Samstag, 19. August 2017

Junge Fußballer: „Es hätte jeden treffen können.“

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Guten Tag!

Heddesheim/Ladenburg, 04. Mai 2010. Die brutale Fußtrittattacke gegen einen 15-jährigen Heddesheimer Spieler des Ladenburger Vereins FV 03 berunruhigt viele Eltern, aber auch die jungen Spieler: „Es hätte jeden treffen können.“

Von Hardy Prothmann

Heute war ein Teil der 16 jungen B-Fußballer des FV 03 wieder auf dem Platz beim Training. Die Stimmung ist gedrückt. Nach dem Training erzählen die jungen Fußballer, wie es ihnen geht.

Alle denken an ihren Vereinskameraden, der schwerverletzt in Heidelberg im Krankenhaus liegt. Der Kiefer und das Nasenbein sind gebrochen, Zähne wackeln. Drei Stunden lang wurde der junge Mann operiert.

training

B-Jugend beim Training: "Es hätte jeden treffen können." Bild: ladenburgblog

„Es hätte jeden von uns treffen können“, sagt einer. Ein anderer: „Es ist nunmal so, dass 70, 80 Prozent der Spieler in unserer Liga Ausländer sind. Aber die meisten wollen Fußball spielen, so wie wir – es gibt aber einige, die sehr aggressiv sind.“

Wie groß ist das Risiko?

Klar, jeder macht sich Gedanken nach dieser Attacke, die nichts mehr mit einem unnötig harten Foul zu tun hat, sondern ein hemmungsloser Fußtritt war, der eine massive Verletzung zur Folge hatte. „Was, wenn mir das passiert wäre? Soll ich weiterspielen oder ist das Risiko zu groß?“ Auch die Eltern reden natürlich mit ihren Jungs über den unfassbaren Vorfall.

Der stellvertretende Jugendleiter der jungen Kicker, Matthias Schmitt, sagt: „Der Schiedsrichter hat sich selbst in die Bredouille gebracht, weil er nicht von Anfang an konsequent eingeschritten ist.“ Mehr möchte Schmitt nicht sagen: „Die Sache ist jetzt beim Verband und wird dort geregelt.“

Ein Vater schildert den Ablauf so: Von Anfang an sei die gegnerische Mannschaft aggressiv aufgetreten und habe die Ladenburger Spieler, den Schiedsrichter und die Zuschauer übelst beschimpft. Es geschah – nichts.

Provokation in der 1. Halbzeit, Eskalation in der 2.

In der zweiten Halbzeit habe der Schiedsrichter versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, wegen Schiedsrichterbeleidigung stellte er zwei Spieler aus Mannheim vom Platz, zwei weitere rote Karten und andere Strafen folgten. Die FV 03-Spieler lagen 0:2 hinten und dann 3:2 vorne.

„Dann ist alles ganz schnell gegangen. Der Torwart rannte bis zur Mittellinie und sprang dem Spieler von hinten mit gestreckten Beinen ins Kreuz. Der viel hin und als er sich aufrichten wollte, trat ein anderer ihm voll ins Gesicht.“

Der Heddesheimer Junge habe das Bewusstsein verloren und blieb schwer verletzt liegen. Danach kam es zu einem Handgemenge zwischen Betreuern, Spielern und Zuschauern. „Bis die Polizei mit fünf Streifenwagen und Hunden vor Ort war, hatte sich die Situation aber schon beruhigt.“

Die beiden Aggressoren, 17 und 16 Jahre alt, wurden in Handschellen vom Platz geführt.

„Der Krankenwagen hat 20 Minuten gebraucht, das ist eigentlich ein Skandal“, sagt ein anderer Vater.

„Wir wollen doch nur Fußball spielen.“

Thomas Thieme, Vorstand des FV 03, sagte: „Ich habe so etwas noch nie erlebt und betrachte es als Ausnahme. Trotzdem: Da muss man rigoros durchgreifen.“

Der Jugendleiter der Blau-Weiß Mannschaft aus Mannheim hat sich bei den Kollegen bereits entschuldigt. Angeblich soll die Mannschaft aufgelöst werden.

