Sonntag, 20. August 2017

Beim Heckenschnitt geht es „ganz sicher“ um eine Machtdemonstration

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Heddesheim, 02. November 2011. (red) Am morgigen Donnerstag wird die Hecke um das Biotop des Vogelparks auf mehreren hundert Metern zurĂŒckgeschnitten. Angeblich geht es um die „Sicherheit“ der FußgĂ€nger. TatsĂ€chlich darf man das bezweifeln. Und andere GrĂŒnde vermuten.

Von Hardy Prothmann

Dass BĂŒrgermeister Michael Kessler „grĂŒn nicht grĂŒn ist“, braucht man kaum jemandem zu erklĂ€ren.

Der derzeit amtierende BĂŒrgermeister gilt als „Betonkopf“. BĂŒsche, StrĂ€ucher, Hecken – die Natur bedeutet Herrn Michael Kessler nicht viel. Er baut lieber oder lĂ€sst bauen, auch wenn bei seinem Lieblingsprojekt „Pfenning“ irgendwie nichts vorwĂ€rts geht.

Beton gegen Natur

Der Heddesheimer Gemeinderat Kurt Klemm ist so ziemlich das Gegenteil von Herrn Kessler. Dem Vogelfreund und NaturschĂŒtzer ist jedes Unkraut lieber als Beton.

Und der Zoff um den HeckenrĂŒckschnitt rund um das Biotop des Vogelparks ist das beste Beispiel, um diesen Systemwiderspruch zu belegen.

Kurt Klemm ist einer der GrĂŒnder des Vogelparks. Seit ĂŒber 50 Jahren haben sich die Vereinsmitglieder ehrenamtlich eingebracht und den intaktesten Flecken Natur geschaffen, den Heddesheim zu bieten hat. Eine Naturoase am Badesee. Den grĂ¶ĂŸten Teil davon darf niemand betreten. Er gehört der wilden Natur, nicht den Menschen. Als RĂŒckzug fĂŒr die wenigen Wildtiere, die Heddesheim geblieben sind. Ein Eingriff findet nicht statt.

Doch das stimmt nicht ganz. Das GelÀnde gehört der Gemeinde, der Vogelverein hat es nur gepachtet. Das GelÀnde gehört also allen Heddesheimerinnen und Heddesheimern, aber einer hat den absoluten Besitzanspruch. Michael Kessler.

Dessen Vater ist Legende im Ort, all die großen Projekte des Gemeinwohls, Sportzentrum, Schwimmbad, Badesee, sind untrennbar mit dem Namen Fritz Kessler verbunden. Seinem Sohn Michael bleibt nur die Verwaltung des Erbes. Oder das Zubetonieren der Natur.

Der GĂŒllelaster braucht den ganzen Weg - fĂŒr FußgĂ€nger ist kaum Platz. Deswegen soll die Vogelparkhecke beschnitten werden. An anderer Stelle wird es keine "Ausweichmöglichkeiten" geben. Bild: privat

Als wollte Michael Kessler sich das Erbe einvernehmen, plant er einen „umfassenden“ Rundweg um den Badesee. DafĂŒr wĂ€re er auch mitten durchs Biotop „gegangen“ – doch das wurde verhindert. So muss er den Weg um Badesee und Vogelpark herum „gestalten“.

Aktuell wird bald ein weiterer Wegeabschnitt fertig sein. Und es gab immer Streit, weil Kessler zu nah ans Biotop ran will. Er bedrĂ€ngt es geradezu. Diese NatĂŒrschĂŒtzer… was mag er ĂŒber sie denken?

Der RĂŒckschnitt der Biotop-Hecken ist wie ein Schnitt ins Fleisch der VogelschĂŒtzer-Seelen. BĂŒrgermeister Michael Kessler muss wissen, wie weh es den engagierten Vereinsmitgliedern tun muss, wenn sie wieder ein StĂŒck Natur opfern mĂŒssen.

HeckenschĂŒtze vs. HeckenschĂŒtzer

Die Hecken bieten Schutz und Nahrung – nicht nur fĂŒr Vögel. Der RĂŒckschnitt ist ein Einschnitt – nein, eigentlich ein „RĂŒckschritt“. Denn ĂŒber Jahrzehnte sind die Hecken gewachsen, in ein, zwei Tagewerken werden sie „begradigt“, „in Form“ gebracht. Aus Sicht der VogelschĂŒtzer ist es ein Schnitt ins Fleisch ihrer ÃƓberzeugung: Möglichst viel Natur der Natur zu ĂŒberlassen.

