Mittwoch, 26. September 2018

Weihnachtliche „Ãœberraschungen“

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Guten Tag!

Heddesheim, 04. Dezember 2009.

Kommentar: Hardy Prothmann

Chaotischer geht es kaum.

Bis „kurz vor Schluss“ gab und gibt es kein „offizielles“ Programm für den 1. Weihnachtsmarkt auf dem neuen, sehr teuer sanierten Dorfplatz in Heddesheim.

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Der Abend vor dem Weihnachtsmarkt. Bild: hblog

„Plötzlich“ gibt es ein Programm: Am 02. Dezember 2009 schreibt (der „gut informierte“) Mannheimer Morgen das Programm in groben Zügen auf – „wahrscheinlich investigativ recherchiert“ – denn bis dahin drang keine Information nach „außen“, was der Weihnachtsmarkt bieten wird.

Soviel ist mittlerweile bekannt: Ãœber 30 Aussteller, Vereine, Gewerbetreibende und auch die FDP werden vor Ort sein. Also auf dem Dorfplatz. Zumindest ist das zu vermuten.

An diesem Wochenende feiert auch der MGV Weihnachtsfest und auch das DRK.

Das ist nur eine kleine Terminkollision. Als „Hauptattraktion“ am Samstag gibt es „Tamara Pusch“, eine „Party-Band“ (17:00 – 21:00 Uhr) und davor eine Aufführung des Tanzvereins „TSC Blau Silber“ aus Ladenburg (16:30 Uhr).

Allen Akteuren wünsche ich aus künstlerischer Sicht Erfolg – die Künstler sind gebucht, wenn auch vielleicht auf das falsche „Event“.

Denn es stellt sich die Frage, die nichts mit diesen Künstlern zu tun hat: Was hat eine Tanz-Kapelle und eine Tanz-Gruppe mit dem 1. Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz und mit Heddesheim zu tun?

Es geht um eine christliche Feier – um Besinnung auf das, was die Traditionen des christlichen Abendlandes sind. Oder geht es um eine rauschende Party?

Und warum gibt es bis heute kein ordentlich-veröffentlichtes Programm?

Weil irgendetwas hingenagelt worden ist? Weil es niemanden wirklich interessiert? Warum ist das so?

Geht es hier nur um „Party“, „Show“ und Kommerz? Ist das ein Weihnachtsmarkt oder eine Leistungsschau?

Oder gibt es außer „schmackhaften Bratwürsten“ und einer „hochwertigen Feuerzangenbowle“ (FDP) auch noch so etwas wie Besinnlichkeit und Andacht?

Geht es um Heimeligkeit und echter, christlicher Besinnung auf das Fest für den Herrn Jesu?

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Insgesamt 37 Aussteller sollen ein "weihnachtliches Angebot" schaffen. Bild: hblog

Ein Weihnachtsmarkt dieser Art, der von Gemeinde und „BdS“, vulgo Nicole Kemmet, organisiert wird, scheint mir einzig eine kommerzielle Veranstaltung mit „Push“-Party-Charakter zu sein.

Dazu passt auch der Text, den der BdS Heddesheim, in diesem Fall gezeichnet von U.F., alias Uwe Fehringer (Pressearbeit), im Mitteilungsblatt auf Seite 23 hingeschmiert hat: Voller Rechtschreib- und Grammatikfehler geht es um alles, nur nicht um Besinnlichkeit.

Leuchtampeln über der Straße, Weihnachtsbäume in Wohnzimmern und auf dem Dorfplatz, Lichterketten und sonstiges „Lametta“ mögen alles mögliche in „Licht tauchen und vielleicht etwas zum Leuchten bringen“, wie man das oft in der nächsten Zeit in den örtlichen Medien lesen können wird.

Ich bin kein Pfarrer und muss und will deswegen auch niemanden bekehren.

Trotzdem darf ich fragen, was dieser „Weihnachtsmarkt“ auf dem Heddesheimer Dorfplatz mit „Weihnachten“ zu tun hat? Was?