Matthias Schmitt sagt: „Ich finde das nicht richtig, wenn alle bestraft werden, weil zwei Spieler jegliches Maß verloren haben.“ Seine Jungs nicken. Einer sagt: „Wir wollen doch nur Fußball spielen.“ Und alle fragen sich: Wie?

„Mit einem solchen Vorfall hat niemand gerechnet“, sagt Schmitt. „Jetzt müssen wir uns bei jedem Spiel überlegen, ob wir antreten und ob wir, wenn die Stimmung aggressiv wird, das Feld verlassen.“ Die Jungs gucken – das will keiner, sie wissen aber nach dieser brutalen Attacke, dass es ihrem Schutz dient.

Der Schiedsrichter hat alles durchgehen lassen.

Einer der Väter sagt: „Ich habe die Tat genau beobachtet. Wer die Täter waren, ist klar. Aber der Schiedsrichter hat auch Schuld. Die ganze erste Halbzeit war schon durch Aggressivität und verbale Ausfälle der Gäste geprägt. Erst hat er alles durchgehen lassen und als die Ordnung auf dem Platz schon nicht mehr zu retten war, jede Menge Strafen verteilt. Dann gabs Gegentore und die sowieso schon aggressiven türkisch-stämmigen Spieler sind ausgerastet. Ab da wars zu spät. Innerhalb von Sekunden ist die Situation eskaliert.“

Der Mann ist selbst kein gebürtiger Deutscher. Auch Schmitt, der Trainer Michael Maurer und die jungen Spieler (Jahrgang 93/94) stellen fest, dass die Nationalität eigentlich keine Rolle spielen sollte. Aber: „Die aggressivsten Spieler sind überwiegend Türken. Ich weiß auch nicht, warum die so sind.“

Es ging nicht um was.

„Klar reden wir Spieler untereinander“, sagt ein anderer: „Und manchmal wird auch provoziert. Und Aggressivität gehört dazu, um sich durchzusetzen. Aber so?“ Er schüttelt den Kopf.

Beim Spiel der beiden Mannschaften ging es nicht wirklich „um etwas“. „Wir sind auf dem letzten Platz“, sagt einer, „und die Mannheimer auf dem vorletzten.“

Der schwer verletzte Heddesheimer Schüler steht kurz vor seinem Realschulabschluss. Und wollte danach eine Ausbildung beginnen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Sämmle

    Hallo
    Es ist nicht verwunderlich was da passierte.
    Wer die letzten Jahre die verschiedenen Amateurligen der Herren beobachtet hat,wird feststellen das immer wieder türkische Mannschaften oder Spieler durch solche Vorfälle aufgefallen sind.
    Und immer wieder wurden viel zu geringe Strafen seitens des Verbandes ausgesprochen.
    Auch in diesen Vorfällen spiegelt sich wieder dieser falsche einseitige und total agressive Stolz dieser Menschen wieder.
    Wenn man diesmal wieder mit wachsweichen Strafen daherkommt wird das immer schlimmer.
    Meiner Meinung nach sollte man diese beiden Spieler die getreten haben lebenslang sperren.
    Natürlich ganz abgesehen von strafrechtlicher Verfolgung.
    Die beiden sollen Karate oder Kickboxen betreiben aber kein Fußball !

  • Christian

    Ich denke nicht, dass man das mit der Nationalität der Spieler festmachen kann.
    Nach meiner Meinung müssen solche Spieler (Torwart und Gesichttreter) sofort aus dem Verein ausgeschlossen werden.