Das Argument, die FußgĂ€nger brĂ€uchten einen „Ausweg“ fĂŒr die sichere Passage, ist nur vorgeschoben. Jeder im Ort, der sich fĂŒr die VorgĂ€nge interessiert, weiß, dass Herrn Kessler die Vogelfreunde ein Dorn im Auge sind. Denn sie haben sich gegen sein Betonprojekt „Pfenning“ ausgesprochen. Und dass, obwohl einige bei der Gemeinde beschĂ€ftigt sind oder waren. Also bei ihm, dem BĂŒrgermeister, der von sich denkt und sagt, dass ihm die Gemeinde gehört.

So viel Zivilcourage muss „begrenzt“ und zurĂŒckgeschnitten werden.

Umso mehr, als ein ehemaliger „Bediensteter“ nun als ehrenamtlicher Gemeinderat im höchsten Gremium der Gemeinde mitwirkt: Kurt Klemm, der als Hausmeister fĂŒr die Gemeinde tĂ€tig war und nun im Ruhestand ist. Und einer, der es immer wieder wagt, dem BĂŒrgermeister zu widersprechen. Einer, der Fragen stellt, statt stumm abzunicken. Einer, der sich jenseits der großbĂŒrgermeisterlichsten Ideen aller Zeiten ganz anders engagiert. Mit Besinnung. Einer, der keinen RĂŒckschnitt als Fortschritt begreift.

Wer sich vor Ort selbst ein Bild macht, erkennt sofort die schwache Argumentationslage.

Wenn es wirklich darum ginge, den SpaziergĂ€ngern einen „Ausweichraum“ zu schaffen, um „gefĂ€hrliche Begegnungen“ mit Fahrzeugen auf dem Wirtschaftsweg zu vermeiden, dann mĂŒssten nicht nur die Hecken am Vogelpark weichen und ein „Schotterrasen“ neben der Fahrbahn angelegt werden.

Wenn dem so wĂ€re, mĂŒsste neben allen landwirtschaftlichen Wegen ein solcher „Schotterrasen“ angelegt werden, auf dem die SpaziergĂ€nger neben der Fahrbahn laufen könnten. Denn ausgerechnet vor Ort am Vogelpark ist mehr als genug Platz fĂŒr FußgĂ€nger, um ein Fahrzeug mit einem Schritt zur Seite passieren zu lassen.

Einsicht vs. FahrlÀssigkeit

TatsĂ€chlich mĂŒssen FußgĂ€nger sonst meistens „in den Acker treten“, wenn sie an anderer Stelle ausweichen wollen – vor allem Fahrzeugen, die hier eigentlich gar nicht fahren dĂŒrften, deren „Anlieger“-Status durchaus bezweifelt werden darf und die die Wege nutzen, um „abzukĂŒrzen“.

Auch das Argument der „Einsicht“ – also auf den landwirtschaftlichen Weg – ist durchschaubar. Wer keine Einsicht hat, schaut vorsichtig. Ob FußgĂ€nger oder Autofahrer. Tut weder der eine noch der andere das, handelt man fahrlĂ€ssig. Schafft man nun „Einsicht“, können zumindest Autos und Traktoren schneller fahren, denn sie sehen ja, ob da jemand steht oder lĂ€uft oder nicht.

Und darum scheint es zu gehen: Nicht das Spazieren zu befördern, sondern das Verkehren. Die Fahrzeuge sollen Platz bekommen.

BĂŒrgermeister Michael Kessler weiß, dass jeder „RĂŒckschnitt“ am Biotop einen Eingriff in die Seelen der VogelschĂŒtzer bedeutet. Die Heddesheimerinnen und Heddesheimer sollten das genau verstehen, sonst verstehen sie nicht, was der wahre „Antrieb“ ist.

Es geht um Macht. Und deren Demonstration. Ohne Sinn und Sinnlichkeit. Es geht gegen die Natur anderer, die nicht fĂŒr die „Macht“ sind.

Es geht um Durchsetzung von Interessen – angeblich im Sinne der Gemeinde. TatsĂ€chlich im Unsinn desjenigen, der sich dafĂŒr hĂ€lt.

Oder auch um die Bedienung der Landwirtschaftslobby, die „sehr gut“ im Gemeinderat vertreten ist. Vor allem beim Abnicken.

Wer nun vermutet, dass ein Interesse das andere bedient – tja, der hat eine Meinung. Und die lĂ€sst sich nicht so leicht zurĂŒckschneiden wie eine Hecke.