Ich darf auch fragen, welcher Programmpunkt auch nur im Ansatz mit der (heiligen) Andacht zu tun hat?

Ebenso darf ich fragen, wieso alles Christliche keinen Programmpunkt hat (damit meine ich christlich und nicht katholisch oder evangelisch)?

Weiter frage ich mich, welchen Sinn ein „Revanche-Spiel“ BdS gegen Gemeinderatsmitglieder auf dem Weihnachtsmarkt macht? Nicht allein das „Spiel“ irritiert mich, vor allem die „Revanche“. Passt das zu „Weihnachten“?

Stattdessen ist laut Mannheimer Morgen für das „leibliche Wohl“ gesorgt (siehe Bratwurstjournalismus). Aber nur für die „Leiber“, die sich Preise von 2-3 Euro für eine Bratwurst leisten können oder müssen, um nicht „aufzufallen“, vor allem nicht vor ihren Kindern.

Wann, wenn nicht in der „vorweihnachtlichen“ Zeit wären Armenspeisungen sinnvoller als je? Die Armen gibt es vielfach unter uns. Jede Menge gibt es davon. Man sieht sie nicht, weil sie nirgendwo gerne gesehen sind – denn Armut ist in Deutschland gleichbedeutend mit asozial. Und mit „Asozialen“ wollen die meisten „guten Bürger“ einfach nichts zu tun haben.

Viele „Asoziale“ sind allein erziehende Mütter, die ein, zwei, drei Kinder unter härtesten Bedingungen durchs Leben bringen – und zu stolz sind, sich den abschätzenden Blicken der „Gesellschaft“ auszusetzen, die jede mitleidige Perspektive verloren oder verlernt hat.

Andere sind über fünfzig Jahre alt, gekündigt, ohne Perspektive auf eine neue Anstellung. Andere sind Frauen, die Kinder für diesen Staat aufgezogen haben und mit Mitte vierzig nicht mehr „vermittelbar“ sind.

Sie gehen wie viele dahin, wo es „heimelig“ zu versprechen sein wird. Vielleicht voller Hoffnung auf eine „christliche“ Begegnung. Sie wollen ein wenig „Glück“, denn es ist immerhin „Weihnachtszeit“. Ist es das? Geht es um Liebe, Anstand, Miteinander? Oder nur um Kommerz, Show-Lust und den „Event“-Charakter?

Wer sich traut, sich diese Frage zu stellen, stellt berechtigte Fragen – ich habe das Gefühl, dass diese Fragen für die Organisatoren des Heddesheimer Weihnachtsmarkt keine Rolle spielten.

Um ein Beispiel zu geben, was nichts mit Weihnachten, dem „Herrn“ und Christlichkeit zu tun hat – oder vielleicht doch.

Auf dem Ladenburger Weihnachtsmarkt habe ich ein etwa 10-jähriges Mädchen beobachtet, das eine Kerze kaufen wollte. Etwa vier auf vier Zentimeter, aus Bienenwachs in Form einer Blüte. Das Mädchen fragte nach dem Preis. Die Verkäuferin suchte diesen in einer Liste, fand ihn nicht, taxierte die Eltern (ordentliche Leute, gute Kleidung) und sagte: „Drei Euro fünzig.“

Das Mädchen fand die Kerze hübsch und hätte diesen Räuberpreis bezahlt.

Der Vater forderte sein Kind auf, diesen unwürdigen Moment zu beenden, das Kind stellte die Kerze im Wert von höchstens 50 Cent zurück und die Familie ging weiter.

Auf dem Rückweg nach Hause erzählte der Vater der Tochter die Geschichte von Jesus, der im Tempel aufräumt (Matthäus 21:12-13).

Waren und Dienstleistungen anzubieten ist legitim – den jeweiligen Markt zu verachten und zu ignorieren, ist mindestens dumm, wenn nicht sogar schädlich.

Ich lasse mich überraschen, ob das, was hier in Heddesheim „geplant“ worden ist, etwas mit „Weihnachten“ und der Andacht und dem „Herrn“ zu tun hat.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.