  • Sämmle

    Ich denke sehr wohl das man das an der Nationalität festmachen kann.
    Die vielen Vorfälle der letzten Jahre sprechen eine eindeutige Sprache.
    Da gibts gar nichts weg zu diskutieren.
    Was wahr ist sollte auch wahr bleiben dürfen.
    In dem Artikel des Mannheimer Morgen zu diesem Thema ist natürlich wieder mal kein Wort zur Nationalität der Täter zu lesen.
    Soll dem Leser da vielleicht sogar etwas vorgemacht werden ?
    Es ist schon merkwürdig das diese Zeitung solche relevanten Sachen immer verheimlicht !
    Gruß

  • Michael Müller

    „Deutsche Kartoffeln“ lassen sich halt viel gefallen. Selber Schuld. Träumt weiter von der „Integration“.

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      Wir möchten Sie bitten, das Thema nicht in eine gewisse Richtung abgleiten zu lassen.

      „Deutsche Kartoffeln“ lassen sich das nicht gefallen, haben die Polizei informiert, die haben die beiden Jugendlichen verhaftet. Die Polizei ermittelt, sicher auch die Staatsanwaltschaft. Dann werden vermutlich Gerichte entscheiden – auf der Grundlage der Ermittlungen und nach unseren Gesetzen.

      Dass es zu der Attacke gekommen ist und welche „Gründe“ es dafür gab oder nicht, wird dort ebenfalls verhandelt.

      Und das ist gut so: Der Rechtsstaat funktioniert in diesem Land immer noch sehr gut.

      Die Probleme der „Integration“ sind bekannt: Über Jahrzehnte wurde es versäumt, diese voranzutreiben.

      Gerade Vereine, vor allem die Fußballvereine, können heute viele Mannschaften nur noch aufstellen, weil nicht-deutsche Spieler sich hier einbringen.

      Und viele Vereine sind froh darum, vor allem in den Städten. Und viele junge Menschen mit Migrationshintergrund auch, weil sie hier eine sinnvolle Beschäftigung finden und Bestätigung erhalten.

      Die Attacke auf dem Fußballplatz wird ganz sicher auch von den meisten Türken als feige und hinterhältig erkannt werden. Die Türken sind ein stolzes Volk. Ehre gilt hier viel.

      Die entscheidende Frage ist, ob diese Attacke zusammen mit den Türken diskutiert wird.

      Wenn auf Grund des Fehlverhaltens einzelner alle Türken in „Sippenhaft“ genommen werden, ist eines ganz sicher: So funktioniert Integration nicht.

      Die Vereine als ein wesentliches Element unserer Gesellschaftsordnung sind aufgerufen, nicht einfach alle rauszuwerfen, wie in Mannheim angekündigt, sondern sich an die Arbeit zu machen.

      Aufklärung, Transparenz, Information und Diskussion, Kritik sind gefragt.

      Die Haltung der Redaktion ist: Ausländer haben dieselben Rechte, aber auch Pflichten wie Deutsche. Weil sie „anders“ sind, können sie unser Land bereichern.

      Dafür muss man sich aber die Hand reichen.

      Der Tritt eines jugendlichen Ausländers ins Gesicht eines jugendlichen Deutschen ist tragisch. Zunächst für den Geschädigten.

      Tatsache ist, dass jede Diskussion „über Kartoffeln“ und „Träume von einer Integration“ diese weiter verhindern.

      Noch tragischer wäre, diesen Tritt gegen alle Türken und darüber hinaus gegen alle Ausländer zu interpretieren.

      Denn wer das tut, der will keine Integration, sondern die Konfrontation.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das ladenburgblog

  • Sämmle

    Hallo Hr.Prothmann
    Es war mir vollkommen klar das nach dem ersten entsprechenden Kommentar eine solche Reaktion seitens der Redaktion erfolgt.
    Was ich von den ganzen Integrationsbemühungen halte schreibe ich besser nicht.
    Ich habe beruflich öfters mit Jugendlichen dieses Alters zu tun.
    Was ich dabei erlebe spottet jeder Beschreibung.
    Das Multi-Kulti Konzept ist gescheitert,und zwar auf ganzer Linie.
    Und meiner Meinung nach wird sich daran auch nichts mehr ändern.
    Das werden noch sehr viele Leute einsehen müssen.
    Das kann aber nicht soweit führen das man Wahrheiten nicht mehr aussprechen darf,weil man evt.Ausländern damit auf den Schlips tritt.
    Ehre und Stolz sprechen Sie an…
    Ich habe das Gefühl das Ehre und Stolz von den Migranten immer dann ins Spiel gebracht wird,wenns gerade am besten passt und Sie sich dadurch einen Vorteil versprechen.
    Aber daran wird sich nichts mehr ändern.Das ist gelaufen.
    Trotzdem werde zumindest ich meine Meinung zu diesem Thema immer offen aussprechen.
    Gruß

