Donnerstag, 28. Oktober 2021

Gro├čkunde hat nach nur einem Jahr gek├╝ndigt

Pfenning hat Kraft verloren

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Angeblich sollen die Hallen fast vollst├Ąndig ausgelastet sein – tats├Ąchlich hat einer der Gro├čkunden, Kraft Foods, nach nur einem Jahr gek├╝ndigt.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 02. September 2013. (red) Einer der Gro├čkunden, die Firma Kraft Foods, Tochter der Mondelez Deutschland Services GmbH & Co. KG, hat nach nur einem Jahr den Vertrag mit Pfenning Logistics gek├╝ndigt. Nach unseren Informationen endet das Vertragsverh├Ąltnis am 30. September. Kraft teilte uns auf auf Anfrage exklusiv mit, dass eine „├ťbergangsl├Âsung“ vereinbart worden ist, bis die Gesch├Ąftsbeziehtung erlischt.

Von Hardy Prothmann

Entwickelt sich der Multicube zum wirtschaftlichen Desaster? „Pfenning“ warb 2009 zun├Ąchst damit, dass der Gro├čkunde Henkel mit nach Heddesheim umziehe. Und hierf├╝r sollte auch die Schiene gebraucht werden. Dann war Henkel weg und der Schienenanschluss auch.

Gro├čkunden k├╝ndigen

Dann warb Pfenning damit, dass man die Firma Kraft Foods als Gro├čkunden gewinnen konnte. Und auch Kraft Foods lobte die modernen Logistik-M├Âglichkeiten ├╝ber den Klee. Nach nur einem Jahr ist von der Euphorie nichts ├╝brig geblieben. Kraft Foods hat gek├╝ndigt, wie das Unternehmen uns exklusiv auf Nachfrage mitteilte. Pfenning ist auch diesen Kunden los.

Bleiben noch die BASF und ein „Lebensmitteldiscounter“. Wie man h├Ârt, sind hunderte von Zeitarbeitskr├Ąften durch Pfenning in den vergangenen Wochen gek├╝ndigt worden. Vermutlich als Folge der K├╝ndigung durch Kraft.

Nur 16 Arbeitspl├Ątze mehr als 2010

Von den bis zu 1.000 neuen Arbeitspl├Ątzen, die „Pfenning“ ehemals versprochen hatte, ist nichts zu sehen. B├╝rgermeister Michael Kessler verweist bei Anfragen an die Firma „Pfenning“ – so, als h├Ątten er und die Gemeinderatsmehrheit nun nichts mehr mit dem Doppelriegel im Gewerbegebiet zu tun.

Tatsache ist: Laut Bilanz waren 2007 insgesamt 1.865 Personen┬á bei Pfenning besch├Ąftigt. Davon rund 230 in der Verwaltung, der Rest sind eher einfache bis sehr einfache Arbeitspl├Ątze. Nach der aktuellen Bilanz von 2011 sind es noch 1.740 Besch├Ąftigte – ganze 16 Arbeitspl├Ątze mehr als 2010, 2 davon in der Verwaltung 14 bei den „Gewerblichen Mitarbeitern“.

Verkehrschaos bleibt aus

Immerhin: Das bef├╝rchtete Verkehrschaos bleibt bislang ├╝berwiegend auch. Logisch: Wenn die Kunden ausbleiben, tun das auch die Lkws.

Die Lage des Unternehmens verschlechtert sich Jahr f├╝r Jahr. Da die „Pfenning“-Muttergesellschaft KMP Holding GmbH bis April nicht ihrer Berichterstattungspflicht nachgekommen war, haben wir dies amtlich beantragt. Die nun vorliegenden Zahlen sind alarmierend.

Gewerbesteuerzahlungen bleiben ebenfalls aus

Zu Beginn der „Pfenning“-Planung gab das Unternehmen an, 210 Millionen Euro Umsatz zu machen. Belegen konnte das Unternehmen die Zahlen nie – B├╝rgermeister Kessler und die Mehrheit im Gemeinderat haben immer auf die Angaben vertraut.

Das Gesch├Ąftsjahr 2011 schlie├čt Pfenning nur noch mit 159,76 Millionen Euro Umsatz ab. Das ist zwar eine Steigerung gegen├╝ber 2010 (154,68 Millionen Euro). Allerdings muss man hier 5,77 Millionen Euro „au├čerordentliche Ums├Ątze“ herausrechnen – solche Ums├Ątze werden ├╝blicherweise durch Grundst├╝cks- oder Anlagenverk├Ąufe erzielt und haben mit dem eigentlichen Gesch├Ąft nichts zu tun.

W├Ąhrend 2010 noch magere 613.148,37 Euro „├ťberschuss“ ausgewiesen worden sind, sind es 2011 nunmehr 2.409.598,36 Euro Verlust. Das ist auch f├╝r die Gemeinde Heddesheim eine Horrorzahl – schlie├člich versprach „Pfenning“ j├Ąhrliche Gewerbesteuerzahlungen im „hohen sechsstelligen“ Bereich. Daraus wird auf absehbare Zeit nichts.

Dramatische Entwicklung wird als Konsolidierung verkauft

Heddesheims B├╝rgermeister Michael Kessler Foto: Gemeinde Heddesheim

B├╝rgermeister Michael Kessler hat sein politisches Schicksal mit „Pfenning“ verkn├╝pft. Er bewarb die Ansiedlung als „Zukunftssicherung der Gemeinde“ – bedroht die schlechte Gesch├Ąftsentwicklung des Logistikunternehmens nun den Ort? Foto: Gemeinde Heddesheim

Die Gesch├Ąftsleitung „verkauft“ die dramatischen Zahlen als „Konsolidierungsprozess“ – der h├Ąlt nunmehr seit ├╝ber f├╝nf Jahren an. Doch die Talsohle ist vermutlich noch l├Ąngst nicht erreicht.

Die Zahlen f├╝r 2012 wird „Pfenning“ erst im kommenden Jahr kurz vor der Gemeinderatswahl ver├Âffentlichen m├╝ssen. Nach dem verlust des Gro├čkunden Kraft werden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bedrohlicher aussehen – wenn es „Pfenning“ bis dahin ├╝berhaupt noch gibt.

B├╝rgermeister Kessler, der zur Wiederwahl antritt, sowie die Fraktionen der CDU, SPD und FDP, die bis auf zwei Ausnahmen, geschlossen die Ansiedlung durchgek├Ąmpft haben, werden sich vermutlich warm anziehen m├╝ssen. Denn die Pfenning-Ansiedlung, das wei├č jeder in Heddesheim, wurde als „Zukunftssicherung“ f├╝r die Gemeinde beworben. Daf├╝r wurde ein absolutes Filetst├╝ck im Gewerbegebiet geopfert.

kmp

Hat seinen Gewinn bereits gemacht: Logistik-Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Archivbild: Heddesheimblog.de

Fein raus ist hingegen der Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Der tat so, als w├╝rde seine Familie auf „Generationen“ hinaus hier eine 100 Millionen Euro Investition stemmen. Tats├Ąchlich verkaufte Herr Pfenning den Komplex vor gut einem Jahr f├╝r gut 90 Millionen Euro an den Hamburger Immobilienfonds Union Investment Real Estate GmbH – die Immobiliengesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, die nach unseren Informationen das Projekt vorfinanziert hatten. Nach unseren Berechnungen hatte der Deal ein Potenzial von 12 Millionen Euro Gewinn – nach unbest├Ątigten Informationen aus Insiderkreise soll Herr Pfenning bis zu 15 Millionen Euro Gewinn aus dem Gesch├Ąft gezogen haben.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.