Sonntag, 20. August 2017

Gabis Kolumne

„Ich habe noch nie einen Muttertag vergessen.“

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Guten Tag!

Heddesheim, 03. Mai 2010. Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Das ist ein ganz besonderer Tag, sagt Gabi. Mutter zu sein, ist besonders. Es geht um eine Frage der Ehre.

Gleich nach dem Krieg pfl├╝ckte mein Vater meiner Gro├čmutter einen Strau├č im Garten. Es war 1945, es war Muttertag und die Bl├╝ten geh├Ârten zu den liebevoll gepflegten Erdbeerpfl├Ąnzchen.

„Aber ich konnte ihm nat├╝rlich nicht b├Âse sein“, erz├Ąhlte meine Gro├čmutter immer wieder.

Mutter, aber nicht b├Âse sein?

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Die Ehre war sch├Ân. Die Bl├╝ten waren sch├Ân. Aber aus diesen „Blumen“ wuchsen keine Erdbeeren mehr. Mein Vater schenkte meiner Gro├čmutter Bl├╝ten – und gleichzeitig vernichtete er diese Ernte.

In meiner Kindheit brachte „4711“ jedes Jahr eine neue Sonderverpackung zum Muttertag heraus. Ich erinnere mich an einen Herzkarton, den man aufklappen konnte und den ich wunderh├╝bsch fand.

F├╝r mich war es das perfekte Geschenk f├╝r meine Mutter und ich bewundere sie noch heute daf├╝r, dass sie es sich nie anmerken lie├č, dass sie den Geruch von „K├Âllnisch Wasser“ ganz schrecklich fand.

Mit 15 backte ich mit einer Freundin eine Erdbeertorte in Herzform, wunderh├╝bsch. Leider fiel sie mir beim Transport vom Gep├Ącktr├Ąger meines Mofas, was meine Mutter nicht daran hinderte den Kuchen k├Âstlich zu finden.

Mutter zu Mutter.

Inzwischen wei├č ich, welche D├╝fte meine Mutter mag und Torten transportiere ich nicht mehr auf Zweir├Ądern. Andererseits sind die Geschenke weniger originell.

Ich habe noch nie einen Muttertag vergessen – anders als mein Bruder. Vielleicht ist es auch nur Gesch├Ąftemacherei, wie die m├Ąnnliche H├Ąlfte der Bev├Âlkerung immer wieder behauptet.

Aber sp├Ątestens seit ich selbst Mutter bin, wei├č ich es zu sch├Ątzen.

Meine Kinder brachten in der Kindergarten- und Grundschulzeit Basteleien und mit Bl├╝mchen umrahmte Gedichte mit nach Hause. Und vor allem seit meine Tochter jetzt etwas ├Ąlter ist, bekomme ich meinen Kaffee ans Bett serviert.

Und nat├╝rlich ist das eine oder andere Geschenk mal daneben gegangen. Aber ich wei├č inzwischen auch, wie man sich ├╝ber Duschgel freut, was man eigentlich nicht riechen mag und es nat├╝rlich brav auch zu benutzen.

Ich habe einen Winter lang einen Schal getragen, dessen Farben mir ├╝berhaupt nicht gefallen haben. Eine aufgenommene CD von meiner Tochter h├Âre ich t├Ąglich auf dem Weg zur Arbeit, auch wenn die Musik von Lady Gaga und LaFee eindeutig nicht meinem Musikgeschmack entsprechen.

Mutter oder Vater zu sein, ist eine Ehre.

Ich mag „Muttertag“, auch wenn ich mir 365 Tage im Jahr w├╝nsche, dass meine Kinder h├Ąufiger – und zwar freiwillig – im Haushalt helfen. „Was bringt dir so ein Tag im Jahr“, fragt mich mein Mann.

Das ist ganz einfach. Wer eine Frage hat, h├Ąlt inne.

Er fragt sich. Beispielsweise, was eine Mutter ist.

Aber ich mag auch den Hochzeitstag, und das hei├čt nicht, dass ich mich nicht auch an allen ├╝brigen Tagen ├╝ber einen Blumenstrau├č freue.

Ich erinnere mich gerne, an diesem Tag eine Braut gewesen zu sein. Und davor und danach war und bin ich gerne Mutter.

„Das ist doch alles nur gut f├╝r den Einzelhandel“, k├Ânnte ein Mann jetzt sagen.

Ja und?

Erstens muss die Wirtschaft ja angekurbelt werden und zweitens veranlassen uns Erinnerungstage zum Innehalten, zum Nachdenken.

Ich bin 365 Tage im Jahr Tochter. An einem Tag ehrt man mich f├╝r meinen Geburtstag, der auch ein Ehrentag f├╝r meine Mutter ist.

Ich bin selbst Mutter.

Und ich m├Âchte gerne daf├╝r geehrt werden.

Und ob mein Sohn „Bl├╝ten“ pfl├╝ckt oder „Blumen kauft“, spielt keine wirkliche Rolle.

Aneinander zu denken, sich zu ehren, das ist wichtig.

Deswegen habe ich noch nie den Tag meiner Mutter vergessen.
gabi

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.

  • suhedd

    Liebe Gabi,
    zum ersten Mal mu├č ich dir widersprechen (wo ich mich doch normalerweise immer in deiner Kolumne wiedererkenne!).
    F├╝r mich ist ein „traditioneller Muttertag“ eine grausige Vorstellung! An diesem Tag wird von dem Rest der Familie erwartet, dass die Mutter(wie an anderen Tagen ja auch) zur Verf├╝gung steht, weil Muttertag ist. Klar, es gibt Aufmerksamkeiten und Geschenke, die bestimmt oft auch lieb gemeint sind, die k├Ânnte es aber auch an jedem anderem Tag im Jahr geben. Ganz im Gegensatz dazu ist der(ebenfalls ├╝berfl├╝ssigen) Vatertag f├╝r die viele V├Ąter ein Auszeit-Tag, um mit den Kumpels auf die Pauke zu hauen. Sozusagen als Entsch├Ądigung f├╝r den trauten Muttertag am Wochenende davor?? Und was hat die treusorgende Mutter davon? Am Freitag einen verknautschten, verkaterten Mann zus├Ątzlich zum ├╝blichen Familienalltag.
    Um das alles zu umgehen, feiern wir weder Vater- noch Muttertag sondern genie├čen diese beiden Tage v├Âllig gleichberechtigt als FAMILIEN-Tage. Davon haben wir alle was und m├╝ssen keine Klischees bedienen.