Bebauungsplan Gewerbegebiet „Nördlich der Benzstraße“ aus.

Im Wesentlichen richtet sich unsere Ablehnung gegen die Begründung (Teil A, Download als pdf 4,7 MB), da gerade diese zu einer Fehlplanung führt. Die meisten Einzelprobleme rühren von diesem falschen Ansatz her.

Die Begründung folgt Argumentationssträngen, gerade auch aus der übergeordneten Planung hergeleitet, die nicht zukunftsweisend sind.

Es sind planerische Ansätze, die nicht im Mindesten nachhaltig sind, die auf Gedeih und Verderb auf Wachstum setzen und damit unsere Zukunft aufs Spiel setzen.

Haben wir nicht eben erlebt, wie kläglich das Scheitern in Kopenhagen war? Will sich die Gemeinde in das Scheitern einreihen?

Denn das Zerstören von über 20 Hektar Ackerfläche ist ein solcher Akt. Wir sollten anders handeln und nicht die Grundlagen kommender Generationen zerstören.

Es kann nicht mehr heißen, daß „… die Vorsorge mit Flächen für die Wirtschaft im Mittelpunkt kommunalen Interesses steht“, wie im Vorentwurf das Vorhaben begründet wird.

Im Mittelpunkt kommunalen Interesses sollte die Nachhaltigkeit stehen. Es muss eine Entwicklung angestrebt werden, die die ökologischen Seiten, die den Klimaschutz im Blick hat.

Eine Entwicklung, die eine lebenswerte Umwelt für unsere Bürger schafft und sie an dem Gestaltungsprozeß teilhaben läßt.

Hier rächt sich auch, daß die Gemeinde kein Leitbild mit ihren Bürgern erarbeitet hat.

Andere Gemeinden haben dies in Zukunftswerkstätten oder in Zusammenarbeit mit Agenda21-Gruppen getan. Nur so kann man sich auch im Kopf frei machen von den planerischen Leitbildern aus dem letzten Jahrhundert. Denn wohin die geführt haben, sehen wir ja weltweit.

Neben dem Flächenverbrauch muß auch die Logistik-Propaganda im Vorentwurf zurückgewiesen werden.

Entscheidend für eine zukunftsfähige Volkswirtschaft ist gerade nicht mehr ein weiteres Wachstum des Güterverkehrs. Dieser bricht doch schon jetzt zusammen.

Der Kollaps auf allen Straßen ist doch für jeden sichtbar.

Es wird bundesweit ein Zuwachs von 70 Prozent prognostiziert und auch angestrebt. Dazu wird es nicht kommen. Aber zu katastrophalen Zuständen auch bei kleinerem Zuwachs allemal.

Das Optimum des Güterverkehrs ist schon längst überschritten. Er sollte nicht um 70 Prozent zunehmen, sondern um 70 Prozent abnehmen.

Denn dieser Verkehr trägt in Deutschland und natürlich auch sonst in enormen Maße zur ökologischen Belastung bei.

Hier sollte daher auf kommunaler Ebene kein Vorschub geleistet werden. Eine solche Strategie muß aus einer regionalen Planung völlig verschwinden.

Logistik-Dienstleistung hat mit den vorhandenen Flächen auszukommen.

Nur daran besteht ein öffentliches Interesse. Nicht an einer Flächenzerstörung für eine natur- und umweltzerstörerische Produktionsweise.

Auffallend ist, dass die Gemeinde in ihrer eigenen Begründung nicht zu erkennen gibt, warum sie diese Planung eigentlich durchführt? Wo ihre eigenen Interessen und die Interessen der Bürger hier liegen sollen?

Wie es in der Begründung heißt, gibt es den „Ansiedlungswillen eines Logistikunternehmens“.

Wie es sich aber herausstellte, gibt es das Interesse eines Konsortiums verschiedener Logistikdienstleister vornehmlich die Chemiebranche anzusiedeln.

Und es gibt den Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands.

Einen Zwang für die Gemeinde, eine Notwendigkeit für diesen Schritt läßt sich nicht erkennen.

Das allgemeine Interesse, das nicht in kurz- oder mittelfristigen Haushaltsplanungen begründet sein darf, ist nicht herausgearbeitet worden.

Diese Ansiedlung kann also nur politisch gewollt und als solche beurteilt werden.

Daher lehnen wir diese Planung ab.

Richard Landenberger
Vorsitzender Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald des BUND“

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.