Donnerstag, 24. August 2017

In eigener Sache: Lydia Dartsch startet im April ihr Redaktionsvolontariat

„Ich freu‘ mich wie ein Schnitzel“

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Mannheim/Rhein-Neckar, 03. April 2013. (red/ld) Lydia Dartsch war seit vergangenem September als freie Mitarbeiterin f├╝r uns t├Ątig. In den kommenden 20 Monaten wird sie als Volont├Ąrin eine praxisnahe journalistische Ausbildung bei uns absolvieren und ├╝ber die vielen spannenden Themen der Region berichten. W├Ąhrend des Volontariats wird sie in verschiedenen Redaktionen im gesamten Bundesgebiet sowie im Ausland gastieren. Schon im Mai geht es f├╝r eine Woche nach Stra├čburg. Dort wird sie w├Ąhrend der Sitzungswoche am Europ├Ąischen Parlament die Abgeordnete der Gr├╝nen, Franziska Brantner, begleiten. Ihre Vorliebe f├╝r den Lokaljournalismus hat sie als freie Reporterin bereits entdeckt. Ihr Credo: Auch Kleintierzuchtvereine bieten Stoff f├╝r „G├Ąnsehaut“.

Von Lydia Dartsch

Lydia Dartsch ist ab sofort Volont├Ąrin beim Rheinneckarblog. In den kommenden 20 Monaten lernt sie das Lokalbloggen mit allem, was dazu geh├Ârt und freut sich schon auf die vielen Au├čenstationen bei Partnerblogs, Tageszeitung, Funk und Fernsehen. Foto: Timo Tamm

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ich freu‘ mich wie ein Schnitzel ├╝ber dieses Volontariat, das mich in den kommenden 20 Monaten durch die Region und das gesamte Bundesgebiet f├╝hren wird. In verschiedenen Redaktionen werde ich das Handwerk des Lokaljournalismus erlernen; mit allem, was dazu geh├Ârt.

Die Region bietet viele spannende Geschichten

Berlin, Paris, Washington – die Brennpunkte der Weltpolitik haben mich nie so sehr gereizt, wie die Geschichten, die es vor der Haust├╝r zu erz├Ąhlen gibt. Ein Erntedankfest an einer katholischen Kirche in Mannheim-Sandhofen war vor einigen Jahren mein Erweckungserlebnis. Als freie Reporterin f├╝r den Mannheimer Morgen sollte ich f├╝r kleines Zeilenhonorar zwischen 60 und 80 Zeilen f├╝llen. Wen interessiert der Stand mit den Basteleien und das Angebot an gespendetem Kuchen?, fragte ich mich damals. Niemanden! Eine halbe Stunde sp├Ąter hatte ich dann die interessante „Story“: Der Pfarrer der Kirche leistet volle Arbeit, wurde aber nur f├╝r eine dreiviertel Stelle bezahlt. Schuld war der R├╝ckgang der Gemeindemitglieder und der Priestermangel, der sich unmittelbar in den eigenen Stadtteilen abzeichnete.

Die Region ist spannend. Das habe ich besonders in den vergangenen Monaten gemerkt: Ob die Strickguerilla aus Viernheim, die k├╝rzlich (durch meinen Bericht motiviert) sogar im Mannheimer Luisenpark zugeschlagen hat oder der Wandel der Schullandschaft in Hemsbach, Heddesheim, Heidelberg und den anderen Gemeinden in unserem Berichtsgebiet. Es gibt viel Interessantes zu entdecken und Wissenswertes zu erz├Ąhlen. Und manchmal auch Schockierendes wie der Prozess gegen einen Sexualstraft├Ąter am Landgericht Frankenthal. Oder Kulturelles wie das Internationale Filmfestival Mannheim/Heidelberg. Entscheidend ist: Unsere Berichte betreffen die Menschen direkt. Und ├╝ber das Internet haben wie zu jeder Zeit an jedem Ort Zugriff auf unsere Informationen.

Wie die EU vor Ort wirkt, wird mein Fokus in Stra├čburg sein. Das Volontariat wird mich auch zu den Netzwerk-Mitgliedern des Verbands istlokal.de f├╝hren – nach Berlin zu den Prenzlauerberg-Nachrichten.de und zur Tegernseerstimme.de. Ich werde auch bei einer gro├čen Tageszeitung gastieren (welche, wird noch nicht verraten) und die Arbeit einer Pressestelle kennenlernen. Stationen bei Funk und Fernsehen werden gerade noch verhandelt. Klar ist: Die Packung Journalismus, die ich erhalte, wird sehr kompakt sein.

Ich will alles ausprobieren.