Wer meint, es gehe unter dem „vorgeschĂŒtzen“ Argument der „Sicherheit“ um eine Art „Revanche der Macht“, tja, der darf diese Meinung haben und sich vor Ort selbst ein Bild machen.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das Heddesheimblog und selbst ehrenamtlicher Gemeinderat. Er ist als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat stĂ€ndig mit der WillkĂŒr und Missachtung des BĂŒrgermeisters Michael Kesslers konfrontiert und kritisiert diesen fĂŒr dessen Intransparenz und seine heillose Leitung des Gemeinderats – 2009 hat Hardy Prothmann als unabhĂ€ngier Kandidat die Wahlliste der FDP mit herausragendem Vorsprung gewonnen. Zur Aufstellung auf der FDP-Liste sagt er heute: „Das ist einer meiner grĂ¶ĂŸten Fehler gewesen, fĂŒr die ich mich sehr schĂ€me. Ich bin parteilos und bleibe das. Die FDP hat mich gefragt, ob ich mich auf deren Liste als Kandidat bewerben wĂŒrde. Ich kann nur betonen, dass ich nichts mit dieser Partei und schon gar nicht mit diesem seelenlosen Ortsverband zu tun habe und froh wĂ€re, nicht auf dieser Liste gestanden zu haben.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • Heddesheimer

    Ich halte den Platz hinter dem Vogelpark fĂŒr ausreichend, um wen man es wollte die Straße zur gegenĂŒberliegenden Seite zu Verbreiten, natĂŒrlich folgt danach die kleine BrĂŒcke die man noch mit einer FußgĂ€ngerbrĂŒcke zB aus Holz verbessern könnte.

    Das diese Hecke zum Teil weichen soll finde ich ein Witz, nachdem man einen Großteil des Badeseeweges neu angelegt hat wĂ€re es auf dieses TeilstĂŒck nicht angekommen.

    Der Verkehr der hinter dem Badesee stattfindet ist beachtlich, auch auf dem Betonweg (zur K4134) hat man MĂŒhe als FußgĂ€ner oder Radfahrer, da von vorne oder hinten ein PKW mit einem mitfĂ€hrt, die Bauern nutzen wen es ihnen möglich ist das Feld.

    • Heddesheimer

      Achso, auf der einen Seite werden Ökopunkte bei Baumaßnahmen fĂ€llig, die auch Verwendung fanden beim hintern Teil des Badeseeweges und hier am gleichen Weg wird durch Eingriff in die Natur diese wieder Teilweise vernichtet.

      Noch zu verstehen?

  • gordongecko

    Der Fall zeigt, wo die politische Kultur in der Gemeinde mittlerweile gelandet ist, „ganz unten“ zwischen Hecken und Strassenschotter…

  • Kurt Klemm

    Der Antrag der CDU-Fraktion in der letzten Gemeinderatssitzung zum Heckenschnitt am Vogelschutzgebiet zum Schutz der SpaziergĂ€nger,diente in Wirklichkeit ausschließlich dazu, mit den ĂŒberbreiten, neuesten landwirtschaftlchen Fahrzeugen noch schneller Mais und GĂŒlle in die benachbarte Biogasanlage zu fahren. Um Sicherheit fĂŒr die SpaziergĂ€nger zu erhalten, hĂ€tte man auch die gegenĂŒberliegende vollkommen heckenfreie Seite nehmen können.Doch es war schon immer leichter sich in der wehrlosen Natur zu bedienen, denn die stirbt wie immer lautlos.

    Die Hoffnung, dass sich der Gemeinderat einmal nur, zu Gunsten der Natur und Sicherheit der Menschen entscheidet ist Ă€usserst gering.Die Klientelpolitik dieser CDU ist durch nichts mehr zu ĂŒberbieten.

    Mit Gottes Schöpfung der Natur, bin ich bis heute eng verbunden. Sie hat mir in all dieser Zeit, die schönsten Dinge gezeigt und mich daran teilhaben lassen.Doch schnell musste ich erkennen, wie man der Natur aus meiner Jugendzeit aufs Übelste mitspielte. Das war einer der GrĂŒnde, mich in den Gemeinderat wĂ€hlen zu lassen. Ich wollte die Zeit, die ich nun hatte nutzen, dieser geplagten Natur so viel wie möglich zurĂŒckzugeben. In erster Linie galt es die BiodiversitĂ€t zu erhalten und zu verbesern. Denn ohne den Erhalt der Artenvielfalt, verliert auch der Mensch sein irdisches Dasein.

