Freitag, 15. Dezember 2017

Leserbrief stellt Kinderbetreuung in Frage

Elternbeirätinnen sind unzufrieden mit Kessler

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Heddesheim, 05. März 2014. (red) Ganz schön mutig. Zwei Elternbeirätinnen haben bereits bei der Vorstellung von Günther Heinisch das Wort ergriffen und die sonst von Politik und Zeitung allseits gelobte Kinderbetreuung kritisiert. Bürgermeisterkandidat Heinisch nahm das ernst und hat sich mit den Müttern bereits zum Gespräch getroffen. Bürgermeisterkandidat Michael Kessler reagierte, wie man ihn kennt – von oben herab. Und die Zeitung? Macht Kessler-freundliche Texte. Das kennt man ja bereits. Kritik kommt nicht über die journalistische Kompetenz der Zeitung, sondern über Leserbriefe.

Der Druck ist enorm groß. Der Mannheimer Morgen weiß schmerzhaft, dass der Verlautbarungsjournalismus nicht mehr wirklich funktioniert. Auch wenn ein Hofberichterstatter mit Kürzel diko gerne im Bürgermeister-Auto auf Gemeindekosten zum Verlautbarungstermin mitgenommen wird und weiß, was er zu schreiben hat und Frau Görlitz immer noch die Paraderolle der artigen Fragestellerin hat. Schmerzvoll viele Abos sind gekündigt – weil die Zeitung so parteiisch berichtet, aber vor allem, weil es das Heddesheimblog gibt.

Dass Herr Kessler es nicht für nötig erachtet, sich unseren Fragen zu stellen, wird in gewissen Teilen der Heddesheimer Gesellschaft als „selbstverständlich“ hingenommen – immerhin bleibt sich der Bürgermeister in seiner pressefeindlichen Rolle treu. Er hat uns noch nie ein Interview gegeben (bis auf eine Ausnahme durch die Redakteurin Lydia Dartsch) – ob aus Verachtung oder weil er sich nicht traut? Wer weiß.

Bei den Bürger/innen hört der Spaß auf. Und hier rumort es gewaltig. Viele Mütter sind stinksauer, was die Kinderbetreuung in Heddesheim angeht. Und zwei Elternbeirätinnen nutzen den Wahlkampf, um das zu thematisieren.

Der Mannheimer Morgen hat nolens-volens den Leserbrief der Bürgerinnen abgedruckt. Wir hatten den schon früher, haben den Verfasserinnen aber geraten, erst einmal zu schauen, ob die Zeitung die Kritik veröffentlicht. Das hat sie. Sicherlich nicht, weil die Zeitung das gerne tut, sondern ganz sicher, weil die Zeitung weiß, dass ihr Glaubwürdigkeit enorm beschädigt ist und eine Unterdrückung der Kritik noch mehr Abos kostet. Jeder im Ort weiß, dass der MM den Amtsinhaber Kessler schon seit Monaten pusht.

Eine Nicht-Veröffentlichung hätte den Rest Glaubwürdigkeit vernichtet. Heute gibt sich die Zeitung scheinbar „unabhängig“. Das kann sie gerne tun.

Wichtiger ist die Botschaft der Elternbeirätinnen. Es läuft nicht gut mit der Kinderbetreuung in Heddesheim. Damit widersprechen sie Amtsinhaber Kessler und seinem Verlautbarungsorgan. Die beiden Mütter machen vor, was fehlt in Heddesheim: Zivilcourage.

Wir dokumentieren den Leserbrief.

Thema: Kessler baut mit „genügend Feuer“ auf sein Fachwissen
MM vom 26.02.14

Ungenügende Wiedergabe der Stimmung

„Leider gab Ihr Artikel nur ungenügend die seltsame Stimmung wieder, die bei BM Kesslers Wahlkampfveranstaltung herrschte.

Nach seinem Referat über seine Erfolge und vielen Ämter in verschiedenen Gremien hatten er und seine treuen Fans bereits geglaubt, mit ein paar Anmerkungen, Lob für den „gut gelungenen Flyer“ und zwei vorsichtigen Nachfragen den Tagesordnungspunkt „Diskussion“ hinter sich gebracht zu haben.

Da stellte ihm eine Elternbeirätin und Mutter von zwei Kindern unbequeme Fragen zum Thema Qualität und Umfang der angebotenen Kinderbetreuung. Das passte nicht in die harmonische Stimmung, und Michael Kessler ließ sich seinen Unmut spürbar anmerken.

Kurz und knapp und unter dem zustimmenden Gemurmel der Stammwählerschaft wurde die Fragestellerin abgekanzelt. Es gehe schließlich nur um „individuelle Probleme, die man an einem Abend nicht diskutieren kann“ war die Antwort auf Kritik an der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder, das fehlende Verpflegungsangebot in den drei konfessionellen Kindergärten mit verlängerter Öffnungszeit sowie der für Kinder lebensgefährlichen Querung der Ringstraße im Bereich Ahornstraße.

Zum Schluss der Hinweis auf ein mögliches Gespräch im Rathaus. Noch vor einer Woche allerdings hatte man von dort mitgeteilt, die Elternbeiräte sollten für einen Gesprächstermin zunächst eine schriftliche Anfrage stellen.

Wie familienfreundlich ist ein Bürgermeister, der kritische Fragen zum Thema bedarfsorientierte und zeitgemäße Kinderbetreuung als störend empfindet?

Das werden in den kommenden Wochen auch die Eltern in den Kindergärten und Schulen bewerten.

Günther Heinisch hat als Bürgermeisterkandidat unter dem Motto „Mehr Bürger, weniger Meister“ bereits Bürgernähe bewiesen. Interessiert diskutierte er am vergangenen Dienstag mit den Elternbeiräten der Heddesheimer Kindergärten und Schulen über bestehende Missstände und mögliche Lösungen.

Diese Dialogfähigkeit scheint Verwaltungsfachmann Michael Kessler zu fehlen. Die junge Generation von Heddesheim indess wird sie vom zukünftigen Bürgermeister mehr denn je erwarten und aktiv einfordern.

K. Becker und J. Kilinc, Heddesheim“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Angeheiratete

    Meinen Glückwunsch den mutigen Müttern. Die Forderungen decken sich mit dem, was auch ich schon erfahren habe.. ausser der proforma gesetzlich verpflichteten Betreuungsmöglichkeit sieht es in Heddesheim mehr als mau aus in Sachen Betreuung und Freizeitgestaltung für die Kleinkinder.