Samstag, 19. August 2017

Der Prunk, die Sitzung und was die Grumbe besser machen können

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Guten Tag!

Heddesheim, 02. Februar 2010. Die Prunksitzung der Hellesema Grumbe bot über fünf Stunden Programm. Das ist eine mehr als ordentliche Leistung – die durchaus Potenzial hat, noch besser sein zu können.

Kommentar: Hardy Prothmann

Als junger Mann habe ich gerne Fasching gefeiert, wie das in meiner Pfälzer Heimat heißt.

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Tanzmariechen Sabrina Mayer (links) mit Prinzessin Bianca I. Bild: hblog/pöl

„Fasching“ habe ich auch in meinem ersten Artikel über einen Mannheimer Karnevalsverein geschrieben. Der MM-Redakteur Peter W. Ragge hielt mir damals (1992) eine zehnminütige Standpauke, dass es keinen Fasching in Mannheim gäbe, sondern nur die Fasnacht. Das meinte der Mann todernst.

In Mannheim ist die Fasnacht nämlich ein todernstes Geschäft. Auch das habe ich damals gelernt.

Noch die ödeste Veranstaltung mussten wir freien Mitarbeiter mit blumigstem Geschwurbel zum Erfolg hochschreiben. Statt wahrhaftig zu berichten, wurde die Lüge zur Pflicht. Ein Satz wie: „Die Leichenbittermienen der alten Männer mit den schmalen Mündern zeigten nur dann einen Anflug von Geilheit in den Augen, wenn die Tanzmariechen ihre Beine ordentlich hoch warfen und die Höschen zu sehen waren…“, musste politisch korrekt geschrieben werden: „Wie immer bestaunte das Publikum die Tanzmariechen, die ihr ganzes Können wieder einmal unter Beweis stellten. Der 1. Vorsitzende zeigte sich hoch zufrieden…“

In meinen drei Jahren beim MM versuchte ich fortan, möglichst keine Zeit an den FaschingsFasnachtswochenenden zu haben, weil ich keine Lust hatte, mich journalistisch verbiegen zu müssen.

Das heddesheimblog hat ausgiebig über die Kampagne der Grumbe berichtet – und zwar gerne. Warum? Weil es bei den Grumbe lustig zugeht, die Atmosphäre immer freundlich ist und das Todernste fehlt.

Die Grumbe sind ein junger Verein (1996) und ein aktiver allemal. Die Mädchen und jungen Frauen der Garden zeigen sehr engagierte Tänze. Das ist harte Arbeit für die Tänzerinnen, aber auch für die Trainerinnen.

Livia Kärtner muss man besonders hervorheben: Sie lebt für den Tanz und will nach dem Abitur Tanzpädagogin werden. Ihre Dynamik und ihre schier unglaubliche Energie zeigt sie mit Vanessa Herbel im Paartanz. Sie trainiert den Marschtanz der Großen Garde und zusammen mit der Vorjahresprinzessin Manuela Schöner die Tanzmariechen Alicia und Alina Bernhard sowie Sabrina Mayer.

Die frühere deutsche Rock’n Roll-Meisterin Sabrina Mayer (16) ist ein Ausnahmetalent. Ob als Tanzmariechen, in der Garde oder mit ihrer Heilbronner Tanzgruppe überzeugt die junge Tänzerin mit ihrem technischen Können und ihrer positiven Ausstrahlung auf der Bühne.

Der Nachwuchs in der kleinen Garde wird von Elke Schulz trainiert, die mittlere Garde von Martina und Linda Müller. Rund 30 Tänzerinnen sind es insgesamt. Im Vergleich zu den großen Mannheimer Vereinen ist das sehr ordentlich.

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Die Große Garde der Grumbe. Bild: hblog/pöl

Rund 300 Mitglieder hat der 1. Karnevalsverein Hellesema Grumbe, gut 80 machen aktiv mit. Der Verein leistet damit eine aktive Jugendarbeit und zeigt gesellschaftliches Engagement, in dem er die Fasnachtstradition fortführt.

Klingt, als wäre alles ganz toll. Das ist es fast. Denn es lief nicht alles rund auf der Großen Prunksitzung vom 30. Januar 2010.

Sitzungspräsident Hans-Willi Keller führte motiviert durchs Programm: Nur war er ab der zweiten Hälfte des Saales kaum noch zu verstehen. Vermutlich lag es nicht an der Technik, sondern an seinem Umgang mit dem Mikrophon. Man spricht da nicht einfach nur hinein, das muss man lernen und üben.

Das gilt auch für den 1. Vorsitzenden Rudi Göhner. Auch an seiner Moderationsarbeit gibt es einiges zu verbessern. Und es ist nicht wirklich lustig, wenn er in der Vorstellungsrunde nicht alle Namen der Mitwirkenden weiß.

Und auch der Prinzessin Bianca I. wäre geholfen. So „liebreizend“ sie anzuschauen ist, so freundlich sie sich präsentiert – am Mikrophon glänzt sie leider nicht.

Das ist den allerwenigsten Menschen einfach so gegeben: Auf einer Bühne vor Publikum zu reden, ist eine große Herausforderung. Aber eine, die man meistern kann, wenn man sich von kundigen Menschen darin unterrichten lässt. Wer denkt, „des mach ich halt irgendwie“, tut meistens sich und anderen keinen Gefallen.

Niemand erwartet einen perfekten Entertainer-Auftritt wie ihn „Fräulein Baumann“, alias Markus Weber, hingelegt hat. Aber ein wenig mehr Ãœbung würde das ganze Programm und die Arbeit aller aufwerten.

Die Grumbe könnten auch über das traditionelle Bühnenprogramm nachdenken.

Statt „Frontalunterhaltung“ wäre es gerade in einem kleineren Rahmen wie dem Bürgerhaus möglich, die Räume von Bühne und Publikum ab und an mal aufzuheben. Beim Heddesheimer Publikum wird das ankommen, denn das macht gerne und willig mit, wie die Prunksitzung gezeigt hat.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • kompakter

    hallo,

    hut ab. super kommentar. die grumbe sind ein „toller“ verein. die tanzmädels machen ehct ne gute show, aber die moderation ist die reinste provinz.
    da muss sich keiner was drauf einbilden. wir ladenburger waren gerne da. und wir finden es spitze, dass das heddesheimblog unsere kritik rübergebracht hat.
    ab der mitte waren der keller und der göhner nicht mehr zu verstehen. kauderwelsch im dschungel sozusagen.
    grumbe, das könnt ihr besser. ich komme gerne wieder, weil ihr echt was zu bieten habt. bietetst aber auch an!