Montag, 10. Dezember 2018

Gro√ükunde hat nach nur einem Jahr gek√ľndigt

Pfenning hat Kraft verloren

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Angeblich sollen die Hallen fast vollst√§ndig ausgelastet sein – tats√§chlich hat einer der Gro√ükunden, Kraft Foods, nach nur einem Jahr gek√ľndigt.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 02. September 2013. (red) Einer der Gro√ükunden, die Firma Kraft Foods, Tochter der Mondelez Deutschland Services GmbH & Co. KG, hat nach nur einem Jahr den Vertrag mit Pfenning Logistics gek√ľndigt. Nach unseren Informationen endet das Vertragsverh√§ltnis am 30. September. Kraft teilte uns auf auf Anfrage exklusiv mit, dass eine „√úbergangsl√∂sung“ vereinbart worden ist, bis die Gesch√§ftsbeziehtung erlischt.

Von Hardy Prothmann

Entwickelt sich der Multicube zum wirtschaftlichen Desaster? „Pfenning“ warb 2009 zun√§chst damit, dass der Gro√ükunde Henkel mit nach Heddesheim umziehe. Und hierf√ľr sollte auch die Schiene gebraucht werden. Dann war Henkel weg und der Schienenanschluss auch.

Gro√ükunden k√ľndigen

Dann warb Pfenning damit, dass man die Firma Kraft Foods als Gro√ükunden gewinnen konnte. Und auch Kraft Foods lobte die modernen Logistik-M√∂glichkeiten √ľber den Klee. Nach nur einem Jahr ist von der Euphorie nichts √ľbrig geblieben. Kraft Foods hat gek√ľndigt, wie das Unternehmen uns exklusiv auf Nachfrage mitteilte. Pfenning ist auch diesen Kunden los.

Bleiben noch die BASF und ein „Lebensmitteldiscounter“. Wie man h√∂rt, sind hunderte von Zeitarbeitskr√§ften durch Pfenning in den vergangenen Wochen gek√ľndigt worden. Vermutlich als Folge der K√ľndigung durch Kraft.

Nur 16 Arbeitsplätze mehr als 2010

Von den bis zu 1.000 neuen Arbeitspl√§tzen, die „Pfenning“ ehemals versprochen hatte, ist nichts zu sehen. B√ľrgermeister Michael Kessler verweist bei Anfragen an die Firma „Pfenning“ – so, als h√§tten er und die Gemeinderatsmehrheit nun nichts mehr mit dem Doppelriegel im Gewerbegebiet zu tun.

Tatsache ist: Laut Bilanz waren 2007 insgesamt 1.865 Personen¬† bei Pfenning besch√§ftigt. Davon rund 230 in der Verwaltung, der Rest sind eher einfache bis sehr einfache Arbeitspl√§tze. Nach der aktuellen Bilanz von 2011 sind es noch 1.740 Besch√§ftigte – ganze 16 Arbeitspl√§tze mehr als 2010, 2 davon in der Verwaltung 14 bei den „Gewerblichen Mitarbeitern“.

Verkehrschaos bleibt aus

Immerhin: Das bef√ľrchtete Verkehrschaos bleibt bislang √ľberwiegend auch. Logisch: Wenn die Kunden ausbleiben, tun das auch die Lkws.

Die Lage des Unternehmens verschlechtert sich Jahr f√ľr Jahr. Da die „Pfenning“-Muttergesellschaft KMP Holding GmbH bis April nicht ihrer Berichterstattungspflicht nachgekommen war, haben wir dies amtlich beantragt. Die nun vorliegenden Zahlen sind alarmierend.

Gewerbesteuerzahlungen bleiben ebenfalls aus

Zu Beginn der „Pfenning“-Planung gab das Unternehmen an, 210 Millionen Euro Umsatz zu machen. Belegen konnte das Unternehmen die Zahlen nie – B√ľrgermeister Kessler und die Mehrheit im Gemeinderat haben immer auf die Angaben vertraut.

Das Gesch√§ftsjahr 2011 schlie√üt Pfenning nur noch mit 159,76 Millionen Euro Umsatz ab. Das ist zwar eine Steigerung gegen√ľber 2010 (154,68 Millionen Euro). Allerdings muss man hier 5,77 Millionen Euro „au√üerordentliche Ums√§tze“ herausrechnen – solche Ums√§tze werden √ľblicherweise durch Grundst√ľcks- oder Anlagenverk√§ufe erzielt und haben mit dem eigentlichen Gesch√§ft nichts zu tun.

W√§hrend 2010 noch magere 613.148,37 Euro „√úberschuss“ ausgewiesen worden sind, sind es 2011 nunmehr 2.409.598,36 Euro Verlust. Das ist auch f√ľr die Gemeinde Heddesheim eine Horrorzahl – schlie√ülich versprach „Pfenning“ j√§hrliche Gewerbesteuerzahlungen im „hohen sechsstelligen“ Bereich. Daraus wird auf absehbare Zeit nichts.

Dramatische Entwicklung wird als Konsolidierung verkauft

Heddesheims B√ľrgermeister Michael Kessler Foto: Gemeinde Heddesheim

B√ľrgermeister Michael Kessler hat sein politisches Schicksal mit „Pfenning“ verkn√ľpft. Er bewarb die Ansiedlung als „Zukunftssicherung der Gemeinde“ – bedroht die schlechte Gesch√§ftsentwicklung des Logistikunternehmens nun den Ort? Foto: Gemeinde Heddesheim

Die Gesch√§ftsleitung „verkauft“ die dramatischen Zahlen als „Konsolidierungsprozess“ – der h√§lt nunmehr seit √ľber f√ľnf Jahren an. Doch die Talsohle ist vermutlich noch l√§ngst nicht erreicht.

Die Zahlen f√ľr 2012 wird „Pfenning“ erst im kommenden Jahr kurz vor der Gemeinderatswahl ver√∂ffentlichen m√ľssen. Nach dem verlust des Gro√ükunden Kraft werden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bedrohlicher aussehen – wenn es „Pfenning“ bis dahin √ľberhaupt noch gibt.

B√ľrgermeister Kessler, der zur Wiederwahl antritt, sowie die Fraktionen der CDU, SPD und FDP, die bis auf zwei Ausnahmen, geschlossen die Ansiedlung durchgek√§mpft haben, werden sich vermutlich warm anziehen m√ľssen. Denn die Pfenning-Ansiedlung, das wei√ü jeder in Heddesheim, wurde als „Zukunftssicherung“ f√ľr die Gemeinde beworben. Daf√ľr wurde ein absolutes Filetst√ľck im Gewerbegebiet geopfert.

kmp

Hat seinen Gewinn bereits gemacht: Logistik-Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Archivbild: Heddesheimblog.de

Fein raus ist hingegen der Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Der tat so, als w√ľrde seine Familie auf „Generationen“ hinaus hier eine 100 Millionen Euro Investition stemmen. Tats√§chlich verkaufte Herr Pfenning den Komplex vor gut einem Jahr f√ľr gut 90 Millionen Euro an den Hamburger Immobilienfonds Union Investment Real Estate GmbH – die Immobiliengesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, die nach unseren Informationen das Projekt vorfinanziert hatten. Nach unseren Berechnungen hatte der Deal ein Potenzial von 12 Millionen Euro Gewinn – nach unbest√§tigten Informationen aus Insiderkreise soll Herr Pfenning bis zu 15 Millionen Euro Gewinn aus dem Gesch√§ft gezogen haben.

√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.