    • Snake Plissken

      Trotzdem kann man anhand dieses Vorfalls keine Verallgemeinerung aussprechen. Es gibt eben solche und solche. Da braucht man gar nicht in den Migrantenbereich zu wechseln. Es gibt genug deutsche Gruppierungen die ihr eigenes Extrem haben. Und ich selbst kenne bedingt durch meine Arbeit eben beide Seiten der Medaille und weiß zu genau das es – wie das heddesheimblog schon schreibt – sehr viele Türken gibt die dieses Verhalten auf schärfste verurteilen. Sicher gibt es in den unteren Spielklassen sehr oft Übergriffe verbaler oder tätlicher Natur. Aber wer sich mal die Mühe macht die Zusammensetzung der unteren Ligen zu studieren – egal ob Mannheim, Ludwigshafen oder die weitere Umgebung – das es nicht nur türkische Mannschaften gibt. Und ich frage mich ob die Rufe genauso laut wären, würde es sich „nur“ um einen deutschen Spieler handeln der einen türkischen Spieler getreten hat.
      Wie oben geschrieben….die Medaille hat immer zwei Seiten…..

    • Jochen Schust

      „Trotzdem werde zumindest ich meine Meinung zu diesem Thema immer offen aussprechen“

      Nun ja, wer anonym bleibt, kann eine solche Meinung freilich sehr „offen“ aussprechen …

      • Sämmle

        Passt Ihnen diese Meinung nicht Hr.Schust ?
        Oder bemängeln Sie bei anderen Kommentaren auch die Anonymität ?
        Ihr Name sagt mir zb. auch überhaupt nichts ?
        Also was solls.
        Sie können Sich schon darauf verlassen das ich bei Gelegenheit meine meinung zu dem Thema sage.
        Vielleicht lauter wie es manchem passt.
        Im übrigen ist mindestens die Hälfte aller Kommentare hier anonym.
        Da haben Sie ja noch einiges was Sie bemängeln können.
        Und außerdem habe ich zu dem Thema wenigstens eine Meinung,was man aus Ihrem Kommentar nicht ableiten kann.

        • dasheddesheimblog

          Guten Tag!

          Danke für Ihren Beitrag.

          Sowohl die Süddeutsche Zeitung, als auch die Zeit und viele andere Medien bieten eine Kommentarfunktion an. Häufig muss man sich dafür registrieren, manchmal wird jeder Beitrag vor Veröffentlichung geprüft.

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          Viele Kommentatoren nehmen dieses Angebot wahr – weil sie Nachteile befürchten.

          Nachteile können tatsächlich entstehen.

          Was ist die Lösung? Meinungen nicht mehr zu äußern?

          Das wäre fatal.

          Deshalb akzeptiert die Redaktion anonyme Kommentare – aus der Not heraus, dass eine nachteilsfreie Meinungsäußerung manchmal nicht gegeben ist.

          Grundsätzlich begrüßen wir aber jede zulässige Meinung – denn das ist gelebte Demokratie.

          Einen schönen Tag wünscht
          Das heddesheimblog

        • Jochen Schust

          „Im übrigen ist mindestens die Hälfte aller Kommentare hier anonym.
          Da haben Sie ja noch einiges was Sie bemängeln können.“

          Ich halte anonymes Kommentieren für völlig ok und bemängle es nicht. Mir ist nur aufgestoßen, dass Sie sich rühmen, wie „offen“ Sie Ihre Meinung hier aussprechen, und sich gleichzeitig in der Anonymität verstecken.