Donnerstag, 23. November 2017

Hexennacht ohne besondere Vorkommnisse

Print Friendly, PDF & Email


Guten Tag!

Ladenburg, 02. Mai 2011. (red) Die Polizei war gut vorbereitet – vor allem prĂ€ventiv sollte verhindert werden, dass es Straftaten und „ĂŒblen Streichen“ in der Hexennacht kommt. Das Ergebnis ist erfreulich: Die Polizei musste nur in ein paar FĂ€llen „eingreifen“ – insgesamt verlief die Nacht zum ersten Mai sehr ruhig.

Von Hardy Prothmann

Im „Lagezentrum“, einem GebĂ€ude hinter dem eigentlichen Revier, haben Revierleiter Frank Hartmannsgruber und Einsatzleiter Steffen Hildebrand zunĂ€chst eine Besprechung mit den insgesamt 26 Beamten, die zusĂ€tzlich zur normalen SchichtstĂ€rke von sechs Beamten, im Einsatz sind, darunter drei Jugendsachbearbeiter.

„Wir trennen das, damit der Betrieb in der Zentrale nicht gestört wird“, sagt Frank Hartmannsgruber.

Lagezentrum der Polizei. Bild: ladenburgblog.de

Polizeioberkommissar Steffen Hildebrand erlĂ€utert die Strategie: „Wir werden schon sehr frĂŒh zu Fuß und mit Streifen PrĂ€senz zeigen und außerdem aktiv auf die Jugendlichen zugehen. Das Motto ist klar: Die Jugendlichen sollen gerne feiern – aber ohne Folgen fĂŒr sich und andere.“

Deshalb sprechen die Beamte die Jugendlichen an, kontrollierten bei Verdacht auch.

Ebenfalls im „Einsatz“: Streetworkerin Esther Wichers und der ehrenamtliche Streetworker Kurt Mumme. Die beiden sprechen sich natĂŒrlich mit der Polizei ab, machen ihren „Job“ aber unabhĂ€ngig von den Beamten: „Wir sind fĂŒr die Jugendlichen da und holen sie runter, falls das sein muss“, sagt Frau Wichers. Die SozialpĂ€dagogin kennt die „Szene“. „Wir setzen uns dafĂŒr ein, dass sie keinen Stress bekommen.“

Kurt Mumme erklĂ€rt, warum er sich so engagiert: „Ich hatte es nicht einfach in meiner Jugend und deswegen kann ich die Jugendlichen gut verstehen. Ich finde, die sollen ihre Jugend genießen. Reden, zuhören und verstehen, hilft.“ Als es 2007 „Ärger in der Weststadt“ gegeben hatte, stand sein Entschluss, sich fĂŒr die Jugend einzusetzen.

Kurt Mumme unterstĂŒtzt SozialpĂ€dagogin Esther Wichers. Bild: ladenburgblog.de

Nach dem Pressetermin bin ich am Neckar. Drei Heddesheimer Jungs warten dort auf Freunde. Six-Packs stehen neben ihnen. Ich will wissen, ob sie schon „Kontakt“ zur Polizei hatten. „Ja, die waren sehr freundlich. Wir können uns nicht beschweren.“ Der andere sagt: „Naja, sie haben uns einen „Feigling“ abgenommen, aber das ist schon ok, der war eh fĂŒr einen Kumpel, der nicht kommt.“ Sie finden die Kontrollen in Ordnung: „Wir haben keinen Bock auf Stress, sondern wollen gepflegt feiern. Die Polizei macht nur ihre Arbeit, es gibt ja leider Leute, wegen denen das nötig ist.“

Es ist 20:30 Uhr. Und nur wenige Jugendliche sind unterwegs. Mit 15 Grad ist es nicht gerade warm. Die drei ĂŒberlegen auch, ob sie nach Heidelberg weiterziehen. Am Bahnhof ist ordentlich Betrieb – die Idee haben viele.

Die Bilanz am Sonntag nach dem Einsatz: Zwei mal wurden Zigaretten abgenommen, fĂŒnf Mal hochprozentiger Alkohol bei unter 18-jĂ€hrigen. Ein betrunkener Radfahrer, der seinen FĂŒhrerschein schon zuvor hatte abgeben mĂŒssen, durfte seine Wackelfahrt nicht fortsetzen. Außerdem wurde eine EC-Karte sichergestellt, die ein Jugendlicher dabei hatte und zu der er keine plausiblen Angaben machen konnte.

In Seckenheim schlichtete die Polizei eine Rangelei. Dank der Information durch einen Busfahrer war man schnell zur Stelle. „Einen 14-jĂ€hrigen mit „Artikulationsschwierigkeiten“ haben wir den Eltern ĂŒberstellt“, sagt Frank Hartmannsgruber.

In den Vorjahren waren Eier an HauswĂ€nde geworfen worden – solche oder andere SchĂ€den waren gestern noch keine gemeldet worden. Insgesamt ist die Polizei mit ihrem Einsatz und dem Verhalten der Jugendlichen sehr zufrieden. Auch in Heidelberg verliefen die Mai-Feiern „störungsfrei“.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.