Samstag, 25. November 2017

Polizei: Sieben neue auf einen Streich

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Ladenburg/Edingen-Neckarhausen/Heddesheim/Ilvesheim/Seckenheim, 04. Mai 2011. (red) Beim Polizeirevier Ladenburg arbeiten sieben neue Polizeibeamte. FĂŒnf davon wurden gestern im Rathaus vom BĂŒrgermeister empfangen – zwei ruhten sich von der Nachtschicht aus. Die „NeuzugĂ€nge“ erwartet ein spannendes Revier – nicht so sehr, weil es hier so viele „böse Buben“ gĂ€be, sondern, weil es vielfĂ€ltige Aufgabenstellungen gibt. Und dazu ein modern gefĂŒhrtes Revier.

Von Hardy Prothmann

BĂŒrgermeister Rainer Ziegler empfing gestern eine Polizistin und vier Polizisten im Rathaus – stellvertretend fĂŒr die anderen BĂŒrgermeister des Einzugsgebiets des Ladenburger Polizeireviers (Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Ladenburg, Seckenheim, Ilvesheim). Zwei der insgesamt sieben „NeuzugĂ€nge“ hatten Nachtschicht gehabt und waren deshalb nicht zugegen.

Gute Zusammenarbeit

Der BĂŒrgermeister betonte die enge und gute Zusammenarbeit der Stadt, dem kommunalen Vollzugsdienst, der Jugendarbeit und der Polizei und deren wichtige Aufgabe innerhalb der Kommunen.

Im Vergleich zu einer Großstadt wie Mannheim ist der Revierbereich eher „ein ruhiges Pflaster“ (siehe KriminalitĂ€tsbericht). Aber natĂŒrlich gibt es fĂŒr die Polizisten hier vielfĂ€ltige Aufgaben zu erledigen, angefangen beim Verkehr, ĂŒber EinsĂ€tze bei den vielen Veranstaltungen in Ladenburg bis hin zur AufklĂ€rung von Straftaten, die natĂŒrlich auch in Ladenburg und anderen Kommunen begangen werden.

Die neuen Beamten ersetzen Kollegen, die pensioniert worden sind oder nun in anderen Dienststellen arbeiten. Unterm Strich verstÀrken sie aber das Revier mit einer Stelle. Aktuell gibt es 68 besetzte Haushaltsstellen im Revier (zuvor 67, bei 71 SollstÀrke). ZusÀtzlich sind beim Revier auch immer Praktikanten tÀtig, aktuell drei.

FĂŒnf der sieben neuen Kollegen wurden durch den "Chef", Frank Hartmannsgruber (2. v. r.) vorgestellt und von BĂŒrgermeister Ziegler (1.v.r.) empfangen.

„Die neuen Beamten kommen ausnahmslos aus dem Raum“, sagt Revierleiter Frank Hartmannsgruber. Das erleichtert fĂŒr die neuen natĂŒrlich „die Orientierung“. Alle waren auch beim vergangenen Einsatz zur „Walspurgisnacht“ beteilgt.

Einige haben bereits am 01. MĂ€rz begonnen, die meisten am 01. April 2011. „Mich freut persönlich, dass die Kollegen jung sind, das wird sich positiv auswirken“, sagt Herr Hartmannsgruber. Das Alter liegt zwischen Ende 20 und Mitte 30.

Frank Hartmannsgruber bei seinem Amtsantritt 2009. Archivbild: ladenburgblog.de

Junge Kollegen – junger Chef.

Das könnte er auch ĂŒber sich sagen. Als Frank Hartmannsgruber Ende 2009 das Revier als Leiter ĂŒbernommen hat, war er 35 Jahre alt. Er hat im „mittleren Dienst“ begonnen und sich „hochgeschafft“, zwei Studien absolviert und ist heute Polizeirat. Ein LeistungstrĂ€ger, der viel von sich und mit Sicherheit auch von seinen Kollegen erwartet.

Kein Großeinsatz findet ohne seine Beteiligung statt. Oft leitet er die EinsĂ€tze, gibt aber auch die Verantwortung ab, beispielsweise zur Zeit hĂ€ufig an seinen Stellvertreter Steffen Hildebrand, der im Rahmen seiner Ausbildung als FĂŒhrungskraft noch bis September 2011 in Ladenburg Erfahrung sammeln soll, bis der eigentliche Stellvertreter, Walter Berka, zurĂŒckkommt. Herr Berka verstĂ€rkt zur Zeit die Pressestelle des PolizeiprĂ€sidiums in Mannheim.

Modern gefĂŒhrtes Revier.

Die NeuzugĂ€nge werden ein modern gefĂŒhrtes Revier vorfinden. PrĂ€senz, PrĂ€vention und Information sind drei Schwerpunkte, die Revierleiter Frank Hartmannsgruber konsequent eingefĂŒhrt und umgesetzt hat. Aus Sicht der Polizeibeamten eine positive Entwicklung, denn die Aufgaben sind „vielfĂ€ltiger“ geworden, die hohe PrĂ€senz und Ansprechbarkeit hat den direkten, positiven Kontakt zu Bevölkerung gestĂ€rkt. Die PrĂ€vention greift ebenfalls und wird sich in der Statistik sicherlich positiv niederschlagen.