2004, w├Ąhrend meines Studiums der Politikwissenschaft und Anglistik (M.A.) an der Universit├Ąt Mannheim, begann ich, journalistisch zu arbeiten: Zun├Ąchst beim Tageszeitungsprojekt „Der Mannheimer“, dann als freie Mitarbeiterin f├╝r das Mannheimer Wochenblatt sowie f├╝r die Lokalredaktion und die Stadtteilseiten des Mannheimer Morgen. Ich wollte alle journalistischen Formen ausprobieren. Deshalb absolvierte ich Praktika beim Mannheimer Morgen, bei Radio Regenbogen, dem Rhein-Neckar-Fernsehen, beim SWR4-Kurpfalzradio und Hitradio FFH.

Ein Volontariat zu bekommen, ist schwer und die Konkurrenz ist riesengro├č: Meine Bewerbungen wurden entweder kommentarlos oder unter fadenscheinigen Begr├╝ndungen abgelehnt; sogar von den Redaktionen, f├╝r die ich jahrelang arbeitete. Ein Personalverantwortlicher brachte es bei einem Assessmentcenter auf den Punkt:

Sie sind zu digital aufgestellt.

Er meinte, ich k├Ânnte schreiben, Radiobeitr├Ąge produzieren und Fernsehbeitr├Ąge erstellen. All das schien nicht Bestandteile der Voraussetzungen zu sein, die ein Verlag im digitalen Zeitalter an seine Volont├Ąre stellte. All das sind wesentliche Voraussetzungen, um bei einer Internetredaktion arbeiten zu k├Ânnen. Und nachdem meine F├Ąhigkeiten seit September ausgiebig getestet wurden, habe ich diesen spannenden Ausbildungsplatz erhalten.

Umso mehr freue ich mich also, hier angekommen zu sein. In der Lokalberichterstattung ist jedes journalistisches Genre m├Âglich: Ich freue mich auf Theaterkritiken von Laienspielgruppen wie vom Nationaltheater und auf viele Reportagen und Portraits ├╝ber interessante Menschen, mit denen Sie T├╝r an T├╝r leben. Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft – all das bietet Lokaljournalismus in H├╝lle und F├╝lle. Und ich kann mit Text, Fotos und Videos berichten, bin ├╝ber Social Media in Kontakt mit den Menschen – das ist gro├čartig.

Mit meinem Chef, Hardy Prothmann, habe ich einen versierten Ausbilder, der vom Print kommt, viel f├╝r H├Ârfunk und Fernsehen gearbeitet hat, lokalen und ├╝berregionalen Journalismus kennt, als Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche bestens in der Republik vernetzt ist und seit Jahren das Internet als Zukunft des Journalismus propagiert – wie recht er hat, erkennt man an den enormen Problemen der Printmedien und an den Ver├Ąnderungen der Sendeanstalten wie dem Bayerischen Rundfunk, der k├╝nftig keine Trennung zwischen H├Ârunk, Fernsehen und Internet mehr kennen wird. Der Anspruch hier ist einfach beschrieben: kritisch, unabh├Ąngig, meinungsstark. Wir sind ein kleines Team – aber ein feines und unsere Berichterstattung sorgt immer wieder f├╝r gro├če Aufmerksamkeit.

In die Saiten greifen und Abtauchen muss auch mal sein.

Wenn die Finger vom vielen Tippen brennen oder das Handgelenk nach der Recherche schmerzt und der Kopf nach dem Durchsehen von Sitzungsunterlagen und anderem Material brummt, greife ich zuhause zu einer meiner Gitarren, jogge meine f├╝nf Kilometer den Neckar entlang oder gehe schwimmen. In diesem Sommer k├Ânnte ich auch mal wieder Tauchen gehen: Hier gibt es genug Seen, die ich noch nicht erkundet habe. Wie die lokalen Themen werden die lokalen Seen untersch├Ątzt.

Wenn Sie ein Thema haben, ├╝ber das ich unbedingt berichten sollte, schreiben Sie mir unter lydia.dartsch(at)rheinneckarblog.de oder auf Facebook. Und wenn Sie mir positive wie negative Kritik zukommen lassen wollen – bin ich daran sehr interessiert.

Dar├╝ber hinaus freue ich mich auf ein leckeres Schnitzel bei der n├Ąchsten Hauptversammlung eines der vielen Vereine – Bratwurstjournalismus werden Sie allerdings von mir keinen geboten bekommen. Die Wetterg├Âtter, Gerstens├Ąfte, Floriansj├╝nger, Pedalritter, das leibliche Wohl oder Verben wie „schmunzeln“ hat mir mein Chef schon vor dem Volontariat ausgetrieben. Manchmal muss ich dar├╝ber „schmunzeln“, wie herrlich er sich ├╝ber solche Begriffe aufregen kann. ­čśë

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.