Freitag, 17. August 2018

Braucht Heddesheim ein Oktoberfest?

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Guten Tag!

Heddesheim, 05. Oktober 2009. Am Samstag veranstaltete die TG in der Freizeithalle ein „2. Oktoberfest“. Mit bayerischen SpezialitĂ€ten und zĂŒnftiger „Musi“, wie der Mannheimer Morgen die Veranstaltung ankĂŒndigte. Braucht Heddesheim das wirklich?

Kommentar: Hardy Prothmann

Heddesheim liegt in Nordbaden und wird immer noch Tabakgemeinde genannt. Ein Fest des Tabaks oder ein Tabakfest gibt es nicht. DafĂŒr aber ein „Oktoberfest“ mit „Fassanstich“, „zĂŒnftiger Musi“ aus dem „Schwarzwald“ und „Weißwurst mit sĂŒĂŸem Senf und Brezeln“ – wahrscheinlich aus irgendeinem Supermarkt oder der Metro.

Und einer „Stimmung“, die einfach nur trostlos war.

In MĂŒnchen gibt es seit Jahren auch keine echte Stimmung – und wenn, ist die schwer alkoholisiert und muss einfach da sein, sonst wĂ€re das Fest ja vollkommen blöd. Und vollkommen blöd will keiner sein, auch wenn ers ist. Wenigstens kommen die Massen dorthin und damit ist es ein „Event“.

Jeder, der mal da war, weiß, dass es beim Oktoberfest nichts zu feiern gibt, sondern man hingeht, um hinzugehen und froh ist, wenn man in keine SchlĂ€gerei verwickelt wird, die „Mass“ statt nur Schaum auch Bier enthĂ€lt und man irgendwann nach Hause geht und eigentlich nicht weiß, warum man da war.

Das Heddesheimer Oktoberfest war weder schwer alkoholisiert, noch stimmungsvoll und deswegen noch nicht einmal blöd – es war nur trist.

Die GrillhĂ€hnchen waren fett und die Pommes langweilig und kalt. Die „HĂŒpfburg“ fĂŒr die Kleinen stand verloren auf dem Rasen, ein paar Biertische standen wenig gemĂŒtlich vor der Halle, in der Halle selbst guckten die meisten Besucher durch den Raum und fragten sich, was sie hier sollten.

Das ist mein ganz subjektiver Blick. Und ich frage mich: Braucht Heddesheim so ein Fest? Ich persönlich glaube nicht.

Feste sind eine gute Sache – damit sich Menschen treffen können und gemeinsam etwas feiern, was sie verbindet.

Beispielsweise ein Erntedankfest – warum nicht? Wir haben immerhin noch 17 Bauern in Heddesheim, ein paar davon im Vollerwerb. Wir kaufen gerne frische Produkte von diesen Bauern und freuen uns ĂŒber den Frucht- und Jahreswechsel auf den Feldern.

ÃƓber den Tabak, den Raps, den Mais, die Getreidesorten und die ZuckerrĂŒben. Die unterschiedliche Stimmung im Lauf des Jahres. Das ist Natur.

Aber das Oktoberfest findet in Bayern statt, in MĂŒnchen. Wieso sollen wir dieses Fest nun auch bei uns feiern? Damit die TG was in die Kasse kriegt?

Feiern wir demnĂ€chst auch einen Wurstmarkt in Heddesheim oder veranstalten wir am Ende sogar wöchentlich das Hellesemer Woifescht? Und wie wĂ€re es mit einem Fischmarkt? Oder der Love-Parade? Toll wĂ€re auch die „FÃÂȘte de la musique“ wie in Frankreich und sicher fĂ€nden auch viele ein Metall-Festival wie in Wacken geil. Auch nicht schlecht wĂ€re eine Basler Fasnacht – am besten zum gleichen Zeitpunkt wie in Basel.

Das alles passt aber nicht zur Gemeinde – deswegen war das „Oktoberfest“ auch ein veritabler Flop. Na und? Fehler machen wir alle. Blöd ist nur, wenn man einen Fehler wiederholt. Deswegen werde ich persönlich im kommenden Jahr auf das Oktoberfest verzichten.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.