Insgesamt, so hört man allerorten, kommt der FĂŒhrungsstil sehr gut an und als jemand, der hĂ€ufig beruflich mit der Polizei zu tun hat, kann ich das nur bestĂ€tigen. Der Umgang ist immer korrekt und darĂŒber hinaus sehr freundlich – mit allen Beamten. Nach zwanzig Jahren Berufserfahrung als Journalist kann ich mich auch an andere Zeiten und Erfahrungen erinnern – zwar nicht in Ladenburg, dafĂŒr an vielen anderen Orten.

Polizeioberkommissar Steffen Hildebrand leitet fĂŒr sechs Monate als Stellvertreter das Revier Ladenburg. Bild: Polizei

Positive Entwicklung.

Diese Entwicklung, die die Polizei durchmacht, ist sehr positiv. Selbst die, die sich „hĂ€ufiger“ durch „Kontrollen gestört“ fĂŒhlen könnten, also Jugendliche, scheinen auf den „neuen Stil“ gut anzusprechen – zumindest hören wir das im Kontakt mit der Jugend.

Freundlichkeit mit „NachlĂ€ssigkeit“ zu verwechseln, wĂ€re ein Fehler. Frank Hartmannsgruber ist Polizist durch und durch: „Wer sich korrekt verhĂ€lt, bekommt auch keinen Ärger„, hat er mal in einem Interview mit uns gesagt. Umgekehrt heißt das: Wer „Ärger“ sucht, bekommt den auch. Mit Sicherheit. Doch das ist keine Drohung, sondern nur eine freundlich gemeinte Feststellung. Und es ist ein offener Umgang mit Kritik, die zuvor am Verhalten der Polizei geĂ€ußert worden war. Statt Kritik abzuweisen, wird diese ernst genommen und man setzt sich damit auseinander. Das ist vorbildlich.

Sicherheit ist das Hauptanliegen von Herrn Hartmannsgruber – fĂŒr die Bevölkerung, aber auch fĂŒr die Beamten. Bei der PrĂ€sentation der neuen Kleidung hat er sich sichtbar mit den Kollegen ĂŒber die schicken neuen Uniformen gefreut. Ebenso ĂŒber den Tragekomfort, denn das ist Arbeitskleidung und noch mehr ĂŒber Sicherheitsfunktionen wie zahlreiche Reflektoren, durch die die Beamten bei schlechter Sicht zusĂ€tzlich (prĂ€ventiv) im Straßenverkehr geschĂŒtzt werden. Frank Hartmannsgruber selbst wurde mal im Dienst Opfer eines Unfalls und weiß „ganz praktisch“, warum er sich um die Sicherheit der Beamten sorgt.

Landeseinheitlicher Schichtdienst – vielfĂ€ltige lokale Aufgaben.

Den Dienstplan kennen die neuen Kollegen – der heißt „landeseinheitlicher Schichtplan“ und funktioniert so. Der Einsatz beginnt mit dem SpĂ€tdienst. Der dauert von 12:00 Uhr Mittag bis 19:00 Uhr am Abend. Dann hat man bis zum kommenden Morgen frei. Um 06:00 Uhr beginnt die FrĂŒhschicht, die um 12:00 Uhr endet. Dann hat man wieder frei bis zur Nachtschicht um 19:00 Uhr, die um 6:00 Uhr endet. Den Rest des Tages, sowie die zwei Folgetage haben die Beamten frei. Dann geht es wieder von vorne los.

Damit wĂŒrde man nicht auf 41 Wochenarbeitsstunden kommen – Trainings und Fortbildungen kommen außerhalb des Schichtdienstes dazu. Insgesamt gibt es in einem Revier fĂŒnf Dienstgruppen, die auf diese drei Schichten verteilt werden.

Dazu kommt der Tagesdienst, beispielsweise auf den Posten wie in Heddesheim. Dort beginnt die Dienstzeit fĂŒr die Beamten um 06:00 Uhr und endet meist um 16:00 Uhr. In der RealitĂ€t mĂŒssen die Beamten aber „hĂ€ufiger ran“ – Sonderdienste, beispielsweise auch zu Stuttgart21 erhöhen die ÃƓberstundenzahl. Sicher auch interessant fĂŒr die neuen Beamte: Die revierĂŒbergreifende Zusammenarbeit wird verstĂ€rkt. Hier ein Videobericht ĂŒber eine Kontrolle zur Fasnachtszeit 2011.

Sicher freut die Beamten im Revier Ladenburg, dass der Landtagsabgeordnete Uli Sckerl, Polizeiexperte bei der neuen GrĂŒn-Roten Landesregierung, sich fĂŒr eine moderne Polizei stark machen will und gestern Abend in Weinheim bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags bereits einige hundert Neueinstellungen angekĂŒndigt hat und die Position der Polizei als Dienstleister fĂŒr die Gesellschaft stĂ€rken will.

Von Seiten der Redaktion aus wĂŒnschen wir den „NeuzugĂ€ngen“ einen guten Start und eine gute Zeit mit ihrer Arbeit im Revier Ladenburg.

Die neuen Polizeibeamten heißen (PM=Polizeimeister, PK=Polizeikommissar):

PM Marc Braun, PK Thorsten Hohenedel, PK Sabine Huber, PK Stephan Kau, PK Sven KohlmĂŒller, PK Mario Notheisen, PM Jens Schlendwein.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Dani

    Die neuen Polizeiuniformen finde ich ĂŒbrigens total daneben. Warum ĂŒberall alles den Amis nachgeĂ€fft wird muss mir mal jemand erklĂ€ren.