    Das Usutu-Virus dem in unserer Region alle Amseln und deren Verwanden zum Opfer gefallen sind, hat uns doch gerade gezeigt wie vergÀnglich auch so die Natur sein kann.
    Mit diesem Artikel beschreibt Herr Prothmann exakt, wie die momentane Situaton im Gemeinderat und bei mir aussieht, nĂ€mlich zum K…!

  • Kher

    Ich gehe fast tÀglich dort im Gebiet spazieren, der Verkehr ist immens, allerdings zum grössten Teil keine landwirtschaftlichen Fahrzeuge sondern hauptsÀchlich PKW.
    Warum zusĂ€tzlich zu dem neuen Weg hinterm Badesee nun noch genau dieses TeilstĂŒck verbreitert werden muss, ist mir schleierhaft.

    Wenn der Gemeinde allerdings Geld im StadtsĂ€ckel fehlt, empfehle ich Polizeikontrollen auf der VerlĂ€ngerung der Benzstrasse Richtung Ringstrasse. Die Raser auf dem Feldweg Richtung UPS dĂŒrften den ein oder anderen Euro einbringen (und vermutlich auch den ein oder anderen FĂŒhrerschein).

    • Snake Plissken

      Das wĂ€re mal eine Maßnahme, bin ich doch tĂ€glich mit dem Rad auf besagtem Weg gezwungen besonders eiligen Autofahrern auszuweichen. Und da sind wirklich genug FußgĂ€nger, HundefĂŒhrer, Rafahrer, Walker und SpaziergĂ€nger mit Ihren Kindern unterwegs als das da noch Autoverkehr von Nöten wĂ€re.

  • Horst Berger

    „Jeder hat einen Auftrag im Leben und Verantwortung der Natur gegenĂŒber. Davon darf man sich nicht abbringen lasse, das sind die PrĂŒfungsfragen der Natur und des Lebens im Ganzen und die sollte man bestehen“, soweit der Agrarrebell Sepp Holzer.

    Wieder einmal wird ein Teil der Natur auf Anordnung des BĂŒrgermeisters Michael Kessler sinnlos zerstört. Mit wieviel Sachverstand die „Heckenbeauftragten“ vorgehen sieht man an der Bushaltestelle „Leutershausenerstaße“. Dort wurden u.a. alle LavendelbĂŒsche auf 2 cm ĂŒber der Bodennarbe gekĂŒrzt. Die angrenzenden Hecken sind auch in einem fĂŒrchterlichem Zustand.
    Der Bauhofleiter Wolfgang Unvericht tÀte gut daran, seine Mitarbeiter ordentlich zu schulen.

    Nachhilfe fĂŒr BĂŒrgermeister Michael Kessler in Sachen Heckenaufbau:

    Eine Hecke besteht aus einer Bodenschicht, Krautschicht, Strauchschicht und Baumschicht. Diese bilden den Mantel der das Zentrum der Hecke schĂŒtzt. Hecken bilden damit ein eigenes Mikroklima. Viele Untersuchungen weisen auf die ökologische Bedeutung der Hecke hin. Wenn diese Hecke um 1,50 Meter unsinniger Weise gekĂŒrzt wird, dann wird dieses ökologisch wichtige System komplett zerstört.

    Der richtige Heckenschnitt fĂŒr die Hainbuchenhecke erfolgt im FrĂŒhling, am besten kurz bevor die StrĂ€ucher austreiben, weil sie dann nur die kĂŒrzest mögliche Zeit unnatĂŒrlich kurz verschnitten aussehen, und vor allem weil man zu diesem besten Zeitpunkt das BrutgeschĂ€ft der Vögel nicht stört.

    Noch einige SĂ€tze an die Industrielandwirte im Gemeinderat. Ihr spritzt eure Felder ĂŒbermĂ€ssig mit „Pflanzenschutzmittel“. Auf Feldern mit Hecken wurden Ertragssteigerungen bis zu 20% erzielt. Das erreicht ihr noch nicht einmal mit Gensaatgut. Denkt einmal darĂŒber nach.

    Warum muss die Natur zum jetzigen Zeitpunkt weichen?

    Vermutlich sind es ökonomische GrĂŒnde. Die Agraindustrie fordert ihren ökonomischen Tribut. Der BĂŒrgermeister Michael Kessler macht sich hiermit zum willfĂ€hrigen Handlager einiger weniger Heddesheimer EngergieLandwirte und deren Zulieferer!

  • Matthias

    Schade, dass es immer wieder Problem mit Behörden/Nachbarn Rund um das Thema Garten / Hecke / Heckenschnitt gibt. Das sind Themen bei denen man als Besitzer immer den kĂŒrzeren zieht. Ich wĂŒnsche hier noch viel Erfolg

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