Montag, 09. Dezember 2019

Bewegt euch!

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Guten Tag!

Heddesheim, 05. August 2009. Haben Sie den Mannheimer Morgen noch abonniert? Sch├Ân. Dann lesen Sie heute wieder hart recherchierte Informationen und d├╝rfen sich hintergr├╝ndig und topaktuell informiert f├╝hlen: „Pfenning“ l├Ądt die IG neinzupfenning ein. Klingt gut, ist aber b├Âse gemeint: Gegen die IG neinzupfenning.


Kommentar: Hardy Prothmann

Das Spiel ist ein abgekartetes. Die IG neinzupfenning hat sich dem „Dialog“ verweigert. Die Gr├╝nde kann man gut verstehen – denn der „Dialog“ ist eine Zumutung.

Die IG neinzupfenning hat den B├╝rgermeister zum Gespr├Ąch eingeladen – mehrfach. Und der B├╝rgermeister hat immer wieder zum „Dialog“-Gespr├Ąch gebeten.

F├╝r die IG ist das eine Sackgasse. Sie muss verstehen, dass man einem noch handlungsf├Ąhigen B├╝rgermeister keine Bedingungen dieser Form stellen kann (worauf man bei einem nicht mehr handlungsf├Ąhigen B├╝rgermeister getrost verzichten k├Ânnte).

Der B├╝rgermeister f├╝hrt wieder

Soweit ist es nicht. B├╝rgermeister Michael Kessler ist voll handlungsf├Ąhig, hochkonzentriert und verantwortlich f├╝r sein Wirken.

Der B├╝rgermeister hat sich nach anf├Ąnglichen Schwierigkeiten geschickt zur├╝ckgezogen und versucht nun, sich zum Vorreiter der B├╝rgerfront zu machen.

Solange die IG sich einem Gespr├Ąch verweigert, kann er die Unschuld in Person mimen – und die IG wird seine neue Rolle st├Ąrken, wenn sie sich weiter verweigert. Und sie wird ihre schw├Ąchen – unvermeidlich.

Denn der „Dialog“ ist nichts anderes als ein Potemkinsches Dorf, also etwas, dem alle Substanz fehlt – ein angeblich b├╝rgernahes Forum, in dem allerdings nur├é┬áein B├╝rger und 19 Interessenvertreter (die „Kirchenvertreter“ eingeschlossen) sitzen.

F├╝r diese ├Âffentlichkeitswirksame Ma├čnahme hat die Gemeinde schlie├člich auf viel Geld bezahlt – zu wenig, um ein wirklich gutes Ergebnis zu bekommen, aber genug, um ihre Interessen zu vertreten.

Moderiert von einer PR-Agentur, die f├╝r viel Geld angeblich neutral ist.

Es wird Theater gespielt – die IG verliert die Hauptrolle

Die IG neinzupfenning hat vordergr├╝ndig vollkommen Recht, diesem Theater fern zu bleiben.

Aber das Theater wird benutzt werden und Wirkung zeigen: „Die von der IG sagen doch blo├č „Nein“ und sonst nichts.“

Gestern war ein erster kleiner Leserbrief eines nicht im Heddesheimer Telefonbuch stehenden „Huub Avoird, Heddesheim“ im MM zu lesen: „Macht mal etwas Vern├╝nftiges“. Geht es noch deutlicher?

Der MM, der in j├╝ngster Vergangenheit einige gro├če Anzeigen von „Pfenning“ buchen konnte, der B├╝rgermeister, der etwas angefangen hat, was er zu Ende bringen will (alles andere w├Ąre ein Misserfolg) und daf├╝r trotz erwartet klammer Kassen die IFOK engagiert und die „Pfenning-Gruppe“, die Anzeigen schaltet und sp├Ąter mal „der gr├Â├čte Gewerbesteuerzahler Heddesheims“ werden soll (und Investitionen wie in die IFOK „refinanziert“) stehen als Block (nicht als blog ­čÖé ) einer B├╝rgerbewegung entgegen.

Die bewegt sich aber seit Wochen nicht – als w├Ąre sie gel├Ąhmt.

Die IG ist dabei, sich selbst abzuschreiben.

Der neuste Coup ist die Einladung der IG durch die Firmengruppe Pfenning – lanciert ├╝ber den willigen Mannheimer Morgen.

Die Firmengruppe Pfenning bittet geradezu um einen (letzten) Schritt: Sie will, nachweislich der Berichterstattung im Mannheimer Morgen, „eine gesunde Basis f├╝r ein Zusammenleben in der Gemeinde wiederherstellen“, das ist „in ihrem Sinne“, sie wei├č, dass die Heddesheimer in punkto Verkehr „├Ąu├čerst sensibel reagieren“, sie will „Garantien in geeigneter Form“ geben und sie will, so der MM, „das Gespr├Ąch mit interessierten B├╝rgern suchen“ und sie will „erm├Âglichen“, so der MM, „sich ein objektives Bild von unserem Projekt zu verschaffen“.

Wenn die IG dieser PR-Maschine nichts wirklich Eigenes und zwar sofort entgegensetzen kann – ist sie abgeschrieben.

Dann hat die IG die „Einladung“ des B├╝rgermeisters nicht angenommen, auch nicht die der IFOK und nicht die von „Pfenning“. Danach wird es von keinem mehr eine „Einladung“ geben.

Am Ende wird die IG als st├Ârrisches Verweigererteam dastehen. Das ist das Ziel der Strategie.

Egal, ob die „Einladungen“ ernst zu nehmen sind oder nicht. Das „abgekartete“ Spiel geht so.

Die IG hat einen Joker – die Sympathie in der Bev├Âlkerung…

Die IG hat aber etwas, was weder der B├╝rgermeister, noch die IFOK, noch „Pfenning“ in den Pot werfen k├Ânnen: die gro├če Sympathie in der Bev├Âlkerung.

Sie sollte noch einmal dar├╝ber nachdenken, warum ca. 1.400 Menschen bei der IG neinzupfenning unterschrieben haben.

Diese Unterschriften hat die IG sich verdient, weil deren Mitglieder sich ├╝ber Wochen hingestellt haben, bekannt haben, mutig waren und Informationen forderten.

Das ist ein gutes Blatt – das durchaus zeigen kann, dass auf der anderen Seite falsch gespielt wird. Die IG kann den Publikumsjoker ziehen – aber nur, wenn sie die Rolle einnimmt, f├╝r die diese Menschen unterschrieben haben: Als „Interessengemeinschaft“.

…den sie aber durchaus verspielen kann

Daf├╝r muss die IG verstehen, was sie im Begriff war zu werden, aber noch nicht ist: Eine B├╝rgerbewegung. Wenn sie das sein will, werden ihr die Herzen zufliegen. Wenn sie einem B├╝rgermeister Bedingungen stellen will oder „wichtig“ genommen werden will, ist sie am Ende.

Die IG hat mit dem Gespr├Ąch bei Pfenning die Chance, wieder voll zu trumpfen. Durch Fragen und durch Pr├Ąsenz.

Weil die IG einen Sympathiebonus in der Bev├Âlkerung hat, wird man ihr sicher zugestehen, dass sie als loser Bund Unterst├╝tzung in Anspruch nehmen kann, beispielsweise durch die Medien.

Die B├╝rger erwarten, dass die IG sich und sie „bewegt“.

Deswegen: Bewegt Euch. Geht hin und stellt Fragen. Sonst geben andere Antworten.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.