Freitag, 16. November 2018

Die IFOK ist ihr Geld – 35.000 Euro – nicht wert

Print Friendly, PDF & Email


Guten Tag!

Heddesheim, 03. August 2009. Die Gemeinde Heddesheim hat ein PR-Unternehmen engagiert, um einen „Dialog“ zwischen Bef├╝rwortern und Gegnern einer geplanten Unternehmensansiedlung herzustellen. Dieser Versuch ist gescheitert und das Geld verloren.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die IFOK ist ein Unternehmen, dass normalerweise erst dann zum Zug kommt, wenn es richtig „brennt“.

Also wenn die ├ľffentlichkeit auf „den Zinnen“ ist. Oder es im Zuge eines guten Gesch├Ąfts einem Unternehmen unter den „N├Ągeln brennt“, eine gewisse ├ľffentlichkeit herzustellen, damit das Gesch├Ąft auch wirklich gut funktioniert.

Jetzt gibt es die „IFOK“ hier im Ort, einmal im Monat, von der vorher niemand in Heddesheim wusste, wer oder was das ist.

Ihr Auftrag: Einen „Dialog“ herstellen. Ihr Auftraggeber: Die Gemeinde Heddesheim.

Die Dramaturgie: B├╝rgermeister hat Probleme mit der ├Âffentlichen Meinung, die IFOK schreibt ein Drehbuch und alles wird gut.

Mit dem „Drehbuch“ und einem guten „Image“ und „Erfolg“ wirbt die IFOK f├╝r sich.

Gute Drehb├╝cher, also gute Geschichten, sind ├╝berall Mangelware und kosten somit viel Geld.

Eine „gute“ Geschichte ist teuer.

F├╝r 35.000 Euro ist ein „Erfolg“ allerdings nicht zu haben. Wer wirklich „Erfolg“ haben will, muss mindestens drei oder vier Mal so viel ausgeben oder noch viel, viel mehr. So geht das in der Wirtschaft.

Alles andere ist eine Mogelpackung.

In der Kommunalpolitik bekommt ein unter Druck geratener B├╝rgermeister f├╝r 35.000 Euro gerade mal einen „Moderator“ und zwei Hilfskr├Ąfte.

Die drei von der IFOK waren schon beim ersten „Dialog“-Kreis schwach, beim zweiten „Dialog“-Kreis haben sie nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch vollkommen versagt.

Was haben sich der B├╝rgermeister und Teile des Gemeinderats dabei gedacht? Mal f├╝r ein paar zehntausend Euro ein bisschen guten Stimmungswind als Auffrischung f├╝rs Dorf zu buchen?

So geht das nicht. 35.000 Euro f├╝r vier „Dialogtermine“ sind rund 9.000 Euro f├╝r einen „Dialog“-Termin. Moderator, Assis, Druckosten, Ausgaben, Anfahrt usw.

F├╝r jeden, der „normales“ Geld verdient, sind das astronomische Summen.

F├╝r einen PR-Angestellten, der vielleicht 7-8000 Euro im Monat verdient, plus zwei Assistentinnen ├â┬í 4.000 Euro macht das: 16.000 Euro Personalkosten. 100 Prozent Aufschlag sind 32.000 Euro und schon ist man ungef├Ąhr im Gesch├Ąft.

„├ľffentlichkeits-Catering“ bietet nur H├Ąppchen.

Damit hat man aber nur einen „Moderator“ und zwei Assis gebucht. Keine Spitzenleute. Und schon gar kein „Drehbuch“.

Gute Krisen-PR bekommt man auch in Zeiten der Krise nicht f├╝r ein „l├Ącherliches“ Honorar von 35.000 Euro.

Das st├╝tzt die Thesen des SPD-Gemeinderats Michael Bowien und des Ex-Heddesheimers Rainer Neutard, dass die Gemeinde Heddesheim schon im Ansatz vollkommen ├╝berfordert ist, was die Dimension „Pfenning“ angeht.

Heddesheim als Gemeinde kann mit „Pfenning“ nicht mithalten – schon gar nicht beim Aufwand. B├╝rgermeister Michael Kessler im MM-Interview: „├é┬áUnd dessen (Pfenning, d. Red.) bisherige Aufwendungen ├╝berschreiten unsere mit Sicherheit.“

Und das wird auch in Zukunft so sein.

Und das bringt auch einen B├╝rgermeister in Zugzwang: „Wissen Sie eigentlich, was Sie uns schon gekostet haben?“, ist eine vorstellbare Frage an den B├╝rgermeister. „Wir haben richtig investiert und sie wollen uns jetzt h├Ąngen lassen?“, „Wir sind Unternehmer und was sind Sie?“, sind Fragen, die nicht im Kino spielen, sondern vorstellbar auch in Heddesheim.

Diese Fragen werden ├╝berall gestellt, immer dann, wenn es um viel Geld geht, in diesem Fall um eine Investiton von 100.000.000 Euro.

Diese Frage bekommt auch einer gestellt, der sich offensichtlich mehr f├╝r den Erfolg eines Unternehmens einsetzt, als f├╝r seine B├╝rger, die darauf vertrauen, dass er f├╝r sie da ist.

Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.